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Jllarfiucg, Mittwoch, 9. October 1878

xiii. Zahrgiiz.

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anietgtn nimmt entgegen: Mt Expedition d.Blatte-, sowie d.Aunoncen-Bureaur von Ä>. Dietrich & 6o. in «affel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a M.; naasenstein & Vogler in jrantfurt a M., Berlin, Leipzig, Köln Rudolf itteffe in Berlin, Frank­furt a. M- jc

(Olicilirffifrfir jfitimii.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteL Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf-. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf-. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pf-, berechnet.

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SAstr das üirrir Quartal werden Bestellungen ö auf die

nebst

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li.i IllustrirteS Sonntagsblatt leiben von allen Postanstalten noch angenommen.

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Tagesbericht.

Dem Vernehmen nach begibt sich Se. Majestät der Kaiser von Baden-Baden zu mehrwöchentlichem Aufenthalte nach Wiesbaden und kehrt erst Mitte November mit Jh. Maj. der Kaiserin nach Berlin zurück. Definitives indessen ist bisher noch nicht bekannt.

Der Reichstag erledigte gestern, am Montag, die auf der Tagesordnung stehenden mündlichen Berichte der Ab- theilungen und der Wahlprüfungs-Commission durchweg den von diesen gestellten Anträgen gemäß. Während der Sitzung verweilte Fürst Bismarck kurze Zeit am Tische deS BundeSrathes. — Nächste Sitzung Mittwoch. TageS- i ordnung: Präsidentenwahl und zweite Lesung des Sociali- stengesetzes.

Die nationalliberale Fraktion setzt Montag Abend die am Vormittag begonnenen Berathungen bezüglich des So- cialistengesetzeS fort; es wurde beschlossen, die Verhandlungen als vertrauliche zu behandeln. Der „Nationalztg." zufolge bewegt sich die Fraktion im Großen und Ganzen auf dem I Boden der Commissionsbeschlüsse.

Der „Reichsanzeiger" bemerkt den vielfachen Hoffnungen und Befürchtungen, welche hinsichtlich der Eisen-Enquete in öffentlichen Blättern hervortreten, gegenüber, daß die Enquete-Commission überhaupt nur den Auftrag hat, die Lage der Eisenindustrie objektiv durch Vernehmung von Sachverständigen sestzustellen, dagegen nicht befugt ist, sub­jektive Urtheile abzugeben und Vorschläge bezüglich der Zollgesetzgebung zu machen.

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43. Roman von W. Höffer.

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1878.

Wie das „Memorial diplomatiquv" meldet, macht die deutsche Reichsregierung lobenswerthe Anstrengungen, um den drohenden Krieg zwischen Rußland und Großbritannien abzuwenden. Fürst Bismarck übt durch den deutschen Bot­schafter in Konstantinopel einen Druck aus, um den Sultan liches zu veranlassen, dem Emir von Afghanistan die Annahme der englischen Mission zu empfehlen. Ferner hat sich Kaiser Wilhelm mit der dringenden Bitte an den Czar gewendet, jede Complikation zu vermeiden, welche dem europäischen Frieden gefährlich werden könnte.

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Er sprang hastig auf. „Und Alles verlassen sollte ich, waS mir hier zu thun bleibt? Mathilde, ich sollte still­schweigend das Testament deS Vaters anerkennen, sollte inner wie der Sohn deS letzten Bettlers — denn ich habe Schulden! — afts Europa fortgehen und das Milliouen- Erbe vergessen, als hätte es nie cxistirt? Kannst Du das verlangen?"

Ihre Hände zitterten so stark, daß er sie zwischen die seinen preßte und tot ihr stehend mit leidenschaftlicher Frage in das dunkle Auge blickte. „Mathilde," wiederholte er, „kannst Du das verlangen?"

Ihr Athem flog, ihre Brust hob und senkte sich schwer, selbst die Lippen schienen wie vom Tod geküßt. „Soll ich Dir Alles sagen, Georg?"

tfttt,h- „AlleS! - Alles!"

„Du mußt eS," flüsterte sie kaum verständlich, „Du hast Dein besseres Selbst verleugnet um dieses Geldes willen, Georg, hast Anderen tiefe Wunden geschlagen und bitteres Leid über Dein eigenes Haupt heraufbeschworen, — da« heischt Sühne. Komm zurück, wenn Du im Stande bist, Deine Verpflichtungen zu tilgen, wenn sich Deine Seele frei gemacht hat von dem Gedanken an das reiche Erbe als an das höchste Gut des Lebens! — mir aber", setzte sie bittend hinzu, „mir vergieb, daß ich diese Worte aus­gesprochen habe. Ich war sie Dir meiner innersten Ueber- zeugung nach schuldig."

Er antwortete nicht. ES stürmte in ihm zu gewaltig, rS gab eine Stimme, die heimlich DaS, was die junge Fran gesagt, in seinem Herzen bestätigte. Er wandte sich ab und

Inzwischen ist die afghanistanische Comödie bereits in den zweiten Akt eingetreten. Der Telegraph meldet bereits, daß die indische Regierung die militärische Aktion begonnen hat. Die Eile, mit der man von englischer Seite die künst­lich geschaffenen Verwicklungen ausbeutet, ist doch nur ge­eignet, den Verdacht zu erregen, daß es sich um die Aus­führung von Plänen handle, die längst vorbereitet sind.

