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Nr. 2L6
Lnjeigen nimmt entgegen: Bit Expedition d. Blattet, sowie d.Annoncen-Bureaur vsn Tb. Dietrick & Co. in jtafld und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a .M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, CSln ic.; Rudolf »ofse in Berlin, Frankfurt a. M. ic
Jltarßurg, Sonnabend, 19. October 1878
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Ai^eigen nimmt entgegen: öle Expedition d Blattet, 1o»ieb. Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendaiü in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaa- k- kZ 37 7ZT77
«uchdruckerei. bezogen 3\ «ark, durch die Postämter des Datsche!. Reiches 2 Mark 50 ("ı( 'ft
W in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg berechnet g°sp-l'-ne Zeile 10 Pfg.
Die deutsche Schundliteratur.
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Wir haben schon öfter auf das Gift hingewiesen, welches durch unsittliche Schriften und Bilder in unser Volksleben hineingeführt wird. Früher galt Paris als der Haupt- heerd unsittlicher Schriften. Allein Berlin hat sich beeilt den Parisern diesen traurigen Rang abzulaufen. Hören wir, was man aus Paris über diese deutsche Schmutzliteratur der von dem Geh. Reg.-Rath Jacobi in Liguitz herausgegebenen Monatsschrift für deutsche Beamte schreibt:
„Ich ging neulich, um einmal auch an deutscher Kost mich zu laben, in die Brasserie von Wagner [früher Rue Mazagran), und griff, da augenblicklich' andere Zei- hmgen nicht zu haben waren, zum Kladdaradatsch. Ich pflege denselben sonst nicht zu lesen, da, so sehr auch mein persönlicher Standpunkt in religiösen Angelegenheiten ein freier ist, — außerhalb des Buchstabens und der Dogmen — doch meinem Gefühle nichts mehr zuwider ist, als das, was meinen Mitbrüdern achtungswürdig und heilig, gewohnheitsmäßig verspottet zu sehen. Schnell ging ich über d»S Hauptblatt hinfort und durchstöberte die Jnseratenbei- iage. Hilf Himmel, welch' ein moralischer Düngerhaufen ist hier zusammengetragen I Einmal die gewerbsmäßige Beförderung der Unzucht durch Anzeigen auf Anzeigen von:i hfthpikanten Photographien, — von Schriften „nur für Junggesellen", — von gewissen Gummi-Artikeln u. s. w.
dicht daneben dir damit eng verwandten zahlreichen Empfehlungen von Privat-Entbindungs-Anstalten — sowie von Achten für gewisse Kraickhetten. — Da wird Hülfe bei Prüflings- und Promottons-Arbeiten — da werden Doctor-Diplome in absentia 2 Mal auSgebvten; ein Ba- roustitel wird für 80,000 M. feilgehalten; etwas billiger
'echt geben, wenn sie spöttisch den „Bourgeois" zurufen: d das nennt Ihr Euer Vaterland der Frömmigkeit und
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Ehemalige Marburger Gebräuche.
An jene große politische Staatsumwälzung, welche im >r 1807 Kurhessen seiner Selbstständigkeit beraubte und
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F2784 $Ott b‘e Beschaffung des HofiieferantenÜtels rc. rc.; durch- -____ weg lauter offenbare Schwindeleien oder gar Gaunereien.
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-—" Namentlich der Jugend, durcb öffentliche Ankündigung mögt, ccti ralifcher VergiftungSmittel? Kann nicht die Entrüstung h etw allgemeinen UrtheilS Wandel schaffen, so müßte eine vendel . ______....
