ng
Nr. 238.
Marburg, Donnerstag, 10. October 1878
XIH. ZhkMg.
g de,
2 bi
nb 13
Ln,eigen nimmt tmgegen: He Expedition d.vlatte», fonie d.Annoncen-Bureaux von Tb- Dietrich & So. in gefiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Laafenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, zeipzig, Evln re.; Rudolf Mffe in Berlin, Frankfurt a. M- ic
WklMchk ZeitW.
Anzeigen nimmt entgegen: die Epiedition d Blatte», sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2e Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgcbühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-
Tagesbericht.
$
neu)
nur
2678
-20 Ed. Saul jtern ein, iich. «er, c.
Der Kronprinz, welcher Montag Abend kurz vor 9 Uhr M Kiel nach Berlin zurückkehrte, begab sich vom Bahnhöfe aus sofort zum Fürsten BiSmarck, bei welchem er Mgere Zeit verblieb, und setzte mit der Kronprinzessin um tz Uhr die Rückreise nach Potsdam fort.
Die konservativen Fraktionen des Reichstages sind gegen Ae Terminbestimmung bezüglich der Gültigkeit deS Sozia- Wengesetzes. Das äußerste Zugeständuiß, das sie machen wür- ten, wäre eine 5jährige Gültigkeitsdauer. — Die national- Krrale Fraktion beendete gestern die Berathung der Sozialisten- tzrlage. — Die „Nat.-Ztg." schreibt, die Fraktion habe im sentlichen Stellung aus den Beschlüssen der Commission ommen. — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge wurde das kische Rundschreiben in Betreff der österreichischen Occu- ion am Montag durch Sadullah Bey in Berlin überreicht.
Während der „Courier d'Jtalie" die Behauptung auf- t erhält, daß der Erzbischof von Bamberg Herr v. reiber vom Papste nicht nach Rom befohlen worden bringt die „Rational-Zeitung" die positive Meldung, Herr v. Schreiber am 9. Oktober die Reise nach m autreten werde. In seiner Begleitung befindet sich erzbischöfliche Rath br. jur. Max Lingg. Ob es sich um m Rus, eine Mission oder eine freiwillige Reise handelt, n zur Zeit nicht entschieden werden.
In der Angelegenheit der österreichischen CabinetSkrisis Mrde der Präsident des Abgeordnetenhauses Dr Rechbauer vom Kaiser empfangen. Dr. Herbst ist gleichfalls vom Kaiser berufen worden. Man sagt, auch Schmerling, Eichhoff, Wolfrum und Taaffe sollen berufen werden... .
Die „Correspondance Universelle" versichert wiederholt, °ß anzösische Regierung fest entschlossen ist, ein ilebiscit über den Fortbestand der Republik zu veranstalten, iach Informationen, die uns neuerdings zugcgangen sind, oürde allerdings seststehen, daß ein Plcbiscit, welches Inchsam die Absetzung der kaiserlichen Dynastie zu bestä- gen hätte, schon früher von Führern der republikanischen ßattei in Anregung gebracht worden ist. Gambetta selbst pt sich im Jahre 1870 im gesetzgebenden Körper über kse Form des allgemeinen Stimmrechts ün Princip Knstig ausgesprochen. Heute aber, nachdem die kaiserliche Dynastie seit sieben Jahren depofiedirt ist, nachdem die
f26Ktzten Wahlen über die Stimmung des Landes keinen ------ Zweifel gelassen haben, und Erscheinungen beunruhigender 1878. $rt nicht vorliegen, würde ein PlebiScit indirect nur zum Schaden der Republik ausschlagcn. ES würde in der Cou-
:urt
eben a wderli
solidimng der Republik entschieden ein Rückschritt gemacht werden, wenn eine auch nur kleine Minorität sich gegen den Fortbestand derselben erklären sollte
Neueste Orient - Nachrichten:
Wien, 8. Okt. Generalmajor Zach meldet aus Zavalje an das General-Commando Agram: Generalmajor Reinländer hatte am 6. d. ein den ganzen Tag dauerndes glückliches Gefecht auf den Höhen südöstlich von Peci gegen starke Streitkräfte der Insurgenten. Die Verluste auf österreichischer Seite waren leider bedeutend; die Zahl der Tobten und Verwundeten beträgt 170 bis 180, darunter 9 Offiziere. Am 7. d. wurde das Gefecht wieder ausgenommen. Details fehlen noch.