Von den 1400 Millionen Rubel, welche die Türkei als Kriegsentschädigung Rußland schuldet, soll, wie die Pall Mall Gazette schreibt, nur der Betrag von 200 Millionen Rubel in Geld zur Auszahlung kommen. Der Rest von 1200 Millionen soll durch die Gebietsabtretungen der Tür­kei für beglichen betrachtet werden. Die russische Regie­rung, verlangt nun, daß von den zu zahlenden 200 Mil­lionen die Hälfte an die russische Regierung, die andere an russische Kaufleute gezahlt werden soll, welche durch den Krieg Verluste erlitten haben. Außer dieser Kriegsent­schädigung verlangt Rußland, daß die Pforte der interna­tionalen Donau-Kommission eine halbe Million Francs bezahlen soll, um mit dieser Summe für die Beseitigung der die Schifffahrt in der Donau bedrohenden Hindernisse sorgen zu können.

Wenn in den telegraphischen Nachrichten kein Jrrthum vorwaltet, so hat der Krieg zwischen England und Afgha­nistan thatsächlich schon begonnen. Am 4. wurde aus Sim- la berichtet, die brittischen Truppen seien von Peschawer nach Jamrood vorgerückt, um AlimuLjid anzugreifen; ande­rerseits wurde gemeldet, daß der Emir von Afghanistan in Alimusjid Truppen anhäufe. Heute berichtet nun der Telegraph von der bereits erfolgten Besetzung von Alimus­jid durch die Engländer. Daß der Emir auch die Grenz­stämme zur Cooperation aufgefordert, beweist, daß von einem Zurückgehen seinerseits nicht die Rede ist; die Khy- beresen sollen sich den Engländern angeschlossen haben, die anderen Grenzstämme haben zunächst dem Emir versprochen, ihm Delegirte zur gemeinsamen Berathung kriegerischer Maßregeln zu senden.

Neueste Orient - Nachrichten:

Wien, 7. Ott. Meldungen der „Polit. Corr." Kon­stantinopel. Nachdem der Sultan bei seiner Weigerung beharrte, die Ermächtigung znm Abschluß der Convention mit Oesterreich zu ertheilen, ist letztere als endgültig auf­gegeben zu betrachten. Nichtsdestoweniger ist es Thatsache, daß man in den Kreisen der Pforte fortfährt, das größte Gewicht auf die Erhaltung des besten Einveniehmens und der ungetrübtesten Beziehungen zu Oesterreich zu legen. — Die Pforte ernannte Thair Pascha zum Delegirten

für die bulgarische und Aachja Pascha für die serbische Grenzfeststellungs-Cvmmission. Letztere Ernennung scheint erst erfolgt zu sein, nachdem der Fürst von Serbien tele­graphisch beim Sultan unter dem Ausdruck seines aufrich­tigen Wunsches wegen Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen bezügliche Vorstellungen gemacht hatte. Die türkisch - persische Grenzregulirungs - Commission ist vor­gestern zusammengetreten. Feridun Bey wurde zum Ge- neralconsul in Pest ernannt. — Aus Belgrad. Senator Christic ist zum Ministerresidenten bei der Pforte ernannt. Angeblich auf den Rath Rußlands beschloß der Fürst bei Neubildung des CabinetS conservative Elemente in dasselbe einzubeziehen.

Konstantinopel, 7. Okt. Die Pforte soll ein Rundschreiben an ihre Vertreter bei den auswärtigen Re­gierungen zu erlassen beabsichtigen, worin sie gegen daS inhumane Verfahren der Oesterreicher gegenüber den bos­nischen Mohamedanern, welches mit der angeblich pacifika- torischen Mission Oesterreichs in Widerspruch stehe, pro- testiren und von den Mächten verlangen würde, daß sie die Wiederholung dieses Verfahrens verhindern. Gleichzei­tig würde die Pforte von Oesterreich fordern, daß es den Vormarsch seiner Truppen bis zum Eintreffen der Antwort der Mächte einstelle.

Detttsches Reich.

