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Marburg, Sonntag, 22 SeptemHer 1878

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XIII Jahrgang.

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«spitzen. Von militärischer Seite wird der Ausbau der nie dringend gewünscht, doch widerstrebt insbesondere Negie- ig und Reichstag Ungarns. Am 16. September sand Wien unter dem Vorsitze des Kaisers Franz Joseph rin vnrath statt, der diese Frage behandelte.

Die große Revue im Bois de Vincennes, die am 15. ytember vom herrlichsten Wetter begünstigt und von «bestens einer halben Million Pariser und Provinzialen Augenschein genommen wurde, hat nicht den Eindruck «acht, den man erwartet hatte. Nur einzelne Elitetruppcn

leicht schon in der nächsten Woche die Rückverlegung des Hauptquartiers von San Stefano nach Adrianopel erfolgen. — In Asien hat sich die lang erwartete Räumung von Datum und der Einzug der Russen vollzogen. — Midhat Pascha hat die Erlaubniß zur Rückkehr in die Türkei er­halten, doch ist der Sultan noch nicht geneigt, ihm den Aufenthalt in Konstantinopel zu gestatten; es heißt vielmehr, daß Midhat einen wichtigen Verwaltungsposten in Klein­asien erhalten soll; Bestimmtes steht freilich noch nicht fest.

wurden mit Begeisterung begrüßt; Im Großen und Ganzen jedoch verhehlt sich „die große Nation" nicht, daß die „neue Armee" noch lange nicht der „altHr" gleichkommt; beson­ders die Reserve zeigte sich sehr lahm, die Reiterei nichts weniger als gut beritten und sicher im Sattel und die Equipirung auch keineswegs zweckmäßig. Frankreich ist reich genug, um eine brillante Armee bezahlen zu können; nur ist „Hingebung" und „OpferwMgkeit" noch nicht allein im Stande, militärischen Geist und Ausdauer im harten Felddienst zu schaffen. Aber Frankreichs militärische Auf­erstehung wird von der liberalen Partei mit Feuereifer ge­predigt, und so wird auch die Einrichtung der allgemeinen Wehrpflicht nach und nach Wurzel' schlagen. Gambetta ist seit dem 16. wieder auf Reisen, um von Lyon bis Gre­noble auf allen Stationen den Triumph der Republik zu predigen und für die Senatorenwahlen zu werben.

Die Stimmung in^n glaub beginnt in den letziver- flosienen Tagen sich in etwas wieder zu beunruhigen. Na­mentlich haben neuerdings eingelavfcne Berichte aus Indien nicht dazu beitragen können, dip Befürchtungen, welche wegen des diplomatischen und militärischen Treibens der Russen in Afghanistans beziehungsweise am Oxus wachge­rufen waren, zu verscheuchen. Lord Salisbury hat sich nach Paris begeben, während die übrigen Minister, mit Ausnahme des zum Hofe der Königin befohlenen, während der Parlamentsserien sich aufs Land zurückgezogen haben.

Die Aufregung" in der uiohamedanischen Bevölkerung der westlichen Provinzen der europäischen Türkei ist noch immer im Wachsen; den österrcichischeu Besatzungütruppen in Bosnien ist es, selbst ül dem Umkreis der von ihnen besetzten Ortschaften, noch nicht gelungen, Friede und Ord­nung wieder herzustellen. Was zunächst das Hauptkorps, welches in und um Serajewo unter dem persönlichen Com- mando des Oberbefehlshabers Philippovich steht, angeht, so läßt sich, hier. nur ein langsames, strahlenförmiges Aus­breiten über eine Strecke von nicht gar vielen Kilometern feststellen; an einen entschiedenen Vorstoß nach Südosten in der Richtung gegen das Paschalik von Novibazar scheint der österreichische Generalstab vorerst nicht zu denken. Die Truppcntheile in der Herzegowina haben ebenfalls nach der Einnahme von Trebinje sich auf die Aussendung kleinerer Recvgnoscirungen beschränkt; eine derselben drang in der Richtung auf Bilek bereits ziemlich weit vor; im übrigen wendet Fcldmai schall-Lieutenant Jowanovich seine Aufmerk­samkeit zunächst der Entwaffnung der uiohamedanischen Be­völkerung in den von ihm besetzten Gebietstheilen zu. Ein gleiches thut das Corps des Herzogs von Würtemberg, das die nordwestliche Ecke von Bosnien besetzt. Der Rückzug der Russen auö den Stellungen bei Konstantinopel voll­zieht sich in den letzten Tagen rascher, und es dürfte viel­

