Nr. 228.
Jllarßurg, Sonnabend, 28. September 1878
xni Jahrgang.
Cß
e <a d
t» en ig cd
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d-vlattkö, sowie d.Annoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Logier in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. Stil. rc.
GchelW jritmiii.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, fowied. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Beilin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirteö SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (ejcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
ö
Pd w
8 8 w
ersuchen die Bestell«« ge« für das vierte Quartal der
Dberhessischen Zeitung
und deren Gratisbeilage
Jllustrirtes Sonntagsblatt baldigst bei der Post machen zu wollen. (Auf dem Lande nehmen die Landpostboten auch Bestellungen an.)
Im Feuilleton kommt demnächst zum Abdruck: „Km Maskenball König Jeromes", von E. Sch.
(Marburgerin.)
Die Ex-ed. K Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Dem Vernehmen nach hat Se. Maj. der Kaiser in Beantwortung der vom Reichstag durch dessen Präsidium än Hochdenselben gerichteten Adresse ein Dankschreiben an das Präsidium ergehen lassen.
Die Kronprinzessin begibt sich Freitag Nachmittag über Koburg und Darmstadt nach Baden-Baden, um an der Geburtstagsfeier Jh. Maj. der Kaiserin theilznnehmeu.
Der „Reichsanzeiger" publicirt einen aus Kassel vom 22. d. datirten kaiserl. Gnadenerlaß; laut demselben wird
ac
s Z
S* v 11
bezüglich aller aus Elsaß-Lothringen stammenden Wehrpflichtigen, welche sich als beurlaubte Recruten der Einstellung in ihren Truppentheil durch die Flucht entzogen haben, wenn sie sich bis Neujahr 1879 zur Erfüllung der activen Dienstpflicht freiwillig stellen, jede strafrechtliche Verfolgung wegen Fahnenflucht eingestellt und die etwa bereits erkannte, aber noch nicht eingezogene Geldstrafe unter Niederschlagung rückständiger Kosten erlassen.
CD et et
li!b
♦
&
qvi. g I
1
in rt arei
-b,
[ Die Commission für das Socialisteiigesetz vertagte die weitere Debatte über § 19 (Beschwerdeinstanz des Bundesraths) wegen der Abwesenheit des Ministers v. Eulenburg. § 20 (Belagerungszustand) wurde mit einigen Lasker'schen Amendements angenommen. Hiernach lautet der Eingang: '„Für die Ortschaften oder Bezirke, welche durch die in § 1 bezeichneten Bestrebungen mit unmittelbarer Gefahr für die ösienlliche Sicherheit bedroht sind." Bei Absatz 1 soll das Versammlungs-Verbot sich nicht auf Versammlungen für Reichstags- und Landtagswahlen beziehen. Bei Absatz
Herodias.
!!*• *9 Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
Die Augen der Jndierin glühten wie im Wahnsinn, i Es waren deutsche abgebrochene Laute, welche ihre Lippen stammelte«. —
„War piellcicht ein bischen böse Aus den Liebsten, ließ ihn köpfen. Aber als sie auf der Schüssel DaS geliebte Haupt erblickte, Weinte sie und ward verrückt. Und sie starb in Liebeswahnfinn.*
Georg versuchte sich schwankend zu erheben und nach dem Ruder zu tasten. „Wir treiben in das Meer," horte sie ihn flüstern, „o, Daschka — Du — wußtest nie, was wahre — Liebe ist!"
Sie schleuderte die beiden Ruder in das Wasser hinaus. „Wir treiben bis zum Meer," wiederholt« sie jubelnd, „wir sterben! — wir sterben! O, ich wüßte nicht, was Liebe ist, Sahib? Ich tödtete Dich, weil ich Dich liebe. Sie soll Deine Seele nicht besitzen, sie, die ich hasse wie das Bose! Wärest Du nicht auf dem Wege gewesen, sie zu lieben, dann hättet Ihr Euch getrennt, als ich kam, denn Dein Weib war sie nie, ich weiß Alles. Sechs lange Wochen wartete ich, wartete verzweiflungsvoll, daß Du sie verlassen solltest, — bis heute, bis zu dem Tage, der mir vor siebzehn Jahren das Lchen gab. Heute bringt er den Tod, Sahib, wir. sterben vereint!"
Georg richtete sich mit letzter Kraft noch einmal auf. »Gestern — trennten wir uns für immer — Mathilde Und ich!" bebte es von seinen Lippen.
Daschka schrie auf wie im Todesschmerz. Sie warf sich wild verzweifelnd über ihn, ste schleuderte den kleinen
3, wonach gewissen Personen der Aufenthalt in Bezirken und Ortschaften versagt werden kann, ist amendirt: „der Aufenthalt ausserhalb ihres Wohnorts". § 21 wurde unverändert angenommen. Zu § 22 wurde der Antrag von Schauß, wonach das Gesetz bis zum 31. März 1881 gelten soll, mit 13 gegen 7 Stimmen angenommen. Die Conser- vativcn und Gneist stimmten dagegen. Der Antrag Gneists auf eine 5jährige Dauer des Gesetzes ist dadurch erledigt. Morgen findet die Beschlußfassung über § 19, betr. die Beschwerdeinstanz des Bundesraths, statt.
