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JJTarÖUCg, Mittwoch, 25 September 1878

XIII Jahrgang.

«»eigen nimmt entgegen: üe Expedition d.Blatte-, tjeie d.Annoncen-Bureaux He Tb. Dietrich & Co. in grßel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Bjenftein & Vogler in iksurt a M., Berlin, sig, Cöin rc.; Rudolf jlaffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

WkWschk jfitimii.

Anzeigen nimmt entgegen: di- Expedition d. Blat es sowie d. Annvncen-Bureaux von G. L-Daube L Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JllustrirtrS Sonntagsblatt" durch die Expedition lKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

und deren Gratisbeilage

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Ätir ersuchen die Bestelluuge« für das

Vierte Ouartal der

Bberhessischkn Zeitung

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Das Wiener „Telegr. - Corr. - Bureau" meldet aus Rom vom 23. September: Die päpstliche Negierung machte Preußen den Vorschlag, rücksichtlich der wegen Ver­letzung der Maigesetze abgcsetzten oder zu Gesängniß ver- urtheilten Geistlichen dasselbe Vorgehen zu adoptiren wie der Canton Bern und denselben die einfache Rückkehr auf ihre Posten zu gestatten.

Bekämpfung des sozialdemokratischen Unwesens zu unter­stützen und angesichts der vorliegenden ernsten und ver­antwortlichen Aufgabe die Geltendmachung doctrinärer Weis­heit möglichst zu beschränken. Diese Hoffnung sei nicht er­füllt. — Der Artikel der „Norddeutschen" weist namentlich auf die Haltung Lasker's hin und fügt hinzu: schon jetzt sind einige Beschlüsse gefaßt, welche die verbündeten Regie­rungen voraussichtlich als unannehmbar bezeichnen werden. Das Zustandekommen des Gesetzes erscheint gefährdet, min­destens erschwert, falls nicht im Fortgänge der Verhand­lungen, namentlich bei der dritten Lesung diejenigen Mit­glieder die Oberhand gewinnen, welche e ne Verständigung mit der Regierung auf Grundlage des praktischen Bedürf­nisses wirklich erstreben.

Der „Berliner Börsenzeitung" zufolge übernahm das bekannte Consortium für die Anleihe Preußens und des deutschen Reiches abermals 30 Millionen Mark Reichsan­leihe, welche einen Theil der vom Reichstag in der vorigen Session bewilligten Kredite bilden. Der Uebernahme-Ver- trag sei Montag genehmigt und damit perfect geworden.

Die gestern stattgehabte Uebernahme von 30 Millionen Mark Reichsanleihe durch das bekannte Consortium erfolgte zu gleichen Bedingungen wie die letztvorhergegangene Ueber­nahme eines Theilbetrages dieser Anleihe.

Neueste Orient - Nachrichten:

Berlin, 23. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: die von „Pesti Naplo" neuerdings verbreitete Behauptung, daß Fürst Bismarck während des Congrcsses der von den

Uns geht eine Nachricht zu, schreibt die „Post", welche in weiteren Kreisen freudiges Interesse erregen wird. Die einzige Tochter des Reichskanzlers, Gräfin Marie von Bis­marck, hat sich mit dem Grafen Cuno zu Rantzau verlobt. Graf Rantzau, einer der ältesten schleswig - holstcinschen Adelsfamilien angehörig, ist Legationssekretär und Premier- Lieutenant der Reserve des 3. Garde-Ulanen-Regiments. Früher bei den Gesandtschaften in Lissabon, Brüssel und München beschäftigt, nahm er an den Arbeiten des Kon­gresses als Mitglied des Sekretariates Theil, und wurde nach Beendigung desselben als Hülssarbeiter in die Reichs­kanzlei berufen.

Tagesbericht.