Sie nickte und schloß momentan die Augen. „Gewiß — in die Heimath, Sahib!"

scher Lgeat igel 1076

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blat eS, sowie d. Annonceu-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'scke Buchhandlung daselbst; Hermanu'sche Buchdand!. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Tagesbericht.

Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck ist am Dienstag Abend von einem nicht unerheblichen Unwohlsein befallen worden und mußte auch die folgenden Tage das Bett hüten, besindet sich jedoch wieder auf der Genesung.

In'der Donnerstags-Sitzung der Commission für das Socialistengesetz brachte Hänel für den Fall der Ablehnung seiner tags vorher gestellten Anträge folgenden Unterantrag zum LaSker'schen Antrag ein: Vereine, welche eine gewalt­same Veränderung der bestehenden Staats- und Gesellschaft­ordnung bezwecken oder in denen auf eine derartige gewalt- same Veränderung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu Tage treten, sind zu verbieten. — Reichenspcrger schlug vor, dem Las- ker'schen Antrag folgende Fassung zu geben: . Vereine, welche den gewaltsamen Umsturz etc. bezwecken oder in denen aus gewaltsamen Umsturz gerichtete Bestrebungen in einer de» öffentlichen Frieden oder die Eintracht der verschiedenen Classen der Bevölkerung gefährdenden Weise zu Tage treten, sind zu verbieten. Minister Graf Eulenburg erklärte sich gegen den Hänel'schen Unterantrag und äußerte die Hoff­nung einer Einigung auf Grundlage der LaSker'schen Vor­schläge. Darauf wurde der Antrag Lasker zu 8 1 (wie bereits gemeldet) mit 13 gegen 8 Stimmen angenommen. § 1 a (Genossenschaftscassen sind in Verwaltung zu. neh­men etc.) wurde in LaSker'ö Fassung mit der gleichen Majorität angenommen. Die M 2—5 wurde» vorläufig von der Berathuug abgesetzt. § 6, betreff, die Presse wurde, nachdem zahlreiche dazu gestellte Amendements mit sehr verschiedenen Majoritäten lheils angenommen, theils abgelehnt worden waren, als Ganzes in der Schlußab- stimmung abgelehut; eine Verständigung darüber wird noch angestrebt.

_ In der Freitags - Sitzung der Commission sür das Socialistengesetz wurde zu § 1 die von Lasker vorgeschla­gene Fassung mit 13 gegen 8 Stimmen (6 Stimmen des Centrums und 2 der Fortschrittspartei) angenommen.

Bezüglich der in den Zeitungen coursirenden Meldung

Wustrirtes Sonntagsblatt

»ldigst bei der Post machen zu wollen. (Auf m Lande nehmen die Landpostboten auch Bestel-

trennten Welten stand sie vor ihm, dieselbe Daschka, welche er kaum jemals anders als halbliegend gesehen hatte, von Sclavinnen umgeben, — er selbst ihr erster und oberster Sclave. Sie streckte ihm die Hände entgegen, sie duldete es, daß er den Arm um ihren Nacken legte und wortlos vor Glück in ihr Auge sah. Alles rings umher strahlte im Lichtmeer, alles war verschwenderisch ausgestattct wie zu einem Fest für Hunderte, und dennoch befanden sich Beide allein, dennoch störte kein Dritter die erste selige Stunde, in welcher Georg von seiner eigenen Liebe sprechen und die Erwiderung derselben in ihrem Lächeln lesen durfte.

