JRarßurg, Sonntag. 29. September 1878
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Herodias.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
omans hielt, entwickelte ein Programm, daö im Elysoe icht gefiä und in den geistlichen Kreisen Entsetzen erregt rt. Auf Rath Marcsre's setzte der Agitator seine Reise cht nach Grenoble fort, und that ein Uebriges, indem er
der Antrag v. Kardorff zurückgezogen, dagegen der Antrag Harnier-Goßler-Schwarze mit 11 gegen 9 Stimmen (6 des Centrums, 2 der Fortschrittspartei und Lasker) angenommen. Hiernach fungirt als Beschwerdeinstanz eine Commission aus 9 Mitgliedern, von denen der Bundesrath 4 au« seiner Mitte wählt, während die übrigen 5 den höchsten Gerichten des Reichs oder der Einzelstaaten angehören. Die.Wahl letzterer Mitglieder erfolgt für die Zeit der Dauer des Gesetzes und ihres Verbleibens im richterlichen Amte. Der Kaiser ernennt den Vorsitzenden und den Stellvertreter desselben aus der Zahl der Mitglieder. Die Commission entscheidet in der Besetzung von 5 Mitgliedern von denen mindestens 3 richterliche sein müssen. Vor der Entscheidung über eine Beschwerde ist den Betheiligten Gelegenheit zur mündlichen oder schriftlichen Begründung ihrer Anträge zu geben. Die Commission entscheidet nach freiem Ermessen; ihre Entscheidungen sind entgültig. Minister v. Mittnacht hatte sich gegen den Harnierschen Antrag ausgesprochen, der, wenn auch nicht in der Form so doch im Wesen auf die Bestimmung des früheren preußischen Entwurfs hinausläuft. — Die §§. 4 und 18 kamen hierauf dem nunmehrigen Inhalt des 19 entsprechend modificirt zur Annahme. Zu diesen beiden Paragraphen wurde noch ein Zusatz beschlossen, wonach ein gegen Vereine oder Druckschriften gerichtetes polizeiliches Verbot den Betheiligten schriftlich unter Angabe der Gründe zugestellt werden muß. — Minister Graf Eulenburg wohnte der Sitzung bei; Minister Fäustle war durch Erkrankung ferngehalten. — Die Minister der Mittelstaaten werden zur zweiten Lesung des Gesetzes hier verbleiben. Auch der Reichskanzler gedenkt, wie verlautet, der zweiten Lesung in der Commission beizuwohnen.
W». .Standard" wird aus Rom telegraphirt, daß )apst in einem eigenhändigen Schreiben an Kaiser Wilhelm, denselben zu seiner Wiederherstellung beglückwünscht habe.
Ligen Vaters in Köln bei. Demnächst begiebt sich der «jstrliche Hof nach Baden-Baden. Der Reichstag hat sich «ch der erstm Lesung des Sozialistengesetzes vertagt und He Berathung des von der Regierung eingebrachten Ent- «rfs an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen. Hefe hat bereüs zahlreiche Sitzungen abgehalten und vermiedene Vorschläge einzelner Abgeordneter berathen. Bei ti eigenthümlichen Zusammensetzung des Reichstages bezw. ir Commission hat sich eine endgültige Einigung bis jetzt »ch nicht erzielen lassen, doch wird die Hoffnung, daß ein mksames Gesetz zu Stande kommen werde, noch nicht auf- rgebm. Fürst Bismarck, der eine Zeit lang unwohl war, wieder so weit hergestellt, daß er der zweiten Lesung S Gesetzentwurfs, die schwerlich vor Schluß der nächsten Koche beginnen wird, voraussichtlich beiwohnen kann.
