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XIII Jahrgang.

Marburg, Mittwoch, 2. October 1878

Rr. 231

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Klobuk wurde demolirt, weil deren Besetzung wegen Wasser­mangels nicht möglich war, und in der Absicht, einem eventuellen Aufstandsversuche den Stützpunkt zu entziehen.

Wien, 30. Sept. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Die britische Flotte trat vor- gestem die Fahrt nach Ardaki an, nachdem zuvor das Admiralsschiff zur Begrüßung der türkischen Flagge sich nach der Serail-Spitze begeben hatte. Gestern sandte der Sultan Osman Pascha zu Layard, um seinen Dank wegen des Abzuges der britischen Flotte zu übermitteln. — Heute findet die erste Sitzung der internationalen Commission für die Organisation Ostrumeliens stall. Wiewohl der Eintritt eines türkischen Delegirten in die Commission von den Russen angefochten ist, soll doch bereits an der heutigen Sitzung ein Vertreter der Pforte theilnehmen. — Die Be­rufung des hier weilenden ehemaligen tunesischm Ministers Kheredin Pascha hängt mit dessen Consultirung über daS englische Reformproject für Asien und über die türkische Finanzreform zusammen. — Aus Wien wird hier stündlich Nachricht über die Unterzeichnung der österreichisch-türkischen Convenllon erwartet.

Herodias.

Roman dor W. Höfsrr.

iFortsetzung.)

sie wird England noch größere Opfer an Gut und Blut kosten, als der Krieg im Jahre 1842. Es hat ganz den Anschein, als ob die Afghanistan-Frage ein Vorwand werden sollte für den englisch-russischen Krieg, dessen Schauplatz früher oder später Centralasien werden wird.

Tagesbericht.

Gegenüber der Meldung verschiedener Blätter, daß die Absicht bestehe, in der nächstfolgenden Reichstagssession eine Novelle zum Strafgesetzbuch vorzulegen, kann die „Nordd. Allg. Ztg." constatiren, daß eine solche Absicht gegenwärtig nicht bestehe.

Die nächste Plenarsitzung des Reichstages ist auf den 7. October anberaumt. Auf der Tagesordnung stehen Wahlprüfungen nach den mündlichen Berichten der Com­mission und dem schriftlichen Berichte über die Wahl des Grafen Grote (Harburg). Die zweite Lesung des So- zialisten-Gesetzcs im Reichstag soll am 8. October beginnen. Der erste Vicepräsidenl v. Stauffenberg hat sich in Folge des Todes seines Bruders, des Oberstlieutenants v. Stauf­fenberg, Adjutanten des Königs von Baiem, nach München begeben.

Zu der am Donnerstag und Freitag erfolgenden Sub- scripllon auf 30 Millionen Mark 4proc. Reichsanleihe liegen bereits jetzt zahlreiche Anmeldungen vor.

ES bestätigt sich, daß die zollpolitischen Verhandlungen, welche Oesterreich und Italien erngeleitet haben, nur. vor­bereitender Natur sind. Die Detailverhandlungen sollen erst beginnen, wenn die be.orstehenden Verhandlungen mit Deutschland zu einem Resultate geführt haben. Soviel ist : jedoch sicher, daß die deutsche Reichsregierung den Beginn der Conferenzen verzögern wird, wenn sich nicht Oesterreich dazu entschließt, sowohl in den Forderungen, wie in den Zugeständnissen die Interessen des deutschen Reichs mehr zu berücksichtigen, als dies bei den zuletzt abgebrochenen Ver­handlungen der Fall gewesen ist.

