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Kr. 288.

Marburg, Dienstag, 22. October 1878

xiii Jahrgang.

Inirig« nimmt tmgegen: rtt Expedition d.Blattes, oste d-Annoncen-Bureaux »ort 16- Dietrich & Co. in jbffel und Hannover; Th. vielrich in Frankfurt a.M.; »aasrnstein & Vogler in rankfurt a. M., Berlin, eipzig, Cdln Rudolf Reffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

WkchkUche jritiinii

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandl ung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

^scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Reform unserer Haudelspolilik.

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Nachdem nun das Sozialistengesetz seine Erledigung lefunden hat, tritt als eine der dringendsten Aufgaben, welche 'emnächft im Reichstag zu lösen sein werden, die Reform mserer Handelspolitik heran. Schon die Nothwendigkeit ür das Reich größere Einnahmen durch Zölle und indirekte Steuern zu beschaffen, macht eine solche Reform nöthig. Es geht nicht, daß wir alle Bedürfnisse des Staates und >es Reiches aus direkten Steuern und unseren eigenen Laschen bestreiten. ES ist das gerade so falsch als wenn »er Landwirth alle seine Einnahmen nur aus dem Verkauf «8 trockenen Getreides hernehmen will. Alle anderen Staaten ziehen einen sehr bedeutenden Theil ihrer Ein- tahmen ans Zöllen, welche sie auf die Maaren legen, welche >aS Ausland bei ihnen einführt, um sie mit Nutzen auf »en Märkten des anderen Lande« zu verkaufen. So müssen vir es auch machen. Es ist nicht wahr, wenn behauptet vird, daß wir dann die Zölle doch wieder bezahlen müß­ten, weil das Ausland sie dann auf die Maaren schlagen vürde. DaS Ausland kann uns die Preise nicht so ohne Weiteres dictiren. Sodann aber ist diese Reform unserer Handelspolitik nöthig aus Rücksicht auf unsere deutsche Industrie. Der unbedingte Freihandel hat nur Sinn, Denn die ProductionSbedingungen und sonstigen wirthschaft- ichen und sozialen Verhältnisse aller Länder gleich wären: Iber so lange unsere deutsche Industrie und Landwirth- schaft unter viel ungünstigeren Verhältnissen arbeitet und ffo die Producte gar nicht so billig Herstellen kann, als »s Ausland, ist es gar nicht möglich, daß sie bestehen kann, wenn wir ihr die schrankenlose Conrurrenz des Aus­landes auf den Hals laden. Der richtige Freihändler sagt »>ar: Menn das Ausland uns die Maaren billiger liefern nm, so wären wir ja thöricht, wenn wir sie durch"An- zangszölle uns selbst vertheuerten. Darauf ist zu bemerken, daß das Ausland uns seine Maaren nur so lange billig »erkaufen wird, als eS an unserer einheimischen Industrie immerhin noch einen, wenn auch mit dem Tode ringenden Soucurrenten hat, der aus reiner Verzweiflung die Preise des Auslandes noch herunterbieten muß, aber eben deshalb, auf die Dauer die Concurrenz des Auslandes doch nicht anshalten kann. Hat das Ausland die Concurrenz unserer einheimischen Production tobt gemacht, dann wird eS natür- lich auch seine Preise erhöhen. Mit den billigen Preisen des Auslandes und der freihändlerischen Weisheit dort zu kaufen, wo man am billigsten haben kann, hat cs bann um so mehr ein Ende, als man bekanntlich überhaupt nur so lange kaufen kann, als man Gelb hat, unb Gelb hat man nur, wenn man selbst etwas producirt, was man ver- iverthen kann. Lassen wir unsere inlänbische Jnbustne und - - -

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Ei« Maskenball König Stromes*) von E. Sch.

