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Marburg, Mittwoch, 18. September 1878
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räthen nach Epirus und Thessalien dauern fort; letztere läßt die türkische Regierung unter die muhamedanische Bevölkerung dieser Provinzen Vertheilen. — Bukarest. Die Räumung der Dobrudscha seitens der russischen Truppen nimmt ihren Fortgang.
Konstantinopel, 15. Sept. Der britische Botschafter Layard hatte gestern Audienz beim Sultan. Es wird vielfach versichert, daß England die Ansprüche Griechenlands nicht unterstützen werde; die anderen Mächte würden nur isolirte Schritte bei der Pforte thun. Der englische Entwurf betreffs Reformen in der asiatischen Türkei wird wie es heißt, seitens der Pforte als wenig praktisch angesehen. Die englischen und französisch-n Com- missäre, welche zur Reorganisation der Finanzen berufen werden, sollen Mitglieder des projectirten obersten Finanzconseils werden. Midhat Pascha wird wahrscheinlich vorerst zum Gouverneur von Kreta ernannt worden.
Rom, 15. Sept. Das Journal „Fanulla" meldet, zwischen England und der Pforte seien die Grundlagen eines neuen Vertrages festgestellt worden, durch welchen Egypten unter das Protektorat Englands gestellt werde. Die englische Regierung werde dem Khedive eine große Revenue anweisen und eine englisch-französische Commission für die Verwaltung der egyptischen Finanzen ernennen. Waddington, welcher anfangs dieser Combination sehr widerstrebte, habe schließlich der Pression Saliöbury's nachgegeben, welcher sich speciell dieserhalb nach Paris begeben hätte. Letzterer habe auch darauf bestanden, daß Frankreich Tunis besetze. — Der italienische Gesandte in Tanger erklärt unterm 13. d. die Nachricht von seiner angeblichen Jnsultirung durch Mauren für unbegründet. — Die „Opinionc" erfährt: aus den zwischen Frankreich und Italien ausgetauschten Bemerkungen gehe hervor, daß der Deputirte Musst sich in keinerlei Mission, welche den Verdacht der französischen Regierung erwecken könnte, nach Tunis begeben habe; dieser Verdacht sei in Folge der aufrichtigen Aufklärungen der italienischen Regierung zerstreut worden.
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Herodias.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
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Georg dankte mit lebhafter Freude, aber doch nicht ohne neue bittere Beimischung des durchrittenen Schmerzes, satte ich den Fuß auf den Nacken dieser Armen gesetzt," $te er, „und ihnen entzogen, was sie billigerweise fordern •Wen, hätte ich es verstanden, dem Vater in jeder Stunde schmeicheln, ein Ohrwürmchen hier und ein Despot dort, dann wäre Alles gut gewesen. Aber Wahrheit und »chstenliebe haben auf Erden kein Bürgerrecht, sie sind dsche fromme Schabracken, die man sich umhängt, anderen •Sm zu Gefallen, die aber niemals unbequem werden kfen, sonst wirft man sie ohne Umstände zum Tempel hinaus." Und doch hatte ihn trotz der neu erwachten Bitterkeit kt Zwischenfall aufgerüttelt. Er ging mit Aultane um wo möglich ein Geschäft abzuschließen, bei dessen Hulirung ihm der Engländer behülflich sein konnte. „Aber «st Du denn nicht vorher Deiner Frau wenigstens die «rbnisse der letzten Nacht mittheilen, Georg ?" fragte William.
Georg errvthete etwas. „Das würde zu weit führen," ^dte er ein. „Aber Du hast Recht, begrüßen will ich Natürlich."
wr Gr fand die junge Frau trotz der frühen Stunde schon i**A tz angekleidet, aber ungewöhnlich blaß und mit den Nren vergossener ThräAen auf dem zarten Gesichtchen. ’ war offenbar im Begriff, auözugehm.
> Als er eintrat, überzog dunkle Röthe ihre Wangen; 1 Scharfblick erkannte sogleich, daß sie nicht erwartet * vielleicht nicht einmal gewünscht hatte, ihn zu sehen, ® — und das war das Aergste — daß sie ihm irgend zu verbergen suchte. „Mathilde," sagte er ziemlich
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Tuzla und Gracanica irre machen, sondern strebte in rastloser Hast Serajewo zu. Die Folge dieser strategischen Sünden ist nun, daß wir die ganze Occupations - Arbeit von vorne beginnen, das heißt, daß wir einen Occupations- Feldzug eröffnen müssen. Hoffentlich wird bei diesem zweiten Feldzuge rationeller vorgegangen werden, als im Monate August. Die Okkupation eines Landes mit einer so kampflustigen und widerstandsfähigen Bevölkerung, wie jene Bosniens, ist nun einmal kein „militärischer Spaziergang." Unsere Generale werden demnach, wenn wir nicht etwa noch eine dritte Auflage der Okkupation erleben sollen, systematisch vorzugehen haben. Sie werden das Land abschnittweise occupiren müssen und den im Voraus markirten Rayon des betreffenden Abschnittes nicht überschreiten dürfen, bevor sie nicht dessen ganze Bevölkerung völlig unterworfen und entwaffnet haben. Nur ein solcher methodischer Vorgang bietet einige Gewähr dafür, daß der Aufstand nicht hinter unserer Front neuerdings aufflammt, wie dies im vorigen Monate geschehen ist.
