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Marburg, Donnerstag. 3 October 1878

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Die Kommission zur Ausarbeitung des Deutschen Civil-

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Herodias.

Roman von W. Höffer, t Fortsetzung.)

volles Aechzen die herrschende Stille, — em kaum wahr­nehmbarer Laut, aber dennoch von Beiden gehört. Es war, als habe ein Zauberschlag die junge Frau berührt, sie verschwand geräuschlos im Hintergründe des matt er­hellten Kabinets.

Was war das? Johannes wehrte kramphaft die Er- kenntniß von sich ab. Nein — o Gott, nein, so schrecklich konnte er sich nicht geirrt haben.

Unbewußt dessen, was er Hat, durchschritt er das Zim­mer und überblickte den inneren dämmernden Raum des Kabinets. Auf einem Bett in geschützter Ecke lag eine menschliche Gestalt regungslos ausgestreckt. Das Gesicht so weiß wie die Kisien, kurz vom Kopf geschoren daS dunkle Haar, die Augen geschlossen, so glich diese Erscheinung mehr einer Leiche als einem lebenden Wesen. Selbst die Hände lagen wachsbleich, aber von Zeit zu Zeit in unruhigen Zuckungen begriffen, auf der Decke, so starr, so unnatür- lick, als habe ihnen fremde Einmischung und nicht der eigene unbewußte Trieb diese gestreckte Haltung gegeben. Tiefe Stille umwehte das Schmerzenslager.

Johannes trat langsam näher. Das Grauen, bk Qual seiner Seele zu schildern, wäre unmöglich; — wie bei einem Irrsinnigen glühte der Blick, mit welchem er den Schwerkranken ansah, heiser wie ein Röcheln klang da« eine, einzige Wort, das die Lippen stammelten — „Georg!"

Er war es. Aultane hatte in jener Nacht des ver­suchten Mordes zufällig in dem Restaurant, wohin man den Verletzten gebracht, mit mehreren anderen Herren ein kleines Abschiedsfest gefeiert und war auf so ent­setzliche Weise aus der heiteren Gesellschaft herausgeschreckt worden. Tie Lchalage erkennen und auf eigene Verant­wortung mit Hülfe eines Arztes den Sterbenden in Ma­thildens Schutz bringen, war bei dem braven Jungen Eins. Er hatte die Hände auf die Schultern der tödtlich erschreck-

strafgesetzbuches tritt in diesem Jahre am nächsten Freitag (4. Oktober) int Reichs-Justizamt zusammen.

Auf das seitens des Reichskanzler-Amts für Elsaß- Lothringen erlafsene Preisausschreiben zu Konkurrenz-Ent­würfen für die Kollegiengebäude der Kaiser Wilhelms- Universität zu Straßburg sind bis heute einige dreißig Entwürfe eingegangen, welche im Gebäuoe der Akademie der Künste zur Ausstellung gelangen. Die Preisrichter beginnen ihre Berathungen am Sonnabend den 5. Oktober, nach Schluß derselben werden die Entwürfe, wie in dem Programm vorgesehen, zwei Wochen hindurch öffentlich aus­gestellt. Zur Vertretung der Kaiser-Wilhelms-Universität in dem Preisgericht sind seitens des Senats derselben die Professoren Baumann und Michaelis deputirt; die früher als Preisrichter thätig gewesenen Architekten haben diese Fmtktion bereitwillig wieder übernommen.

In baugewerblichen Kreisen wird der kolossale Rück­gang der Bauthätigkeit in Berlin mit steigendem Interesse verfolgt. Während im Jahre 1875 noch neue Anträge zur Feuerkasse in Höhe von 166 Millionen Mark einge­gangen waren, erreichte das Jahr 1876 die Höhe von 157, das Jahr 1877 von 115 Millionen, während im laufen­den Jahre die Summe von 80 Millionen kaum wird erreicht werden. Im Allgemeinen hält sich die Zahl der leerstehen­den Wohnungen auf 7 Prozent. Nach dem Urtheile der Sachverständigen hat Berlin einen Wohnungs-Ueberschuß durch (.Überproduktion in diesem Umfange gegenwärtig zum ersten Male.

