Nr. 243.
Marburg, Mittwoch, 16 October 1878
xni Jahrgang.
. 63. 113. 214. 316. 393 452 518. 555.
Anzeige« nimmt entgegen: btt Expedition d.Blatte-, fowie dAnnoncen-Bureaur von Th- Dretrich L (So. in raffel und Hannover; Th. Lieirich in Frankfurt a.M.; ßaafenfiein & Bögler in Frankfurt a- M.. Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf jjlefie in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
V!ittWsche Jritnng.
Anzeigen nimmt entgegen: di- Expedition d Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureauk von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Us."
. Mk.
Mk.
63.
rgan
1871
äeme- > aus
Aimr 2750
622.
661.
ors al Karo igunb« T 4
recte«
r mi tÄOi
HerodiiS.
Roman von SB. Höffer.
(Fortsetzung.)
Konstantinopel, 13. Octbr. Nachdem die Pforte benachrichtigt worden ist, daß die Russen ihre Marschrichtung gegen Adrianopel wieder ausgenommen haben, find die Militär-Attaches sämmtlicher Botschaften von hier abgereist, um sich davon zu überzeugen. Lobanoff begibt sich morgen nach Adrianopel. Der Ort LabaeSke (?) war von den Ruffen geräumt und darauf von den Türken besetzt worden. General Totleben forderte indeß den türkischen Commandanten auf, den Ort wieder zu räumen, widrigenfalls er Gewalt anwenden würde. Der Großvezir ordnete nun die Räumung des Ortes an, welchen die Russen wieder besetzen werden. Die Vertheidignngs-Linie von Konstantinopel wird türkischerseits mit Geschützen versehen.
Neueste Orient-Nachrichten:
Wien, 14. Oct. Die „Neue freie Presse" vernimmt, daß eine theilweise Demobilisirung der OccupationS-Armee in Bosnien, näntlich Verminderung um 4 Divisionen und 1 Brigade angeordnet worden sei; die entsprechenden telegraphischen und schriftlichen Weisungen würden sofort ergehen.
Wien, 14. Oct. Meldungen der „Polit. Corr.": AuS Konstantinopel. In der Sitzung der ostrumelischen Commission vom 12. d. richtete der russische Commissär an die Pforte daS Ersuchen, dieselbe möge der Commission die Entwürfe des Reglements mittheilen, die sie gemäß dem Berliner Vertrage in den übrigen Provinzen der europäischen Türkei anzuwenden gedenke. Der türkische Commissär äußerte sich jedoch ablehnend, indem er sich auf Artikel 23 des Vertrages berief. — Aus Bukarest, 13. d. Gestern begannen die russischen Behörden mit der Uebernahme der Verwaltung Bessarabiens. — Aus Konstantinopel. Der Fürst von Montenegro soll erklärt haben, daß er die türkischen Kriegsgefangenen erst nach Durchführung der Montenegro betreffenden Stipulationen des Berliner Vertrages herausgeben wolle. Rumänien fordert von der Pforte vor Auslieferung der Kriegsgefangenen Ersatz für deren Verpfle- gungskosten, eventuell Uebergabe des Kriegsmaterials von Widdin als Gegettleistung. — Die Commission für di« Re- palriirung der Flüchtlinge ist wieder in Action getreten.
Petersburg, 14. Octbr. Von Livadia ist an die russischen Botschafter und Gesandten ein Circulartelegramm ergangen und seit einiger Zeit in bereit Händen, welches wiederholt dem Wunsche Auöoruck gibt, auf Basis des Berliner Vertrages zu einer definitiven Abwickelung mit der Türkei zu gelangen. Veranlassung hierzu gaben mehrfache Schwierigkeiten, welche auS der Ohnmacht der türkischen Regierung in ihrem eigenen Lande entspringen. Insbesondere ist darauf hinzuweisen gewesen, daß nach dem Abzug der russischen Truppen Metzeleien stattfanden. Ferner ist eS sehr häufig vorgekommen, daß die Bewohner im Gefolge der abziehenden russischen Garnisonen auszuwandern begannen und daß die russischen Militär-Chefs bei solchen Verhältnissen geradezu in Verlegenheit wegen der unmittelbaren Ausführung der RückzugS-Befehle geriethett. Das Circulartclegramm hat angesichts dieser Zustände im Auge, nach Kräften auf einträchtiges gemeinsames Handeln der vertragsmäßig beteiligten Regierungen hinzuwirken.
