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Mr. 227.

JRatßurg, Freitag. 27. September 1878

xni Jahrgang.

Anzeigen nimmt emgegtn: He Expedition d.Blatte», feste d.Annoncen-Bureaur eon Th. Dietrich & Co. in Gaffel und Hannover; Th. Sictrid) in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in itanlfurt a M., Berlin, dipzig, Cöln rr.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

AkrlfkUche Zcitiiug.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie b. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2', Warf, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

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: Seine Majestät der Kaiser und König haben Mich zu Kauftragen geruht, der Provinz und insbesondere auch den tzrwohnem von Kassel und Wilhelmshöhe den wärmsten Dank für den Empfang auszusprechen, welcher Seiner Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin r zu Theil geworden ist. Allerhöchstdieselben sind von überall hervorgetretenen Theilnahme an diesem Empfange

»wie von der ganzen Haltung der Bevölkerung sehr warm Btb angenehm berührt worden und scheiden aus der Pro­vinz mit dem herzlichen Wunsche für deren ferneres Ge- eihen und Wohlergehen. Ich freue Mich, Ihnen Vor- ehendes mittheilen zu können, und ersuche Sie, die weitere Bekanntmachung zu veranlassen.

- WilhelmShöhe, den 24. September 1878.

gez. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

In den Oberpräfidenten der Provinz Hessen-Nassau.

Der Bericht des kommandirenden Generals 11. Armee- srps über die durchgängig sehr gute und entgegenkommende lufnahme der Truppen bei den diesjährigen großen Herbst­bungen giebt Mir die erfreuliche Veranlassung, Weine ebhaste Befriedigung hierüber auszusprechen. Ich ersuche sie, dies der Provinz bekannt zu machen.

Wilhelmshöhe, den 24. September 1878.

Im Allerhöchsten Auftrage Seiner Majestät des Kaisers und Königs

I gez. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

In den Oberpräsidmten der Provinz Hessen-Nassau.

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Kassel, den 24. September 1878.

Die vorstehenden, die Provinz Hessen-Nassau und ihre iewohner höchehrenden Allerhöchsten Erlasse bringe ich »erdurch zur allgemeinen Kenntniß.

Der Oberprästdent

- Frhr. v. Ende.

hDes Kaisers Wiederkehr inmitten feines Volkes.

I Die Hebungen des hessischen Armeecorps haben eine ■6er ihre militärische Wichtigkeit hinausragende Bedeutung Mvonnen: der Tag der großen Parade, der 20. September ist ein freudiger Gedenktag in dem Leben unseres Kaisers Md für unser Volk geworden. Zum ersten Male seit den schweren und trüben Tagen, die über den theuren Monar- hen verhängt waren, konnte er jetzt wieder inmitten seines

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Herodias.

Roman von W. Höffer.

l Fortsetzung.)

Sie deutete auf eine Reihe kleiner dunkler Punkte im

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„Das ist gut," sagte sie tief athmend. „Hier wäre die luth zu still."

Er ruderte hinaus bis mitten in den Strom und zog ton die beiden Stecken ein. „Es sind mehr als zehn ahre, feit ich hier fuhr," sagte er, unwillkürlich von dem «denken der glücklichen Knabenzeit erfaßt, „aber doch hnmt noch jede Einzelheit mir bekannt vor. Um die nächste «sei führt em Flußarm, der uns wieder zur Stadt zu- id bringt."

„Laß uns treiben," bat sie, „fetze Dich zu mir, ähib, so daß ich Deine Augen sehe. Denkst Du der acht am Ganges, wo mich Deine Anne auf das Schiff

tagen?"

t „In jeder Stunde seitdem!" antwortete er zärtlich.

Sie beugte sich weiter vor. „Und doch — doch tonn­st Du eine Andere heirathm, Sahib! — Nein, wider- rich mir nicht, ich weiß, daß es so ist, wie ich sage. Benn zwischen Dir und Deinem Vater keine Mißhellig- Sten entstanden wären, wenn er Dich sogleich zum Ge- häftö - Compagnon ernannt hätte und ich selbst nie nach Uropa gekommen wäre, ob Du da wohl nicht im Laus ; kr Zeit mit jener Anderen eine ganz zufriedene Ehe ge­ehrt haben würdest, ob nicht mein eigenes Bild in Deinem

-) Hintergrund der Aussicht. „Dort hemm, Sahib, — wo- __stn führt der Weg?",

„Wenn wir den schmäleren, an den Stadtmauern hin- ießenden Arm des Stromes vermeiden — direkt zum

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1878.

Heeres, inmitten seines Volkes erscheinen und den Ausdruck der tiefen Verehrung und lebendigen Begeisterung unmittel­bar entgegennehmen.