Wie der „Courier d'Jtalie" aus guter Quelle erfahren haben will, hat der Papst auf indirektem Wege in Berlin zu wissen gethan, daß er, um ben kirchlichen Frieden in Deutschand zu sichern, geneigt fei, gewisse Modifikationen der Kissinger Vorschläge anzunehmen. Der Papst rechne auf den Eindruck, den die in seinem Schreiben an Kaiser Wilhelm und das ganze deutsche Volk gerichteten Elogen machen würden. Im Vatikan circulirt das Gerücht, daß i Leo XIII. die Absicht hege, sich von Neuem an den Kaiser zu wenden, aber dieser Idee wurde von Seiten der ullra- montanen Partei die stärkste Opposition gemacht.

Neueste Orient-Nachrichten:

Wien, 1. Oct. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstanttnopel von heute: Fürst Lobanoff ist aus Livadia zurückgekehrt und hat die Verhandlungen mit Savfet Pascha wegen des definitivm Friedensvertrages unverzüglich wieder aufgenommen. Die Pforte verlangt nicht unerhebliche Mo- dificattonen der finanziellen Fordemngm Rußlands. Seit

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Tagesbericht.

Die Commission für das Sozialistengesetz begann gestern, Dienstag, die zweite Lesung der Sozialistenvorlage. Von den Commissions-Mitgliedern war Stauffenberg beurlaubt. Seitens des Bundesrathes waren Minister von Eulenburg und die Minister der Mittelstaaten anwesend. Fürst Bis­marck war nicht erschienm. Bei der Berathung des § 1 erklärte Minister von Eulenburg, daß die Regierungen die ! I aus der ersten Lesung hervorgegangene Fassung des Ge­setzes im Allgemeinen für annehmbar hielten. Dieselben wünschten aber, daß in § 1 statt des Wortes „Umsturz" der Ausdruck „Untergrabung" wieder hergestellt, und ferner, daß der beantragte Zusatz: „in einer den öffentlichen Frie­den und die Eintracht der BevölkerungS-Classen gefährden- ben Weise" wieder gestrichen werde. Die Beschlüsse der Commission in Betreff der Control-Jnstanz wurden von den Regierungen im Prinzip angenommen, dieselben wünschten aber eine Modifikation dahin, daß die 5 vom Bundesrath ms den obersten Gerichtshöfen des Reichs und der Einzel­staaten zu erwählenden Mitglieder auch aus den obersten Verwaltungs-Gerichten der Bundesstaaten entnommen wer­den könnten und daß der Kaiser den Vorsitzenden und den Stellvertreter der Commission ganz nach freier Wahl er- ; nenne. Was den Termin für die Gültigkeit des Gesetzes anbelange, so erscheine eine Frist von 21/? Jahren viel zu geringe und sei nicht acceptabel. Die Regierungen seien eigentlich gegen jeden bestimmten Termin gewesen und hätten ihrerseits keinen solchen in da« Gesetz hinein gebracht. Die -Commission setzte die zweite Lesung des § 1 hierauf aus, damit die einzelnen Mitgliedergruppen sich erst unter ein­ander verständigen können. § la (die Genossenschafts-Cassen betreffend) wurde wesentlich nach den Anträgen der Sub­commission angenommen. Fortsetzung der Berathung morgen.

„Gute Nacht, Frau Hardenberg, Gott behüte und ir' alte Sie, — gute Nacht!"

Er ging mit schnellen Schritten die Treppe hinab, ohne tzc chmals zurückzublicken; zwei Diinuten später hatte sich unten die Hausthür- hinter ihm geschlossen. Auch Mathilde gab sich wieder in ihr Zimmer; Johannes hörte, wie sie __ ieses und Jenes ordnete, es kam ihm einmal sogar vor, _ Hals spreche sie leise Worte, und dann bewegte sich halb- laut ein Tisch, als werde er geschoben.