Wien, 8. Okt. Die „Polit. Corr." meldet aus Konstantinopel vom 8. ds.: Der russische Botschafter Fürst Lobanosf erklärte dem Großvezir: Die Russen räumen Adrianopel erst, wenn sämmtliche Bestimmungen des Berliner Friedens, hauptsächlich in Betreff der Territorial-Ab- tretungen an Serbien und Montenegro, erfüllt sind. — Wie verlautet, ist Rußland geneigt, dem Fürstenthum Bulgarien eine Notabeln-Verlretung mit dem fitechte der Steuer- votirung und der Berathung der Venvaltungs - Angelegenheiten zuzugestehen. — In Folge der energischen Haltung Layards in der asiatischen Reformfrage wurde ein prinzipielles Einvernehmen über einzelne Punkte erzielt. — Dieselbe Korrespondenz meldet aus Bukarest vom 8.: In der geheimen Sitzung der Kammer wurde eine Motion beschlossen, welche dem Schmerze über die Rumänien auferlegten Opfer Ausdruck gibt und erklärt, daß das Land sich dem collektiven Willen der Mächte unterwerfe. Die Re- gierung wird der Kammer Gesetzentwürfe betreffs der Besitzergreifung der Dobrudscha und des Zeitpunktes bis wohin die Entscheidungen des Congresies mit der ruuzänischen Verfassung in Einklang zu bringen sind, vorlegen.
Rom, 8. Oct. Der Vatikan hat Schritte gethan, daß in der Verfassung des Fürftenthums Bulgarien die Rechte der den Papst anerkennenden bulgarischen Kirche mittelst einiger Privilegien respectirt werden. Auf Bosnien und die Herzegowina wird der Vatikan die katholische Hierarchie nicht ausdehnen, aber bemüht sein, der katholischen Kirche ihre specicllen Institutionen zu erhalten.
London, 8. Oct. „Reuter's .Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 7. d., Lord Salisbury habe die britischen Konsuln aufgefordert, über die Verwaltung der Finanzen und Zölle der Türkei Bericht zu erstatten. Das Gegen- project der Pforte über die asiatischen Reformen habe in drei von England bezeichneten Punkten einige kleine Abänderungen erfahren. England werde wahrscheinlich den Gcgenentwurf der Pforte annehmen, sobald ihm derselbe
officicll mitgetheilt werde. Die officielle Mittheilung des- selbm sei baldigst zu erwarten. England selbst beantragte, daß die Gehülsen (Koadjutoren) bei den Appellhöfen Europäer und nicht bloß Engländer sein sollten; auch die Fi- nanzcontroleure sollten Europäer sein.
Bukarest, 7. Oct. „Romanul" schreibt hinsichtlich der Revision der Verfassung aus Anlaß der Judenfrage: die Regierung werde vorher eine Volkszählung vornehmen müssen, um die fremdländischen von den im Inland ge- borenen Israeliten zu unterscheiden. Letztere würdm in der Lage sein, sogleich naluralisirt zu werden, während die anderen die Naturalisation nach den für alle Fremden vor- geschriebenm Normen würden nachzusuchen haben.
Konstantinopel, 7. Oct. Eine amtliche Kundmachung bestätigt, daß monatlich der Zurückkauf von Kaimes im Betrage von 50,000 Livres erfolgen soll; die dafür erforderlichen Gelder würden durch Zollerhöhungen beschafft werden. > -- ; -
Deutsches Reich.
