Nr. 241
Marburg, Sonntag 13 October 1878
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ralismus einen so energischen Gegner finden wird, daß ihr die Durchführung der Reformen unmöglich wird. Ja, es ist das sogar ziemlich gewiß, denn man wird dann sofort das gewohnte Reactionsgeschrei erheben, und unser Geldliberalismus ist keineswegs gewillt, solchen wirthschaftlicben, geschweige beun sittlichen Reformen zuzustimmen, welche der Herrschaft seiner manchesterlichen Grundsätze zuwiderlaufen. Es fragt sich aber, ob die Regierung bann, wenn sie gleichzeitig im Kampfe mit der Socialdemokratie steht, die Kraft und Zeit findet, auch den falschen Liberalismus zu bekämpfen. Dann würde freilich gerade dieses Gesetz den Reformen hinderlich sein, und das wäre verhängnißvoll. Wir gestehen deshalb, daß wir nicht ohne Besorgniß in die Zukunft blicken. Aber man darf nicht Alles von der Regierung erwarten, die Hauptsache muß das Volk thun. Es wird deshalb davon, abhängen, ob die guten, wohlgesinnten Elemente im Volksleben selbstständig sich organi- siren zu einem energischen Kampfe gegen die großen Jrr- thümer und falschen Richtungen unserer Zeit, damit die Regierung, wenn sie eine gute Reformpolitik führen will, an ihnen eine Stütze und Rückhalt finden kann.
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Sür m der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden SS Ag berechnet ° ä 10 Vf8*
Herodias.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
Hoffmann sqh ihm spöttisch ins Gesicht. „Und lasse &nen nebenbei nach einiger Zeit irgend eins der schncll- irkenden Gifte jener Gegend zukommen, nicht war? Wer igl darnach, wenn In Indien Jemand stirbt, der hier dem tillionär unbequem wurde?"
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ö-' achten ihn fast wahnsinnig. „Hoffmann — ich gebe Ihnen Xe Million!"
Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditiond. Blatts, sowie d. Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frantfurta. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermannlche Buchhand!. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Eassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein L Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Äipzig, Cöln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. !i!t. tc.
schließen, wohl auch die Regierung diesen Antrag acceptiren, obwohl sie eigentlich eine uilbestimmte Dauer verlallgt, weil man nicht voraussagen könne, bis roann die zu bekämpfende Sozialdemokratie wirklich besiegt und ein solches Kampf- gejetz entbehrlich sei, und eine so kurz bemessene Dauer des Gesetzes die Sozialdemokratie zwar eine Weile aus der Oeffentlichkeit verdränge, aber nicht besiege; denn cs sei stcher anzunehmen, daß sie nach dieser Frist nur desto kräftiger wieder hervortreten werde. Es liegt auf, der Hand, >718 baß diese Einwände berechtigt sind; aber die Liberalen werben auf eine unbestimmte Zeit das Gesetz keines Falles «willigen. Soll also das Gesetz zu Stande kommen, so ird die Regierung sich mit einer nicht zu kurz bemessenen Zeitdauer, also etwa 5 Jahren, begnügen müssen. Man immt an, daß das Gesetz auf diese Weise zu Stande I des kommen wird. — Ob es uns aber wirklich von der Gc- e,s ahr der Sozialdemokratie befreien wird, das muß freilich i mit abgewartet werden. Jedenfalls wird es allein nicht dazu rersi m Stande sein. ES ist ja^ gewiß wahr, daß die Regic- 1 M, ruug zur Bekämpfung der Sozialdemokratie scharfe Gesetze et- »vlhig hat, Gesetze, welche ihr gestatten, dieser auf den Üm- u r g. chrz hinarbeitendeu Partei die gesetzlichen Waffen der Preß- . mjt reiheit, des Vereins- und Versammlungsrechtes, mit welchen onst die Parteien sich Einfluß und Gellung für ihre Ideen ' erschaffen dürfen, abzunehmen. Aber man darf keinen lugenblick vergessen, daß die Sozialdemokratie ein Produkt . Mserer Zeit, aus unseren Verhällnissen herausgewachsen teine SE sie wahrhaft überwunden werden, so müssen ihre
wurzeln aus unseren Verhältnissen entfernt werden. Daö die Hauptsache. Diese Wurzeln aber sind folgende:
Tagesbericht.