A Der Versteckte schlich zum Schlüsselloch — die junge trau war nicht zu erblicken.

Die Stellung und der Einfluß, welchen Herr Professor Dr. Gneist in der ReichStagskommission für das Sozialisten­gesetz gewonnen hat, lassen es als höchst bemerkenswert!) erscheinen, daß der ausgezeichnete Jurist und Staatsrechts­lehrer seinen Standpunkt in einer Form erörtern will, durch welche die weitesten Kreise in den Stand gesetzt sind, sich eingehender damit zu beschäftigen. Es geschieht dies in einer Broschüre, die unter dem Titel: „Das Reichsgesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemo­kratie. Staatsrechtlich erörtert“ am Donnerstag im Verlag von Julius Springer in Berlin erscheinen wird und also für die zweite Lesung des Gesetzes gerade noch zur rechten Zeit *---rwt

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureanx von @. L. Daube & Co. in Frankfurt a.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

vorgestern finden auf der Pforte ernste Berathungen wegen der von Montenegro urgirten Abtretung Podgvritzas und Spuz' und wegen der bosnischen Conventionsfrage statt. Die Chancen der Finalisirung dec Letzteren wären seit gestern wieder etwas zweifelhafter. — Zwischen der Majo­rität der Commission für Ostrumelien und den russischen Mitgliedern derselben ist eine Differenz eingetreten. Letztere verlangten, die Commission solle in Konstantinopel arbeiten, während die Majorität sich entschied, an Ort und Stelle zu arbeiten und sich anschickt, nach Philippopel abzugehen. — Der Rückzug der Russen dauert fort; dieselben räumten Silivri und Rodosto. Letzteres wurde bereits von den Türken besetzt. Dagegen bleiben die Russen in Dedeagatsch. — Kheredim Pascha wurde mit dem Großcordon des Medschidjeordens becorirt unb besignirt, eine wichtige Stel­lung um die Person des Sultans einzunehmen.

Konstantinopel, 1. Oct. Der Sultan hat dem britischen Botschafter Layard durch Osman Pascha sein Bedauern aussprechen lassen, daß er nicht im Stande ge­wesen sei, die britische Flotte vor ihrer Abreise besuchen zu können und den Admiral gebeten, den Offizieren und Mann­schaften der Flotte für ihre Haltung unb Gesinnung gegen ihn und fein Laub zu bauten.

Konstantinopel, 1. Oct. Savfet Pascha erhielt ben Medschioje-Orben in Brillanten. Der französische Bot­schafter Fournies wurde heute von dem Sultan in längerer Audienz aufs Wohlwollendste empfangen unb wurden die verschiedenen schwebenden Fragen hierbei berührt. Gestern hatte der britische Botschafter Layard eine Audienz in Be­treff der Reformfrage. — Der griechische Metropolit von Smyrna ist von einem Griechen aus Rache verwundet wor­den. — Der Cours bet Kaimes hat sich gebessert unb ist augenblicklich 315 in Folge des Beschlusses, monatlich Kaimes im Betrage von 50,000 Livres unter bet Controle einer BanquierS-Commtssion einzuberufen.

Eine recht erbauliche Schilberung über bie Zustände in Afghanistan bringt der Londoner „Daily Telegraph." Nach­stehend eine Probe:

«Die Stärke der Bevölkerung von Afghanistan ist nie­mals genau bekannt gewesen: Einige schätzten sie auf zwei Millionen, Andere auf sieben. Sie besteht aus verschie­denen Racen, wovon die zahlreichste und wichtigste in jeder Hinsicht diejenige der eigentlichen Afghanen ist. Die Form der Regierung und ihre Sitten sind beinahe dieselben, wie bei ben meisten mohamebanischen Völkern, aber wie stolz auch bie Afghanen auf ihre Religion stnb, so überschreiten sie bie Vorschriften berfelben, fobalb sie dieselben baran hin­dern, ihre Leidenschaften.zu beliebigen; so gebrauchen die Afghanen dem Koran zum Trotz sehr viele starke ßiqueure. ten Frau gelegt, hatte ihr voll ins Auge gesehen unb nichts verschwiegen von Allem, was er wußte, von bet ersten Begegnung Georgs mit bet inbischen Fürstin bis zu bem unaufgeklärten Ereigniß biefer Nacht, — bann erst hatte er gefragt: „Soll ich ihn hierher bringen?"

