Nr. 230.
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gn|eigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, jrtpie d-Annoncen-Bureaux ton Tb- Dietrich & Co. in jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; naafenftein L Vogler in Frankfurt a M., Berlin. Keipjig, 66tn ic.; Rudolf Hoffe in Berlin, Franl- furt a. M- ic
Jllarfiutg, Dienstag. 1. Oktober 1878
XIII. Mrgaog.
OdnIfkßHc Äitims.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
. Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlltlstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'schr Buchdruckerei) bezogen 2K Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.
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derichtet:
Die Reform des Submissionswesens ist eine dringende Rothwendigkeit geworden, fast so nöthig wie eine Aenderung der Gewerbeordnung, denn die einfache Preisconcurrenz, «elche noch in den meisten Fällen gilt, führt zur Verschlechterung der Production; und wenn nicht die Staats- und Communalbehörden bei ihren Arbeitsvergebungen zum Princip 1 der Qualitätsconcurrenz übergehen, so wird die nationale fcfceit noch mehr herabsinken. Einen interessanten Beitrag zur Jllustrirung des heutigen Submissionswesens, besonders tei den Eisenbahnbauten, entnehme ich einem größeren - Schreiben eines baierischen Eisenbahnbau-Unternehmers. Derselbe sagt unter Anderen: In Baiern sind ungefähr 30 Eisenbahnbau-Untemehmer beschäftigungslos; jeder hat großes werthvolles Werkzeug im geringsten Anschlag von ; 15 — 60,000 Mk. und mehr, das brach liegt und ohne Zinsen. Jeder Unternehmer hat wenigstens einige Bedienstete, j . B. Portier, Aufseher, Bauschreiber rc., die er beständig j beschäftigt, meist Familienväter mit vielen Kindern — und jetzt ist es nicht mehr möglich, Arbeit zu bekommen, wenn 1 man nicht gewissem Ruin entgegengehen will. Thalsächlich litten viele Unternehmer, nur um ihre Arbeiter zu beschäf- ügm und das Werkzeug zu verwerthen, an den Voran- chlägen so viel ab, daß ein Verlust fast mit Gewißheit in Aussicht steht, dennoch bekommen sie kein Geschäft. Die Italiener, die Böhmen und Oesterreicher bieten immer noch »ehr ab und beschäftigen dann nur ausländische Arbeiter, beziehen ausländisches Material und führen das ganze 1 faucapital in's Ausland. So wurde z. B. in Nieder- iaiern kürzlich eine Bahnstrecke von 10 Kilometer Länge m Anschläge von 271,000 Mark mit einem Abgebote von J3i/10 pCl. an einen italienischen Unternehmer vergeben; er nächste baierische Unternehmer hatte ein Abgebot von 238/10 pCt.; also wegen eines scheinbaren Hinweises von nur 8,13 Mark giebt die baierische Eisenbahnverwaltung die Arbeit an einen ausländischen Unternehmer, zu einer
Zeit, wo die deutsche Industrie und Arbeit Noch leiden! — Viele Hoffnungen wurden durch dieses Submissionser- zebniß vereitelt. Die Italiener erklärten sofort, daß sie nur italienische Arbeiter nehmen werden und auch nur italienisches technisches Personal. So weit nicht Steine imd gement aus der umliegenden Gegend bezogen werden, ntirb die gesammte Summe in's Ausland wandern, und den Arbeitern der Umgegend, welche auf Arbeit hofften, bleibt das Nachsehen und das Steuerzahlen. Die italienischen Untemchmer wollen für ihre Arbeiter selbst kochen
Die Reform des SubmisfiouSverfahrens.
In Bezug auf die Nothwendigkeit der Reform des Snb. misstonsverfahrenS wird uns aus Süddeutschland Folgendes
H.erodias.
h Roman von W. Höffer.
1 (Fortsetzung.)