** ©erlitt, 7. Oct. Sozialdemokratische und fort­schrittliche Blätter glauben als den preußischen Prinzen, welcher nach Bebel's Aeußerungen Lassalle beim Fürsten Bismarck eingeführt habe, den verstorbenen Prinzen Friedrich bezeichnen zu dürfen und zwar unter Berufung auf einen Brief Lassalle's aus dem Jahre 1848, aus welchem her­vorgeht, daß Prinz Friedrich damals Lassalle gekannt habe. ES liegt auf der Hand, wie unwahrscheinlich die Behaup­tung ist, daß jene sehr weit zurückliegende Bekanntschaft des Prinzen mit Lassalle auch nach des Letzteren Auftreten als sozialistischer Agitator fortgedauert haben soll. Die Sache erledigt sich aber mit Ausschluß jedes Zweifels da­durch, daß der Prinz im Juli 1863 starb, nachdem er schon geraume Zeit schwer leitend ohne jede Beziehung zur Außenwelt gewesen war. Von ihm konnte also eine Empfehlung Lassalle's an den Minister Bismarck Ende 1862 oder 1863 nicht ausgehen. — Die neueren Erörte­rungen der Presse über die Stellung des Ministers Dr. Falk sind reine Vermuthungen. — Die Haltung der libe­ralen Presse bleibt der schließlichen Verständigung in Bezug auf das Sozialistengesetz günstig. Die „Nationalzeitung" konstatirt, daß das öffentliche Bewußtsein bei den letzten Wahlen alle Candidaten mit Ausnahme der Sozialdemo-

ging in das anstoßende Zimmer, wo er am Fenster stehen blieb, mechanisch, ohne Absicht. Die Regentropfen rieselten an den Scheiben herab, der Thauwind heulte und pfiff — er hörte es nicht.

Da legte sich eine weiche Hand auf seinen Arm. Ma­thilde war ihm nachgekommen und sprach jetzt Worte des Trostes, der Beruhigung; sie verwies ihn auf die vielen ernsten Pflichten, welche vor ihm lagen, auf das ganze Leben voll Arbeit und künftigen Glückes, dem et sich erhalten müsse, sie bat ihn, gerade jetzt seinen Widersachern zu zeigen, daß er ein ganzer tüchtiger Mann sei.

Er zog sie im Dunkel des unbeleuchteten Zimmers mit beißen Armen zu sich und zwang sie, ihren Kopf an seine Brust zu legen. Wie schlug sein Herz, wie heiß war die Hand, welche sie streichelte. Mathilde bereute fast das kecke Wort, mit dem sie den Sturm entfesselte.

„Schlaf jetzt," bat sie ihn, „Du zitterst, Georg, Deine Nerven sind noch zu angegriffen, — gute Nacht!" — Sie hatte sich sanft aus seinen Armen befreit und hinter ihrer schlanken Gestalt fiel die Thür ins Schloß. Keine Silbe war über seine Lippen gekommen.

Ja, er fühlte es selbst, er mußte zurück nach Indien, aber sonderbar, der Gedanke, welcher früher den einzigen Wunsch seines Lebens ausgemacht, — heute schmerzte er ihn. Sollte er sich durch eigenes Urtheil verbannen aus dem kleinen anheimelnden Eden, das ihn hier umgab, sollte er allein, freundlos, auf das gute Glück Hilt den Weg über das Weltmeer nochmals suchen?

Einen Augenblick war er entschlossen, daS Zimmer Mathildens wieder zu betreten und ihr zu sagen: „Ich will gehen, aber — nicht ohne Dich!" — Schon legte er die Hand an den Thürgriff. Hatte er denn nicht zu diesen Worten ein gutes, vollwichtiges Recht, war sie nicht sein Weib, durch das Band der Ehe an ihn gefesselt, Die,

welche fein Loos theilen mußte nach göttlicher und mensch­licher Ordnung, eS sei ein schönes glückliches, oder das deS Ertragens ?

Aber ein anderer Gedanke ließ die erhobene Hand wieder herabsinken. Johannes! ihn hatte er vergessen, hatte übersehen, daß es Dieser war, den Mathilde liebte. Ein Schauer durchrieselte alle seine Adern. Als er die uugekannte, ungeliebte Cousine zum Altäre führte, da war daS für ihn der einzig mögliche Weg, um Chef der Firma Hardenberg und Sohn zu werden! Er fragte nicht nach dem, was sie fühlte, oder nach dem Schicksal, das an seiner Seite der armen Geduldeten bevorstand, sie war ihm lediglich das Mittel zum Zweck, er brachte ihre Existenz überhaupt nur in so weites die äußere Form betraf, — durfte er sich also erkühnen, heute dies Verhält- niß eine Ehe zu nennen und aus demselben solche Rechte, die nur das Herz gewähren kann, zu folgern?

Erst jetzt in dieser Stunde wurde ihm klar, wie er ge­handelt hatte.

Da schlug an sein Ohr, während er noch netzen der Thür stand und unentschlossen den Griff erfaßte — da« Rollen der Nähmaschine. Mathilde arbeitete, um den ver­lorenen Abend wieder einzubringen, sie erkannte auch in der heftigsten Gemüthsaufregung doch mit voller Sicherheit den richtigen Weg, sie handelte für ihn7 "" " '

Er wandte sich, erschüttert wie nie. Jetzt war fein Ent­schluß gefaßt. ’ ' ; ’ ----- V '

Johannes stand atit Pult unh blätterte in einer An­zahl von Briefen, die offen vor ihm lagen. Aus seinem Gesicht leuchtete der Ausdruck deS Triumphes, des innigsten Behagens. DaS Alles hatte Georg geschrieben, wenigstens im Original, wenn auch manche dieser Blätter Copieen waren, theuer erkauft von Cvmmiö und Hausknechten, durch