Neueste Orient-Nachrichten:
Wien, 16. Sept. Meldungen der Polit. Corresp." Konstantinopel, 16. d. Die Pforte beabsichtigt Chefket Pascha an Stelle Mehemed Ali's als außerordentlichen Commissär nach Albanien zu entsenden. Die Pforte will von angeblich 160,000 unter Waffen stehenden Albanesen Kenntniß haben, welche den Einflüssen der „Liga von Prizrend" gehorchen. — In Folge der Vorstellungen der Mächte über die gefahrvolle Lage, in welche die durch die Kurden bedrohten armenischen Distrikte Erzerums nach dem Abzug der Russen gerathen würden, beschloß der Großvezir, einen außerordentlichen Commissär dahin zu entsenden. — Laut den neuesten Nachrichten aus Batum scheint es, als ob die Lazhen in voller Auswanderung aus dem dortigen Bezirk, begriffen wären. Die Pforte hofft, daß die Mächte bezüglich des griechischen Mediationsgesuches keinen Collectivschritt thun, sondern nur separat vorgehen werden. — Mit dem auf Ende September bestimmten Rückzüge der Russen wird angeblich auch die britische Flotte sich aus den Dardanellen zurückziehen. — Die französischen Commissäre für Ostrumelien und Bulgarien sind gestern in Konstantinopel eingetroffen.
Athen, 15. d. Die Ernennung Achmed Mukhtar Pascha's zum Generalgouvcrneur von Creta machte auf die griechische Jnselbevölkerung den schlechtesten Eindruck. Die Sphakioten und die Mehrzahl der kretensischen Insurgenten führer richteten an die auf Creta resioirenden Consuln ein Memorandum, in welchem ste die entschiedenste Weigerung bekundm, mit Mukhtar zu verhandeln. — Die Sendungen türkischer Truppen und von Waffen und Munitionsvorunvorbereitet, „Pardon, aber — zu wem willst Du Dich im Augenblick begeben? Hoffenllich nicht, um materielle Hülfe zu erlangen, iu das Haus Deiner Ettern oder gar zu meinem Bruder."
Sie wandte sich ab, anscheinend etwas suchend. „Nein, Georg, keines von beiden. Ich gehe nicht aus, um Geld zu leihen."
. »Aber ich weiß, daß Du ohne alle Mittel sein mußt," drängte er. „Ich begreife nicht einmal, wie Du bis dahin ausgekommen bist."
„O," wehrte sie, „laß das. Ich bitte Dich, laß das, Georg."
Aber dabei zitterte ihr ganzer Körper, sie war unfähig, aufzublicken und ging leise an ihm vorüber zur Thür, aufathmend, als Aultane im Nebenzimmer stand und durch seine Gegenwart das tete-ä-tete mit Georg wirksam unterbrach.
„Ich habe nur einen kurzen nothwendigen Weg zu machen," sagte sie mit festerem Tone. „Die Herren wollen sich durch mich nicht geniren lassen."
Und dann fiel die Thür ins Schloß, so leicht und geräuschlos, wie jede von Mathildens Bewegungen. Beide Männer sahen ihr nach, als ste über die Straße ging. Das schwarze Costüm umschloß knapp und einfach ihre plastischen Formen, jeder Schritt bekundete die edle, maßvolle Ruhe ihres Wesens.
„Ich wußte es," dachte Georg, „ich wußte es — ste besucht meinen Bruder. Komm Willian," rief er laut, um die heftige Erregung seines Wesens äußerlich zu bekämpfen, „komm; mir däucht, es ist entsetzlich kalt hier."
„Ja, aber —"
1 „Nein, kein Aber komm nur, komml"
Aultane folgte ihm kopffchüttelnd. Draußen schlug Georg dir den Schritten seiner Frau entgegengesetzte Rich-
gaieigen nimmt entgegen: W Expedition d.Blattes, Ifleie d.Annoncen-Bureaux gim Th. Dietrich & Co. in jtajfel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ftaafenftein & Vogler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, Cvln ec.; Rudolf (Reffe in Berlin, Frankfurt a. M- ec.
Deutsches Reich.
** Berlin, 16. Sept. Fürst Bismarck ist heute Mittag 12 Va Uhr hier eingetroffen. Wenn auch die erste Lesung des Sozialistengesetzes voraussichtlich morgen zu Ende geht, ist es doch möglich, daß der Fürst im Reichstage erscheint. Ueber sein persönliches Eingreifen in die Debatte steht jedoch nichts fest, und so wird die Vertretung deö Gesetzes, wie im Bundesrathe beschloffen, zunächst den Grafen Stolberg und Eulenburg, Herrn Friedberg sowie dem Justizminister eines der Einzelstaaten zufallen. Mit welchem Interesse tung ein. ES schien, als sei ihm daran gelegen, sie womöglich nicht wiederzusehen. —
Mathilde ging indessen durch die ganze Stadt bis in das innerste älteste Viertel derselben und begab sich dort in ein Haus, dessen ganzes Exterieur das Staatsanwaltsgebäude bekundete. Ihr Schleier war herabgelassen, ihr Kleid rauschte, als ob ste zitterte, aber die Stimme blieb sicher, als sie sich bei dem Thürsteher nach dem Zimmer des Staatsanwaltes erkundigte.
