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Marburg, Freitag, 11. October 1878
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Snieigen nimmt entgegen: bte Expedition d.Blatte», fm»ie d.Annvneen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; fiaafenftein L Bögler in Xrantfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
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Die „Prov.-Corresp." weist bei Besprechung deS Commissionsberichtes über das Sozialistengesetz darauf hin, daß die Commissions-Mehrheit sich grundsätzlich auf den Boden der Vorlage gestellt habe. Jedoch sei eine Verständigung über die wirksame Gestaltung der einzelnen beabsichtigten Maßregeln, sowie über die Ausführungs- und Control- Behörden noch nicht erzielt. Hierzu zählten namentlich die Bestimmungen über das Verbot periodischer Schriften, über die Beschwerde-Instanz, über Ausweisungen und die Dauer des Gesetzes. So erheblich die noch bestehenden Streitpunkte in ihrer praetischen Bedeutung erschienen, so sei doch die Summe desien, worüber die Mehrheit sich bereits mit ben Regierungen verständigt, von so überwiegender Bedeutung, daß die Zuversicht begründet erscheine, daß die Ueber- einftimmung über Wesen und Ziel der großen Aufgabe auch die letzten Schwierigkeiten überwinden lassen werde. Die Regierung müsse auch noch bei ben bevorstehenden Berathungen die Beseitigung der Beschlüsse anstreben, in welchen sie eine bedenkliche Schwächung und Abstumpfung der ihr zu gewährenden Vollmachten und Waffen erkenne.
„Der Aufstand in ganz Bosnien ist niedergeworfen, das Land in den Händen unserer Truppen." Mit diesen Worten schloß der Oberbefehlshaber der zweiten Armee, F.-Z.-M' Baron Philippovich seine Depesche vom 4. Okt. Diese Unterwersttng scheint denn aber doch noch keine perfekte zu sein, denn am 6. uud 7. Oetober wurde in der Kraina, hart an der österreichischen Grenze, südlich von Peci, wie gestern ein Telegramm meldete, von Steuern gekämpft. Die dort wieder aufgetauchten Streitkräfte der Insurgenten müssen nicht unbedeutend sein, da General Zach die bedeutenden Verluste der Oesterreicher in diesen Kämpfen besonders hervorhebt. Es gewinnt den Anschein, daß jetzt erst der Guerillakrieg zur vollen Entfaltung kommen wird. Es sind allerdings alle Haupt- BerbindungSwege derselben im Besitze der österreichischen Truppen, jedoch zwischen den letzteren befinden sich weite, meist sehr schwer zugängliche Länderstrecken, in welche ein- Mdringen der Armee bisher nicht gelungen ist. So zum Beispiel ist, wie die N. Fr. Pr. schreibt, das Innere des Gebirges zwischen den Verbas und Bosna, beziehungsweise zwischen den Straßenzngen Banjaluka-Travnik und Brood- Busovaea, die sogenannte Zupa, welche einen Flächenraum von ungefähr 50 Quadratmeilen bedeckt, mit Ausnahme des Ortes Tesany, noch von keinem österreichischen Soldaten betreten worden. Dasselbe ist der Fall bezüglich des fast ebenso großen Terrainabschnittes zwischen der Spreca und der BoSna rc. Mit einem Worte, die Tcrrainab-
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schnitte zwischen den einzelnen Straßenzügen find noch durchaus nicht pacificirt. .
Neueste Orient-Nachrichten:
Wien, 9. Oct. Officiell. Generalmajor Reinländer erreichte am 7. d. nach mehrstündigem leichten Gefechte Peci und Pecki Gora. Am 8. d. wurde die Entwaffnung von Peci und Umgebung vorgenommen. Die Verluste am 7. d. betrugen: 1 Mann tobt, 2 Offiziere und 6 Mann verwundet. Am 6. war der Verlust an Mannschaften: 47 Todte, 184 Verwundete. — Reinländer marschirt am 9. nach Podzwiza, am 10. nach Vernograc und hofft auch in diesen Gegenden auf baldigste Herstellung der Ruhe.