Wochen und Monate lang hatte tiefe Trauer auf den Herzen aller Patrioten gelastet, als der Kaiser an den Folgen der gefährlichen Verwundung, welche die unselige Frevellhat ihm zugefügt, darniederlag: zwischen Angst und Hoffnung schwebend, verfolgten Millionen im deutschen Volke mit Spannung die Berichte von des Kaisers Krankenlager. Wenn die schlimmsten Befürchtungen allmählig schwanden und der Aussicht auf Wiedergenesung wieder Raum gaben, so blieb doch der Kaiser den Blicken seines Volkes, welches mit so inniger und stolzer Freude an seinem Erscheinen hängt, noch auf lange Zeit entzogen. Die weitere, über Erwarten glücklich fortschreitende Genesung und das erste Heraustreten des Monarchen in weitere Kreisen erfolgten nicht im eigenen Lande: unser Volk vernahm mit innigster Theilnahme aus der Ferne die Kunde von der stetigen Zunahme der Kraft und Frische des Monarchen und von den Zeichen der Sympathie und Verehrung, welche ihm inmitten des befreundeten Nachbarvolkes zu Theil wurden.

Als die Kunde kam, daß der Kaiser der großen Heer­schau bei Kassel beizuwohnen gedenke, wurde sie vielfach mit Zweifel aufgenommen, — aber die freudige Botschaft ist Wahrheit geworden, und der Verlauf des kaiserlichen Be­suchs auf Wilhelmshöhe, in Kassel und bei den Hebungen des hessischen Corps hat weit über Erwarten die Wünsche und Hoffnungen des Volkes in Bezug auf die endliche volle Genesung des Kaisers ermuthigt und bestätigt.

Der Kaiser hat sich seinem Volke, das sich in jubelnder Begrüßung desselben nicht genug thun konnte, gezeigt in neu erfrischter Kraft, die man zu bewundern nicht müde wird, in der milden Freundlichkeit, die alle Herzen bezau­bert : aber nicht bloS in dem Jubel des festlichen Empfanges ist der Kaiser dem Volke erschienen, sondern es war ihm vergönnt in alter Weise kräftig zu Pferde, an der Seite seines Kaiserlichen Sohnes und Stellvertreters, an der Spitze eines strahlenden militärischen Gefolges wieder seine Trup­pen zu mustern und sich der Erhaltung und Ausbildung der Wehrkraft zu freuen, in deren fester Begründung er von jeher eine seiner höchsten Aufgaben für Preußen und Deutschland erkannt hatte.

Gewiß hat der Kaiser in dem Augenblick, als er in sausendem Galopp an den Reihen der Bataillone und Schwadronen hinabsprengte, die ihn mit donnerndem Hurrah begrüßten, ein hochbeseligendes Gefühl der durch Gottes Gnade neu gewonnenen Gesundheit empfunden, — und die Tausende und aber Tausende, die mit freudigen Blicken ihm folgten, haben mit ihm die Größe des Augenblicks em­pfunden und mit ihm dem Höchsten gedankt, der auch in Herzen allmählich zum Schatten erblichen sein müßte? — O Sahib, es ist so, es ist so! Nicht Deine Treue war es, die Dich vor einer zweiten Liebe bewahrte, sondern nur die zufälligen äußeren Verhältnisse."

Er lächelte mit jener ruhigen Heberlegenheit, die das leidenschaftliche Weib mehr als alles Andere verletzt und irritirt. „Aber gerade diese, die Verhältnisse, bedingen im Leben, Alles, mein Herz, antwortete er freundlich. „Es ist anzunehmen, daß die Dinge unter veränderten äußeren Hmständm auch eine veränderte Gestalt, angenommen haben würden; es ist anzunehmen, daß sich jede Wunde langsam schließt, 'wenn nicht eben durch sie der Tod sogleich im ersten Augenblick herbeigeführt wurde, daran änderst Du nicht allein nichts, sondern auch Du selbst bist diesem Na­turgesetz unterworfen. Hätte Akbar - Selim fortgetebt, so wäre Dir mein Bild nach und nach fremd geworden bis zur ruhigen lieben Erinnerung, die aber nicht mehr schmerzt. Wolltest Du denn überhaupt unausgesetzt trauern?“

„Ja!" rief sie leidenschaftlich, „ja! Entweder trauern oder glücklich sein. Die zahme Mittelstraße ist mir ver­haßt.“

Er küßte den kleinen übersprudelnden Mund. „Liebe mich so," sagte er mit tiefem Athemzug, „Du machst mich zum Gott, Daschka! — Kein Mann auf Erden ist es Werth, die ganze selbstvergessende Liebe eines Frauenherzens sein eigen zu nennen."

„Wie konntest Du nur die Andere heirathm?" fragte sie halblaut, im Tone bitteren Wehes, noch einmal.