*» Berlin, 8. October. Die „Germania" stützt sich auf das Zcugniß der Allg. Evang.-Luther. Kirchenzeitung, um nochmals zu behaupten, daß Fürst Bismarck bei seinen Verhandlungen mit Nuntius Masella sich von politischen Erwägungen habe leiten lassen, nämlich von der Absicht, die Ueberführung des Centrums in das Lager der Regie- , rung durch den Einfluß des Papstes herbeizuführen. Was die Gewähr der Allg. Evang.-Luther. Kirchenzeitung betrifft, so ist dieselbe von vornherein sehr verdächtig, da das Blatt seit langer Zeit in Opposition zum preußischen Staate steht und die Beziehungen des Staates zur Kirche von einem ganz einseitigen altlutherischen Standpunkte auffaßt. Die Germania hat ihrerseits nicht uugetheilte (Gesichtspunkte für die Beurtheilung der fraglichen Verhältnisse. Die angeblich thatsächlichen Mittheilungen deö Blattes über die Verhandlungen des Fürsten Bismarck mit Rom sind lediglich innerhalb dieses trüben Gesichtskreises nach Willkür kom- binirt und zurecht gemacht. Die Germania selbst tritt einzelnen der angeblich thatsächlichen Behauptungen jenes Blattes entgegen, versagt sich aber gleichwohl nicht, die irrthüm- lichen Mittheilungen für ihre Zwecke zu benutzen. Daß Fürst Bismarck in seinen Verhandlungen mit Rom von politischen Gesichtspunkten ausgeht, kann man ohne Weiteres zugeben; seine Aufgabe ist es, die Sache des Staats zu sördeni, wie sollte er dazu kommen von anderen Gesichtspunkten auszugehen? Ebenso ist es selbstverständlich, daß bei seinen politischen Erwägungen die Beruhigung der Gemüther deS katholischen Volkes ein wichtiger Punkt ist und daß er von dieser Beruhigung eine allmäliche Aende-
111110* flb.90,1 E
Herodias.
Ctbr.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
'8,25
14.
03,70
u
16,- •2,40 !45,-
99,80
99,80
----- ' Johannes rang nach Athem. Wer ihn genau gekannt 04.70! itte, der würde bemerkt haben, daß er während der letzten fc Knuten einen Ausspruch, wie ihn Hoffmann gethan, be- •* RS erwartete. Nür um zu triumphiren, um seine Macht '] ir Geltung zu bringen und einen entscheidenden Schlag
| * — v v v » —
o'i,901 4 führen, war der Unselige überhaupt hierher gekommen, 10,20 h nr in feindlicher, egoistischer Absicht machte er ihm jene Mit-
* klung, das ließ sich aus den ersten Blick erkennen. — 1'25 bl ine lange Pause folgte den letzten Worten, Johannes fi""'
ine lange Pause folgte den letzten Worten, Johannes fühlte, B25^a$ ihm alles Blut zu Kopfe stieg, daß er daran war, ( st mehr logisch denken zu können. Georg in Calcutla, Ma- 05,7sWlde hier--o Gott, Gottl Aber zwischen ihm selbst
b diesem Bilde einer lachenden Zukunft stand daS lauernde reifte Gesicht des Menschen, den er hätte erwürgen, tobten en. So nahe am Ziel, glücklicher als er jemals hoffen rste, zu werden, — sollte ihm in der zwölften Stunde Alles verloren gehen?
Er bezwang sich gewaltsam, er raffte alle feine Kräfte
vr,—Hosammen, um ruhig zu bleiben, wenigstens äußerlich, »md Sprechen Sie deutlich," sagte er, „worin bestehen Ihre ° stohungen und Ihre — vermeintlichen Forderungen?"
99 80 Der Andere lächelte. „Kaufmännisch kurz, so liebe ich 10050 I, Herr Hardenberg. WaS mein vorhin genanntes Mittel 99,60< ttrifft , nun so zeige ich dem Herm Georg das Couvert, “• »elcheS Sie schon kennen, und erzähle ihm Einiges von en Ereignissen des dreißigsten November. Ein Comptoir- Z'_ jener tritt ein zu jeder Zeit, er heizt die Ocfcn. fegt, «75 b ringt Briefe und Zeitungen, er geht, um seine Chefs nicht u stören, gewohnheitsmäßig auf leisen Svhlea, er hat
endlich den Schlüssel zum Wandschrank, in dem alte Jahrgänge von Geschäftsbüchern aufgehoben wereen, wo der Feuerungskasten steht und so manches Andere, was er ordnet, reinigt oder irgendwie verwaltet. Ein Comptoirdiener sieht Alles, hört Alles, weiß Alles, — ihm entgeht nichiS. Bin ich jetzt deutlich gewesen, Herr Hardenberg?"