Die Noth, die bittere Noch, die Verzweiflung über Georgs Verlust, die gerichtliche Scheidung von ihm, die Winsamkeit der Gemiedenen, AuSgestoßenen, das alles mußte Da Mathildens Stolz brechen. Er athmete tief, er tauchte Hum hundertsten Male die Feder mechanisch ein, ohne zu ^hreibeu, — da erinnerte er sich plötzlich des entlassenen iComptoirboten. Iahe Blässe überflog sein Gesicht. WaS »sollte der Mann?
M Jedenfalls war eS unklug, ihm Geld zu geben, er be- Mriff kaum, wie er sich derartig hatte übereilen können. Mn Briefcouvert, allenfalls ein Brief darin, — was sagte Das weiter? Ob er morgen den Unverschämten hierher kom- Dlen ließ und durch Drohungen zwang, das Blatt heraus fc geben?
| Wie viele Papiere lagen nicht auf-Georgs Pult, die W für feine eigenen Arbeiten zuweilen zur Ansicht brauchte, und so umgekehrt? Hundertmal vielleicht hatte tzlcher Austausch, solches Hervorsuchen stattgefunden, — »ahrhafttg, ihm war eine plumpe Falle gelegt, in die er Unvorsichtig hinein lief. Der Mann brauchte Geld, befand sich in halber Verzweiflung und spielte daher va banque, H was hatte denn auch eint derartige Existenz für sich pt riskiren?
Trotzdem aber wandte Johannes plötzlich und erbleichend ben Kopf, so oft die Thür des Comptoir« geöffnet wurde, fßer bürgte ihm, daß nicht der Mann mit dem drohenden Nick und dem spöttischen Lächeln in jedem Augenblick zurückkam, um mehr Geld zu fordern?
I Seine Nacht ging schlaflos hin, er grübelte über tausend
und auch Logis und Schenken beistellen, so daß kein Wirth, Bäcker und Fuhrmann Etwas an dieser baierischen Bahn verdienen soll. So sind wegen einiger hundert Mark Er- sparniß Tausende von deutschen Arbeitern brodlos, und da die niederbaierische Gegend leider bekannt ist in der Handhabung des Messers, kann und wird es in trauriger Weise Cenflicte zwischen den brodlosen Deutschen und den beschäftigten italienischen Arbeitern geben. Es wäre wohl zu wünschen, daß bei derartigen Unternehmungen die Submission einen theilweise beschränkten Unternehmerkreis, Deutsche zur Bewerbung aufrufen würde und nicht stets eine weite Concurrenz mit der absoluten Preisabbietung herangezogen würde. Die fremden Untemchmer führen entweder ihr Werk nicht vollständig aus oder wissen oftmals sich Nachlässe zu verschaffen. Die fremde Arbeit rufe man dann zur Bewerbung aus, wenn die deutsche genügend beschäftigt ist.
Tagesbericht.
Die AuSfühmngs-Bestimmungen betreffend die in der Novelle zur Gewerbe-Ordnung ausgesprochene Verpflichtung der Arbeiter unter 21 Jahren zur Führung von Arbeitsbücher sind noch nicht publizirt; der Grund der Verzöge- mng liegt aber einzig darin, daß im Reichskanzler-Amt verschiedene Entwürfe vorliegeu, deren Prüfung noch nicht vollendet ist.
Die „Köln. Zig.* machte dieser Tage darauf aufmerksam, daß bei dem Wiedereintritt Sr. Maj. in die Regie- rung auch über die Stellung des CultusministerS Falk eine Entscheidung getroffen werden muß. Derselbe hat nach der angegebenen Quelle drei Mal um seine Entlassung gebeten, und feilt Entlassungsgesuch ist eigentlich noch immer in der Schwebe. Die Hauptschwierigkeit besteht nicht in der römischen Frage, sondern in der Angelegenheit der evangelischen Kirche. Die schweren Prüfungen die der Kaiser erlebt hat, haben ihn in seiner Stellung zu den kirchlichen Angelegenheiten befestigt, und bekanntlich walten hier Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kaiser und dem Cultusminister ob, die sich bei den besten gegenseitigen Wünschen, zu einem Einverständnisse zu gelangen, noch nicht haben beseitigen lassen.