Damit endlich auch für die Beamtenwelt noch besonders gesorgt sei, wird von einem Dutzend Wucherern discrete LogissHülfe den Herrn Officieren und Beamten zu den solidesten Bedingungen und auch zu den kleinsten Posten angepriesen, ekelt Einem förmlich vor diesem — ich kann die mtzunEeontrackiotio in adjecto nur wiederholen — moralischen isthaufen. Wie mir erzählt wird, bilden andere deutsche itzblätter, wie z. B. auch „Die Wespen", gleichermaßen ihren Jnserateutheilen einen Ablagerungsort für solchen rath. Hiernach dürfte mau den Socialdemokraten kaum
zu einem Theile des neu gebildeten Königreichs West- f9"4(Elalcn mad>te' knüpft sich zugleich das Aufhören mehrerer JZiJHebräuche in Marburg, nämlich das Singen in der Chrift- che u "'t, das Singen der Nachtwächter und der armen Schüler sWeM dm Straßen vor dm Hauöthüren und das Ausziehen Strand Holen der Birken - Mayen in der Schülerhecke durch n in t Knaben der Schützenschule. *) Der Franzose, ohne Ver- [27^ dniß für deutsche Sitten und Gebräuche, verbot diese lebenE^ bei Strafe, weil er in ihrem Belassen Gefahr - seine Existenz befürchtete. Nach 7jähriger französischer wrschaft kam das Singen in der Christnacht und das Nachtwächter wieder in Aufnahme, allein das Singen r armen Schüler und das Ausziehen und Holen der irken-Maym durch die Knabm der Schützenschule nicht, n jene Zeit fällt gerade die Abtrennung des 3. Stadt- i Kaffi Urtier- von der Kirchen- und Schulgemeinde der oberen
*) Schon im Mittelalter gab es für Schüler, w-lche viel um- schweiften, von Ort ,u Ort von Schule »n Schule, die Namen «chanten und Schützen. Mit jenem Namm bezeichnete man lergui le größeren, mit diesem die kleineren Schüler. Ein Bachant zu >», war eine Ehre, zu welchem die jungen Schützen, als zu »em schönen Ziele, hinstrebten und zu dem noch im 16. Jahr» *bert die Lehrer ihre Schüler hinwiesen. Bachanten sind vor- gsweife Umberfd;»eifenbe und Schwärmende — ©ottbegeifterte. ft Umherschweifen war aber oft ein wildes, auf Betrug Unkitt. 7' Mfenber abgesehen. Schon um 1418 werden Ansänger im Vien Schützen genannt. Der Name ist übe:tragen von Andern im Kriegshandwerk, denn Schütze ist einer, der sich im Meßen übt. Daß übrigens Anfänger im Lernen sich gern als Jfle Krieger betrachteten, kleideten und eintheilten, zeigt hinläng» • das Nachfolgende. In Marburg kommt der Name Lchntzen» wie im Jahr 1&83 zuerst urkundlich vor.
gesetzliche Bestimulung dieses Handwerk legen. Man ist ja gegenwärtig in Deutschland dabei, Ausnahmegesetze gegen derartigen schnöden Mißbrauch der Presse zu schärfen? Unterwühleu benn nicht jene Anpreisungen eben so gut, wie die socialdemokratischen Schmäh- und Brandreden, die sittlichen Unterlagen des Staates und der Gesellschaft?!"
Das müssen wir Deutsche uns von Parisern ins Gesicht sagen lassen — und müssen gestehen: sie haben recht, es ist so, ja es ist noch ärger. Es sind nicht blos der „Kladderadatsch" und die „Wespen", welche solchen sittlichen Unrath feil bieten, sondern die meisten liberalen und socialdemokratischen Zeitungen thun das. Es gibt nur wenige ehrenwerthe Ausnahmen. Aber eö ist nicht allein die Ehre der deutschen Station, welche dadurch geschändet wird: Schwer wiegt der sitllichc Schaden, welcher dem Volke durch dieses Gift zugeführt wird. Diese Schandschriften und Bilder werden in allen Bahnhöfen dem Publikum angeboten und liegen in den meisten Buchhändler-, Buchbinder- und Papicrhäudler-Läden öffentlich zum Verkaufe aus. Auch wir sind der Ansicht, daß diese Schriften die Menschen viel mehr ruiuiren, als socialdemokratische Agitationsschriften. Diese verwirren den Kopf, aber jene verwüsten das Herz. Es wäre sehr zu bedauern, wenn man den Socialdemokraten Veranlassung gäbe zu sagen: Seht, unsere politischen Schriften verbietet man, aber diese Schandliteratur darf nach wie vor verkauft und öffentlich ausgebvten werden! Man schützt die Weinstöcke vor bett Rebläusen, bie Kartoffelfelder vor Coloradokäfern unb bie Bichställe vor ber Rinderpest: so schütze man auch den edlen Weinstock unseres deutschen Volkes vor dem sittlichen Gift dieser unsittlichen Schriften und Bilder.
Tagesbericht.