Belgrad, 14. Oct. Die Demission deS Ministeriums Stewtscha ist nunmehr angenommen. Die Zusammensetzung des neuen Cabinetö ist folgende: Ristic Präsidium und Auswärtiges, Matic Justiz, Alimpic öffentliche Arbeiten, Mischkovic Krieg; der seitherige Finanzminister Jovanovic und der Unterrichtsminister Wasstljevic verbleiben auf ihren Poften. "
nstag
2745
:'.r; Deutsches Reich.
5 Berlin, 14. October. In einer Besprechung der Reichstagssitzung am Sonnabend geht die Rational-Zeitung näher auf die Rede des Abgeordneten Bamberger ein. An die Aeußerung desselben, daß mit den Vollmachten, welche man jetzt der Regierung anvertraut, einer schweren und dauernden Reaktion vorgebeugt werden soll, knüpft sie die Bemerkung: „Wie leer und oberflächlich sind neben dieser Wahrheit die Ausstellungen, welche jedem Paragraphen die Reaktion nachrechnen, die sich in ihm summirt. Das steht ja von vornherein außer aller Frage und der Redttex betonte es mit Nachdruck, daß die staatliche Freiheit mit diesem Gesetz nach allen Seiten zurückgeschraubt wird. Aber Kleineres geben wir auf, um Größeres zu retten, — wir übernehmen Beschwerden in der Gegenwart, um unsere Zukunft zu retten. So handelt der kluge Hausvater; freilich auch mit dem Staatswohl giebt es Verschwender, die sagen: laßt die Zukunft für sich selbst sorgen, verleben wir lustig, was wir haben. Glücklicherweise gehört diesen die Mehrheit nicht im Reichstag und noch viel weniger in der Nation." Dagegen ist das jetzt ganz im fortschrittlichen Fahrwasser schwimmende Berliner Tageblatt mit der Rede des Herrn Bamberger sehr wenig einverstanden. Nachdem das Blatt in seiner Tagesübersicht angeführt hat, daß nur 14 Nationalliberale für daS Hänel'sche Amendement zu § 5 gestimmt haben, fährt cs fort: „Unter diesen Umständen kann man nicht zweifelhaft sein, daß das Preßrecht nach den Anfor- demngen des § 6 einem gleichen Schicksal verfallen wird; man kann um so weniger daran zweifeln, als der Abgeordnete Bamberger Namens der Nativnalliberalen in einer offenbar bei § 1 zurückgehaltenen längeren Rede den Standpunkt dieser Partei dahin präzisirte: sie fei sich wohl bewußt, daß sie durch Zustimmung zu dem Gesetze ein Opfer an bürgerlicher allgemeiner Freiheit bringe, sei aber auch überzeugt, daß dieses Opfer nach Lage der Dinge gebracht werden müssen.
raffl (78.
er.
HgSggg .....। TT-, . ,
nicht antworten, sie brauchte es nicht, denn er sah Alles; er wußte jetzt, daß ihn ein Wahn betrogen, daß er mit verbundenen Augen bis heute einher gegangen und daß er glücklich — ach so glücklich war.
„Tillie, mein Weib, mein HerzenSliebling, ich verrieth Dich und mißhandelte Dich moralisch in jeder Weise, während Du Alles dahingabst, um mich zu retten! — O wie soll ich Dir jemals vergelten, jemals das ungeheuere Opfer lohnen?" —
Er sah selig in ihr Auge, er küßte die Thränen von ihren Wangen und fragte fortwährend, ohne ihr zum Antworten Zeit zu lassen. DaS alles war ja so neu, so beglückend, wie ein Trau«, ein Märchen, — er konnte es nicht saften, nicht glauben.