Heute, Dienstag Nachmittag, werden der Kaiser und t Kaiserin Wilhelmshöhe wieder verlassen, um sich um 1/2 Uhr per Extrazug über (Marburg 5 Uhr 16 M. ohne usenthalt), Gießen und Oberlahnstein nach Koblenz zu be­ben, woselbst die Ankunft Abends 8 Uhr 10 Minuten n Schloßgarten erfolgen wird. Den nächsten Tag beab- lbtigen die Majestäten gemeinschaftlich in Koblenz zu Ver­ben. Von dort begiebt Se. Majestät der Kaiser sich am «vnnerstag früh zur Beiwohnung der Enthüllungsfeier >ch Köln, von wo Allerhöchstderselbe Nachmittags 3 Uhr jeder in Koblenz zurückerwartet wird. Beide Majestäten denken dann am Freitag noch in Koblenz zu verbleiben

MnstrirteS Sonntagsblatt Udigst bei der Post machen zu wollen. (Auf ßm Lande nehmen die Landpostboten auch Bestel-

Vngen an.)

I Im Feuilleton kommt demnächst zum Abdruck: - „Hin Maskenball König Jeromes«, von E. Sch.

(Zlatburgerin.)

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

nd sich am nächsten Tage nach Baden-Baden zu begeben, »hne!; »selbst am 30. d. Mts. der Geburtstag der Kaiserin im wie > । rmilienkreise gefeiert werden wird. Dem Vernehmen nach , !! erden auch die kronprinzlichen Herrschaften znr Geburts-

igsfeier in Baden-Baden eintreffen. — Die königlichen rinzen kehren, nach Beendigung der Feldmanöver, direkt »ch Berlin bezw. Potsdam zurück.

]' Fürst Bismarck ist gestern, Montag, nach Varzin ab- ii weist; er wird daselbst mit seinen beiden Söhnen einige

1PT;; age verweilen und dann nach Berlin zurückkehren.

1Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Ter bisherige J Verlauf der Commissionsverhandlungen über das Sozialisten- esetz entsprach nicht den Erwartungen, welche die General­debatte im Plenum und die Commissionswahlen Hervorrufen wßten. Es schien, als ob die nationalliberale Fraction i ihrer Mehrheit gewillt sei, die Reichsregierung in der

schrei!

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ödiiket:

Herodias.

Roman von W. Höffer.

(Fortfetzung.)

x morgen nur noch ein Chaos in Aussicht steht, Du süße — Böse! — Aber das Haus will ich Dir zeigen, «ch die Fenster, hinter denen Du wohnen wirst, wir Beide, to unser Glück seinen Tempel finden soll, unvergänglich

w Und sie glaubte ihm, sie gab Kuß um Kuß auf das irtlichste zurück. „Ich habe jetzt nur noch Eins hinzu zu effttt- lgen, Sahib, und dann können wir gehen. Giebt es teilten Leg, der uns zugleich au Deinem Elternhause vorüber iibcd» chrt und auch bis an das Ufer des Stromes? Ich möchte e Mauern sehen, hinter denen Deine Wiege stand."

Er umfaßte sie stürmisch. „Du rüttelst wahrhaftig heute bend all mein bischen Verstand dermaßen zusammen, daß

ildetei tnb ewig."

Daschka entwand sich seinen Armen. 'Wieder war das kizende Gesicht so blaß geworden und wieder klang es >ie Kälte durch ihren Ton. „Ich komme gleich zurück, Jesck sahib — laß Dir Hut und Ueberrock bringen! — ich »ill mich zum Ausgehen ankleiden."

