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JUnrßurg, Dienstag 17. September 1878
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brauche nur nach dem Vatikan zu gehen und sich bei dem nächsten besten Prälaten nach dem Gang der Angelegenheiten zu erkundigen, um eine vollständige Zufriedenheit strahlen zu sehen. Der „strahlende" Gesichtsausdruck, den der Reporter des geschätzten Römischen Blattes conftatirt hat, mag wohl nur ein Lächeln über die Naivetät des Fragestellers gewesen sein. Wenigstens scheint uns viel wahrscheinlicher zu sein, was der bekannte Römische Correspon- dent der „Nat.-Ztg." schreibt: „Ueber den Gang der Verhandlungen der Kurie mit Deutschland ist hier absolut nichts zu erfahren; _ sie sind das Geheimniß des Papstes und Nina's, und je mehr sich die Kardinäle bemühen, das Ge- heimniß zu ergründen, desto sorgfältiger wird es bewahrt."
Während der Pariser Correspondent der „Times" seine Kongreß-Erinnerungen zum Besten gicbt, in welchen namentlich ein Urtheil des Fürsten Bismarck üben den russischen Reichskanzler von Interesse ist, kommt aus Wien die Nachricht über eine Audienz, die der Botschafter Graf Schuwaloff beim Kaiser von Oesterreich gehabt habe. Die Reise des russischen Botschafters nach Wien galt nach den officiösen Meldungen einem Besuche seines „kranken Bruders". Gegen derartige Motivirungen sind wir stets mißtrauisch. Als der General Jgnalicff seine Rundreise in den europäischen Hauptstädten machte, hieß es^daß dies seiner kranken Augen wegen geschehe. Als Graf Schuwaloff die englischen Kompromiß - Vorschläge nach St. Petersburg überbrachte, war nach den officiösen Stimmen die Ursache die, daß ein Vetter oder Onkel des Botschafters vor fünf Monaten verstorben war. Man sieht, daß die russischen Officiösen nicht eben erfinderisch sind, mindestens in der Erfindung nicht die gefällige Mannichfaltigkeit erreichen, die namentlich der Wiener Publicistik eigen ist.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube L Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandtung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld- C. Schlotte in Bremen.
Neueste Orient-Nachrichten: Wien, 14. September. Officiell. Meldung vom 9. September über die berichtet das Brigade-Kommando, daß
- «enntcS Kapitel.
Am folgenden Morgen versammelten sich vor dem Hause Georgs mehr als dreihundert Männer. Das waren die Arbeiter aus den Fabriken seines Vaters, die Menschen, denen er Gutes gethan, die trotzigen Blousenmänner unserer Tage, welche sich um anderer Leute Meinung keinen Pfifferling kümmerten, sondern die ihrige offen und
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Belgrad, 14. d. Die europäischen Commissäre für die serbisch-türkische Grenzregulirung sind hier eingetroffen und begeben sich morgen gemeinschaftlich nach Risch.
Wien, 14. September. Die „Presse" meldet aus Drenovcze gegenüber Breczka: am Mittwoch überschritt eine neue Division die Save. Auf dem anberen Ufer waren reguläre türkische Truppen verschanzt. Artillerie unterstützte den Uebergang. Breczka wurde vom linken Ufer beschossen.
Rom, 14. Septbr. Die griechische Note, in welcher die Vermittelung der Signatarmächte nachgesucht wird, datirt vom 7. September. Dieselbe verweist auf die von Griechenland bei der Pforte gethanen Schritte, behufs Ernennung der Grenzregulirungs-Commissare, auf die der Pforte gewährte Frist und bereit auSweichenbe Antwort. Darin heißt es weiter: bie Antworten ber Pforte zielen auf die Zurückweisung jedes Einvernehmens zwischen der Türkei und Griechenland über die Ausführung der Congreßbeschlüsse ab und setzten Griechenland in einen Circulus vitosus, indem sie demselben große Schwierigkeiten verursachten; deshalb verlange Griechenland die Vermittlung der Mächte.
London, 14 Sept. Mehrere Morgenblätter melden, daß Wilson mit Erlaubniß ber britischen Regierung den Posten des egyptischen Finanzministers acceptirt habe. — „Daily Telegraph" meldet aus Pera vom 13. b., daß General Totleben sich an biefent Tage vor seiner Abreise nach Robosto von bent Sultan verabschiedet habe.
Petersburg, 14. September. Ein Telegramm beö Großfürsten Michael Nikolajewitsch melbet: Am 13. zog bie erste Staffel der russischen Truppen von Erzerum ab, die letzte Staffel wird am 19. zurückgezogen.
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Tagesbericht.
Der deutsche Botschafter in Rom, v. Keudell, welcher wt seinem Landsitze bei Freienwalde in Berlin eingetroffen wird, ehe er Berlin verläßt, noch eine Unterredung mit im Reichskanzler haben. — Die Nachrichten über eine «gebliche Sendung des Gesandten v. Radowitz nach Rom, gänzlich unbegründet.