Deutsches Reich.
** Berlin, 10. Oct. Die heutige „Provinzial-Cor- respoudenz" konstatirt in ihrem Leitartikel nur den status rerum bei Beginn der zweiten Lesung der Sozialistenvorlage im Reichstage, nämlich die gewonnene Grundlage der Verständigung einerseits und die noch verbliebenen Differenzpunkte andererseits. Das Blatt spricht dabei die Ueber- zeugung aus, daß die Commissionsberathung den sicheren Grund für eine Vereinbarung gelegt habe und daß die Zuversicht begründet erscheine, Uebereinstimmung in Wesen und Ziel werde die letzten Schwierigkeiten überwinden lassen. Offenbar mit Bezug auf die mehrfachen Andcutungen der „Nat.-Ztg." über die alleinige Verantwortlichkeit der Regierung für den eingeschlagenen Weg macht die „Prov.-Corresp." den Vorbehalt, daß die Regierung die Zustimmung und Mitverantwortlichkeit bei dem Reichstage gesucht und gefunden habe, weil aber der Regierung vornehmlich die unmittelbare Verantwortlichkeit für die Durchführung der schwierigen Aufgabe zufalle, sei dieselbe um so dringender verpflichtet, bis zum letzten Aubenblick alle Abschwächungen des Gesetzes, welche die Wirksamkeit desselben ernstlich gefährden, zu bekämpfen. — In der heutigen Sitzung der Reichstags hat Fürst Bismarck ungewöhnlich früh das Wort ergriffen und hinter der Bedeutung seiner ausführlichen Erklärungen treten alle anderen Kundgebungen für jetzt zurück. — Von Interesse ist eine Verfügung des Cul- tusministerS an die Provinzialschulkollegien, in welcher er dieselben amveist, dem Ucberhandnehmen der Dispensationen vom Musikunterrichte bei den Lehrerseminaren entgegenzu- treten. Wenn diesem Verfahren, heißt es, welches in ben bestehenden Bestimmungen keine Begründung findet, nicht Einhalt gethan werde, so sei nicht nur ein Rückgang in der Lehrerbildung unvermeidlich, sondern es würde auch die Volksbildung geschädigt werden. Es komme dazu, daß die Seminare bisher durch die Ausbildung einer großen An
zahl von Organisten auch der Kirche Dienste geleistet hätten, es liege kein Grund vor, diesen Dienst jetzt zu versagen. — Zur Ausführung des kaiserlichen Gnadenerlasses vom 22. v. M. für die aus Elsaß-Lothringen stammenden fahnenflüchtigen Rekruten hat der Kriegsminister unter dem 3. d. M. besondere Bestimmungen erlassm. — Die in Swi- nemünde liegende Corvette „Sachsen" wird, sobald sie ihre Probefahrt geleistet hat, welche vermuthlich noch in dieser Woche stattsinden wird, nach Kiel übergeführt werden, um unter die Schiffe der deutschen Flotte eingetragen zu werden. Das Schiff „Elisabeth", welches von der Reffe um die Erde zurückgekehrt ist, wird in Kiel desarmirt werden und dann zur Ausbesserung nach Danzig gehen. — Für die Prüfung der Turnlehrerinnen, welche nach dem Reglement im Herbst d. I. hier stattfindet, hat der Cultusmi- nister den Termin auf den 21. November anberaumt.
Kiel, 8. October. Bei der gestrigen Anwesenheit des Kronprinzlichen Paares an Bord des „Prinz Adalbert", schreibt die Kiel. Ztg., ließ die Frau Kronprinzessin sich die sämmtlichen Kadetten von ihrem Sohn, Prinz Heinrich, vorstellen und sprach mit Jedem derselben einige freundliche Worte. Besonders lange unterhielt sie sich mit Denjenigen, welche bei bemjlntergange des „Großen Kurfürsten" an Bord dieses Schiffes gewesen waren. Auch mit dem Stabsarzt Dr. Braune, der als Schiffsarzt auf dem „Prinz Adalbert" die Reise mitmacht, hatte die Hohe Frau eine längere Unterredung. Die Korvette „Prinz Adalbert" wird am 12. von hier in See gehen und zunächst Plymouth anlaufen, wo weitere Ordres eintreffen sollen.