Die Berliner Stadtverordnetenversammlung wählte mit 85 gegen 8 Stimmen den Reichstagspräsidenten v. Forcken- beck, seitherigen Oberbürgermeister von Breslau, zum Oberbürgermeister von Berlin.
Der bleibende Ausschuß des deutschen Handelstages faßte in der Sitzung vom 13. Oktober v. I. den Beschluß: an die Handelskammern eine Umfrage zu richten über den Einfluß der Gefängnißarbeit in ihrer Rückwirkung auf die gewerbliche und industrielle Privatarbeit. In Folge dessen haben 112 dieser Körperschaften ihre Anschauungen in mehr oder minder umfangreichen Berichten niedergelegt und sind die Resultate der letzteren in einer zu veröffentlichenden Denkschrift zusammengestellt worden. Zur zweiten Be- rathung der Angelegenheit ist von dem Präsidium des deutschen Handelstages im Auftrage des bleibenden Ausschusses eine Commission ernannt worden, welche unter Betheiligung von Vertretern des Reichskanzleramts, der preußischen Ministerien des Innern, der Justiz und des Handels und mehrerer Bundesregierungen am Donnerstag, den ; 26. September c. in Berlin zu einer Sitzung zusammenttitt.
Von den neuerdings bei dem Deutschen Reichstag eingegangenen Petionen sind folgende hervorzuheben:
Die Vertreter der Essigfabrikanten von Elsaß-Lothringen Rheinland, Westfalen, Hessen-Nassau und Großherzog- thum Hessen bitten, die zu erwartende Vorlage eines Gesetzentwurfs, betreffend Einführung einer Uebergangssteuer auf Essig von 3,32 Mk. pro 100 Liter, sammt einer Steuerrückvergütung auf Essig, der nach den Südstaateu ausgeführt wird anzunehmen. — Der Vorstand des Vereins zur Wahrung geschäftlicher Interessen zu Wiesbaden bittet, darauf hinzuwirken, daß durch entsprechende Abänderung der Gewerbeordnung die sogenannten Wauderlager und Auktionen beseitigt oder doch möglichst beschränkt werden. Der Vorstand der Allgemeinen Fabrikarbetter- Unterstützungskasse zu Lignitz (eingetragene Genossenschaft) bittet die Reichsregierung zu veranlafien, die Einführung allgemeiner Arbeiterpenstonskassen im Wege der Gesetzge
blutüberströmten tscherkessischen Dolch weit von sich in das dunkle Wasser. „Es ist nicht war, Sahib, o Gott, es kann nicht sein!"
Georg hob matt die Hand. „Ich schwöre es Dir, Daschka!"
„Zu Hülfe!" rief ste laut und gellend, „zu Hülfe! — Barmherziger Gott im Himmel, rette ihn, rette chn!"
Sie streckte beide Arme wie im Wahnwitz empor, ste warf sich über den leblosen Körper des Gemordeten und flog dann wieder auf, rufend, flehend, in Todesangst wimmernd. Von fern herüber klang Antwort, rasche Ruderschläge näherten sich der Unglücksstätte. — Daschka horchte mit gerungenen Händen in die Stacht hinaus.
hierher! Hierher! — Um der ewigen Liebe willen, hierher! —"
Sie stand mit dem Rücken dem Vordertheilc des Bootes zugekehrt, sie sprang, alle Gefahr vergessend, auf das Mittelbrett und schwenkte in der hocherhobenen Rechten ihr Taschentuch. Fortwährend um Hülse rufend, bemerkte sie nicht, daß die Sttömung den leichten Kahn nahe und näher an das steile Ufer einer dieser kleinen Inseln hinantrieb, jetzt wurde ja auch ein Fischerboot sichtbar, mehrere Männer ruderten mit Aufbietung aller ihrer Kräfte, die Unglückliche jubelte laut im Gefühl naher Rettung--
„Schnell! — Ach schnell!"
Und dann warf die Welle mit plötzlichem Ruck den seitwärts geneigten Kahn gegen das Ufer, die junge Frau stürzte aufschreiend weit hinaus ins Wasser — der Kahn, im Umschlagen bis an den Rand gefüllt, sank Zoll um Zoll in die dunkle Tiefe hinab, unb auf der Stelle, wo eben noch die heißesten Leidenschaften des Lebens gekämpft, lag nun banges Todesschweigen.
Stumm und emsig begannen die Fischer ihre unsichere Rettnngöarbeit.
bung zu bewirken. — Der Vorstand der Enthaltsamkeitsgesellschaft des Danziger Landkreises bittet, dahin zu wirken, daß der § 33 der Gewerbeordnung dahin abgeändert werde, daß die Nützlichkeits- und Bedürfnißfrage bei Er- lheilung jeder Schank- und Gastwirthschaftskoncession maßgebend gemacht, dieselben auch mit der entsprechenden Steuer belegt, die Kleinhandlungen mit geistigen Getränken dagegen ganz aufgehoben werden.