Die Reichs-Commissäre, welche sich letzten Sonntag in Smnerhaven nach Nordamerika eingeschifft haben, um bas »rüge System ber Fabrikat - Besteuerung praktisch kenne» t lernen, werben, wie man annimmt, etwa fünf Wochen p bie Erfüllung ihres Auftrages verwenben. Den Mit- teern ber Kommission sind noch besondere, im Rcichs- Wleramte ausgearbeitete Fragebogen mitgegeben worden, iddje genau die Punkte bezeichnen, auf welche die Coin- ijfton ihre Aufmerksamkeit richten soll. Leider wird das l Süden bet Vereinigten Staaten herrschende gelbe Fieber t Ausdehnung der Commissions-Arbeiten erheblich beein- ihtigen; indessen ist es die Absicht, wenigstens Richmond, »lches für die amerikanische Tabaks-Industrie außerordent- h wichtig ist, zu besuchen.
Der sogenannte Seniorenconvent ber Reichstagöfractionen ste bie Berathung über bie numerische Vertretung der tzelnen Parteien in der Kommission für das Sozialisten- fort; eine definitive Einigung ist noch nicht erzielt, fc Nationalliberalen wollen daher Montag eventuell betragen, eine Commission von 21 Mitgliedern zu wählen, ücher je 6 Abgeordnete von den vereinigten Konservativen, n Centrum und den Nationalliberalen, 2 Fortschrittler 6 1 Sozialdemokrat angehören sollen. Die vereinigten wservaliven wünschen dagegen 7 Vertreter ihrer Partei ib keinen Sozialdemokratm.
DaS Wiener „Telegr. Corresp.-Büreau" meldet aus im vom 14. d.: Der Papst war seit zwei Tagen einem hten Unwohlsein befallen und hat keine Audienzen er- ült. Heute befindet derselbe besser. — Die Kongregationen r Cardinale setzen ihre Berathungen über über einige Akte bezüglich der zwischen Deutschland und dem Vatikan «ebenden Unterhandlungen fort. Die Rückkehr zur preu- schen Verfassung von 1850 ist im Prinzipe zugestanbeu, ich haben sich Schwierigkeiten in Betreff ber Anwendung : Maigesetze ergeben. Es werden dieserhalb neue Auf- bungen in Berlin verlangt werden.
Der „Courrier d'Jtalie" meldete jüngst bezüglich der ichandlungen zwischen Preußen und dem Vatikan, man
sich der Gesammt- verlust durch das Einrücken der Leichtverwundeten und Ver-
Aultane versuchte nicht, ihn zu trösten. Mochte er ausweinen! Diese glühenden Thränen waren das timittel, dessen die überreizten Nerven bedurften; sie erftflt teten vielleicht bas fiebembe Hirn aus der Nacht des chnsiuns.
Nur ber Wind heulte um's Haus und ber Schnee streifte : Scheiben, sonst war es still im Zimmer, wo ein Men- AheiH mit der Verzweiflung rang. Sie gingen jetzt einzeln üch die nächtlichen Straßen nach Hause, die Logenbrüder, j4»,9 lche vor Kurzem — der Eine doppelt — an der mvra- 85,7t1 heu Hinrichtung mitgennrft Ob sich Keiner fragte, wo- 6 der Geist der Nächstenliebe, der Schutzgeist des Maurer- ^ibes, in dieser Nacht geralhen? Ob Keiner von Allen * ihte und fühlte, daß für die Brüder erst ein vollwichtiger tireis vorhanden gewesen sein müßte, ehe sie den Bruder * schweren Falles bezichtigen dursten?
««eigen nimmt entgegen: k Expedition d.Blatte«, [ale d.Aunoncen-Bureaux Kn Th- Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. riettich in Frankfurt a.M.; aafenftein L Bögler in Lntfurt a- M., Berlin, Itzzig, Köln it.; Rudolf Me in Berlin, Franl- surl a. M. ic.
mißten auf 98 Todte, 400 Verwundete und 35 Vermißte beziffert, wonach die großen Besorgnisse, welche durch die Verlustangaben in den Blättern hervorgerufen wurden, gemildert erscheinen.
Wien, 14. Sept. Meldungen der „Polit. Corresp." Cettinje, 14. d.: Der Anführer ber fanatischen Insurgenten von Korjenice, Omer Agar Scherovic, wurde auf montenegrinischem Gebiete nächst Grahovo von den Montenegrinern feftgenommen. Einigen bosnischen Begs, welche um Erlaubniß zum Durchzuge durch Montenegro nach Albanien nachsuchten, wurde die Bewilligung hierzu nicht ertheilt. —
Es war der hohe göttliche Gedanke eines Einzelnen, einer kleinen Schaar vielleicht, der vor Zeiten daö Manrer- thum ins Leben rief — es ist der berechnende Geist der Zeit, welcher heute auch die Nachfolger jener Ersten leitet.
«Seit dem allerersten Werde»
Der erschaffenen Ratur
Alles Göttliche auf Erden Ist ein Lichigcdanke nur.*
Georg ging im Zimmer auf und ab; die Fassung kehrte langsam zurück, der Druck war von seinen Nerven genommen und hatte sich in ruhiger Wehmuth aufgelöst. „Ver- geffen werbe ich bas nie, Aultane," sagte er, „ich könnte eS nicht und wenn mir auch bie glänzendste Rechtfertigung ju Theil würde. Ein Einziges nur freut mich, daß doch nach dem Eid, den sie mir so gern verweigert hätten, in ber Seele jebes ber Anwesenden ein Zweifel zurückgeblieben sein muß."
Unb nun erzählte er, baß er nach erfolgter Ausstoßung beit Namen Gottes angerufen, um feine Schuldlosigkeit bar- znthun. „Das wollte ich!" rief er lebhaft, „unb das habe ich durchgesetzt. Wer einigermaßen Menschenkenner ist, der weih jetzt, daß ich beit Geldbrief nicht genommen, aber auch die Allerknrzsichtigstcn müssen zweifeln. Selbst vom wirklichen Dieb bis zum Meineidigen wäre doch immerhin ein weiter Schritt."
Aultane legte ihm die Hand auf die Schulter. „Sei Du nur ganz ruhig, alter Junge," sagte er, „die Sache ist hiermit noch nicht zu Ende. Es kommt der Tag, wo Du gerechtfertigt dastehst und und wo der wirklich Schuldige entdeckt worden ist."
Georg schüttelte den Kopf. „Das müßte bald geschehen, William, ober es käme zu spät. Ein schwererer Schlag, als ber, welcher mich betroffen, kann auf keines Mannes Haupt fallen — unb ich fühle es auch, es frißt mich von innen heraus, cS nagt an meinem Leben."
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SouittagSvlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Herodias.
f. Roman von W. Höffer.
lFortsetzung.)
Und Tippoo küßte seine Hände und drückte sie gegen ! überströmenden Augen. „Sahib, Sahib, Du darfst st sterben — Dein 'Sclave hat Dich lieb, Du sollst kn für ihn!"
, Georg wehrte Beiden. Er fühlte, daß baS erste Wort »e Widerstandskraft brechen müsse. Der Indier brachte B die weiten bequemen Hauskleider, Aultane sprach ihm f alle Weise freundlich zu, aber nichts löste beit furcht- len Krampf seines Innern. Und als er endlich schwer- mend dem Anderen die Hände darreichte, als er sagte: >ie haben mich ausgestoßen!" — da kam eS, da brach
das Uebermaß Bahn. Der kräftige Mann schluchzte t ein Kind.
Deutsches Reich.
A »erlitt, 14. Septbr. Der Chef ber Admiralität, Stgatsminister v. Stosch, warf in ber Freitagssitzung des Reichstages die Frage auf, wie es möglich war, daß der „Große Kurfürst" mit einem kleinen Leck nicht unterging, sondern kenterte, während der „König Wilhelm" mit dem größeren Leck noch den Hafen erreichte, durch eine andere Aeußerung des Ministers über die „Kopflosigkeit des wachthabenden Offiziers" und die dadurch in der Mannschaft eingetretene Verwirrung, wird der erste Satz ergänzt. Es wird nämlich angenommen, daß der „Große Kurfürst" ohne die an Bord eingetreteue Kopflosigkeit, ebenso wie der schwerer verletzte „König Wilhelm" wäre zu retten gewesen. Dadurch stellt sich die Rettung beS „König Wilhelm" als ein Verbienft bar, auf welches wohl bie Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung gerichtet »erben bars. — Der Abg. Stumm hat den Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichs-
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„Das darfst Du nicht sagen," widersprach Aultane. „Denke vielmehr an die Freude, den Stolz beS Tages, der Deine Rechtfertigung bringt! — Und er wird kommen, er muß kommen, davon bin ich felsenfest überzeugt."
Georg nickte schmerzlich. Sein edles, jetzt so blasses Gesicht zeigte, die tteffte männliche Trauer. „Was singt mein LiebliugSdichter von dem tobten Poeten von Far- ststan? schätze sollten ihm überreicht werben, nachdem man seiner in Hunger und Elend ein Menschenalter hindurch vergessen, ganze Karavanen führten ihm goldene Berge zu, aber —"
„Durch das Ostthor am andern End Bon ThuS, zog in deinselben Moment Zur Stadt hinaus der Leichenzpg, Der den lobten Firbusi zu Grabe trug *
„Horch!" rief in diesem Augenblick Aultane. „Es ist Jemand draußm!"
Er nahm vom Tisch die Lampe und beleuchtete den Korridor. AlS er nach etwa einer Minute in das Zimmer zurückkehrte, war fein ganzes hübsches Gesicht wie in Blut getaucht. Er ergriff und schüttelte Georgs beide Sinne. „Nichts da vom Tode!" rief er. „Du darfst nicht sterben, wirst nicht sterben, sondern der Welt zeigen, wer Du bist, und ihr die Achtung abtrotzen, die sie Dir freventlich verweigert hat. Komm, wir wollen nun noch ein paar Stunden schlafen, Du — bist doch Alles in Allem ein glücklicher Kerl, wenn Du es auch selbst nicht weißt."