München, 9. October. Der Erzbischof von Bamberg reiste heute um 9 V< Uhr in Begleitung mehrerer Kleriker nach Nom.
Kaiserslautern, 9. October. Zum Abgeordneten in den bayerischen Landtag wurde im Wahlkreis Neustadt- Landau gewählt: Landrichter Trauch aus Blieskastel (üb.) mit 161 gegen 37 Stimmen.
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Wien, 7. October. Der Sekretair der vsterreichisch- nilgarischen Botschaft in Konstantinopel, Herr Karl Pmm- ler, hat, wie hiesige Blätter melden, von dem Deutschen Kaiser ben Kronenorden erhalten. Diese Auszeichnung ist die Anerkennung für eine ebenso kühne als Ichöne That, welche Herr Prnmler im Sommer vorigen Jahres vollbrachte. Damals ward in Konstantinopel der deutsche Schiffölieutenaitt v. Oertzen von fünf Tscherkessen überfallen und wäre das Opfer der Strolche geworden, wenn nicht unser wackerer Landsmann zu seiner Retttmg herbeigeeilt wäre, zwei der Tscherkessen, die mit Revolvern auf ihn feuerten, für immer kampfunfähig gemacht und den
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Auch für Georg vergingen die letzten Tage vor einer Abreise in mehr als einer Beziehung höchst raurig. Durch den Telegraphen gebeten, hatte Anliane H gleicher Weise umgehend in Gestalt einer Ordre an
HerodiaS.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
Und sollte denn nicht auch endlich in Mathildens Seele der natürliche Stolz des Weibes sich gegen Georgs Kälte, gegen seine Handlungsweise empören? Fern von Rm, auf Nimmerwiedersehen getrennt, konnte sie nicht Mehr hoffen, ihn endlich doch für sich zu gewinnen; es War Alle-, Alles zu Ende, sobald erst einmal bas Dampf- Dhiff ben Hafen von Hamburg verließ.
t AIS Johannes vorüber ging, stanb sie am Fenster und Mh hinaus, aber ohne ihn zu bemerken. Ihr Gesicht zeigte »itte Spur von Farbe, ihre Hände hingen müssig gefaltet _ «erab und der Blick folgte den ziehenden Wolken. Mathilde sth aus wie eine rührend schöne Verkörperung des tiefsten Seelenschmerzes.
974 i Die Zähne des jungen Mannes preßten sich auf 103 i 'einander. Nicht er war es, dem dies Verfunkensein, diese Klle wehmüthige Trauer galt, nicht er, sondern ein An- inqf *ttT' Glücklicherer, — aber auch derselbe rettungslos Ver- 245 i ^rene, dem nichts mehr übrig blieb, als Europas Küsten t<2« L®uf immer zu verlassen und im fremben Brod ein werth- 934 MS gewordenes Dasein hinzuschleppen, abhängig, mittellos, ^5» dem Scorpivnenstich ber Reue preisgegeben. Ein Funke litztc aus seinen tiefliegenben Augen. „Hüte Dich, ber ----Du mir jetzt in den Weg treten möchtest — Du findest >78. täten zum Aeußersten entschlossenen, vor Nichts zurück- tll»3 Dreckenden Gegner I" 1.87,8j.
ein dortiges Bankhaus den Betrag der immerhin sehr erheblichen Reisekosten vorerst hergeliehen, Mathilde arbeitete Tag und Nacht, um den Bedarf an Wäsche selbst anzufertigen, auch ein paar Koffer wußte sie herbei zu schaffen uiib dies und das für die lange Fahrt wünschenswerthe Stück wie durch Vermittelung von Feenhänden plötzlich in Georgs Schrank zu bringen, — er aber, er, der rastlos Thätige, der leicht verletzte zartfühlende Manu, er mußte das alles geschehen lassen, ohne persönlich das Geringste dazu beitragen zu können; er sah sich abhängig, von der Freundschaft Anderer gleichsam getragen, zum Dank verpflichtet, — er, ber immer gegeben hatte, immer der Trost und die Zuflucht bedrängter Herzen gewesen war!
