k
Nr. 2SS
Marburg, Sonnlag 6 October 1878
xm IahrMj.
zur
1 ’ nach: ] oupons,
ch. zu-
Zrechten, rforder-
An. i vee»
miliare, .lements
«der »ans-
[2510
,nk.
IIA
Tahrt
eh
gnieigtn nimmt entgegen: Mt Gxpedttivn d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dretrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt o.lDt.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Mffe in Berlin. Frankfurt a. M- ic.
GkchkUche jritiniü.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte-, sowie b. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werklagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SouutaaSblatt" durch die Ervedition Buchdruckerei- bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. !excl Bestellgebübrl - Jnser^ gespaliene Zette 10 «kn
Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet. la"
flkür das vierte Quartal werden Bestellungen ö auf die
Bherhtsstsche Zeitung
nebst
JllustrirteS Sonntagsblatt
von allen Postanstalten noch angenommen.
Politische Wochen-Ueberficht.
Unser Kaiser hat, nachdem er im besten Wohlsein der Enthüllung des Denkmals König Friedrich Wilhelm's 111. m Köln beiwohnte, sich zunächst wieder mit seiner hohen Gemahlin nach 0 oblenz begeben; am 28. September erfolgte dann die Reise nach Baden, welche sich zu einer ununterbrochenen Kette von Kundgebungen treuester Anhänglichkeit aller Kreise der Bevölkerung gestaltete. Die Feier des Geburtstages der Kaiserin fand im Beisein der gesammten kronprinzlichen Familie, welche von Berlin herbeigekommen war, am 30. September in Baden-Baden statt; an letzterem Orte verweilte zu dieser Zeil auch der russische Reichskanzler Fürst Gorischakosi. Falls die Kräftigung der Gesundheit deö Kaisers in der bisherigen Weise fortschreitet, so wird derselbe, wie eö heißt, nach dem Schluß des Reichstags oder gegen Ende des Monats October die Regierung wieder übernehmen. Fürst Bismarck ist am 28. September von Varzin wieder in Berlin eingetroffen, doch hat er an den Sitzungen der vom Reichstag für die Berathung des Sozialistengesetzes gewählten Commission nicht wie erwartet worden war, Theil genommen. Letztere hat ihre Arbeiten im wesentlichen erledigt, es ist indessen wenig Hoffnung vorhanden, daß der Gesetzentwurf nach den verschiedenen mit ihm vorgenommenen Amendirungen zu Perfection gelangt. Am 29. September ist in Arolsen die Verlobung des seit Juni v. I. verwitweten 61jährigen Königs der Niederlande mit der 20jährigen Prinzessin Emma von Waldeck verkündet worden; es fehlt nicht an Stimmen, welche die Schließung dieses Ehebündnisseö nicht loben können.
Die zwei französischen Deputirtenwahlen, die am venvichencn Sonntag in Moulins und Lyon stattfanden, wurden ganz allein von Republikanern ausgefochten; die Konservativen enthielten sich der Abstimmung, denn, sagt die „Gazette de France", das allgemeine Stimmrecht ist so in Verfall gekommen, wie der Olymp zur Zeit des Unterganges der Heidenwelt; man baute den Göttern noch Tempel, besuchte sie aber nicht mehr. Vom politischen Leben sind nach und nach wieder einige Anzeichen erschienen: obwohl die Session erst am 28. October wieder eröffnet wird, hat
sich schon eine bedeutende Schaar von Parlamentsmitgliedern in Paris eingefunden, um Vorbesprechmigen zu halten. Auch die Minister, die aus dem Lande weilten oder Rundreisen machten, werdm bis Ende dieser Woche wieder auf ihrem Posten sein.