In Oesterreich war in der verflossenen Woche das
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Der drohende Conflict zwischen England und Afghanistan ist in den letzten Tagen thatsächlich zum Ausbruch gekommen und wir stehen heute vor der Schwelle eines indischen Grenzkrieges von nicht geringer Bedeutung. Der Emir von Kabul, Schir Ali, hat nämlich der englischen Gesandtschaft unter Sir Neville Chamberlain den Durchzug durch den Khyberpaß verweigern lassen. Dieselbe sah sich in Folge dessen genöthigt, nach Peschawer, dem Orte, von wo sie aufgebrochen war, zurückzukehren und wurde hier auf Befehl des Vicekönigs Lord Lytton aufgelöst. Die Nachricht hat, wie vorauszusehen war, in England eine ungeheure Aufregung hervorgerufen.
Am 23. September begab sich der Kaiser von Rußland auf der Sfacht Livadia nach Sebastopol und besichtigte die aus der Türkei zurückgckehrten Truppenthcile der 2. Grmadier- und 9. Infanterie-Divisionen. Nachmittags 3 Uhr kehrte er nach Livadia zurück. Der General Tot- leben und der russische Botschafter in Konstantinopel, Fürst Labanow, werden demnächst in Livadia eintreffm.
Die verflossene Woche hat die Lage in Bosnien in einem für die Aufständischen sehr ungünstigen Sinne verändert. Im Westen und Nordwesten war ihre Hauptstärke mit der Einnahme von Bihatsch durch die vereinigten österreichischen Brigaden Zach und Rcinländer gebrochen und in Trümmern auf Livno zurückgeworfen. Hier wird vielleicht noch eine letzte Blutarbeü zu vollbringen sein, doch gehört es auch nicht zu den Unmöglichkeiten, daß die Aufständischen hier gar keinen Widerstand mehr versuchen. Auch in der Herzegowina hat das Werk der Wiederherstellung des Friedens bedeutende Fortschritte gemacht. Die Division des Feldmarschall-Lieutenants Jowanowich unternahm von Mostar aus einen Zug gegen Belek und Trebinje unter gleichzeitiger Entsendung einer Seitencolonne auf Gatzko- Metochia. In Trebinje^vereinigje sich Jowanowich mit der Brigade des Generalmajors Icagy, entwaffnete zahlreiche, von Mohamedanern bewohnte Ortschaften und trifft nunmehr Vorbereitungen, um gegen Klobuk und Korjenize, die letzten Stützpunkte des Aufstandes in der südlichen Herzegowina, vorzugehen. Es darf jedoch als sicher angenommen werden, daß die Einnahme dieser Orte, welche bereits hart an der montenegrinischen Grenze liegen, ohne größere Opfer gelingen wirb, da bereits die Meldung eingetroffen ist, daß die zersprengten Aufständischen anfangen, in kleineren Trupps nach Montenegro überzutreten.
♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Nachdem unser Kaiser den Manövern des 11. Armee- «rps beigewohnt und am Dienstag Kassel verlassen hat, to sich zunächst nach Koblenz zu begeben, wohnte er tulare, »onnerstags der Enthüllung des Denkmals seines hoch-
Raiu.! snteresse an den Operationen der Armee in Bosnien einigeraßen abgelenkt durch die vorzunehmenden Landtagswahlen, lei denselben erzielten einerseits die Clericalen den Ver- »ffungstreuen gegenüber günstige Erfolge, andererseits die erfassungstreuen den „Nationalen" gegenüber. Die in öhmen gewählten czechischen Abgeordneten haben sich bereit klärt, in den Landtag einzutreten, und damit einen vicl- hrigen Widerstand gegen die Betheiligung am verfassungs- üßigen Leben aufgegeben. In Ungarn ist die wegen der tatigen Ereignisse in Bosnien wachgerusene Erbitterung och immer nicht im Schwinden.