Ueber die Heidelberger Finanz-Minister-Konferenz vorn 5. bis 8. August verlautet nach der Weserzeitung aus guter Quelle Folgendes: Der Zweck der Konferenz war vor Allem der, eine Verständigung der deutschen Regierungen zu erzielen, einmal über die prinzipielle Frage der deutschen Steuer-Reform und dann über die einzelnen Steuer
quälende Fragen, er schrieb auch am anderen Morgen keine drei Zeilen und erwachte aus dem Taumel der letzten aufregenden Tage erst ganz plötzlich, als am Abend die Kunde des gestern stattgehabten Ereignisses, von mehr als einer Zunge getragen, zu ihm drang. Wer war diese unbekannte Frau, dies Wesen voll königlicher Schönheit, dessen Antlitz der Tod selbst nicht zu entstellen vermocht hatte? — Draußen an den Inseln, eine halbe Meile von der Stadt entfernt, nahe dem Meere sogar, auf leichtem Kahn und ohne Jemandes Begleitung — hier konnte nur ein Liebes- verhältniß zu Grunde liegen.
Wie es ihn berauschte, wie er hätte aufjubeln mögen im unermeßlichen Glücke! — Zu viel fast des Entzückens, zu viel für die enge Menschenbruft, — o du gewaltiges Schicksal, wer du auch seiest, ob eine gute oder dämonische Macht, geheimnißvolles Etivas, das die Fäden der Ereignisse in der Hand hält, hab' heißen, glühenden Dank!
Das kann ja die stolze Mathilde nie verzeihen, das tilgt aus ihrem Herzen jede Erinnerung an den einst Geliebten, das empört ihr weibliches Bewußtsein und erfüllt mit Verachtung gegen Den, der so tiefe Wunden schlug. Daß et sie nicht liebte, setzte ihn in ihrer Phantasie nicht herab, im Gegentheil, es umgiebt fein Bild mit dem ganzen unnennbaren Zauber Dessen, was uns unerreicht in doppelter Schöne vorschwebt, — daß er aber eine Andere liebte, einer Anderen gehörte, indeß sich ihr eigenes reines, unentweihtes Herz in selbstloser Hingebung ihm zuwandte, das muß sie furchtbar verletzen, sie auf immer von ihm trennen.
Er schloß sich ein, um von keinem Auge gesehen von keinem Ohr gehört, diesen Triumph bis zur Neige zu schlürfen. Wie war eS doch, was hatten ihm bienfteifrige Speichellecker und jene billig erworbenen guten Freunde reicher Leute seit mehreren Stunden wiederholentlich hinter
fragen. Diese Absicht ist vollständig erreicht worden. Mc deutschen Regierungen — von Renß ä. Linie, welches bekanntlich nicht vertreten war, abgesehen — haben anerkannt, einmal, daß eine erhebliche Steigerung der Einnahmen des Reichs unerläßlich sei, dann daß eine solche nur auf dem Gebiete der indirekten Steuern zu erstreben sei. Des Weiteren haben sich die Finanzminister über die hauptsächlichsten Gegenstände der Besteuerung ausgesprochen. Daß sich hierbei in einzelnen Punkten Differenzen ergeben, kann nicht überraschen. Beispielsweise hat die bayerische Regierung, als es sich um die Einführung einer einheitlichen Besteuerung des Bieres handelte, nicht verfehlt, ihre in , dem Versailler Vertrage ftatnirten Reservatrechte geltend zu machen.