Ihr Blick gab Antwort, er küßte die kleine zitternde Hand und bettete bann fo schonend als möglich den kaum noch Athmenden in der sichersten Hut, welche ihm auf Erden zu Theil werden konnte. Mathilde hatte in ihrer Seele für niedere Rücksichten keinen Raum; sie dachte we­der an sich selbst noch an die Meinung der Welt, das wußte er ja. Sie allein von allen Lebenden würde an diesem Schmerzenslager ausharren in treuer, hingebender Liebe.

Seitdem kam der Arzt zweimal täglich, aber bis jetzt ohne für die Wiederherstellung des Kranken eine bestimmte Hoffnung auSsprechen zu können. Die Entzündung war fehr heftig, Delirien und Zuckungen erschöpften Georgs Kräfte; ein starkes Wundfieber schüttelte ihn jetzt in den Abendstunden noch mehr als am Tage. Zuweilen quoll ein leiser Schmerzenslaut über die fartlojen Lippen.

Mathilde lockerte mit sanfter Hand den Verband auf der Brust unb bebedte bie Stirn des Kranken mit Eis. Johannes sah, wie sie vorsichtig seinen Kopf vom Kissen aufhob und ihm tropfenweise bie vorgeschriebene Arznei einflößte. Offenbar hatte sie die Anwesenheit des unerwarteten Gastes in diesem Augenblick ganz vergessen.

Was er litt, das schildert keine Sprache. Sich ab- wendend, unfähig, länger ihr sanftes, fürsorgliches Walten mit anzusehen, verließ er bas Äabinet unb warf sich im »erberen Zimmer auf das Sopha. Es war, als habe baS Unerwartete jählings seine sonst so unbeirrbare Selbstbe­herrschung vernichtet, als könne er diesem erschütternden -Anblick gegenüber bie Maske der Ruhe nicht länger festhalten

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, sowie dAnnoncen-Bureanx von Th. Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haaseustein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Uleffe in Berlin, Frank­furt «. M. rc.

Erfcheint täglich außer an den Werklagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrixteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'lcbe Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (epi. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf-

Für in der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

F 7 Wer fortgehen, ohne sie gesehen zu haben, das konnte Sch ch nicht, jetzt weniger noch als zuvor. Er mußte wissen, »wiefern Mathilde beabsichtigte, für Georgs Pflege zu Jörgen. In feinen Schläfen hämmerte das Blut, er vergaß, 1 1 *"n rasender Eifersucht gequält, jede Rücksicht unb öffnete ne anzuklopfen die Thür. Ein kleines einfach auSge- 24i ttetes Himmer zeigte sich dem suchenden Blick durchaus Z leer, Mathilde war also im anstoßenden Kabinet; — wirk- L^ich, er hörte, daß sie weinte, weinte, als müsse ihr das iSMHerz brechen.

” „Mathilde!" sagte er halb außer sich, „Mathilde!" Im fett en Augenblick erschien sie auf der Schwelle.

Wortlos, ohne einen Laut, sahen er und sie sich an. Seine Gebenden Hände legten den Hut fort, er schüttelte das Haar -zurück mm. versuchte es mehr als einmal, zu sprechen. WergebewS, die Stimme versagte den Dienst.

MachDe hob die Hand, ober ehe sie em Wort her- MchtzeMlkonnte, durchdrang plötzlich ein leises schmerz-