In der gestrigen Reichstagssitzung erschien der Abg. Graf Moltke auf seinem gewohnten Platze im Reichstag und verweilte nahezu bis zum Schluffe derselben. Der Generalfeldmarschall wurde allerseits freudig begrüßt; in seinem Aussehen ist von der überstandenen Krankheit nichts zu bemerken.
Das „Berliner Tageblatt" bringt eine Notiz über eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler Fürsten Bismarck nnv dem Abg. Frhr. v. Varnbüler. Unser Berichterstatter hatte Gelegenheit diese Besprechung zu beobachten: Fürst Bismarck verneigte sich sehr höflich vor Baron Varnbüler und schien sich nach dessen Befinden zu erkundigen. Die ganze „Unterredung" dauerte wenige Sekunden. Wie es möglich ist, ein derartiges Ereigniß sensationell zu verwer- then, ist geradezu urwerständlich.
Daö Wiener „Telegr.-Corresp.-Bur." meldet aus Rom vom heutigen: Die päpstliche Regierung, welche der Centrums- partcl des berliner Reichstages nicht beweisen kann, daß Ergebnisse der Verhandlungen mit Deutschland gesichert seien, überlaßt es der Partei, bei dem Sozialistengesetz so zu stimmen, wie sie für guthalt. Die Ankunft des Erzbischofs von Bamberg in Rom steht zu den Verhandlungen mir Deutschland in keinerlei Beziehung; derselbe wird dem Cardinal - Staatssecrelär Nina blos behülflich sein, einige
Er bückte sich, um daö Knie auf den Hals des Sterbenden zu pressen einen kurzen Augenblick ließen die Hände nach — der Körper zuckte heftig —
Da Plötzlich öffnete sich in unmittelbarer Nähe, ihn fast streifend, die Thür zum vorderen Comptoir, eine Männergestalt erschien auf der Schwelle, Georg stand vor der sonderbaren Gruppe seines Bruders und des gewaltsam zu Boden geworfenen Arbeiters. Einen Augenblick lang wurzelten Beider Blicke in einander, haßerfüllt von der einen, fragend voll Erstaunen von der anderen Seite Johannes schien wie außer sich, wie im Begriff, auch diesen neuen Gegner anzngreifen, -schäum trat auf seine Lippen, ein unartikulirter Laut brach sich Bahn.
Nur flüchtige Secunden währte es, bi« Georg die Sachlage erkannte. Ein einziger kräftig,r Griff trennte die Mörderfaust von der Kehle des Opfers, der junge Mann nahm den leblos daliegenden Körper und brachte ihn auf das Sopha. Eben so schnell war das Halstuch abgerissen und ein Fenster geöffnet, bann führten einige leichte Schläge in den Rücken, ein Reiben und Schütteln den Athem langsam wieder zurück, und nun erst wandte sich Georg zu seinem Bruder. „Johannes, weißt Du, daß nur meine zufällige Dazwischenkunft Dich bewahrte einen Menschen getödtet zu haben?" fragte er vorwurfsvoll'
Der jüngere Bruder antwortete nicht. Wie geistesabwesend, todtcnblaß, zitternd vor Groll und Furcht zugleich lehnte er am Pult. Nur Eins lebte in seiner Seele, ein einziger Gedanke, — wird Hoffmann sprechen?
Georg sah vom Einen zum Anderen. Was war hier vorgegangen?