„Nur mich haft Du geliebt," flüsterte er, „nur mich? Tillie, war es denn schon damals die Wahl Deines Herzens, als Du mich heixathetest?"
Und nun antwortete sie zum ersten Male. „Georg, glaubst Du, daß meine Hand zu erlangen gewesen wäre ohne mein Herz?"
Wie oft hatte sie ihn so angesehen, bittend halb und halb vorwurfsvoll, — heute durfte et die geliebten Augen küssen, wieder und wieder, unzählige Male.
„Nein, Tillie," sagte er überglücklich, „nein, o vergieb mir, daß ich es nicht immer wußte."
Als aber etwas später an die Thür geklopft wurde und Tippoo hereintrat mit ganz trübem Gesicht, blaß und kummervoll der nahen Trennung wegen, da zog sich die junge Frau plötzlich erröthend zurück. Was sollte der Indier denken?
Georg verfolgte sie lachend, halb sprach er deutsch, halb die einheimffche Mundart Tippoo's.
„Aus dcr Abreise wird heute noch nichts, Du! Wir warten noch, Tippoo, Mylady geht mit uns; siehst Du
Tagesbericht.
Der Bundesrath der Schweiz hat unserem auswärtigen Amte die Internationale Convention über die gegen die Reblaus zu ergreifenden Maßregeln zugehen lassen. Diese Convention ist am 17. September d. I. von den Delegir- ten von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Spanien, Frankreich, Italien und Portugal angenommen worden.
Die französischen Blätter sind in discreter Weise aufgefordert worden, in der Würdigung der Beschlüsse des deutschen Reichstags über das Sozialistengesetz, möge das Resultat seiy, wie es Ipolle, sich die größte Reserve aufzu- erlegen. :
Nach dem „Middelbnrger Courant" ist Prinz Alexander der Niederlande, zweiter Sohn des Königs Willem, nach Deutschland abgereist. Die bevorstehende Vermählung seines Vaters soll den Prinzen bewogen haben, sich in ein freiwilliges Exil nach Stuttgart (der Hcimath seiner Mutter) zu begeben.
Lord Salisbury bereitet ein Rundschreiben an die Mächte vor, in welchem die Expedition gegen Afghanistan gerechtfertigt werden soll. Das Cabinet von St. James wird befeuern, daß es nicht beabsichtige Afghanistan zu anuectiren; dagegen will es einige strategische Punkte occupiren uno heu Emir von Afghanistan zwingen, eine englische Mission zu empfangen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllUftrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckereil bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in bet Expedition zu erthejlende tiuvtunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.
118
»elchei r sch ) zu» gt di 269 essen!
Zweifel geherrscht, daS zu hören, war heule so schmerzlich! Warum mußte ihm das Schicksal noch die letzten Stunden so bitter trüben?
Aber er wollte ja nicht hart scheinen, wollte keine imaginären Rechte wie wirkliche behaupten. „Tillie," sagte er, ihr bis an die Fenster folgend, „Tillie weine nicht. Es soll Alles bleiben wie es war; kein Mensch erfährt, was geschehen, ich schwöre es Dir bei Allem, was heilig ist. Dein Glück steht mir höher, als jede andere Rücksicht — o Tillie, Du ahnst nicht, mit welchem Preise ich es Dir erkaufe! — komm mein armes Herz, sieh michj an, wollen wir heute Abend zu ihm gehen?"
Mathilde hatte ihre Fassung einigermaßen wieder gewonnen. „ Georg, „ sagte fie bittend, „wenn Du mich jetzt allein ließest!"
„Das will ich nicht," antwortete er fest. „Du hast nichts zu bereuen, nichts wieder gut zu machen, — sieh mich doch einmal an, Tillie!"
Und als sie ihm bann zitternd die Hand reichte, als sie den thränenumflorten Blick zu ihm erhob, da kostete eS ihm seine ganze Selbstbeherrschung, um sie nicht mit beiden Armen an sich zu ziehen. „Komm", sagte er hastig, „Johannes wartet!"
„Johannes?"
