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Nr. 249

Dunge« nimmt entgegen: He Expedition d. Blattet, sowie d.Annoncen-Bureaur von Tb- Dietrich & Co. in Äaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; Haaienstein L Bögler in Maulfurt a M., Berlin, Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Reffe in Berlin, Front- furt a. M. ec.

Marburg, Mittwoch 23 October 1878

xni Iahrgavg.

MMWAtiiilff.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie b. Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Wetttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SountagSblatt" durch die Erpedition lKock'scke Buchdrucker«,) bezogen 2*1 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. lexcl. Bestellgebühr». - Jnsertionügedühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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DaS gebe der Himmel," antwortete Madelaine mit nschaftlicher HestiAeit;denn dann wird auch wieder e stolze Zuverficht in Ihr Herz einzichcn, die einst alle lt bezauberte und die Sie zu diesem gewagtm Schritt ^hr als jemals bedürfen!"

Bezauberte", wiederholte die Marquise gedankenvoll, Ker nicht dauernd fesselte! O, Madelaine, wenn ich

Tagesbericht.

W DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Se. Dkaj. der tkviser beschloß auf dm Rath seiner Aerzte, v. Lauer, v. Langmbeck und Wilms, sich für den Monat November nach Wiesbaden zu begebm, um hier, wo das verhälniß- mäßig milde Klima auch noch im gedachten Monat die Be-

5 wegnng im Freien gestattet, die Cur, die unter dem Einfluß da frischen Luft bisher von gutem Erfolge begleitet war, mit hoffentlich gleich günstiger Wirkung fortzusetzen. Dem- lüchst liegt es in der Absicht des Kaisers, in den ersten Tagen des December mit der Kaiserin nach Berlin zurück. Mkehren.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin reisen am M. d. M. von Badm-Baden nach Koblenz.

Fürst Bismarck conferirte gestem Mittag mit dem Ikrvnprinzen.

Der Bundesrath hat dem Sozialistengesetz seine Zu- Dnmung ertheilt.

Die kurze aber schwerwiegende Session des Reichstags am Sonnabend geschlossen worden. Ein unwidenmfli- cher Schritt ist gemacht worden auf seiner Bahn, deren Kele noch in Dunkelheit vor uns liegen. Nachdem daS Nbischen den Parteien geschlossene Compromiß über die Ach schwebenden streitigen Punkte abgeschlossen war, hatte Nt dritte Berathung des Gesetzes nur noch eine formale Bedeutung. In der That nahm die dritte Lesung nur -bei Tage in Anspruch. Mit einer Mehrheit, wie sie teim Beginn der Session wohl von Niemanden war er- dartrt worden, mit 221 gegen 149 Stimmen wurde das besetz in der Gesammtabstimmung angenommen. In der lbisprache, welche der Reichskanzler zum Schluffe der Eessivn an die ReichSbvten richtete, erklärte er, die Befrie­dung der verbündeten Regierungen darüber, daß die be- ßchenden Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege güt-

Wöcher Verständigung beseitigt worden seien. Er könne dorhersagen, daß der Bundesrath den Beschlüssen des

W« Maskenball König Jeromes, von E. Sch.

(Fortsetzung.)

flkür die Monate November und Deeember v werden Bestellungen auf die zAberhessischk Zeitung nebst

JllnstrirteS Sonntagsblatt bei allen Postanstalten sowie in Marburg bei der Expedition entgegengenommen.

111 J! J.

_Wenn Du Deine Aufgabe so gut gelöst hast," ver- effk» setzte die Marquffe mit einem schwärmerischen Aufblick Ner dunklen Angen,so wird der Anblick jenes Costümes mehr dazu beitragen, alle Erinnerungen jenes ver- v ^ingnißvollen Abends noch mehr in meiner Seele zu beleben!"

schaff »ch an jene verhängnißvoüe MaScerade in meinem elter- hche« öchen Hause denke, an welcher er mir,.der damals viekbe- mgtt Vrhrten Zigeunerin als Toilettenkrämer daS güldene Herzchen se. - henkte und sich das meine dafür erbat, so glaube ich moiit k««m, daß eS heute noch so thatenfreudig klopfen kann!"