Neueste Orient-Nachrichten:

Wien, 30. Sept. Dom 4. Armeecorps ist folgendes Telegramm eingelausen: Am 27. ist daS Reserve-Regiment 23 als Vorhut der 31. Division in Zworntk eingerückt, womit die Besetzung dieses Platzes durchgeführt ist. Am 28. ist der Stab deS 4. Armeecorps und sodann die 31. Division daselbst eingetroffen. Eine Deputation angesehener Bewohner der Stadt empfing den Corpscommandanten am Eingang des Ortes. In der Stadt selbst gab der Kaimakam die Erklärung der Unterwerfung ab. Um 1 Uhr ward auf der Festung die kaiserliche Flagge entfaltet. Es fanden sich 44 Geschütze und ansehnliche Munitionsvorrälhe vor. Die Entwaffnung ist in der Ausführung begriffen.

Wien, 30. Sept. Die „Polit. Corresp." meldet aus Ragusa vom 30. d.: die bei Ktobuk zur Flucht gezwungenen Korjenicer Insurgenten sind durchweg Mohamedaner; die­selben wurden in Montenegro entwaffnet. Die Felsenveste

In,eigen nimmt entgegen: He Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in -aßet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; paasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cvln re; Rudolf Mosie in verlm, Frank­furt a. M. ic

Aber dafür beschäftigten sich die besseren Kreise der Stadt desto angelegentlicher mit der moralischen Seite dieser pikanten Angelegenheit. Welche Korruption hatte Georg in die sonst so hochachtbare Familie hinein ge­tragen, wie sehr bedauerten Alle den Bruder, dessen unbe­scholtener Name solche Verunglimpfung erfuhr! Gut, daß der vortreffliche alte Papa wenigstens den letzten un­erhörten Scandal nicht mehr zu erleben brauchte.

Es kam auch am zweiten Tage — am vierundzwan- zigsten December — schon etwas helleres Licht in die Sache hinein. Man erfuhr, wer die Fremde gewesen und ' daß Georg in ihrem Hause zuweilen gesehen worden. | Johannes frohlockte abermals. Die also ivelche sein Bruder : in Calcutta schon geliebt, und die ihm jedenfalls bis hier- tz her nachgekommen war! O glückliches, dreimal glückliches Verhäuguiß! — Georg hatte sich mit eigener Hand — t wenigstens moralisch! — den Todesstoß versetzt, er hatte I sich unmöglich gemacht in allen den Kreisen, denen die 1 Familie angehörte.

L Mochte er leben, darauf kam es jetzt mcht mehr an.

Johannes war, wie üblich, für den Abend dieses Tages vom Onkel eingeladen worden und konnte, obwohl ihm der Boden unter den Füßen brannte, daher nicht umhin, hinaus zu fahrm und sich im Kreise der Familie zu ärgern. Er war ja der gute folgsame Sohn er hörte mit geziemender Andacht die lange erbauliche WeihnachtS- rede des alten Herrn und mußte dazu inmitten seiner Herzensfreude eine zerknirschte Miene annehmen, daS ging | nicht anders. Man sprach von dem jähen Wechsel, den

Die vielerwähnten Briefe, wekche der Vicekönig von Indien an den Emir Shere Ali gerichtet hat, liegen nun­mehr im Wortlaut vor. Am 14. August schreibt der Vicekönig:

„Die Authenticität der Nachrichten, welche ich jüngst über den Gang der Ereignisse in Kabul und den Nachbar­ländern von Afghanistan erhalten habe, nöthigen mich, über Dinge von einer großen Wichtigkeit für Indien und Afghanistan mich mit Ew. Hoheit voll und offen auszu­sprechen. Aus diesem Grunde habe ich es für angezeigt gehalten, einen außerordentlichen und vertraulichen Ge­sandten von sehr hohem Rang und welcher die Ehre hat, von Ew. Hoheit gekannt zu sein, an Sie abzusenden; es ist dies der General Sir Neville Bowles Chamberlain, derselbe wird Ew. Hoheit unverzüglich einen Besnch ab­statten, um persönlich mit Ihnen Dinge von dringender Wichtigkeit besprechen zu können. Es scheint mir, daß dies Materien sind, die geordnet werden müssen, zum Wohl und zum Fxieden der beiden Staaten und die Er­haltung der freundschaftlichen Beziehungen der beideit Re­gierungen, indem man vollständig und mit Freiheit die wirkliche Läge erkennen läßt. Dieses Schreiben wird Ew. Hoheit durch Nawab-Cholam-Hussein-Khan, Großkreuz des Sterns von Indien, ein getreuer und ehrenwerther Beamter meiner Regierung, überbracht werden. Derselbe wird Ihnen die nothwcndigen Einzelheiten über den Zeitraum des Be­suchs unseres Gesandten und wie derselbe sich vollziehen wird, auseinandersetzen. Er wird fragen, ob eS Ew. Hoheit gefällig ist, allen Ihren Sirdars und anderen Beamten von Afghanistan die nochwendigen Maßregeln aufzutragen, um meinem Gesandten, als dem Repräsentanten einer be­freundeten Macht, einen friedlichen Zug und die seinem Rang angemessenen Ehrenbezeugungen, so lange er sich mit seinem Gefolge auf dem Gebiete Ew. Hoheit aufhalten wird, zu versichern. Genehmigen Ew. Hoheit u. s. w."

Der zweite Brief ist vom 23. August datirt (also 10 Tage später) und lautet wie folgt:

„Nach der Uebersendung meines Schreibens, datirt von Simla, den 14. August 1878, und welches Nawab-Cholam- Hussein-Khan gleichzeitig mit dem gegenwärtigen übergeben wird, habe ich von Peschauer die traurige Nachricht erhalten, daß Ew. Hoheit in Kummer gesetzt sind, indem Sie den Sirdar Abdullah Jan, den präsumtiven Erben des Staats von Cabul und seiner Zugehörungen verloren haben. Ich fuhr der Wind ums Haus, und von seinem Toben ge­peitscht, bogen sich die kahlen Baumzweige. Mathilde war allein, allein wie er selbst an diesem Abend, wo sich Herz zum Herzen findet, wo ein Liebesgruß die Welt durchzieht uud das Verlassensein doppelt schrecklich auf dem Einsamen als das Gefühl feines Elends lastet, — Mathilde war allein aber auch zu ihr mußte bereits die Kunde des Geschehenen vorgedrungen sein. Sie hatte erfahren, daß Georg sterbend lag, daß er eine Andere geliebt und mit ihr im Tode wie im Leben vereinigt werden würde. Eine Andere! Keine Vorstellung, kein Gedanke kennzeichnete ganz das Weh dieser Erkenntniß, das rettungslose Verlorensein ihr gegenüber, den ungeheuren vernichtenden Schmerz, — nur er wußte, was das hieß, nur er hatte die ganze Tiefe des Verhängnisses selbst durchmessen; aber jetzt, jetzt kehrte der Pfeil zurück zu Der, die ihn entsandt, jetzt litt Ma­thilde, was sie ihm zugefügt.

Ob in dieser Stunde ihr Blick so müssig, traumver­loren ins Leere schweifte? Ob sie die Hände rang im bitten reu unerträglichen Schmerz?

Ihm wurde immer heißer und heißer, er konnte es nicht ertragen, hier die innere qualvolle Unruhe sorglich allen Blicken zu verbergen und gleichgültig auf Gleic^ül- tiges zu antworten, indeß ihn alle Fasern seiner Seele zur Stadt zurückzogen, zu jenem stillen, niederen Häuschen, daS, etwas hinter der Dtraßenflucht belegen, ihm wie ein Para­dies des Friedens und der Seeligkeit erschien, wo er zwei­mal, dreimal schon vorüber gegangen war, immer hoffend, daß chn Machllde sehen werde, immer am Eintreten ver­hindert durch die Furcht vor diesen großen, ernsten Augen, dieser Stimme voll ruhiger Klarheit.