Die Rede, welche Gambetta am 18. September in
Die „Nordd. Allg. Ztg." erkennt in einer Besprechung deö Schreibens des Papstes an den Cardinal Nina den entschieden friedlichen Charakter desselben an, hebt aber die Nothwendigkeit hervor, denjenigen Forderungen der preußischen Gesetzgebung welche bereits in anderen Ländern ohne Widerstand der Curie zur Ausführung gekommen sind, thatsächlich entgegenzukommen. Erst in einem solchen Entgegenkommen könnte der Staat ein Unterpfand wahrhaft friedfertiger Gesinnung erkennen, und erst im Besitze eines solchen Unterpfandes würde die preußische Regieruug sich auf Verhandlungen einlassen können, für welche bis jetzt doch nur die Möglichkeit festgestellt worden sei.
gescharrt, ist es nicht ihr eigenes wohlerworbenes Besitz- thum, und habe ich etwa nicht mein redlich Theil dazu beigesteuert? Jetzt gehört mir die Zukunft, jetzt will ich probiren, wie „Herrentage" schmecken."
Er ging erhobenen Hauptes mit den Thaleru in der Tasche spielend, durch die Straßen, indeß Johannes, nachdem er den Besuch abgefertigt, wieder wie vorher am Pult stand und weitoffenen Auges über die nächste Umgebung hinweg sah, ohne zu arbeiten. Vielleicht schrieb er zuweilen eine oder zwei Zeilen, daun aber waren die Gedanken auf geheimnißvolle Weise wieder abgelenkt. Johannes kaute mechanisch an der Feder und verfolgte unbewußt die Idee, in welcher er einzig lebte, — daß sich Georg und Mathilde getrennt hatten.
Er wußte es, die junge Frau war nun von den Ihrigen auf immer verstoßen, sie besaß weder Elternhaus noch Freunde, sie wurde von sämmllichen Angehörigen ihres früheren Umgangskreises gemieden und verleugnet, Georg selbst hatte sich geistig und thatsächlich von ihr losgesagt. Sie mußte für das tägliche Brod arbeiten, — war arm, ganz arm.
Das brachte ihn ihr näher, das gab ihm eine unschätzbare gewaltige Waffe in die Hand, er konnte nun ihr einziger letzter Frenud, ihr Beschützer und Erretter werden.
Was er erstrebt und ersehnt mit allen Kräften seiner Seele, wonach er gerungen seit seinen Knabenjahren, — jetzt schien es ihm urplötzlich näher gerückt. Er, der Enterbte, der vom Schicksal Verstoßene hatte es trotzdem so weit gebracht, des erstgeborenen Brudes Stelle einzunehmen und, was Jener im blinden Wahn verschmähte, sein eigen zu nennen; über Erwarten günstig war ihm das launenhafte Glück gewesen und geblieben.
Als Mädchen übersah ihn Mathilde, obgleich sie wissert mußte, wie leidenschaftlich er sie liebte, als Frau haßte sie
oben gefunden und gestohlen haben, damit Basta. Jetzt «ählen Sie!"
s Der Arbeiter griff an den Hut. „Guten Abend, err!" versetzte er kalt und wandte sich ohne Weiteres der
hür zu.
Mit zwei Schritten war ihm Johannes nach. „So flen Sie uns über die Sache doch erst sprechen!" * kirschte er.
Der Andere schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, ob i« möglich ist, Herr!" versetzte er. „Wir denken^ vielleicht
i che Entfernung des Clerus aus dem Unterrichte predigte;
s Site verlangt er nun auch die Wehrpflicht der Geistlichen 1878; id die Herstellung des alleinigen Rechtes der Universität, : i trabe zu verleihen. Graf Falloux, der Freund Montalem-
Sberß- ttt's, hat bereits eine inbirecte Antwort veröffentlicht, die (gleich gegen den fanatischen Ultramontanismus gerichtet - _ . i, und Msgr. Dupanloup bereitet eine birecte Widerlegung AM in Gambetia's Ketzereien vor.
b.Sl 4|* 6»bte er sich dem Arbeiter wieder zu.
e Anweisung auf den Kassirer ausfertigen," sagte' ex, Ihrend die Feder über daö Papier flog, „waren es nicht
____- rissig Thaler?"
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Anzeigen nimmt entgegen: dieExpedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl.