, Von den Nachwehen jener schmerzlichen Erinnerung über- 7 sättigt, lehnte die Marquise müde ihr schönes Haupt an 187n Schulter der ihr treu ergebenen Gefährtin, die seit acht Jahren schwesterlich Leid und Freud mit ihr getragen hatte, l. S",« . »ES stirbt sich nicht so leicht," tröstete Madelaine,und 8' « Jjft 22jährigeS Herz darf nach einem Wintersturm auf die 90,7t kküskehr des verjüngten Lenzes hoffen!"

95 4Das hoffe ich auch", erwicderte die Marquise mit ter Begeisterung und hob stolz ihr schönes Haupt von *t Schulter ihrer treuen Gefährttn empor,aber nicht in 1 vn Sinne, wie Du meinst, liebe Madelaine, denn der eine ^mterstunn der Täuschung hat den Boden meines Her-

Reichötags einstimmig beitreten werde. Seiner Ueberzeu- gung, daß die bestehenden Nebel in 2!/2 Jahren nicht zu heilen seien, gab der Reichskanzler unverhohlenen Ausdruck; er sei jedoch überzeugt, daß die Unterstützung des Reichs­tags auch ferner nicht fehlen werde, wenn die Regierungen durch loyale Ausführung des Gesetzes, das Vertrauen deS Reichstags gerechtfertigt haben würden.

Besonders interessant ist das Zahlenverhältniß der Abstimmung, gegen das Gesetz stimmten nur das Centrum mit seinen verschiedenen Anhängseln in geschloffener Reihe. Von der Fortschrittspartei hielten sich drei Mitglieder, die Abgg. Hilff, Baumgarten und Müller (Gotha) zur Majo­rität, welche aus den Deutsch-Conservativen, der national­liberalen und der Reichspartei bestand.

AuS Anlaß der vielfachen und mißlichen Commentare mit denen die Ernennung des Grafen Bmst zum Botschafter deS österreichisch-ungarischen Kaiserstaats in Paris versehen worden ist, möchte vielleicht die Frage aufzuwerfen sein, ob nicht die Reichsfeindlichkeit des Grafen Beust ein über­wundener Standpunkt und vergangenen Zeiten angehört. In der öffentlichen Thätigkeit des Grafen Beust der neueren Zeit erblicken wir manches Moment, welches uns bestim­men könnte, denselben sogar einen neidlosen Freund des deutschen Reichs zu neunen. Vor kurzer Zeit vertrat Graf Beust in ber Jahresfeierlichkeit der deutschen Unterstützungs- Gesellschaft in London seinen gerade abwesenden Collegen, den deutschen Botschafter Graf von Münster. Seine da­mals gehaltene Lobrede auf Deutschland war von einem warmen Hauche durchweht, der auf die Zuhörer den Ein­druck machte, daß Graf Beust aus dem Herzen spreche. Er sagte, daß hcut jeder Deutsche mit Stolz sagen könne: Civis Romanus sum."

Neueste Orient - Nachrichten:

Wien, 21. Oct. Meldungen derPolit. Corr.": AuS Konstantinopel. Das zwischen Achmed Mukhtar Pascha und den Delegirten der Kretensischen National - Versammlung vereinbarte Uebereinkvmmen ist gestern der Sanktion des Sultans unterbreitet worden. Der Ministerrath prüft seit einigen Sagen die Frage, ob nicht daS modificirte englische Reformprojekt für Kleinasien überhaupt nicht für das ge- sammte Territorium des türkischen Reiches anzunehmen und durchzuführen fei. AuS Bukarest. Bei dem festlichen Einzuge der Truppen hielten der Minister Rosetti und der Bürgermeister an den Fürsten Bewillkommnungs-Ansprachen. In seiner Danksagung äußerte der Fürst: er empfange die schönste Belohnung für die Armee, welche durch ihre Tapfer­keit in Bulgarien ihrem Vaterlande die Achtung und Werth- schätzung Europas erworben habe. Der Fürst, welcher