Es war ja zu ftüh, viel zu früh, er wußte es, aber : dennoch überwältigte ihn heut Abend die Macht der Ver­suchung. Er mußte sie sehen, und sollte eS sein Leben

Das Land Afghanistan, welches augenscheinlich dazu be­stimmt ist, der Schauplatz eines interessanten Krieges zu werden, bildet den nordöstlichen Theil bei Hochlandes von Iran. Es ist in drei Stämme oder Staaten getheilt (Kabul, Kandahar und Herat) und hat einen Flächeninhalt von etwa 13,000 Qnadratmeilen. Die Herrschaft führt der Emir von Kabul, im Augenblick Shere Ali, der Sohn des 1863 zum Emir ernannten Dost Mohammed. Afghanistan be­herrscht die Straße, die durch Iran in das Jndnsthal, also nach Indien führt. Nur ein einziger größerer Paß, der Kheiberpaß, den der Kabulfluß zum Indus hin gebrochen, öffnet einen Weg durch die schroffen Grenzgebirge, die In­dien von Afghanistan trennen.

Es ist bekanntlich nicht zum ersten Male, daß England eine kriegerische Unternehmung gegen Afghanistan plant. Nach dem fruchtlosen und kostspieligen Kriege von 1842 beschränkte sich England darauf, die Lage in Afghanistan aufmerksam zu beobachten. Inzwischen sind aber Ereignisse eingetreten, welche die Lache für England zu einer Lebens­frage machen. Seit 1865 hat sich Rußland die kleinen Chanate im Norden Afghanistans Schritt für Schritt unter­worfen, — der russische Einfluß ist so weit vorgeschritten, daß der ungeheure Besitz Englands in Indien von einer unmittelbaren Gefahr bedroht ist. Es handelt sich für Eng­land darum, unbedingt und um jeden Preis Afghanistan zu unterwerfen. Durch ein geschicktes Vorgehen hat Ruß­land seinem Rivalen einen bedeutenden Vorsprung abge­wonnen. Die Unternchmung wird also schwierig werden, dieses letzte Jahr gebracht, von den Plänen der Menschen und den Rathschlüssen Gottes, von Allem — nur Eins ausgenommen. Mathildens Marne wurde nicht genannt S>ie hatte mit bewußter Festigkeit damals, als der Schwiegervater seinen Sohn enterbte, die Trennung von diesem, dem Verstoßenen, abgewiesen, sie hatte außerdem ein entehrendes Verbrechen begangen und sich also aus dem Hause der Eltern selbst verbannt Nur die Mutter schien gerade an diesem Abend ihre älteste Tochter heimlich schwer zu vermissen, sie ging von Zeit zu Zeit auf Augen­blicke fort, und wenn sie wieder in das Zimmer zurück kam, so sah man Thränenspurew auf dem abgehärmten Gesicht.

„Johannes," flüsterte sie in einem unbewachten Moment „Johannes, konntest Du diesen Tag vorübergehen lassen, ohne meinem armen Kinde ein Trostwort zu sagen ?"

Ihre Augen suchten flehend die seinen, ihre Stimme klang so verändert, daß er nicht wagte, jetzt ein unfreund­liches Wort zu sprechen. Um Alles in der Welt durste ja zwischen der verlassenen jungen Frau unb ben Eltern jetzt keine Versöhnung ftattfinben, — eS mußte scheinen, als habe auch er, überzeugt von Mathildens Schllld, sie ! fallen lassen. Achzelzuckenb verneinte er bie Frage.

„Ich habe ihr zweimal Gelb schicken wollen," fuhr die unglückliche Mutter fort, „aber sie weist es beharrlich zurück, nur weil wir un8 auf Deine und nicht auf Georgs Seite stellen. Sie hat ihre Eltern verleugnet um eines Unwürdigen willen."

Johannes sah ans dem Fenster, dessen Vorhänge er rücksichtslos zur Seite schob. Wie ihn die Worte der weinenden Fran so tief, so tödtlich bis mitten ins Herz : trafen, wie sie all den alten Haß wieder wachrüttelten die «verzehrende furchtbare Eifersucht.

Schneeflocken wirbelten an bie Scheiben, pfeifend

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