In dem Tone lag so viel Erstaunen, daß er plötzlich fühlte, wie ihm das Blut heiß durch alle Adern rann. „Tillie!" flüsterte er gepreßt, — „Tillie, Du folterst mich!"
Der Purpur ihrer Wangen antwortete ihm. Er hatte sie fest an seine Brust gezogen, er glaubte dem eigenen Bewußtsein nicht, — es war, als bringe sich bet Inhalt aller Zukunft, bes ganzen Lebens in diese eine Minute zusammen. „Tillie, wolltest Du denn durch Dein Opfer nicht ihn beschützen, — nicht Johannes?"
Aber er selbst verschloß ihr ja die Lippen, sie konnte
Der Londoner Correspondent deS „Memorial diplo- patique" will aus sicherer Quelle reiften, daß Lord Beaconsfield fest entschlossen sei, sich mit Rußland zu messen. In seinem Alter hat man keine Zeit, lange Vorbereitungen zu machen; indem er auf die Erschöpfung Rußlands rechnet, will er daher in aller Hast und mit geschwungenem Säbel diese Unternehmung einleiten. Was die übrigen Minister betritt, so reiften dieselben, daß wer schnell trifft, stark t in’4 trifft und daß Rußland, welches Zeit zu gewinnen sucht, sich nicht im mindesten rühren tarnt. —
Nach anderen Mittheilungen ist jedoch sehr unwahr- scheinlich, daß wirklich eine solche Einmüthigkeit im Eng- biaef lischt» Ministerium herrschen sollte. Die Gesinnungen des Lord Beaconsfield dürfen unzweifelhaft richtig wiebergegeben {ein. WaS jedoch den Leiter ber auswärtigen Angelegenheiten, Lord Salisbury, betrifft, so scheint sich berselbe mehr Ürtb mehr auf bie Wege Derby'S zu begeben. In lieber; cinftimmung mit der Mehrzahl seiner Kollegen, soll sich Lorb Salisbury für eine Politik ber Einschüchterung und Verzögerung ausgesprochen haben.
recte» itarife 2029 Utz.
aff er; Land- Rath- 2748
'aufen 2749
't ein lapp- 2735
Er zog sie an ber Hand zu sich. „Laß einmal bie Neisevorbereitungen, Tillie", sagte er, „wie das Alles verläuft, ist ohnehin noch nicht entfliehen. Komm, sieh mich an, es muß in biefer Stunde über fo Manches, was bisher nie zur Sprache kam, zwischen uns Klarheit herrschen! , Tillie, weshalb hast Du behauptet, baß bamalS das verlorene Geld in Deinen Besitz gelangt fei?"
Dunkle Röthe ergoß sich über ihr ganzes Gesicht. „Ich begreife nicht, woher Dir plötzlich Zweifel kommen, Georg!" stammelte sie unsicher.
„Well ber Thäter entdeckt ist, Tillie, seit heute Morgen, seit zwei Stunden!"
u eiM „Um Gottes willen, — Georg!"
Er sah nur das Erschrecken die plötzliche Verwirrung, iroße ; die Furcht in den schönen Zügen der jungen Frau; er “ sah, daß sie sich von seiner Hand frei zu machen suchte t .unb ein Gefühl, als habe er jetzt Alles verloren, stieg in ihm auf. .Tillie", sagte er kaum verständlich, „sei diesmal offen: glaubtest Du immer zu wissen, »er jenes Geld genommen, und wolltest Du durch Deine Behauptung beu Schulbigen großmüthig beschützen?"
Sie wandte sich ab, sie trat zum Fenster, um ihm den »nA Ausdruck ihres Gesichtes zu verbergen. „Georg, — ich - glaubte eS nie, bei Gott, nie, aber — ich hatte Zweifel
.91,21 __ o vergieb mir, vergieb mir!" dvs Er antwortete nicht gleich. Das war ein ehrliches
Geftändniß, — Mathilde konnte unmöglich noch mehr sagen. Wie ein kalter Hauch berührte es sein Innerstes. ___ Seltsam, was er von jeher gewußt, worüber in ihm nie