„Sprich nicht davon," bat er, „vergiß es. Vielleicht wagte ich mich tollkühn bis an den äußersten Rand deS Abgrundes, vielleicht that ich Hnrecht — Dir und ihr — aber das Alles liegt nun hinter uns, wir sind einander wieder gegeben und trennen uns nicht mehr. Laß daher die müßigen Fragen nach dem Wenn unb Aber, mein Lieb,'

dieser jüngsten schweren Zeit Seine Hand über dem theuern Fürsten halten und ihn für sein Volk bewahren und von Neuem stärken wollte.

Möge die hehre Feier, welche der Kaiser in den näch­sten Tagen zum Gedächtniß seines verehrten Königlichen Vaters zu begehen gedenkt, möge sodann die fernere Ruhe, die er sich an seinem und der Kaiserin Lieblingsaufenthalt in dem Bereiche seiner geliebten Tochter gönnen will, ihn ferner erquicken und stärken, bis er vollauf erfrischt in die Haupstadt zurückkehrt! ' (Prov.-Corresp.)

Tagesbericht.

Die „Provinzial - Correspondenz" bestätigt, daß Ihre Majestäten sich am Sonnabend nach Baden-Baden begeben, um am Montag daselbst mit dem kronprinzlichen Paar und der großherzoglich badischen Familie das Geburtsfest der Kaiserin zu begehen. Bezüglich des Fürsten Bismarck meldet die Correspondenz, daß derselbe Ende der Woche nach Berlin zurückzukehren gedenke. — Hinsichtlich der Berathungen der Reichstagscommission für das Sozialistengesetz äußert das­selbe Organ: Auch die Commisstonsmehrheit, welche das Gesetz wesentlich auf den von der Regierung in Aussicht genommenen Grundlagen zu Stande zu bringen entschlossen sei, spalte sich vielfach bezüglich der Fassung des Entwurfs im Einzelnen. Namentlich sei ein Theil der Nationallibe­ralen bestrebt, Bürgschaften gegen etwaige mißbräuchliche Auslegung und Ausdehnung des Gesetzes durch einschrän- tenbe Bestimmungen zu gewinnen, in welchen aber die Regierung und die Konservativen eine theilweise Gefährdung der unmittelbaren Wirksamkeit des Gesetzes erblickten. Die zweite Lesung in der Commission werde Gelegenheit bieten, In einzelnen wichtigen Beziehungen die vorläufig gefaßten Beschlüsse einer erneuten eingehenden Erwägung zu unter­ziehen. Eine volle Verständigung schon in der Commission sei dringend wünschenswerth. Die Hoffnung auf Verstän­digung scheine noch begründet. Von dem Gelingen hänge der innere Friede, die gejammte weitere Entwickelung unserer öffentlichen Zustände, die Möglichkeit neuen Auflebens des öffentlichen Vertrauens und damit des so lange ersehnten neuen Aufschwunges von Handel und Wandel ab.

Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Grafen Hatzfeld zum außerordentlichen und bevollmächtigten Botfchafter bei der Pforte.

Die Reichstags - Co mmifsion für das Sozialistengesetz fuhr gestern, Mittwoch, in der Berathung des § 16 fort und beschloß mit 13 gegen 8 Stimmen (sechs Conservative und 2 Fortschrittler), dem ersten Absatz nach dem v. Schauß

— wozu sich selbst quälen, wozu Schatten, die nie Gestalt besaßen, auf den eigenen Weg stellen!"

Sie sah ihn an. „Also läugneft Du doch nicht, daß möglicherweise späterhin Deine Liebe ihr gehört haben würde, Sahib? — ihr, Deiner Frau."

„Die Dir noch eine liebe Schwester werden wird, Daschka. Mathilde ist mir theuer, wie eine solche, sie ver­dient wahrlich ein besseres Schicksal, als ich es ihr ge­währen konnte."

Die Fürstin legte plötzlich den linken Arm fest um Georgs Schultern. „Trägst Du meine Kette noch, Sahib — das Götzenbild, welches ich Dir schenkte?"

Die Worte klangen kaum verständlich, das schwarze Auge der jungen Frau glühte unheimlich, um ihre Lippen zuckte es. Die rechte Hand schien sich krampfhaft unter dem Mantel gegen das klopfende Herz zu pressen.

Georg öffnete Paletot unb Nock, dann schob er die Leinenfalten zur Seite und zog mit zwei Fingern das Me­daillon hervor. —

Daschka legte fester und fester den Arm um seinen Nacken, sie beugte sich und preßte in langem Kuß ihre Lippen auf die seinen.

* *

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Ein halberstickter Schrei tönte durch die Nacht, ein plötzliches Heben unb senken erschütterte bas Gleichgewicht des kleinen Fahrzeuges, dann lag im nächsten Augenblick die Jndierin auf ihren Knien und umfaßte mit beiden Händen den Kopf des jungen Mannes. Georg war gegen das mittlere Sitzbrett zurückgesunken, ein Strom von Blut quoll aus seiner Brust und der Äthern ging keuchend.

. (Fortsetzung folgt.'