_ Obwohl man sich in England über die großen Schwierigkeiten, die sich einem Kriege gegen Afghanistan entgegenstellen, keinen Täuschungen hingibt, so ist doch die öffentliche Meinung mit seltener Einmüthigkeit darüber einig, daß der von Schir Ali hingeworfene Fehdehandschuh ausgenommen werden muß, wenn das Ansehen Englands bei den indischen Völkerschaften nicht einen empfindlichen Stoß erleiden soll. Die Vorbereitungen für den Feldzug in Afghanistan werden daher sehr energisch fortgesetzt; über die Kriegsmacht des Emirs Schir Ali ist Genaues nicht bekannt. Als den schwierigsten in Betracht kommenden Umstand sieht man die Möglichkeit an, daß die Grenzstämme, die leicht eine Anzahl von 100,000 Kriegern zu stellen im Stande sind, eine feindliche Haltung annähmen. Die Regierung des Vicekönigs kehrt von Simla nicht nach Kalkutta zurück, sondern siedelt nach Lahore über, wo ein Lager gebildet wird. Ein sehr schnelles Vorgehen der britischen Streitkräfte ist kaum zu erwarten, da England sich der Möglichkeit eines Mißerfolges nicht aussetzen darf. Man wird daher erst dann zum eigentlichen Angriff schreite», wenn man über genügende Truppen verfügen kann.
Nachdem die Verstärkungen der Oesterreicher in Bosnien endlich eingetroffen sind und in die Action eingegriffen haben, sind die so lange zum Stillstana gebrachten Operationen wieder in Gang gekommen. Der Widerstand, auf den sie stießen, war kein nachhaltiger. Wohl kämpfte der einzelne Bosnier mit derselben Tapferkeit und Todesverachtung wie vorher, aber die Massen hielten nicht mehr hartnäckig an ihren Stellungen fest wie in den früheren Kämpfen. Ihre Hoffnung auf Erfolg, die sich nach den ersten Siegen zur vollsten Zuversicht steigerte, ist offenbar im Schwinden begriffen, wie man am besten aus der widerstandslosen Besetzung von Zwornik ersehen kann. In Ungarn ist die Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik im Zunehmen begriffen; auf einer großen Volksversammlung in Pest forderte man geradezu die Rückberufung der österreichischen Truppen auö Bosnien und nahm einen Antrag an, welcher dahin zielte, das Ministerium in Anklagezustand zu versetzen. Der Ministerpräsioenl Tisza und sein ganzes Ministerium verlangen ihre Verabschiedung, wie es officiös heißt, weil durch die Besetzungsauögaben die Ausführung der Finanzpläne für Ungarn unmöglich gemacht werde, wahrscheinlich aber wohl auch, weil sie zu der weiteten Durchführung der Wiener Pläne angesichts der Aufregung in Ungarn nicht die Hand bieten können. Tisza
und der Futanzminister Szell sind nach Wien gereist, um die Entlaffungögesuche dem Kaiser persönlich vorzulegen. Szell'ö Entlassungsgesuch ist angenommen; im Weitern ist eine Entscheidung bis jetzt noch nicht erfolgt.
Tagesbericht.
Der Kronprinz empfing gestern Nachmittag den Fürsten Bismarck. — Der „Reichsanzeiger" meldet: Nach amtlicher Mittheilung ist rnssischerseits die Desarmirung der russischen Häsen am Schwarzen Meer und die Aufhebung der unterseeischen Minen angeordnet worden.
Bei der heutigen anderweitigen Verhandlung gegen den ehemaligen Legationssekretär von Los, welcher angeklagt ist, den Fürsten Bismarck durch mehrere Artikel der „Reichsglocke" und der „Deutschen Eisenbahnztg." beleidigt zu haben, erkannte der zweite Criminalsenat deö Kammergerichts auf Bestätigung des Erkenntnisses erster Instanz, durch welches v. Loö zu einem Jahr Gcsängniß verurtheilt wird. Fürst Bismarck hatte seine von dem Angeklagten beanttagke Vernehmung als Zeuge unter Berufung auf § 313 der Criminalordnung und § 11 und 12 des Reichsbeamtengesetzes abgelehnt. Vom Gerichtshof wurden die seitens des Angeklagten gestellten Beweisanträge abgelehnt, da die beleidigende Form der incriminirtcn Artikel ganz besonders unter Anklage gestellt, somit der Beweis der Wahrheit der vom Angeklagten behaupteten Thatsachen sachlich unerheblich sei.