Johannes schlug ungeduldig auf das Pult.
iüd ein Unverschämter," tief er, „ein Wahnsinniger. Ich tbe Ihnen fünfzig Thaler für das Couvert, welches Sie tit oder ohne Brief hier im Comptoir auf dem Fuß-
Tages der icht.
Die Commission für das Sozialistengesetz berieth heute den §. 19 bett, die Beschwerdeinstariz^ Der Antrag v. Helldorf-Schmid wurde mit 15 gegen 5 Stimmen abgelehnt.
„Sie entschuldigen," versetzte im bescheidenen Tone der Arbeiter, „hundertundfünfzig!"
„Ach ja, — richtig! ich vergaß nur. Hier, mein Freund."
Der Arbeitet steckte das Blatt zu sich. „Wann befehlen Sie^ daß ich wieder hierher komme, Herr Hardenberg? fragte er. „In acht Tagen etwa?"
„Lassen Sie sehen! In acht Tagen? Das wäre zu früh, däncht mir, — vielleicht in drei Monaten oder dergleichen."
„Gut, Herr Hardenberg, ich werde eS ausrichten. Aber sollte mau mich früher wieder hierher schicken, — Sie wissen! —"
„Ja, ja, das findet sich. Gehen Sie nur."
Und die Thür fiel ins Schloß, der Arbeiter durchschritt triumphirend das große Comptoir.
„Icht habe ich ihn," dachte er, halb berauscht vor Freude, „jetzt bin ich ein reicher Manu. Aber dennoch — und et sah scheuen Blickes durch die dämmernden Ecken und Winkel dxr geräumigen alten Vordiele — dennoch scheint es mit, daß ich heute ein Lump geworden bin und daß ich meinen Kindern gestohlenes Brod nach Hause bringe. Wär's nicht der Leuteschinder, der blasse schleichende Geizhals, dem ich das Leid anthue, der Feind und Bedrücket der Arbeiter, dann könnte mich die Geschichte schier umbringen."
Trotz dieser moralischen Anwandlung aber ging er doch zur Kasse und ließ sich den Betrag auszahlen. Als die harten Thaler in seiner Tasche klapperten, waten alle Selbst« vorwürfe vergessen. „Ich kann nun den Atzt holen", dachte er, „und das Begräbniß bezahlen und brauche keine Noth mehr zu fürchten, — das ist Glück, das ist Genuß. Und wurde denn nicht das Hardenbcrg'sche Millionenvermögen aus dem Schweiß und Blut bet Arbeiter zusammen-
••yeigen nimmt entgegen: Ue Sxpedttion d.vlattet, | fjisie d.Annoncen-Bureaux Atlt* I»» Tb- Dietrich & Co. in ” tlüflel und Hannover; Tb. rxietrich in Frankfurt a M.; I Mojenftcin & Vogler in 1 tanlfurt a M., Berlin, tintig, Cöln rc.; Rudolf lpotls, jiefle in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS SomttagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.
!?3| w nicht einmal an beit gleichen Brief, denn L>ie reden fH )n einem welchen ich auf dem Fußboden gefunden haben 991 ö, während ich den meine, der eines Abends von Ihnen V »ter Herrn Georgs Papiere geschoben wurde. Es scheint so doch nichts zu sein mit dem Compagniegeschäft! —
- tte Nacht Herr Hardenberg."
In diesem Augenblick klopfte es von draußen an die 1Ö8 hüt, und Johannes trat jäh erschreckend zum Pult zurück. Sie warten noch!" zischte, er. — Dann das Haar in den iacken werfend, sichtlich bemüht, sich zu fasten, rief er: herein!" und als der Anköinmling begrüßt worden,
1 lei Wasser in feinen Wein goß und dem durch den Te- fertetn, grapheu verbreiteten Extracte feiner Rede einen berichtigten große ad sehr abgeschwächten Wortlaut folgen ließ.. Aber es ieb trotz alledem unvergessen, daß 1869 Gambetta in 1 elleville die Aufhebung des Cultusbudgets und die gänz-