Da versuchte es Hoffmann, tastend wie ein Blinder, langsam, Zoll und Zoll, sich zu erheben. Er taumelte, er sah schrecklich aus mit dem blau angelaufenen Gesicht und den schwarzen Flecken am Hals, aber ein Schluchzen hob
y>st „Wo fünf zu erlangen sind? Lassen Sie mich, Herr 9,41 Ittenberg, Sie sehen aus, wie der böse Feind selbst, —
Erstlich die wirthschastlichen Nothstände und namentlich die Unsicherheit der Lage der Arbeiter gegenüber der Groß- Jndustrie und ihren fortwährenden Krisen. 2) der fortschreitende Zerfall des Handwerks- und Kleingewerbes. 3) daö riesige Umsichgreifen der naturalistischen Welt-Anschauung und der Abfall voll christlichen Anschauungen. Wird in diesen Punkten nicht mit heilsalneu Reformen gegen die vorhandenen Schäden eingeschritten, so ist alle polizeiliche Bekämpfung der Sozialdemokratie vergeblich. Ja es entsteht dann die Gefahr, daß es den Anschein gewinnt, die Regierung bekämpfe weniger die Socialdemokratie als vielmehr die Interessen der Arbeiter zu Gunsten der besitzenden Klassen. Dieser böse Schein muß auf's'Sorgfältigste vermieden roerben. Die Regierung muß sofort zu Reformen schreiten, welche im Stande sein werden, die wirthschaftliche Lage der Arbeiter zu bessern bezw. zu sichern, um es durch die That zu beweisen, daß cs ihr nur darum zu thun ist, die für alle Klassen gleich g lährlichcn Bestrebungen der Socialdemokratie zu bekämpfen. Die Regierung muß ferner Allem mit größter Energie eittgegentrcten, was geeignet ist, das Volk gottlos, unsittlich lüderlich zu machen, also dem überhanonchmenden Wirths- hauswescn, den Tingel-Tangels, unsittlichen Theatern, Tanz- und anderen Vergnügungslocalen wie dem Verkauf schlechter Bücher und Bilder, und muß vielmehr daraus sehen, daß Kirche und Schule Kraft, Ansehen und Freiheit erlangen, Gutes im Volke zu wirken. Sie muß endlich edlen Bestrebungen Vorschub leisten, welche sich mit der Bildung und Bewahrung der Jugend und mit Linderung und Abstellung socialer und sittlicher Nothstände beschäftigen, wie z. B. den Arbeiten der Inneren Mission und so manch anderen humanen Vereinen. Der Staat selbst muß sich fest auf den Boden der sittlichen Weltordnung, deren A und O bet persönliche Gott ist, stellen. Mag die Wissenschaft lehren, was sie will: aber wenn sie den Atheismus und Naturalismus lehrt, wenn sie behauptet, es sei Alles Natur und Stoff, so zerstört sic die Grundlage jeder sittlichen Ordnung, also auch des Staates. Die ganze Weltgeschichte beweist, wie schon ein alter griechischer Staatsmann sagt, daß ein Land eher ohne Städte und Dörfer, als ein Staat ohne Religion bestehen kann. Der Naturalismus muß die Verwilderuiig der Sitten, den Zerfall der Cultur und Bildung: und schließlich den Untergang der Völker zur Folge haben. Segitimirt man aber den Naturalismus, so muß man auch die Socialdemokratie anerkennen; denn diese ist nichts anderes als der Versuch, den Staat und das sociale Leben nach den Grundsätzen und Anschauungen des Naturalismus umzugestalten. Das haben socialdcmokratische Blätter selbst mehrfach ausgesprochen. Es fragt sich aber, ob die Negierung, wenn sie zu einer Reformpolitik übergehen will, nicht au dem Libc- wandte Manu warf sich mit aller Kraft der Verzweiflung auf ihn und erstickte jeden ferneren Saut. Ob Johannes, als er die Hand hob, planmäßig handelte oder ob er voii der Macht des Augenblickes, , der übergroßen Versuchung mit sich fortgerissen wurde, das steht dahin, jetzt aber hielten seine Arme den Gegner an die Wand gepreßt, bis Hoffmann schwankte und taumelte. Noch griffen ihm die Nägel deö Halberdrosselten überall in's Fleisch, noch zerfetzten sic seine Kleider und vcrursach- 4en ihm unerträgliche Schmerzen, aber dennoch ließ er nicht nach, dennoch empfand er mit grausamer Freude, baß das Röcheln schwächer unb der Widerstand geringer wurde. Eine Art WWck kam über sein Bewußtsein. ES war ja kein Kampf, Teittteoben entstanden, fein Gift oder irgend eine Waffe gebraucht worden, er konnte jetzt bas Comptoir schließen unb in später Nacht ben entseelten Körper über den Hof tragen, bis an den Canal, der schon wenige Schritte hinter dem Hause begann und zum Fluß hinabführte. Dann war das Geheimniß dieser Stunde mit ewigem Dunkel umhüllt, — wer sieht es den Händen an, daß sie eine Kehle umspannten, einen gefährlichen Laut jährlingö erstickten?