Er blieb allein, unfähig, sich selbst die Eindrücke dieses :1 bends vollständig zu definiren. Nur Eins lag klar zu 4ge, Daschka war eifersüchtig bis zum Aeußersten, sie tjtr.O tonte eS nicht ertragen, Mathildens Namen nennen zu Km, sie war nach wenigen Minuten von dem Gedanken, ‘«öl 1 ^m Hause zu leben, das auch Jene bewohnt, lebhaft 70 wittirt worden. — Georg lächelte glücklich. Welch eine stunde voll Seligkeit, wenn einst alle diese Schatten hwinden würden, wenn Daschka Alles wußte! —

Und nun kam sie zurück, ganz umhüllt vom grauen sturnus, nur bk Kante des weißen Seidenkleides schim-

mette ein wenig hervor, und als er sie erinnerte, daß es draußen doch für ein so leichtes Gewand zu kalt sei, da lächelte sie. „Kennst Du es nicht mehr, Sahib, es ist das in welchem ich Dich damals fand, mein Braulkkeid."

Es war gut, daß in diesem Augenblick Haydee das Zimmer betrat, sonst würde Georg im Uebermaaß des Glückes die Kaputze herabgezogen und durch seine Küsse den Spaziergang noch hiuausgeschoben haben. Er ließ sich mechanisch Hut und Paletot geben; die neu erworbene Seligkeit dieses Abends lastete fast wie ein Druck auf seinen Nerven. '

Daschka legte die Hand auf den braunen Lockenkopf ihrer Sclavin. „Du sollst mich nicht erwarten, Haydee," sagte sie gütig. „Ich werde lange ausbleiben und Du kannst immerhin schlafen, bis morgen der neue Tag be­ginnt. Gute Nacht, Kind!"

Das Hindumädchen bückte sich, um die Hand der Ge­bieterin zu küssen, aber Daschka hob den Kopf ihrer Sclavin zu sich empor und berührte mit ihren Lippen die Stirn derselben. „Haydee, ist beinahe meine Schwester, Sahib, ihre Mutter war meine Amme — gute Nacht! gute Nacht!"

Es schien, als könne sie sich nur mühsam losreißen noch von der Treppe blickte sie wieder zurück. Schlaf, Haydee, schlaf! Ich habe Dich ja lieb. Und hör noch, laß die Mäuse nicht an Chi-Hoo's armem Kopfe nagen, der Gedanke thut mir weh."

Georgs Arm trug sie mehr, als daß er sie führte. Wo halte er denn bisher seine Augen gehabt? War nicht Daschka ein Weib, so zärtlich, so weich und hingebend wie je Eines?

Er mußte sich beherrschen, des Portiers wegen, sonst hätte er auf dem Fleck Verzechung erfleht für das Unrecht, welches ihr sein Zrrthum zugefügt. Zetzt öffneten sich die

österreichischen Delegirten gestellten Forderung betreffs des europäischen Mandats zur Besetzung Bosniens und der Herzegowina sich energisch widersetzt habe, ist eine Erfin­dung von seltener Dreistigkeit. Es ist nicht nur den Cabi- neten bekannt, sondern auch in weitere Kreise gedrungen, daß die Vorschläge der österreichischen Bevollmächtigten während des Congresses nicht nur bezüglich Bosniens, son­dern auch in allen anderen Fragen bei Bismarck stets die bereiteste nachdrücklichste Unterstützung gefunden haben, tote dies den engsten freundschaftlichen Beziehungen der beiden Nachbarstaaten entspricht.

Wien, 23. Septbr. Der Berichterstatter der „Polit. Corr." auS Serajewo äußert anläßlich des gemeldeten mili­tärischen Erfolges der österreichischen Truppen bei Senkovic seine zuversichtliche Ansicht, daß der bosnische Aufstand im Ganzen und Großen innerhalb einiger Wochen niederge- toorfen sein werde. Derselbe constatirt ferner, daß nach den Erfahrungen sämmtlicher, Heereskörper weder die christ­liche noch die israelitische Bevölkerung Bosniens den kaiser­lichen Truppen entgegen getreten sei. In der Regel ständen nur von fanatischen Priestern aufgehetzte, von türkischen Civil- und Militärbehörden sowie von türkischen Truppen- theilen unterstützte Mohamedaner im Kampf gegen die österreichischen Waffen. Allseitig strömten zahlreiche Ein­wohner, darunter auch mohamedanische, nach Lerajewo und anderen Städten, um sehnsüchtig das Ende des Aufstandes erwartend, sich unter den Schutz der österreichischen Armee zu stellen. — Aus Bukarest meldet die „Polit. Corr.": zwei italienische Offiziere, der Oberst vom Generalstabe Rossi und Hauptmann Fanfani, sind in einer militärischen Mission hier eingetroffen.