Den Kops in die Hand gestützt, die längst erkaltete Cigarre zwischen den Fingern, das Buch aufgeschlagen vor sich, so saß er stundenlang und blickte ins Leere, kaum irgend etwas denkend, nur von einem bitteren, quälenden Schmerzgefühl heimlich verzehrt. Wenn dann bas Rollen ber Maschine einmal auf Augenblicke schwieg, wenn ihm Mathilbe ein freunblicheS, ermuthigenbes Wort sagte, küßte er ihre Hand unb schüttelte seufzend den Kopf, die sanfte Stimme berührte ihn fast wie ein körperlicher Schmerz.
Er war gekommen unb hatte rücksichtslos int Ueber- muth dcö Egoisten bas ungeliebte Mädchen durch seine Werbung beleidigt, hatte ihr Freiheit und Glück geraubt, — jetzt besaß er auf Erden nichts mehr, als diese freue verschmähte Hand, die ihm das Leben erhalten, die für ihn sorgte unb bulbete, die sich zum Schutz für ihn erhoben hatte, als er sterbend, von Allen verlassen, dalag.
Der Boden brannte unter seinen Füßen, jede Sttmde in diesen Verhältnissen durchlebt, zehrte tödtend an seinem innersten Wesen, und doch — der Abschied that weh. Er ging noch einmal zum Grabe der einst so
glühend geliebten Jndierin, er pflückte von dem Epheu unten am Stein ein frischgrünes Blatt und wunderte sich, daß dabei fein Herz so ruhig schlug. Es war jdoch Alles, Alles nur Selbsttäuschung, es gab unter ber Sonne nichts Wahres, nichts Echtes, er fühlte es an ben matten Pulsschlägen, an der ganzen menschenfeindlichen mit sich und der Welt zerfallenen Stimmung die ihn beherrschte.
Arme Daschka! so allein gestorben im fremden Lande, verbannt aus der Heimath um seinetwillen, getäuscht, betrogen wie er selbst, und nicht einmal heiß betrauert von Dem, den sie geliebt, den sie eher tobt als in den Armen einer Anderen sehen wollte. Ihn schüttelte es. Er hatte für das leidenschaftliche Herz, dessen Staub da unten ruhte nichts als einen wehmüthigen, mitleidsvollen Abschiedsgruß; er ettappte sich sogar, noch während seine Hand den Grabstein berührte, auf heimlichen Vergleichen.
Alles Blut trat siedend heiß in sein Gesicht. War er im Begriff, an dem eigenen Bruder zum Verräther zu werden, wollte er feigerweise Das sein Eigenchnm nennen, was er doch tatsächlich nur mit kecker Hand geraubt hatte? — Er raffte sich auf und ging langsamen Schrittes fort Immer tiefer drangen die spitzen Stacheln des Selbftvor- wurfes in seine Seele er erschrack zu Hause vorj dem eigenen Bilde unb vermied» es sorgfältig, bie junge Frau anzusehen. Nur noch bieser Abenb, morgen würde ja die Trennung von hier das alles gewaltsam ersticken, morgen gab es für ihn keine Frage, kein Interesse mehr, — er legte bie Hanb an seine eiskalte Stirn. Pnlstrte wirklich ba drinnen noch Leben?
„Komm, Georg," bat freundlich die junge Frau, Du bist erschreckend blaß. Wenn Du Dich krank fühlst so wird die Reise noch verschoben, nicht wahr?"
Er hob beinahe heftig die Hand. „Nein, um des