Die Wahlprüfungs-Commisfion des Reichstages beantragt die Wahl des Grafen Grote (Harburg) zn beanstanden und den Reichskanzler zu ersuchen, wegen der Wahlagitation durch Staatsbeamte und der von Wahlvorstehern begangenen Ungesetzlichkeiten Ermittelungen und wegen eines anbem Punktes strafgerichtliche Untersuchung eintreten zu lassen.
Zwischen dem päpstlichen Stuhl und der Berliner Regierung schweben, wie es ganz klar wird, die ernsthaftesten Verhandlungen zur Beilegung des Culturkampfes. Trotzdem nun unsere deutsche ultramontane Parthei bisher sich immer noch sehr widerharig gegen diese versöhnlichen Bestrebungen gezeigt hat, sagt die „Germania" doch, sie werde sich dem unterwerfen, was der heilige Stuhl in Sachen des preußischen Kirchenconflicts beschließen wird. — Der Papst soll kürzlich unfern Kaiser in den herzlichsten Ausdrücken zu seiner Wiederherstellung beglückwünscht haben. — Neulich erwähnten wir bereits die bevorstehende Reise mehrerer deutscher Bischöfe nach Rom. Unter denselben wird sich auch der Bisthumsverweser Hahne zu Fulda befinden, welchem es bekanntlich gelungen ist, mit der StaatSregie- rung in ganz ungestörtem Verhältniß zum Segen seiner Diöcese trotz der Maigesetze zu leben.
Das Wiener „Telegr.-Corresp.-Büreau" meldet aus Rom von heute: Die Nachrichten verschiedener Journale, daß die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Deutschland vollständig gescheitert seien, sind unbegründet. Der Vatikan verlangt nicht die Abschaffung der Maigesetze, sondern nur eine für die Kirche weniger verletzende Auslegung derselben. Es handelte sich niemals um formelle Acte, die der Gegenstand eines Specialgesetzes fein sollen, wie es bezüglich der Abschaffung der Maigesetze der Fall fein müßte. Bis jetzt herrscht zwischen den beiden verhandelnbracht? — Daß wildes Verzweiflungsgeschrei die Fischer zur Unglücksstätte führte, daß sie im Mondlicht ein junges schönes Weib sich mit allen Anzeichen des Schmerzes und der Todesangst über eine regungslose Männergestalt beugen sahen, daß sie heißes Schluchzen, Flehen und gebrochene Laute in fremder Sprache hörten, und daß bann bei dem jähen Anprall gegen bas User plötzlich die Katastrophe hereinbrach. Es war Alles verschwunden, nur ein leeret Kahn schaukelte auf den Wellen.
Einen Sterbenden hatten die Fischer dem nassen Grabe entrissen, einen schwcrverwundeten, dem Tode verfallenen Mann und — eine Leiche.
Das schöne, in Sammet und Hermelin gekleidete Weib war tobt. Aufgelöst umwallten schwarze Locken bas schreckerfüllte bleiche Antlitz, weit offen standen die Augen und selbst noch im Tode trugen sie den Ausdruck innerer furchtbarer Qual. Alle WiederbelebungSmittel blieben erfolglos, Niemand kannte die Fremde, und so wurde ihre entseelte Hülle dem städtischen Krankenhause übergeben. Daß sie eS gewesen, die den kaum athmenden bewußtlosen Mann so schwer verwundet, daß hier ein düsteres Geheim- niß obwalte, sahen Alle, aber die Waffe, womit sie den Stoß vollführt, lag unten auf dem unerreichbaren Grunde des Stromes, und der Getroffene selbst konnte nicht gefragt werden.
Es blieb dahingestellt, ob sich der Schleier dieses Ereignisses jemals heben werde.
Die Fischer hatten den Sterbenden so Sorgfältig als möglich verbunden und ihn, den Alle kannten, in das nächste erreichbare Wirthshaus gebracht. Ein Arzt war geholt worden; es sollte für die Erhaltung seines Lebens nur sehr geringe Hoffnung vorliegen — mehr wußte man nicht.
Ueber all die jubelhelle Freude in Johannes Herzen