Minuten vergingen. Er küßte das Haar und die Augen, den kleinen Mund, der ihm heute nicht widerstre­bend entzogen wurde, er hob die ganze zarte Gestalt in seinen beiden Armen empor und flüsterte jene leisen un- zusammenhängenden Worte, wie sie der Augenblick des Glückes dem Meuschenherzen erpreßt, kaum selbstbewußt, kaum hörbar, unverständlich, nur halbbegriffen auch von dem Andern.

Und Daschka gab jeden Kuß zurück, sie lehnte den Kopf an seine Brust und umschlang ihn mit weißen Armen. „Sahib — ich liebe Dich!"

Er trug sie bis in das blaue Kabinet, er wollte die altgewohnten Umgebungen sehen und den alten Platz zu ihren Füßen wieder einnehmen. Wo er so grenzenlos ge­litten, so lange und so schwer gekämpft, da und nur da konnte er glücklich sein. Alle Sehnsucht, alles Heimweh seiner Seele war gestillt; zum ersten Male seit er Cal- cutta verließ, hörte die Wunde auf zu brennen „Daschka meine Braut! — meine Braut!"

»Wir trennen uns nicht mehr, Sahib, nie mehr! — Und: „Nie!" wiederholte er, „aber wir gehen zurück iil die Heimath, nicht wahr, Geliebte?"

„Hin Maskenöalk König Aerümes", von E. Sch.

(ifiatburgtrin.)

Die ExpeS. d. Oberh. Zeitung.

„Du sollst mich bei meinem Namen nennen, Daschka. „Sahib ist Herr! — eine RespectSanrede also, — versuche es noch einmal — Georg!"

Aber sie schüttelte den Kopf und einen Augenblick sah es aus, als wollten ihn die kleinen Hände plötzlich energisch zurückschieben, dann jedoch besann sie sich uitb lehnte das Gesicht fest gegen seine Schulter.

„Ich will Deinen Namen nicht nennen, hörst Du, Sahib, ich will eS nicht. Andere Lippe» haben das ge- than, — ich gebe Dir den Titel, welchen sonst in diesem Lande kein Mensch anwendet. Ich mag nicht theilen.

Seine Finger zuckten leicht. Nur allzu wohl war ja die Anspielung der letzten Worte verständlich, — nur zu leicht errieth er, welch schweren Kampf mit Stolz und Ge­wohnheit die Liebe im Herzen der Fürstin für ihn ausge­stritten. Ob er ihr Alles sagte? — daß er frei sei, ganz frei, und daß kein Baud zerrissen um ihretwillen, daß nie, nie ein anderes bestanden,? als das von seinem Herren ru dem ihrigen?

Aber warum in die glückliche Stunde hinein so ernste, schwerwiegende Erörterungen? — ES war ja jetzt alles gut, alles geordnet, eS war kein Raum mehr für ferne, ver­gangene Schatten.

Weshalb sich auS dem kurze» Leben auch nur eine Stunde stehlen?

ir ersuchen die Bestellungen für das vierte Ovartal der

Dberhessischen Leitung

und deren Gratisbeilage

ver- tt, — oho, mein Herr in Glacehandschuhen, wolle»

«, ob Du das »och einmal einem Manne zu bieten

. ist, der es gut mit Dir meinte."

