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Marburg, Sonnabend, 21. September 1878

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Herodias.

Roman von W Hösfer.

lFortsetzung.)

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckere») bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Demschen Reiches 2 Mark 50 Psg. sexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa

Für in der Expedition zu ertbcilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Georg glaubte den Grund dieser geistigen Weigerung zermaßen zu kennen, er ging daher auf die Sache Set nicht ein, sondern eilte, als sich der Engländer ent- tt hatte, wieder hinüber in das Zimmer Mathildens, entlich war er doch gar zu brüsque aufgetreten, war den Worten „Scheidung" und „Trennung" wie mit bn einfachen Befehl vorgegangen, ohne zu fragen oder erwarten, was seine Frau darüber sagen werde. Wel-

101$ > Opfer hatte ihm Mathilde gebracht — allerdings ein LdigeS — aber dennoch wie freundlich, wie anspruchslos

de war fort aus immer.

Eine Handbewegung verscheuchte das Paar, dessen komisch- lhuldige Zärtlichkeit ihm in diesem Augenblick, Gott weiß »um, wie eine Beleidigung erschien. Georg trat an's

Tagesbericht.

Die Reichstags-Commission für das Sozialistengesetz it Donnerstag Mittag ihre erste Sitzung und trat ohne neraldebatte alsbald in die Berathung des ersten Para- »phen ein. Zahlreiche Mitglieder des Bundesraths wohn- 1 ter Sitzung bei. In derselben brachte Lasker zu §. 1 tzenden Antrag ein: Vereine, welche durch sociale Be­dungen den Umsturz der bestehenden Staats- und Ge­schäfts-Ordnung bezwecken oder in welchen socialdemokra- he auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Ge- lschafts-Ordnung gerichtete Bestrebungen in den öffentlichen »den oder die Eintracht der verschiedenen Elasten der »ölkerung gefährdender Weise zu Tage treten, sind zu Acten. — Ein weiterer Antrag Lasker's bezweckt die Verweisung des Castenbestandes der genossenschaftlichen ssen an eine besondere Administration unter Erhaltung ursprünglichen Zweckbestimmung anstatt der im Eitt- ffe vorgesehenen Ueberweisung an die Ortsannenkassen. Hänel beantragte Zusatzbestimmungen zu §. 130 des lafgesetzbuches wodurch Vereine und Bestrebungen gegen Staats- und Gesellschafts-Ordnung, wie sic §. 1 des kvurfs kennzeichnet, jedoch ohne Beschränkung auf die ^demokratische Partei, unter Strafe gestellt werden. — Nister Graf Eulenburg sprach sich im Laufe der Debatte m den Hänel'schen Antrag aus, indem er die Definition §. 1 für genügend erachtete, erklärte aber einer besseren ssung nicht entgegentreten zu wollen; der Laskersche An- I sei iscutirbar.

Zn Bezug auf die Niedersetzung des Kriegsgerichtes in ‘Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" ist vom Ge-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube LCo. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

jüf sie es, und er nahm alles hin, als könne es gar - t and rs sein. Jedenfalls wollte er sie nun doch bitten 53$ 1 Abreise nicht etwa zu beschleunigen und ihm auch so- •1 ich zu sagen, wohin sie sich gewendet habe.

Als er kam, bildeten Tippoo und Lotte mitten im ,'s$ tmer eine trübselige Gruppe. Das Mädchen schluchzte ttlich und der Indier versuchte es auf alle mögliche — sie zu trösten. Sobald er aber seines Gebieters ansichttg ad foe, hob er beide Hände und sagte nur „Sahib! — U hib!" -

‘149 Dann fuhr er mit dem weiten Aermel seines Gewandes st die Augen.

'ZT* Georg blieb in der offenen Thür stehen, sonderbar be- A, wie von plötzlicher Kälte. Man hatte ihm noch Wort gesagt, aber er fühlte es, er wußte — Ma-

iliueigen nimmt entgegen: kük Expedition d.Blattes, Eygie d.Annoncen-Bureaux jjn Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. kietrich in Frankfurt a.M.; Majenftein & Vogler in fcantfurt a. M., Berlin, eipjig, Cöln rc.; Rudolf bffe in Berlin, Frank­furt a. Ak. rc.

liker der Kaiserlichen Admiralität dem General Stosch den Rath ertheilen, das englische System zu studiren, so scheinen sie den Verlust des „Vauguard" vergessen zu haben, obgleich gerechter Weise anerkannt werden muß, daß der „Vauguard" während eines Nebels verloren ging, während das Wetter beim Verlust des „Großen Kurfürsten" keinen Entschuldigungsgrund bildete. Der Reichstage ist jedoch im vollsten Rechte, wenn er auf die Veröffentlichung der eingehenden Details über den Unfall und der Urtheile der Sachverständigen besteht.