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Der Friede von Tilsit war abgeschlossen, und großartige, politische Veränderungen folgten seinen schimpflichen Be­dingungen. Preußen hatte, durch die Roth des Augenblicks

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fedrängt, in die Abtretung aller Länder zwifchen Rhein unb °VKf@lbe willigen müssen, und aus einem Thelle derselben nebst 786 jKurhessen, Braunschweig und Süd-Hannover hatte Rapo­to leon daS neue Königreich Westphalen mit geschickter Hand -flammen geschmolzen. Zur Hauptstadt des neugebackenen lfiel Königreichs erwählte Napoleon Kassel: die Residenz deS ehemaligen Kurfürsten von Hessen, dessen prächtiges Luft- Hloß WilhelmShöhe (später Napoleonshöhe) er zum Wohn­sitz seines zum Könige von Westphalen ernannten jüngsten erb. irubers Jerome auSerkor.

Jerome, der gutmüthige, aber leichtfertige Bruder des großen Welteroberers, mußte aber bep Traum der Ma- cstät mit einem schweren Opfer bezahlen; Napoleon ver­langte, daß er um das Herrscherglück Gegenwart, der Liebes­gunst Vergangenheit vergesse, daß er gewaltsam bas Bünb- niß löse, welches er wenige Jahre früher mit der schönen Unb geistvollen Elisabeth Patterson, ber Tochter eines ver­mögenden Kaufmannes in Baltimore und einstigen Wohl­täters Jeröme's aus innigster Liebe geschlossen.

AlS Ersatz für diesen Verlust hatte Napoleon seinem willenlosen Bruder, Katharina, die Tochter des Königs von Württemberg, ersehen, welche, obgleich etwas älter als ihr jugendlicher Gemahl und weniger schön unb geistvoll als Elisabeth Patterson, boch durch ihre Herzensgüte und na- türliche Anmuth das Herz ihres leicht erregbaren Gemahls momentan zu fesseln verstand.

) Nachdruck verboten.

Landwirthschast durch die Concurrenz des Auslandes zu Grunde richten, so verarmen wir und kommen in die drückendste Abhängigkeit vom Auslande. Ein Volk, welches eine Rolle spielen will in der Welt, muß auch wirthschaft- lich auf eigenen Füßen stehen. Das ist aber nur möglich, wenn wir unsere inländische Production lebensfähig erhalten. Und wenn das geschehen soll, so müssen wir sie, wo sie es bedarf, vor der tödtlichen Concurrenz des Auslandes schützen. Es ist eine kurzsichtige Thorheit, wenn die In­dustrie solchen Schutz bloß für sich in Anspruch nimmt unb ihn ber Landwirthschast verweigert, unb wenn bann bie Lanbwirthschaft, nm sich zu rächen, jebem Schutz ber Jnbustne entgegen ist. Nachgerade beginnt man auf beiden Seiten einzusehen, daß die verschiedenen Productionskreise eines Volkes solidarisch verbunden und gegenseitig auf ein­ander angewiesen. Die deutsche Industrie hat erfahren, daß sie von dem Export ihrer Maaren nicht leben kann. Denn wohin soll die deutsche Industrie exportiren, da rund um von hochentwickelten Industriestaaten umgeben ist und wir auswärtige Colonien, wie die Engländer, nicht besitzen. Unsere Industrie weiß jetzt, daß sie ihren Hauptmarkt, von dem sie leben muß, im Jnlande hat und daß die Hauptkäufer auf demselben die ländliche Bevölkerung ist. Hat dieselbe aber kein Geld, weil sie vor ber Concurrenz bes AulanbeS nicht bestehen kann, so kann sie auch nicht kaufen unb stehen bie Fabriken still, so baß bie Jnbnstrie- bevölkerung kein Gelb verbient, so finbet ber Lanbwirth bei ihr nicht mehr den Absatz für seine Producte, Brod und Fleisch, als wenn die Industrie flott geht und die Ar­beiter Geld verdienen. Es hat sich deshalb zu unserer großen Befriedigung in großen Kreisen der Industriellen und Landwirthe die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß wir unsere eigene inlänbische industrielle und landwirth- schaftlicke Production der Concurrrilz -bes Auslandes gegen­über lebensfähig erhalten bczw. wieder lebensfähig machen müssen. Man darf unbedingt nicht au6 dem einen Extrem des unbedingten Schutzzolles verfallen und daö Land gegen die ausländische Industrie wie mit einer chinesischen Mauer verschließen. Nein, so nicht, sondern man wird die Pro­duktionsverhältnisse der Inländer und Ausländer vergleichen und da, wo die ausländische Industrie erheblich billiger producirt, als unsere eigene produciren kann, durch einen Zoll die Sache ausgleichen. Unsere inländische Production muß durch die ausländische in Anregung gehalten werden, wir dürfen ihr nicht Schutzzölle wie Schlummerkissen unter das^houpt legen, aber wir dürfen fte eben so wenig durch die ausländische Concurrenz zu Tode Hetzen lassen. Beides ist ein Nebel. Die Schäden der schrankenlosen Concurrenz haben wir erfahren.