In der heutigen Sitzung der Reichstags-Commission für das Socialistengesetz wurde der Text des Gesetzes nach den Beschlüssen der zweiten Lesung und der sehr umfangreiche von Schwarze erstattete schriftliche Bericht festgestellt. Der Vorsitzende, v. Bennigsen, dankte den Commissions- Mitgliedern für ihre mühevolle Arbeit. — Die nationalliberale Fraktion tritt Montag Vormittags 11 Uhr, zur Berathung des SocialistengesetzeS zusammen.
Wie die „Post" mittheilt, sind sowohl Se. Majestät der Kaiser, wie Fürst Bismarck während des Aufenthalts in Gastein und der späteren Reisen mit bösartigen Droh- briehrn sörmlich überschüttet worden. Ebenso sind zahlreiche Warnuiigen vor neuen Attentaten eingegangen. Die „Post" erblickt darin mit Recht einen Beweis für die in weiten Kreisen der Bevölkerung herrschende Verkommenheit.
Nach einer Mittheilung der „N. Pr. Ztg." besteht die Krankheit des Grafen Moltke in einer normal verlaufenden leichten Kopfrose. Die Zuziehung eines zweiten Arztes, von welcher verschiedene Zeitungen sprechen, ist nicht noth- wendig gewesen. Der Herr Feldmarschall befindet stch, da
[A.
ober.
k ohne
,sse. — letour-
Herodias.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
epreise ampfer agiere. Uscher •Agent iag-ei [1076
Tafel-
[2607
) sucht IttUttg. bürg [2642
Kassel *
rin ge
il«.
itt. 6,0.
b.so,3|.
„Mathilde," flüsterte er eines Tages, „sag' mir — ich trug früher an einer goldenen Kette ein Medaillon — hast Du es gesehen?"
Sie wechselte plötzlich dir Farbe. Ihre Hand zog sich ans der seinen, Mathilde nähte ohne aufzublicken, i »Nein, Georg, Du hattest es nicht mehr, als Dich Aultane hierher brachte," antwortete sie.
Er lag still und sah unverwandt zur Decke empor. Es konnte also nur Daschka's eigener Dolch gewesen sein, der die feine Kette zerschnitten und das Amulet der unergründlichen Tiefe des Stromes überliefert hatte. DaS Band zwischen ihm und ihr — es war jetzt gelöst.
Noch eine Frage schwebte auf feinen Lippen, er mußte wissen, ob Daschka lebte! Aber kovnte, durfte er dies
i Wort aussprechen?
t Sein Äthern flog, ein rother heißer Fleck brannte auf ; seinen Wangen und in den tiefliegenden Augen schimmerte Quälende Unruhe. „Mathilde," murmelte er, „Mathilde, sei barmherzig, sag' mir, ob —"
Die junge Frau erhob sich vom Sitz. „Du darfst nicht sprechen, Georg," ermahnte sie, bei dem Anblick dieser Schwäche mit Mühe ihre Thräuen bekämpfend, „Du mußt schlafen, nur schlafen. Sag' schnell, was wolltest Du wissen, daun gebe ich Dir Mediciu und lasse die Vorhänge herab, damit Du müde wirst, Dich langweilst, mein armer Freund. Nun, was war es beim? gewiß wieder eine ganz überflüssige Sorge."
Georg sah in das schöne, von Rührung und Milde hur noch lieblicher überhauchte Antlitz und ein Gefühl wie
Friede, wie Ausruhen nach langem Kampfe überschlich ihn. „Tillie," sagte er leise, „ist — die Unglückliche tobt?"
Mathilde wandte sich ab. „Wir sprechen von allem Dem später, Georg," antwortete sie. „Du mußt —"
Seine Hände ließen die ihrigen. „Ich wußte es," murmelte er, „ich wußte es."