Während des Jahres 1875 sind für Lehrergehälter rund 50 Millionen Mark verausgabt worden, von welcher Summe der Staat 5'/- Millionen, die Gemeinden 44 :/2 Millionen aufgebracht haben, außerdem sind vom Staat noch über 6 Millionen Mark für persönliche Zulagen und Pensionszuschüsse verwandt worden. Seitdem haben sich die für Besoldung des Lehrpersonals bestimmenden Summen Dank dem Entgegenkommen der Staatsregierung und der Opsersreudigkeit der Gemeinden nicht unbeträchtlich vermehrt, während z. B. im Jahre 1874 das durchschnittliche Einkommen eines Lehrers 948 Mark das einer Lehrerin 747 Mark betrug, kann dasselbe gegenwärtig für einen Lehrer vielleicht auf 1050 Mark geschätzt werden. Auch die großen Verschiedenheiten in der Höhe der Gehaltsatze sind in den letzten Jahren bedeutend ausgeglichen worden; während im Jahre 1874 die Einkommenssätze zwischen 150 bis über 3000 Mark schwankten und nur die Hälfte der Gehälter in die Stufen von 750 bis 1200 Mark fielen, würde eine gegenwärtig aufgestellte Uebersicht gewiß eine sehr viel größere Anzahl von dem Durchschnittssatze nahestehenden Gehältern nachweisen. Voraussichtlich würde der gegenwärtige Ertrag der Grund- und Gebäudesteuer von 55 Millionen Mark ausreichen, um für die im Staate vorhandenen 53,500 Lehrerstellen den Ortsgemeinden eine dem gegenwärtigen Durchschnittögehalt der Lehrer ungefähr gleichkommende mittlere Jahresdotation auszuwerfen.
Neueste Orient - Nachrichten:
Wien, 26. Sept. Offiziell. Eine Deputation aus Zworuik erschien am 25. d. in Dolni-Tuzla vor Feldmarschall- Lieutenaut Szaparh, um die Unterwerfung der Stadt anzukündigen und die Bitte auszusprechen, daß die Stadt durch kaiserliche Truppen besetzt werden möge. An demselben Tage wurde darauf, wie früher beretts bestimmt, der Marsch nach Zwornik angetreten. Deputationen aus Petrovac, Kulen, Bakus und Bjelai erklärten ebenfalls die Unterwerfung der von ihnen vertretenen Bevölkerung und deren Bereitwilligkeit zur Ablieferung der Waffen. Die Entwaffnung von Rogattca ist durchgeführt; man hat daselbst eine große Anzahl Gewehre und viel Munition vorgefunden.
Wien, 26. Sept. Das Fremdenblatt ist der Ansicht,
Elftes Kapitel.
?lls damals der Arbeiter, den Georg zu empfangen verweigert, an die Thür deS Comptoirs von Hardenberg und Sohn klopte, als er dem Chef des Hauses gemeldet zu werden wünschte, da erhielt er die gleiche abweisende Antwort. Johannes wollte den kürzlich entlaßenen Comptoirdiener nicht anhören. Der Mann lächelte eigenthüm- lich; er ging mit langsamen Schritten quer durch das vordere Comptoir und stand dann plötzlich im kleinen Arbeitskabinet des Chefs diesem gerade gegenüber — ohne erst angeklopft oder um Einlaß gebeten zu haben. Den Hut in der Hand, die Augen fest auf das blasse Gesicht des sjungen Fabrikherrn geheftet, so lehnte er nachlässig am Thürpfeiler. -
Johannes hatte sich, seil wir ihm zuletzt begegneten, auffallend verändert. Er war entsetzlich mager geworden, noch bleicher als zuvor, und sichtlich mit allen seinen Gedanken durchaus dem gegenwärtigen Augenblick entfremdet. „Was wollen Sie?" fragte er barsch. „Wie können Sie sich unterstehen, gegen mein Verbot hier einzudringen?"
Der Arbeiter blieb bei seinem ruhigen spöttischen Blick. „Ich will die Stelle als Comptoirbote haben, Herr, deshalb komme ich."
„Nein! Ich schlage Ihr Gesuch ab, ich brauche Sie nicht, namentlich nach so unverschämtem Auftreten. Jetzt gehen Sie, oder —"
Der Mann lachte. „Drohungen, Herr — Drohungen in Ihrer Lage? Sie sollten vorsichtiger sein, sollten nicht Leute, die Ihre Geheimnisse kennen, brodlos machen und ins Elend stürzen wollen. Mein jüngstes Kind ist in dieser Nacht gestorben, die anderen gehen denselben Weg, wenn nicht bald Hülfe kommt, — ich brauche Geld."
Johannes schien zu glauben, daß der entlaßene Ar