Gestern Nachmittag 2 Uhr fand «ia< Plenarsitzung des Bundesrathes zur Besprechung über das Sozialistengesetz statt. — Der „ Reiche auzciger" schreibt: Die Auffassung einer früher vom „Reichsanzeiger" über die Eisen-Enquäte- Commissivn gebrachten Mittheilung, als ob die Mitglieder dieser Commission nicht in der Lage wären, ihr eigenes Urtheil über bie Lage der Eisen - Industrie und über die sich daraus für die Zollgesetzgebung ergebenden Folgerungen zum Ausdruck zu bringen, sei unrichtig. Der Bundesrath habe zwar nach dem Wortlaute seines Beschlusses ein Gutachten von der Commission nicht verlangt. Allein es verstehe sich von selbst, daß damit weder der Commission noch deren Mitgliedern das Recht zur Meinungsäußerung abge- schuitten werden sollte. Der Bundesrath hätte sicherlich nicht hervorragende Sachverständige in die Commission be- rufen, wenn er nicht gewünscht hätte, daß deren Erfahrung Stadt und bie Grünbuug einer besonderen Kirchen- und Schulgemeinde zu St. Elisabeth, sowie die Errichtung einer besonderen Armenschule im lutherischen Waisenhause, dem jetzigen ArbritShause. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Nichtwiederaufnahme jenes letzten Gebrauches gerade in der Errichtung dieser Schulen ihren Grund haben mag. Etwas Gewisses läßt sich jedoch nicht festftellen, und die noch aus jener Zeit lebenden wenigen Bürger vermögen hierüber auch keine Auskunft zu geben. Sehen wir uns indessen die eben erwähnten Gebräuche etwas näher an.
1) Das Singe« tu der Christnacht.
Die Christgläubigen in den ersten Morgenstunden zu Gottesdiensten zu versammeln, war schon in der alten Kirche üblich. Diese Frühgottesdienste hießen Metten. Jenen frommen Gebrauch behielt auch die Kirche der Reformation bei. In der hiesigen Pfarrkirche fanden jährlich 3 Metten statt, nämlich am 1. Weihnacht«-, 1. Ostern- und 1. Pfingsttage; erstere Nachts um 12 Uhr, die andern Morgens 6 Uhr. Im Jahre 1753 wurde auch die Christmette auf Morgens 6 Uhr verlegt. Nachdem das fürstliche Con- sistoriilm im Jahr 1772 die Abschaffung der jemaligen 3. Festtage und der Apostel- unb Heiligentage angeordnet, erschien 1776 eine weitere Ordre, welche auch die Metten untersagte. Die Christmette war von jeher bie beliebteste unb besuchteste gewesen. Auf sie gänzlich Verzicht zu leisten, bazu konnte sich bie Pfarrgemeindc nicht entschließen. Mau wählte einen anbeten Ort, eine anbere Form unb für bie Zeit wieder bie Mitteruachtsstmide. Der Ort war balb ber Pfarrkirchhof, bald die Ketzerbach; die Form bestand im Absingen finnig zusammengcstellter Lieder ans dem damaligen im kirchlichen Gebrauche gewesenen Marburger Gesangbuche. Mit dem Weihnachtsliebe: „Lobt Gott ihr Christen allzugleich" wurde jedesmal begonnen und dem
und Sachkenntniß in vollem Maße nach jeder Richtung zur Geltung gelange.
®ne Verständigung der beiden kouservativm und der nationalliberalen Fractton über bie noch streitigen Punkte bes Sozialistengesetzes soll dahin erfolgt sein, baß zu § 6 bie Commissionsfassung beibehalten unb zu § 16 hinzugefügt wird: ein Agitator muß mindestens 6 Monate seinen Wohnort in der betreuenden Ortschaft gehabt haben, um der ohne weiteres erfolgenden Ausweisung zu entgehen. § 19 soll einen Zusatz erhalten, wonach dem Kaiser die Ernennung eines zehnten Mitgliedes der Recurs-Commission zusteht. Diese Amendements sollen von den gedachten drei Fractionen gemeinsam eingebracht werden.