Johannes hielt die Blicke fest auf das Pult geheftet. „Nicht ganz," sagte er mit erkünstelter Ruhe, „aber sprechen Sie jetzt von Ihren Forderungen. Natürlich betrifft eö wieder Geld."
Ho ' mann schüttelte den Kopf. Er spielte wie die Katze mit der Maus, mit feinem erkorenen Opfer. „Heute nicht, Herr Hardenberg."
„Nicht? Was wollen Sie denn?"
Der ehemalige Comptoirdiener rieb sich die Hände. Auf seinem Gesicht erschien wieder jene Unruhe, das halb und halb verlegene Lächeln von vorhin. Wie mit einem plötzlichen Anlauf sagte er: „Diese Frühlingsluft ist beinahe noch unbehaglicher als der Winter selbst. Darf ich Ihnen eine Cigarre anbieten, Herr Hardenberg?"
„Ich rauche nicht!"
Johannes wies mittelst einer Handbewegung, ohne Dank oder ein überflüssiges Wort, das dargebotene Etui zurück. „Kommen Sie zur Sache."
In Hoffmann's Zügen kam und ging die Farbe. Sein früherer Prinzipal hatte ihn, vielleicht ohne es selbst zu wissen, empfindlich verletzt, hatte ihm den Unterschied seiner und der eigenen gesellschaftlichen Stellung so deutlich in Erinnerung gebracht, daß er fühlte, wie der Trotz erwachte. „Sie rauchen nicht", sagte er, „wirklich nicht? Das ist schade, denn zu der Erörterung, welche uns jetzt bevorsteht, brauchen wir vor allen Dingen Gemächlichkeit und Ruhe."
Johannes schwieg. Der Verhaßte an seiner Seite sollte womöglich nicht sehen, wie brennend die Furcht ihn quälte,
........
sollte nicht den Triumph genießen, ihn foltern zu dürfen. Er that, als lese er, bis endlich Hoffmann etwas näher zu ihm trat. „Wissen Sie, Herr Hardenberg", sagte er, „so wie es jetzt ist, kann es unmöAich länger bleiben. Ich bin, wie man den Zustand der Halbheit gewöhnlich nennt, weder Fisch noch Fleisch; ich soll mein gutes Recht, so ost ich Geld brauche, von Ihnen erbitten, als sei cs ein Geschenk; das habe ich nachgerade einmal satt. Mein Vorschlag wäre also —"
Er zögerte, er war sich offenbar deS Wagnisses vollständig bewußt. „Nun, Herr Hardenberg errathen Sie denn nicht, was folgen wird?"
„Durchaus nicht. Es sei denn, daß Ihnen Ihre eigene Unverschämtheit zum Bewußtsein gekommen wäre und daß Sie die Stellung als Comptoirbote wieder zu übernehmen wünschen."
„Ha/ ha, ha, ich will rin Esel sein, wenn Sie selbst von dieser Fabel auch nur ein einziges Wort glauben. Nein, mein Herr Hardenberg, so billig kaufen Sie die Abreise des armen Herrn Georg nicht, das sage ich Ihnen. Und nun geben Sie Acht!--Wir werden Compagnons,
Sie und ich, uns gehört das Geschäft zu gleichen Theilen, wir —"
Johannes kannte sich selbst nicht mehr. Mochte er alles Mögliche erwartet haben, so doch das nicht.
„Elender!" preßte er mühsam hervor. „Was erfrecht sich ein solches Subject? — Hinaus! sage ich, hinaus! ober ich brauche mein Hausrecht."
Hoffmann beugte sich weit über ben Tisch. Zorn und Aufregung raubten ihm alle vorher bewahrte Mäßigung. „Elender?" wiederholte er, „Elender? Das ist zu hübsch von Ihnen, Herr Hardenberg, und was sind denn Sie selbst, blasser, hohläugiger SeUenverkäufer, der. Niemandem offen in's Auge sehen kann, dem daö böse Gewissen in