Unter dem 7. Juni ist ein Staatsvertrag zwischen Preußen und dem Fürstenthum Lippe abgeschlossen worden, durch welchen die beiden Regierungen Übereinkommen, eine Eisenbahn von Herford nach Detmold zuzulasten und zu fördern. Die Concession zum Bau und zum Betriebe dieser Bahn soll der Cöln-Mindener-Eisenbahngesellschaft ertheilt werden. Das Ankaufsrecht der Bahn (nach dem preußischen Gesetze vom 3. November 1838) hat die fürst­lich Lippische Regierung an Preußen abgetreten. In einem besonderen Artikel verzichtet Lippe auf jeden An­spruch auf die Caution, welche in ihrem Auftrage von der deutschen Eisenbahngesellschaft in Gemäßheit des Artikels 1 des Staatsvertrages vom 10. Juli 1870 bei der Preu­ßischen General-Staatskasse in Effekten zum Nominal- werthe von 150,000 Thalern hinterlegt und demnächst verfallen ist.

Neueste Orient-Nachrichten:

Wien, 19. Septbr. Offiziell. Die Kämpfe unweit Bihac wurden am 18. d. fortgesetzt. Generalmajor Zach, welcher sich schon früher in den Besitz der Position von Zegar gesetzt hatte, unternahm am 18. nach vorausgegange­ner Beschießung der Festung und zweier Schanzen am Debel-Jaca Berge den Angriff auf letzteren und gelang es ihm, mit 4 Bataillonen die Vorwerke an diesem Berge zu nehmen und zu behaupten. Gegen 6 Uhr Abends machten die Insurgenten sowohl von der Festung als vom rechten Unna-Ufer aus, heftige Vorstöße gegen den Berg, wurden jedoch zurückgewiesen. Eine andere Jnsurgenten-Abtheilung in der Stärke von 800 Mann näherte sich über Paparo- vic dem Plateau-Rande bei Baljevac, wurde aber von 5 Compagnieen des Reserve-Regiments 76 angegriffen und mit großen Verlusten zurückgetrieben. Die Verluste der Oesterreicher sind noch nicht näher constatirt; die Majore Braun und Ballaska vom 79. Reserve-Regiment und 3 andere Offiziere sind verwundet. — Das Gros der von Doboj vorrückenden Truppen des 3. Armeecorps erreichte Gracanica und fand daselbst viele von den Insurgenten zurückgelastene Waffen und Munittonsvorräthe vor. —

Urtheil hatte gefangen nehmen können," und beglückwünschte den jungen Mann nicht sowohl wegen der neu erworbenen Aussicht auf die Erbschaft, als auch weil er mit der eigent­lich Schuldigen so kurzen Proceß gemacht hatte. Die arme Mathilde wurde in allen Tonarten verurtheilt, — es gab bereits Mütter, die heimlich Pläne schmiedeten, und Töchter, die das, was sie sonst nur geflüstert hatten, laut sagten: „Welch ein interessanter Mann ist der junge Hardenberg!"

Auch die Loge schickte abermals ihre drei Gesandten! Georg wurde eingeladen, sich am Abend wieder einzufinden, aber er schüttelte halb traurig, halb belustigt den Kopf. „Ich komme nicht, sagt das Euren Auftraggebern! Mein Vertrauen ist dahin, ist tobt, und Todtes erweckt Ihr nicht zum Leben."

Er empfing auch, wenn nicht sein Zimmer förmlich im Sturm genommen wurde, keine Besuche, sondern wies Alles ab, und besah selbst die Briefe nur flüchtig, bis auf einen einzigen. Das waren die Schriftzüge, welche er einmal gesehen, die großen steifen eckigen Buchstaben, und was darunter versteckt lag, das wußte er ja.

Fiebernd beinahe erbrach er das Siegel. „Komm," stand auf dem veilchenduftenden Blatte, „komm, Sahib! Heute Abend erwartet Dich Deine Braut."

Es war Dämmerung, als er diese Zeilen las. Kälte und der Sturm der letzten Wochen halten plötzlich nach­gelassen, eine beinahe weiche, milde Luft herrschte draußen, völlige Windstille ließ den December vergessen und trügerisch an einen verspäteten Herbst glauben. Heller Mondschein lag über der Schöpfung, Kiudergejubel drang von der Straße herauf.

„Deine Braut hatte Daschka gesagt. Alle seine Pulse flogen, sein Herz schlug zum Zerspringen — er fragte sich immer wieder, ob es nicht bereits Abend sei. „Wenn ich Dir

Bit ersuchen die Bestellungen für das vierte Quartal der

Sberhessischen Zeitung

und deren Gratisbeilage

Wustrirtes Sonntagsblatt eldigst bei der Post machen zu wollen. (Auf m Lande nehmen die Landpostboten auch Bestel- »gen an.)

Im Feuilleton kommt demnächst zum Abdruck: „Ein Maskenöass König Jeromes", von E. Sch.

(IRacbucgtrin.)

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

neralaudidonat Bericht erstattet worden. Die Entscheidung darüber an welches Corps die Sache zu weisen ist, steht noch von höchster Stelle aus.