Der „Schwäb. Merkur" schreibt: Einer der bewährtesten und geistreichsten Parlamentarier Schwabens, deffen große Verdienste besonders um Kirche und Schule aus Anlaß seiner neulichen Erkrankung selbst von radikaler Seite aufrichtig anerkannt wurden, hat jüngst in einer schlaflosen Nacht folgendes drastische Reccpt zur Bekämpfung der Sozialdemokratie ersonnen und an einen befreundeten, hervorragenden Reichstags-Abgeordneten nach Berlin geschickt, wo cS zum „geflügelten Wort" geworden ist unb von Regie- rung unb Reichstag energisch befolgt zu werben verdiente. Dasselbe lautet:
Plagt nicht so lange Euren Witz, ", Ich sag's Euch verbis puris:
Wenn's brennt, greift mau zur Feuerfpritz ''' Und nicht zum corpus jurisl . 1 • 7
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Neueste Orient-Nachrichten: - '
Wien, 17. Oktober. Meldungen der „Polit. Corr" Aus Konstantinopel. Die Aeußerungen Savfet Paschas nach der vorgestern stattgefundenen Mittheilung der österreichischen Antwort auf das Girodat bet Pforte trugen das Gepräge größter Versöhnlichkeit und vollsten Vertrauens gegenüber ber Politik Oesterreich-Ungarns, unb schienen ben frischen Eindruck ber eben auf ber Pforte angelaugten, überaus günstig aufgenommenen Nachricht von ber bevorstehenden Rebuction ber österreichischen Occu- pationsarmee zu reftediten. Auch wirb es authentisch al« unbegrünbet bezeichnet, daß ber Großvtzir bie Zurückweisung bet österreichischen Occupation des DistrictS Noviba- zar angedroht habe, als solche Eventualität kürzlich zwischen ihm unb Zichy zur Sprache gekommen sei. — Baker Pascha hat bas Commanbo ber in bet Umgebung von Konstantinopel concentrirten Truppen übernommen. Nach mehreren von Truppen enchlößten Ortschaften mußten zur Aufrechterhaltung der Ordnung starke Garnisonen verlegt wer- den. — Aus Ragusa. Gerüchtweise wirb ans Cettinje Lobliebe: „Nun danket alle Gott" geschlossen. Die Feier war gegen 1 Uhr zu Ende unb fanb beim Schein von Fackeln, Lampen unb abgenutzten Reiserbesen statt. Auf bas Anhöreu einer Prebigt war bei biefer Feier leicht zu verzichten, da an dem bevorstehenben Festtage ben Gliedern der Gemeinde noch dreimal Gelegenheit gegeben war, eine solche in der Pfarrkirche zu vernehmen, nämlich Morgens um 8 Uhr die Frühpredigt, um 12 Uhr bie Mittagspredigt und um 2 Uhr die Vesperpredigt. Eines Cantors, der ben Gesang leitete, bedurfte bie versammelte Gemeinbe auch nicht, ba unter ben Männern sich jeberzeit solche fanben, welche bem Vorsäugerdienst recht wohl verstehen konnten. Trotz ber Einführung beS neuert lutherischen Gesangbuches im Jahr 1785 blieb baS Marburger von da wohl noch über 50 Jahre bei ber Christmette im Gebrauch. Ungestört verlief bie Christmette in ber angegebenen Weise bis in ben Anfang ber französischen Zeit hinein. Da brachte auf einmal ganz unverhofft das Departementsblatt vom 18. Dezember 1810 nachstehende Verfügung des beauftragten Polizeikommissars I. G. Bott: „Das Singen in der Christnacht, welches sonst auf der Ketzerbach vorm Jahr auf dem Ev. lutherischen Kirchhof des Nachts um 12 Uhr stattgehabt, wird zur Vermeidung sonstigen Unfugs hiermit von Municipal-Pvlizei wegen verboten, auch ist ben Schülern nicht erlaubt, Weber auf bte Christage noch auf Neujahr in der Stadt umzusingen, und werden deßfalls die Polizei- diener hierauf vigiliren. Es wird dieses hiermit zur Nachricht bekannt gemacht, unb hat ein jebet sich selbst zuzuschreiben, wenn er auf die eine oder bie anbere Weise ertappt unb zur gesetzmäßigen Strafe gezogen wirb." Trotz bes Verbotes würbe bie Chriftmette doch gesungen, wenn auch nicht auf bem Pfarrkirchhof ober auf ber Ketzerbach, so doch auf einem nicht fern aber abseits gelegenen Orte. Nach bem Sturze Napoleons, als Kurfürst Wilhelm 1.