Eine tiefe Ohnmacht hielt ihn gefesselt, die junge Frau verbrachte in Todesangst die nächste Viertelstunde, bis mit Hülfe der erfahrenen Wärterin das Bewußtsein des Kranken zurückgerufen war. Der Arzt wurde geholt, ein beruhigendes Mittel verschrieben und wieder vergingen Tage, während welcher bie Gefahr eines Rückfalles unmittelbar über Georgs Haupt schwebte. Er lag im halben dämmernden Bewußtsein und Bild auf Bild zog vorüber an seinem Geiste, unklar und verwischt wie Träume, in denen uns ein Ziel winkt, das wir nicht erreichen können, in denen wir Angst und Seligkeit empfinden, alles gleichsam umflort, von Schleiern verhüllt, von unsichtbaren Gewalten spielend verschoben und dämonisch verweigert. Mathilde kam nicht in das Krankenzimmer, nur die Wärterin saß am Bette, schlummernd oder strickend, jedenfalls ohne viele Worte, und auf diese Weise verging für alle Betheiligten eine sehr stille, einsame Zeit, die erst aufhörte, als Georg das Bett ver- laffcn konnte und jetzt einigermaßen seine verlorenen Kräfte toiebergeroonnen hatte.
„Tillie," sagte er, noch vorsorglich in Decken gehüllt, aber doch im vorderen Zimmer auf dem Sopha sitzend und schon sogar versuchsweise eine Cigarre mehr in der Hand als zwischen den Lippen haltend, „Tillie, kommt Johannes nie hierher?"
Ein brennendes Roth stieg in ihren Schläfen auf. Sie schüttelte stumm den Kopf.
Er schwieg lange. „Und Du verdienst mit Deinen
armen lieben Händen für uns Beide das tägliche Brod, Tillie?" sagte er dann; „Du arbeitest Tag und Nacht, um —"
_ Da lachte sie. „Sind nicht meine Hände reich, Georg? Hätte ich ohne Unruhe diese Zeit durchlebt, so würde ich sie eine schöne, beglückende nennen. Bedenke, wie viel und wie Großes Dir noch bevorsteht, — das Alles durste ich erhalten."
„Ach", sagte er, „Du bist ein lieber, guter Engel! Aber so wahr mir Gott helfe, ich will Dir vergelten, was Du für mich gethan. Noch acht ober vierzehn Tage und ich kann eine andere Wohnung beziehen, kann in irgend einer Weise verdienen, dann soll auch unsere Scheidung energisch betrieben werden. Zwischen mir und meinem Bruder ist eine Versöhnung freilich undenkbar, aber das darf mich niemals hindern, in Dir, auch wenn Du seine Frau bist, eine liebe, verehrte Schwester zu sehen. Ich —"
Mathilde stand plötzlich auf. „Wir bekommen Besuch, Georg!" sagte sie hastig. „Rathe, wer es sein kann."
„Johannes?" fragte er, sich halb erhebend.
„O, Du Thor — schau her!"
Und dann sahen dunkle Augen in das Zimmer herein und schluchzend warf sich Tippoo seinem Herrn zu Füßen. Jetzt trug er deutsche Bedienten-Livree, der arme Bursche, es hatte ihm Niemand die indischen Gewänder gestatten wollen, aber das Herz, das ehrliche treue Herz war dasselbe geblieben. Tippo küßte abwechselnd Georgs und Mathildens Hände, er war vor Freude beinahe außer sich.
„Wie weh that cs mir, den armen Schelm in ein fremdes Haus ziehen lassen zu müssen," sagte entschuldigend, Purpur auf den Wangen, Mathilde, „aber in diesen beiden kleinen Räume» konnte ich ihn unmöglich mit beherbergen."
Georg bot ihr die Hand. Sein Herz war zu voll, um Worte zu finden. Tippoo erzählte ihm, daß er an jedem