zens für alle Keime eines vertrauenden Gefühls auf ewig unempfänglich gemacht. Ich hab« ja einen Sohn, und mein kleiner Jerome wird mir ja hoffentlich dereinst das Böse durch dreifache Liebe toieber gut machen, daS sein Vater jüngstens unter dem Einfluß des großen Weltcnbe- zwingers an mir beging." 1.

Das wird er gewiß", antwortete Madelaine mit zu­versichtlicher Ueberzeugung;denn die Natur gab ihm ja seiner Mutter dankbares Herz und seines Onkels festen, unerschütterlichen Sinn."

Und von seinem Vater hätte er nichts?" fiel ihr die Marquise lebhaft in die begonnene Nkde und bog bei diesen Worten eine Gardine zurück, hinter der auf einem eleganten Kanaps ein etwa 4jähriger Knabe in behaglicher Lage schlief.

Von seinem Vater hat er nichts," wiederholte Made- laiue mit fester Bestimmtheit;denn sein Angesicht trägt die Züge deS Kaisers, und durch seinen kindlichen Willen blitzt schon hie und da ein Schimmer jener unbeugsamen Energie seines großen Oheims, der sein Vater selbst die heiligsten Beziehungen seines Lebens zum Opfer brachte."

Die Marquise schwieg eine Welle; sie fühlte, daß Ma­delaine Recht hatte, aber ihr edles Herz duldete eS nicht, daß der Lippe ein harter Urtheilsspruch über den treulosen Gatten entschlüpfte. Sie bettachtete in stillem Mutterglück eine Zeit lang die Züge des schlafenden Knaben, deffen An­gesicht man in der That für eine verjüngte und verkleinerte Physiognomie deS großen Napoleon halten konnte; dann ließ sie die (Sarbine wieder sinken und wandte sich aufS Neue zu ihrer Gefährtin mit ber Frage:

Du sahst ba» KönigSpaar gestern Abend in ber Oper, Madelaine?"

Ja, gnädige Frau," antwortete Madelaine,ich sah auch Monsieur le Camus, den neugebackenen Grafen von Fürstenstein, den ehemaligen Commis Ihres Vaters unb

seit feiner Thronbesteigung ber militärischen Organisation Rumäniens seine unaufhörliche Sorge gewidmet, war ber Gegenstand vielfacher Ovationen. Die Truppen führten 6 türkische Fahnen und 50 türkische Geschütze als Trophäen mit sich.

Bukarest, 20. Oct. Heute hielten die rumänischen Truppen unter Führung des an ihrer Spitze reitenben Fürsten unter enthusiastischen Ovationen ihren Triumph- Einzug in bie Hauptstadt.

Konstantinopel, 21. Oct. Layard empfahl dem Sultan die Genehmigung ber Convention bezüglich Kretas. Hinsichtlich ber in der asiatischen Türkei einzuführenden Reformen entstand eine abermalige Verzögerung, da ber Sultan ben betreffenben Entwurf zurückgab und weitere Erläuterungen forderte.

Deatsches Reich.