Wien, 23. Sept. Officiell. Nach einem am 22. d. Mts. stattgefundenen sechsstündigem Gefechte wurde das befestigte Hauptlager der Insurgenten auf oer domirendsten Höhe von Senkovic von unseren Truppen genommen und den fliehenden Insurgenten, welche mit Geschützen beschossen wurden, der Rückzug gesperrt. Zwei gezogene Geschütze, Fahnen, viel Munition, Lebensrnittel und Zelte wurden erbeutet. Jrn Hauptquartiere des Generals Szapary er­schien eine Deputation aus Tuzla und erklärte die Unter­werfung der Stadt. Die Besetzung und Entwaffnung Tuzlas wurde eingeleitet. In Folge einer Aufforderung durch eine Deputation aus Sulina rückten daselbst am 21. d. unsere Truppen ein und schritten zur Entwaffnung der Bevölkerung. Die dortige Besatzung wurde heute verstärkt. Unsere Truppen besetzten Olova ohne Widerstand. Die Insurgenten flohen gegen Han Karaula und Kladanj. Arn 21. d. stießen sämmtliche Colonnen des 4. Armee­korps gleichzeitig auf den Feind, der sich auf dem Kamme der Maljevica Planina in ausgedehnten Jägergräben ein-

Doppelthüren, er und sie standen braunen unb zum ersten Male lag ihr Arm in dem seinen. Daschka's Hand zitterte.

Die für den Dezember müde und klare Luft that seinen erhitzten Lungen außerordentlich wohl, es war Alles um ihn und sie herum so still, fast feierlich, als bereite in dxr Statur die vollkommene Ruhe sich langsam vor, zum brau­senden Sturme überzugehen. Niemand kreuzte ihren Weg, das Getriebe des Lebens rastete, sein Toben uno Jubeln schwieg gleich lautlos in der schimmernden Mondnacht.

Die beiden jungen Leute gingen, ohne viel zu sprechen, langsam weiter bis an die Grenzen der Vorstadt. Alleen von jetzt entlaubten Bäumen standen zu beiden Seiten, gespenstisch streckten sich winkend und neigend die schwarzen kahlen Zweige, riesenhaft schienen im Mondlicht ihre Schatten, wunderlich die Formen der hohen alten Kauf­mannshäuser und Villen rechts und links von der Straße und die steinernen Thierkörper oder Götterbilder auf den Umfassungsmauern.- Liegende Löwen, Sphynxe, Neptuns- gestalten und die Brustbilder der Minerva, alles warf auf den weißglänzenden Weg seinen Schatten, alles war so ganz anders, als die südliche ewig grüne Pracht der Um­gebung, in welcher Daschka zu leben gewohnt war, — sie sah es an mit großen, erstaunten Augen, sie schmiegte sich fester an seinen Arm und fiüstette: „Eine andere Welt, Sahib, Dein Vaterland!"

„Könntest Du sie jemals lieben, mein Herz?" fragte er zärtlich.

Sie schauderte. „Ich könnte die Stätte, welche ich mit Dir theile, immer lieben, Sahib, sie sei so öde und freud­los wie sie wolle. Alles könnte ich — nur Eins nicht."

„Und das ist?" fragte er schnell.

„Vergessen!" antwortete sie halblaut. „Wieder werden, was ich war, ehe--Aber still. Es ist etwas Fürchter-