Mag unsere gegenwärtige Nothlage auch ihre Hanpt-

Die^ königliche Verschwägerung schien also dem jungen Emporkömmling doppelt segensreich geworden zu sein und auch Elisabeth Patterson, ber er einst als verfolgter Flücht­ling im Comptoir ihres Vaters sdie heiligsten Schwüre ewiger Liebe unb Treue gegeben, schien vergessen.

Am 11. December 1807 hatte das junge Königspaar in Kassel feinen glanzvollen Einzug gehalten, unb ber größte Theil bet Einwohnerschaft wenn auch dem angestamm­ten Fürstenhaus treu ergeben war doch durch bie ge­winnende Freunblichkeit beS Königs und die deutsche herz­liche Begrüßung der Königin zu «rildercn Gesinnungen gegen das neue Regiment gestimmt worden. Mit dem jungen Königspaare hielt auch Jubel und Frohsinn seinen Einzug in die sonst so geräuschlose, ehrwürdige Rcsidenz- stadt, und die Bürger von Kaffel, denen durch den regen Verkehr, durch die mannigfaltigen Schauspiele und den Her­beizug reicher, vornchmer Familien in vielen Beziehungen große Vortheile erwuchsen, vergaffen sehr bald den Wider­willen gegen ein Regiment, daö der Entwicklung ihrer Stadt viel günstigeren Lebenshauch zuführte, als die drückende Atmosphäre, welche die Nähe des kurfürstlichen Thrones fast immer um sich verbreitet hatte.

Das junge KönigSpaar liebte über Alles die Verän­derung ; Morgens gab es Paraden, Mittags kostbare Diners und Abends Vorstellungen im Pariser Theater, das sowohl für daö Vaudeville, als für die Oper vollständig ausge­rüstet war.

Zu den hauptsächlichsten Vergnügungen des jugendlichen Fürstenpaareö gehörten im Winter die Maskenbälle, bei denen ber prachtliebende, verschweiiderische Jerome einen unbeschreiblichen Glanz entfaltete. Besonderen Aufwand zeigte der König bei ber Bewirthung seiner Gäste, welche so königlich war, baß jeder Geladene am Büffet die edelsten Weine und leckersten Bissen auf Verlangen erhalten konnte.

Ursache in der Ueberproduction an Geld und Maaren in der Gründerperiode haben, so ist doch auch das gewiß, daß sie sich der Concurrenz des Auslandes gegenüber nicht er­holen kann und deshalb der Unterstützung eben so dringend bedarf als unsere Landwirthschast der ungarischen, amerika­nischen und russischen gegenüber.

Tagesbericht.

Auch dieNordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß die Frage der Verlegung des schleswig-holsteinischen Oberpräsidiums nach Schleswig demnächst im Staatsministerium zur Entschei­dung komme, erklärt aber die Meldungen verschiedener Blätter über die Stellung der Minister, besonders des Fürsten Bis­marck zu dieser Frage, für falsch.