** Berlin, 21. Oct. ES bestätigt sich, daß der Kaiser im Monat November seinen Aufenthalt nach Wiesbaden zu verlegen, Anfang December aber mit der Kaiserin nach Berlin zurückzukehren beabsichttgt. Die Mitglieder des Staatsministeriums traten gestern um 2 Uhr beim Fürsten Bismarck zu einer vertraulichen Besprechung zusammen; der Finanzminister Hobrecht konnte wegen Unwohlseins nicht theilnehmen. Den Gegenstand der Berathung bildete, ab­gesehen von den mit der Ausführung des Sozialistenge­setzes in Verbindung stehenden Fragen, die Vorbereitung der Landtags-Session. Morgen findet unter dem Vorsitz des Justizministers eine zweite Sitzung des StaatS- ministeriumS statt, in der in erster Reihe der Behufs Aus­führung der Reichsjustizgesetze nothwendigen Landesgesetze zur Berathung stehen werden. Fürst Bismarck bezieht stch demnächst nach Friedrichsruhe, wird vor ber Eröffnung deS Landtages noch zur Hochzeit seiner Tochter nach Berlin kommen und dann für längere Zeit auf seine Güter gehen. Der Stellvertreter deS Reichskanzlers, Graf Stolberg, hat sich auf einige Zeit nach Wernigerode begeben. Heute Nachmittag 2 Uhr findet eine Plenarsitzung des BundeS- raths statt. Auf der Tagesordnung besindet sich auch die Mittheilung des Reichstagspräsident betr. die Beschlüsse des Reichstags über da« Sozialistengesetz. Der BundeSrath wird in den nächsten Tagen die ihm in Bezug auf die Aus­führung des Sozialistengesetzes zufallenden Aufgaben erle­digen. Die Beschlußfassung über daS Gesetz selbst, wie eS aus dem Reichstag heworgegangen, wird nach ber bereits erfolgten Verständigung, auf Grund deren der Reichskanzler die einstimmige Annahme in Aussicht stellte, nur noch for­mell fein. Dagegen müssen einige Gesichtspunkte in Betreff ber Ausführung noch im Justizausschuffe be« Bundesraths Kompagnon Seiner Majestät von Baltimore; er trug eine goldgestickte, strahlende Uniform und unterhielt sich sehr eifrig mit der Königin, die wegen ber Anwesenheit von Mabemoiselle Seraphine, ber koketten, aber schönen Schwester le Camus' augenscheinlich von ihrem Gemahl vernachlässigt wurde."

So öffenllich vor den Augen der gewissenlosesten Ko­ketten herabgesetzt zu werden, ist noch entsetzlicher, als im Stillen unbeachtet dulden," sprach die Marquise nach einer Pause und sah wehmülhig nach den Fenstern des könig­lichen Lustschlosses hinüber, welche zu den Zimmern ge­hörten, die ihre fürstliche Nachfolgerin feit den letzten Tagen zu ihrer Wohnung erwählt hatte.

Fest bin ich überzeugt," antwortete Madelaine, unb legte die Hand auf« Herz,Ihr Loos ist beneidenS- werth gegen das ber angebeteten Königin von Westphalen die mit bem äußeren Flitter ein verwaistes Herz verdeckt, unb die mit einem anmuthigen Lächeln das Zucken ihres Mundes zu verbergen sucht! Jerome hat nur einmal heiß unb aufrichtig geliebt, diese Liebe beherrscht ihn noch heute, und alle anberen Neigungen sind Folgen augenblick­licher Erregungen unb nichtiger Wallungen!"

Wer weiß," erwiderte die schöne Wittwe mit schwer- müthigem Lächeln, das Menschenherz ist ein unberechen­bares Ding und die Gegenwart ist ein einschmeichelnder Herrscher!"

DaS mag wahr fein", entgegnete Madelaine,aber ich kenne Jerome, wie ich mich selbst kenne, und weiß, Sie sind ein Stück seines Lebens, das er nur mit diesem verlieren kann. Er liebt bie Königin, wie man einen guten Kameraden liebt, der auch einmal durch augenbliche Liebenswürdigkeit entzücken kann, aber jenes ungeteilte Gefühl, das sich in den mannigfaltigsten Aeußemngen unseres Wesens kund gibt, hat ihm nur Eine zu entlocken