Er athmete schwer und hastig — noch Secunden dann hatte das Ringen ausgehört, dann war Alles vorüber, Georg ging fort nach Calcutta und der Sieg war sein. —
Schade, daß die Augen deö sterbenden nichts mehr erkannten, daß er den Höhn nicht sah, das Frohlocken mit dem ihn sein Gegner betrachtete. Noch war ja der Rausch nicht verflogen, noch währte die Freude des Gelingens im letzten gefährlichsteil Moment.
Er ließ den Körper 'zuÄoden gleiten. Teufel, wie Du Deine Krallen in mcinytt^m schlugst, — schwarzes Btttt quillt hervor — wer tilgt die Flecken vom Boden? — Du lebst tzvch, Elender? — Warte!" —
। will mit Ihnen nichts zu schaffen haben, in Ihren ttgen glüht Mord, — ich —"
I Er konnte nicht weiter sprechen. Die weißen schlanken finget umkrallten seinen Hals, der viel jüngere gc-
Das Sozialtsteugesrtz.
Der Reichstag hat die zweite Berathung des Sozialisten- gesetzeS nunmehr begonnen und fortgesetzt. Wie die seitherige Verhandlung zeigt, liegt die Entscheidung bei der nationalliberalen Partei. Centrum, Fortschritt, Polen und Sozialdemokraten sind gegen das Gesetz, die Conservativen und die meisten Nationalliberalen sind dafür; aber es ist noch nicht ganz sicher, ob der Laskcr'sche Flügel nicht in wichtigen Punkten sich von der Mehrheit trennen und mit der Opposition stimmen wird, so daß das Gesetz an diesen Punkten zu Fall tornmen würde. Das gilt namentlich von der Dauer des Gesetzes. Die Commission hat bekamitlich beschlossen, daß das Gesetz nur bis zum 31. März 1881 Gültigkeit haben solle. Die (Regierung hat diesen Punkt für unannehmbar erklärt. Ein anderer Antrag schlug fünf Jahre vor, wurde aber von der Commission abgelehnt. Wenn der Lasker'sche Flügel nicht, auf dem Commisstons- bcschluß beharrt, sondern sich jenem Anträge auf 5jährige Dauer anschließt, so wird, nach mailchen Anzeichen zu
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j Johannes ballte die Fäuste, seine Selbstbeherrschung hg an, ihn zu verlassen. „Mit welchem (Rechte sagen Sie ir Beleidigungen wie diese?" rief er drohend.
„Ertappte ich Sie auf bereits fertigen Plänen, Herr —ä «ttenberg ? Geben Sie sich keine Mühe, mich abzuschütteln, ? h weiß, was Ihnen der Friede mit mir zwischen jetzt und "7 tute Abend wenh ist, und ich will mich demgemäß be- chlen lassen. Jeder Andere an meiner Stelle würde handeln ie ich, Sie selbst zumeist." Er nahm den Hut unb ging Ulgsam zur Thür. „Ich kann Ihr Compagnon nicht wer- tn, Herr Hardenberg, gut, Sie zu zwingen, giebt es fein iffel Mittel, aber — der Schade bleibt auf Ihrer Seite. Jetzt g Wen Sie wohl!"
ein- Johannes trat ihm näher, er legte die brennende Hand lf des Anderen Achsel, erst eine und dann beide, — bie tille rings umher, bas Alleinsein, bie Nähe ber Gefahr