Ein fortschrittlicher Correspoudent schreibt aus Berlin: Eine nicht unbedeutende Anzahl derjenigen Einjährig- Freiwilligen, welche am 1. d. M. ihre Dienstzeit bei den hiesigen Garde-Regimentern absolvirt hatten, hat sich dazu entschlossen, sich gänzlich dem Militärstande zu widmen und entroeber die Officier-Carriore zu ergreifen oder bei der Militärverwaltung eine Stellung als Zahlmeister rc. zu erlangen, oder aber auch nur in der (Saniere alö Unten osficier, Feldwebel rc. sich die Anstellungsberechtigung zu erwerben. Der Grund für diese Thatsache ist darin zu suchen, daß es den jungen Leuten ungeachtet ihrer eifrigsten Bemühungen nicht gelungen ist, eine Civilstellung, ihrer bisherigen Beschäftigung entsprechend zu erlangen. Der größte Theil dieser jungen Leute gehört dem Kaufmanns­stande an und es ist das ein sprechendes Zeichen dafür, daß die schon seit Jahren im Handelsstande bestehende Calamität noch immer nicht ihr Ende erreicht hat. Selbst solche junge Leute, welche feit mehreren Jahren ihre Mili- tärzeit absolvirt haben und in der Reserve bereits zu Vice- Feldwebeln avancirt sind, haben es unter den jetzigen Ver­hältnissen vorgezogen, wieder beim activen Militär einzutreten und im Militärdienst ihre fernere Existenz zu suchen. Für die mMärischen Verhältnisse, bei denen in den letzten Jahren bekanntlich ein großer Mangel an Unterofficieren sich fühl­bar gemacht hatte, sind ja solche Thalsachen recht erfreulich; aber für unsere Industrie und Erwerbsthäthigkeit sind sie doch höchst bedenklich und lassen den aufrichtigen Wunsch hegen, daß hier bald eine Aendernng eintreten möge.

Neueste Orient - Nachrichten:

Wien, 19. Oct. DiePollt. Corr." meldet ans Kon­stantinopel, der Großvezir habe den Botschaften! der ein­zelnen Großmächte gegenüber die Bedenken ausgedrückt, welche die militärischen Vorkehrungen deS russischen Armee-

Daß bei derartigen Festlichkeiten öfters Ausschreitungen der - und Trinklnst vorkamen, läßt sich leicht denken, und mag nicht Alles in den Bereich der Fabel gehören, waS man hie und da in Romanen und sonstigen Zeitberichten Über die Forderkunst mancher Gäste dieser märchenhaften Bälle lesen kaim.

Die Säle, in denen diese Faschingsbelustigungen abge­halten wurden, waren stets aufs Eleganteste geschmückt und beleuchtet und eine zahllose Dienerschaft in reichster Hofli- ticree wartete ber Aufträge der Masken, deren Anzahl mit­unter aus mehreren tausend Personen bestand.

Um eine Einlaßkarte zu einem solchen Fest zu erhalten, mußte man sich unter Angabe seines Namens unb Berufs, sowie ber Straße und Hausnummer an das Bureau des Oberhofmarschalls wenden, welches Amt im Jahre 1808 der Graf von Wellingrode verwaltete. Kurz nach der An­meldung erschien dann ein Hoflakai oder Läufer des König Jeromes, welcher nach französischer Galanterie den Damen eine Entreekarte von rosarothem Seidenpapier, den Herren hingegen eine in schlichtem Weiß überreichte.

Die Controle bei der Ankunft der Masken (gegen halb acht Uhr Abends) wurde mit außerordentlicher Strenge gehandhabt. Unten am Portal besah zuerst der Hofpvrtier genau die Einlaßkarte, bann hatte dieselbe eine zweite Con­trole beim Huissier durchzumachen und endlich prüfte fte oben zum dritten Male ein Kammerherr bes Königs, ge­wöhnlich ein Deutscher, vor bem bie Maske abgethan unb Namen unb Stand genannt werden mußte. Die Anord­nung des Balles war äußerst elegant und anständig, der Hoftanzmeister leitete die vorgeschriebene Anordnung ber Tänze, unb zwei große Musikchöre lösten einanber ab und suchten sich in ihren Leistungen zu übertreffen.

Domino's sah man nur in geringer Zahl unb V sehr reich verziert auf diesen Maskeraden; denn