Am Sonntag, 15. d. Mts., Mittags haben Se. kaiserl. uno königl. Hoheit der Kronprinz geruht, die zur Zeit in Berlin anwesenden Mitglieder des Comitos für die Wil- hclmspende in besonderer Audienz zu empfangen und aus den Händen Sr. Excellenz des Feldmarschalls Grafen Mvllke den DiSpositionöschein über die Summe von 1,739,418 Mk. 42 Pfg. entgegen zu nehmen, welche bei der Seehandlung eingezahlt, und aus den Beiträgen von fast 12 Millionen Zeichnern hervorgegangen ist. Der Feldmarschall betonte die großen Schwierigkeiten, welche bei der Ausführung dieser Pfennigsammlung entstanden seien, sprach die Bitte aus, Se. kaiserl. Hoheit möchten die Gnade haben, Sr. Majestät dem Kaiser Kenntniß von dem Resultate zu geben, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieses Resultat, welches nicht nach der eingegangenen Summe, sondern nach der Menge der Zeichner beurtheilt werden wolle, Sr. Majestät dem Kaiser als ein Beweis für die Liebe und Treue seines Volkes gelten möge. Die Bestimmung über die Verwendung des eingegangenen Geldes stellte das Comito der Weisheit Sr. kaiserl. Hoheit ganz unterthänigst anheim. Se. kaiserl. Hoheit antwortete hierauf in warmen Worten zunächst für die Person des Feldmarschalls und des Comitos, und wie Allerhöchstderselbe von Anfang an durch den Gedanken der Wilhclmspende sympathisch berührt gewesen sei, daß Er es auch besonders angenehm empfunden habe, daß gerade Er Sr. Majestät diesen Beweis der Liebe und Treue für das Staatsoberhaupt übermitteln könne, und daß Ihm die Ver­wendung der Gelder anheimgestellt sei. Er werde zu diesem Zwecke die Urtheile erfahrener Männer zu Rache ziehen, und hoffe, daß ein Mittel gefunden werde, wie der drin­gendsten Roth gerade derjenigen Klassen des Volkes abzu­helfen sei, bei denen Irrlehren Eingang gefunden hätten, welche auf Untergrabung und Zerstörung des gesammten Volkslebens gerichtet seien. Zum Schluß überreichte Se. Excellenz der Feldmarschall noch einen anonym aus Königs­berg L Pr. eingegangenen silbernen Trauring, welchen das Comito nicht geglaubt hatte, zu Gunsten der Sammlung veräußern zu sollen.

In einem längeren Artikel über die dem deutschen Reichtage ftattgefundene Debatte bezüglich des Untergangs des „Großen Kurfürsten" schreibt die „Times": „Die Deutschen sind vielleicht etwas intolerant, indem sie die Annahme von Gefahren zur See ausschließen, die weder durch menschliche Vorsicht, noch durch seemännische Erfahrung vermieden werden können. Wenn die Kri- Fenster und sah hinaus, er ging langsam durch das ganze Zimmer und öffnete dann die Thür des zweiten. Hier war Mathildens Schlafzimmer, er wußte es, obgleich er es nie betreten hatte, und er sah es jetzt auch au den Spuren einer etwas eiligen Toilette. Das Mädchen mochte Befehl erhalten haben, ihrer Herrin die zurückgelassenen Kleider und sonstigen Kleinigkeiten nachzutragen, wenigstens hatte Mathilde das schwarze einfache Gewand, in welchem er sie immer gesehen, nur flüchtig über die Stuhllehne geworfen und auf dem Fußboden lag gar ihr Taschentuch.

Er hob es auf — das feine ©errette war feucht wie von vielen, vielen Thränen.

Noch stand er so ganz in Sinnen verloren, da fiel sein Blick auf den kleinen Tisch am Fenster. Ein offenes be­schriebenes Blatt Papier schien ihn anzusehen.

Es ergreifen und lesen war Eins. „Lebe wohl, Georg, lebe wohl auf ewig!"

Er drehte das Blatt nach allen Seiten, er glaubte un­willkürlich, daß noch mehr darauf stehen müsse, — es komtteja so kurz, so ruckartig nicht geschieden sein. Aber trotzdem fand sich nichts, alles um ihn herum blieb still wie in einem ganz leeren verödeten Hause.

Jetzt war die schöne sanfte Herrin dieser Räume fort auf immer; er selbst hatte sic gehen heißen, er wollte es so, — ja, ja, er wollte es, aber — dennoch —

Und mit einem eigenthümlich bitteren, unruhigen Ge­fühl legte er das Blättchen in die Brieftasche.

Zehntes Kapitel.

Der Termin für die nochmalige Strafgerichtsverhand­lung war festgese^t worden und die ganze Stadt wußte daß Georg den Geldbrief nicht gestohlen. Jetzt kamen Visiten und Briefe von allen Seilen, jetzt nahm man Notiz von dem „Verdacht, der im Grunde nie irgend Jemandes klares