Und dann stand sie vor diesem Herrn, der mit fragendem Erstaunen die junge elegant gekleidete Dame empfing Sie selbst mußte sich ihm vorstellen, mußte sagen, daß sie Georg Hardenbergs Frau sei, und — und —
Er bot ihr miüeidig einen Stuhl und wollte den Schreiber unter einem Vorwand aus dem Zimmer schicken, aber Mathilde schüttelte schmerzlich den Kopf. „Es ist kein Geheimniß, welches mich hierher führt, Herr SrtaatS- anwalt," sagte sie mühsam sprechend, sondern im Gegen- theil eine Mittheilung, die für die Oeffentlichkeit im weitesten Umfange besttmmt ist. Sie errathen bereits, daß ich im Begriff bin, von der Angelegenheit meines Mannes zu sprechen."
Der Beamte verbeugte sich „ES gereicht Ihnen zur Ehre, werthe Frau Hardenberg, daß Sie sich von seiner Schuld durchaus nicht überzeugen konnten," antwortete er herzlich, „ja, daß Sie ihn auch jetzt noch zu vertheidigen suchen. Aber dennoch stehf das Factum der — Unterschlagung im Sinn des Gesetzes leider ganz fest Sie freilich dürfen die Sache mit anderem Namen nennen, da Ihr Herr Gemahl unter günstigeren Verhältnissen schon binnen Kurzem Associs der Firma geworden und dadurch in den Stand gesetzt gewesen wäre, die kleine Zwangsanleihe zu berichtigen. Das Alles ist mehr eine
Tagesbericht.
Fürst Bismarck ist Montag Mittag 12% Uhr von Wein hier eingetroffen. Der Herzog von Connaught ist Nachmittags 1 Uhr nach England zurückgereist. Bot- Haster Graf Münster hat sich Montag nach Potsdam be- gchen, von wo derselbe nach London zurückkehren wird.
Für die deutschen Hüttenwerke dürfte folgende Bekannt- mchung des russischen Handels-Departements von Interesse feilt: Mit Bezug auf die im Jahre 1861 gestattete zollfreie Einfuhr von Nietallen aus dem Auslande für Ma- fchinenbau-Fabriken bringt das Handels- und Manufaktur- Äpartement in Folge eines am 27. Juni d. I. Allerhöchst ^tätigten Reichsraths-GutachtenS zur Kenntniß aller Be- ftzer von Maschinenbau-Fabriken in Rußland, daß vor- Äfig bis zum Erlaß neuer gesetzlicher Bestimniungen in dstser Beziehung denjenigen Fabrikanten, welche bis jetzt m obiger Vergünstigung keinen Gebrauch gemacht haben, tie zollfreie Einfuhr von Eisen nicht gestattet, und den- Mgen, welche von derselben Gebrauch gemacht haben, die Aherige Quantttät des zollfrei eingeführten Metalls nicht «größert werden wird.
»Die Wiener Blätter sind in einiger Aufregung über « Dementt betreffs der Rückverlegung des Hauptquartiers M Serajewo nach Brod, weil das Dementi selbst die That- chc zugiebt, wenn auch nur die Rückverlegung eines Theils W Hauptquartiers, um von dort aus die jetzt an der Save «d in der Possawina eröffneten Operationen zu leiten, zu- jchanden. Philippowich bleibt in Serajewo, aber ein Stell- Mreter wird von Brod aus die neuen Operationen leiten, gleich wird das Scheitern des ersten Operationsplanes Mmwunden eingestanden. So schreibt die „N. Fr. Pr.": dr erste Theil der Occupation krankte an der Sucht un- ker Kommandanten, rasch große Erfolge zu erringen und •glichst weit vorzudringen. Wir haben bei Durchführung ^Occupation denselben Fehler begangen, wie die Russen, b sie im vorigen Jahre mit Plewna im Rücken über den tefctn ingen. Unsere Generale haben das geographische ÜMent in den Vordergrund gestellt und in dem Streben, Albe zu gewinnen, ganz darauf vergessen, daß es nur » strategisches Objekt giebt, nämlich die gegnerischen Streit- ifte. Mit dem Blick auf die Minarets von Serajewo töt» wir ganz vergessen, daß in den beiden Flanken un- •kr Operations-Linie bedeutende Jnsurgenten-Massen sich gesammelt haben, welche jeden Moment unserer Verbiu- "igen coupiren konnten. Feldzeugmeister Baron Philip- •vich ließ sich nicht einmal durch den Ueberfall von Banja- ka und durch das Mißgeschick der Division Szapary bei
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