Und er klopfte mit lautem Tone an die Thür dcS

iselbe Ausfahrten nach der festlich geschmückten Stadt rtoiw- ^l sowohl als Spazierritte in die nächste Umgebung "™5 i Schlosses machte und wird den am Freitag mit der iserparade beginnenden Fcldmanövcrn des 11. Armec- £nAre; ps mit zahlreicher fürstlicher Suite, darunter auch des Mprinzen Königliche Hoheit, sowie vieler Generäle und bdländischer Offiziere beiwohnen. — Der Reichstag hat erste Lesung des Sozialistcn-GesrtzeS beendet und daS- it an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen. Die öffentliche Meinung m"D"efterreich'-Ungarn, «entlich bei den Magyaren, wird bei dem verhältniß- ißig langsamen Fortgänge der Operationen in Bosnien Dermaßen schwierig; auch scheint sich die Angelegenheit > Baues der Eisenbahn Siffek-Novi zu einem Conflicte

flll »ptoirS von Hardenberg und Sohn. Was jedoch dort xo/a handelt wurde, das werden wir später erfahren; für den igj tzenblick müssen wir GcorgS Schritten folgen.

1 ‘ Diesmal empfing ihn der Portier mit jenem Lächeln, hes sich von der Herrschaft auf die Dienstboten fort« ktzen pflegt. Haydee, die Lieblingssclavin, flog wie 1 heller kleiner Vogel ihm voran, offenbar, um ihre Wenn zu benachrichtigen, und noch ehe Georg das 8t heimliche, in hellblauer Seide decorirle Kabinet Ende der langen Zimmerreihe erreicht hatte, kam k Daschka im vorderen Saale bereits entgegen. Heute ____ I sie sich anders als sonst. Ihr Oberkleid hatte den 178. fernen europäischen Schnitt, aber ohne dessen Steifheit Gezwungenheit, Taille und Arme waren von weitem gesticktem indischen Faltenwurf umgeben und in de» Warzen Locken funkelte immer noch das kronenartige Aiche Diadem.

—* Wie die verkörperte reizende Vereinigung zweier ge-

Hero-ias.

Roman von W. Höffer.

lFortsetzung.)

Er setzte den abgegriffenen Hut wieder auf den Kopf ging seinerseits direkt zum Hause in die Vorstadt, vllte das Rechte thun", murmelte er, „war wieder cin- Esel genug, an be»[ Sieg des Guten zu glauben und I Böse sür ohnmächtig zu halten, — soll mir nun aber im Leben wieder passiren. Sich anpacken und bei Seite tfen lassen wie einen tollen Hund, wo man bescheiden

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Zc sahr ;ethei!

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Das wichtigste Ereigniß der Woche ist, daß wir im l kenlanbe das Glück haben, unseren allvcrehrten Kaiser stetig zunehmender Gesundheit mit Gottes Hülfe seine ffcldherrlichen Pflichten wieder auSsühren zu sehen. Sc. tjestät weilt seit dem 14. d. auf WilhclmShöhc, von wo

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Lonn- und Feiertagen. Preis für daZ Quartal mit bjr wöchentlichen Beilage „Jklustrirtetz Sonntagsblatt" durch die Expedition (ltoch'sche «uchdruckereil bezogen 2', Mart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 5» Pfg. lexcl. Bestellgebühr-. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf» Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

jn PH. B.eirich & Eo. in bfld und Hannover; Tb. sittlich in Frankfurt a M.; iyienftein & Bögler in Mirfjurt a M., Berlin, jjpjig, Esln ic.; Rudolf lejfe in Berlin, Frank­furt a. ’Ui. ic

fagigen nimmt entgegen:

^Expedition d.Blattes, ‘••tu «ad lunoncen-Lureaux

»Und bgld?" fragte er zärtlich, „bald, Daschka?" „Vielleicht früher als Du denkst, Sahib. Wenn ich

Dich rufe, wirst Du auch bereit sein?"

„Prüfe mich!" gab er zurück.

Leben, welches Dir gehört."

„Mir?" drang es kaum hörbar über ihre Lippen.

„Mir Sahib!"

«j eigen an.)

“ Im Feuilleton kommt demnächst zum Abdruck: