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Mr. 213.

Marburg, Freitag, 13. September 1878

xni. ZhrMg.

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Herodias.

Roman von W. Höffer.

t Fortsetzung.)

Aorg ging mit den schnellen Schritten der Aufregung ch das Zimmer: „Noch ein paar Monate, William," * t er, „dann komme ich. Es gicbt hier so Manches zu Sen, ich kann noch lischt fehlen. Daß ich von der Rente, mit mein Later hinterlassen, nichts nehme, wirst Du Mich finden, cs muß also eine Summe Geldes ein- "Mm, ehe ich abreisen kann."

-4 .Eins noch, alter Junge," fragte etwas unsicher der Wander," nimmst Du Deiue liebenswürdige kleine Frau fr hinüber?" _

EGeorg unterdrückte das Spottlächeln, welches seine bleichen Wlto umschwebte. „Wenn sie mich begleiten will," ant- ■Vett er abgewandt, „so habe ich nichts dagegen."

I .Ihr steht Euch also immer noch nicht-besser?"

M »Wir stehen uns einfach gar nicht, Aultane, weder gut r schlecht."

L»Das vergebe Dir der Himmel, Georg!" rief dieser. D glaube nie ein so reizendes, sanftes und doch hoheits- I Wesen gesehen zu haben, wie gerade Deine Frau." t Georg lachte. „Bewahre um Gottes Willen Dein Herz,

Hane," rief er im Tone des alten trotzigen Spottes.

■* *6 ihrige ist verschenkt, wie ich Grund habe zu glauben." Sultane nickte bedeutsam. „Sicher!" wiederholte er, 'ist verschenkt."

i» .Tippoo unterbrach in diesem Augenblick die Conver- und verhinderte durch sein Erscheinen eine Frage, We auf Georgs Lippen schwebte. „Sahib, cs sind drei W-n draußen, die Dich zu sprechen wünschen," sagte er irischer Mundart.

Partei konstituircn, und möge diese sozialistische Partei Hand in Hand marschiren mit der sozialistischen Partei aller übrigen Länder! Es gilt den Kampf um all' eure Rechte, es gilt die Vernichtung aller Privilegien! Prole­tarier aller Länder, vereinigt Euch!"

Die Begründung giebt hierauf den Nachweis, wie die sozialistische Agitation in Wort und Schrift dem Ziel der Vorbereitung auf die Revolution entspricht. „Die Agitation sucht in den ärmeren und weniger gebildeten Schichten der Bevölkerung Uuzufriedenheit mit ihrer Lage, sowie die Ueberzeugung von der Hoffnungslosigkeit derselben unter der bestehenden Rechtsordnung zu verbreiten, sie, als die „Enterbten", zu Neid und Haß gegen die übrigen Klassen der bürgerlichen Gesellschaft aufzureizen. Tie sittlichen und religiösen Ueberzeugungen, welche die Gesellschaft zu­sammenhalten, werden erschüttert, Ehrfurcht und Pietät verhöhnt, die Rechtsbegriffe der Massen werden verwirrt, die Achtung vor dem Gesetze wird zerstört. Die gehässig­sten Angriffe und Schmähungen gegen das Deutsche Reich und s ine Institutionen, gegen das Königthum und gegen das Heer, dessen ruhmreiche Geschichte verunglimpft wird, geben der sozialistischen Agitation in Deutschland ein spezifisch anti- nationales Gepräge; sie entfremdet die Gemüther der heimi­schen Sitte und dem Vaterlande. — Die Darstellungen, welche in Wort und Schrift von früheren revolutionären Ereignissen gegeben werden, die Verherrlichung bekannter RevolutionS- männcr, sowie die Thaten der Pariser Kommune, sind geeig­net, revolutionäre Gelüste und Leidenschaften zu erregen und die Massen zu Gewaltthaten geneigt zu machen."

Abgesehen von der künftigen Gefahr, welche in einer derartigen Vorbereitung auf eine Revolution liegt, erzeugt die socialdemokratische Agitation einen unmittelbaren und gegenwärtigen Schaden. Tic fortgesetzte Störung und Beunruhigung des öffentlichen Friedens, welche durch diese Agitation hervvrgerufen wird, schädigt empfindlich das Gemeinwohl und hindert eine gedeihliche und normale Ent­wickelung auf wirthschaftlichem wie auf politischem Gebiet. Ter socialistischen Bewegung Schranken zu setzen und ihr die Mittel jur Ausbreitung zu entziehen, ist hiernach ein Gebot der Selbsterhaltung für Staat und Gesellschaft.

Die socialistische Agitation, wie sie seit Jahren be­trieben wird, ist ein fortgesetzter Aufruf an die Gewalt und an die Leidenschaften der Menge, um die staatliche und gesellschaftliche Ordnung umzustürzen. Einem solchen Unternehmen kann der Staat Einhalt thrin, indem er der Socialdemokratie ihre wichtigsten Agitationsmittel nimmt und ihre Organisation zerstört, er muß dies thun, wenn er sich nicht selbst aufgeben und nicht in der Bevölkerung die Ueberzeugung, entweder von seiner Ohnmacht ober von-

Georg runzelte die Stirn. Jetzt Besuch? Er war am Vormittag nicht persönlich int Gerichtstermin gewesen, son­dern hatte von seinem Advocaten die Notiz über den Aus­gang des Verfahrens brieflich erhalten; vielleicht erwartete man von ihm also noch irgend eine Berichtigung oder Aus­kunft, vielleicht wollte ihm Jemand ein freundliches Wort sagen, — er mußte doch die Gäste empfangen. „Hat man keine Karten abgegeben, Tippoo?"

„Nein, Sahib."

„Nun, gleichviel, führe die Herren herein."

Tippoo verschwand und im nächsten 'Augenblick öffnete sich zum zweite» Male die Portiöre. Georg schien zu er­schrecken, als er die Eintretenden sah, ging denselben aber trotzdem in ruhiger Haltung entgegen und fragte nach ihrem Begehr.

Man sah es dem ganzen Wesen der drei Herren an, daß sie in offieieller Eigenschaft kamen. Ihre Begrüßung blieb formell, sie setzien sich nicht und sprachen auch kein überflüssiges Wort, nur Einer unter ihnen zog ein ver­siegeltes Schreiben ans der Tasche und überreichte es dem Hauc-herrn. „Wollen Sie in unserer Gegenwart von dem Inhalt Kenntniß nehmen, Herr Hardenberg?" fragte er.

Georgs Hände zitterten. Ihn schien ein schwerer Schlag unvorbereitet getroffen zu haben; er erbrach das Siegel und las flüchtig. „Gewiß," sagte er dann, „gewiß, ich werbe pünktlich zur Stelle fein."

Die Abgesandten grüßten und entfernten sich ohne eine weitere Bemerkung. Georg fiel fast in den Divan, er hatte die Cigarre vergessen und das offene Blatt auf den Fußboden fallen lassen. „Aultane," sagte et mit beben­der Stimme, „das fehlte noch! Ich habe int Bewußtsein voll­kommenster Schuldlosigkeit daran keinen Augenblick gedacht."

Der Engländer schien Alles verstanden zu haben. „Armer

Mr Gesetzentwurf gegen die gemeingefährlichen JT Bestrebungen der Socialdemokratie.

± Die Begründung dieses GesetzentwnrfS, welche der Vor- Ägt an den Reichstag beigegebeu ist, geht anS von den ebtioen Mordversuchen gegen den Kaiser, durch welche die Mbündeten Regierungen in der Ueberzeugung bestärkt Midcn sind, daß zum Schutz von Staat und Gesellschaft Str verderblichen Agitation der Socialdemokratie Einhalt H thun sei, welche als die Hauptursache der zu Tage ge- igttenen Verwirrung der Rechtsbegriffe und Verwilderung M Gemüther angesehen werden muß. Die Regierungen •fct der Meinung, von der sie schon bei dem ersten ab- Mchnten Gesetzentwurf geleitet waren, daß es gesetzlicher Mrschriften bedürfe, welche direct und ausschließlich gegen & socialdemokratische Bewegung gerichtet sind. Die Be- Mcdungeu der Socialdemokratie wurden hierauf geschildert. M wird nachgewiesen, daß dieselben einmal eine radikale Mwälzung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsord- Mz zum Ziele nehmen, und daß sie zweitens dieses Ziel M revolutionärem Wege erreichen wollen. Die radicale Mlvälznng der bestehenden Gesellschaft ist das in allen Wtldeinokratischcn Kundgebungen eingestaudene Ziel der Megttng. Daß das Mittel zur Erreichung des Zieles M Revolution und zwar die von einer Verbindnng der «Weiter aller Länder ins Werk zu setzende Revolution ist, M von der socialdemokratischen Presse zu verbergen ge- M, geht jedoch aus zahlreichen Beweisstücken unwider- Mch hervor, unter anderen aus den Statuten der inter= Monaten Arbeiterassoziation, welche im September 1864 einen internationalen Arbeiterkongreß, der sich als H erste seiner Art bezeichnet, zu London beschlossen Mdm. Daß die „socialistische Arbeiterpartei Dentsch- Ms", welche 1875 zu Gotha durch die Vereinigung der M dahin getrennten „socialistischen Arbeiterpartei" und des Mgemcinen deutschen Arbeitervereins gegründet wurde, 1 ! Zweig der sogenannten Internationale, d. h. der oben

tonten zu London gestifteten internationalen Aibciter- Mionen ist, erhellt aus dem der Begründung egebenen Gothaer Programm, Das Gentner Mani­erlassen von einem 1877 zu Gent abgehaltenen So- Htenkougreß, bestätigt diese Annahme. Dieses Manifest l auch erkennen, wie die politische Aktion zum Zweck stückweisen Entwaffnung des Staats, bis derselbe zur ckutionäreu Zertrümmerung reif ist, als ein besonders ignetcs Mittel erkannt wirt-, dem „großen Ziel des mo- nen Sozialismus" den Weg zu bahnen. Der Schluß tiben lautet:

,Möge bei jedem Volke die Klasse der Enterbten sich Ä große, von allen Bonigeoisparteien scharf abgegrenzte

der Berechtigung der revolutionären Bestrebungen der So­cialdemokratie auffommen lassen will.

Die in Deutschland geltenden gesetzlichen Vorschriften auf den Gebieten der Presse und des Vereinswesens, auf Welchem sich die socialdemokratische Agitation vorzugsweise bewegt, reichen in Verbindung mit den Vorschriften des Strafgesetzbuches, wie die Erfahrung gezeigt hat, nicht aus, um jener Agitation Halt zu gebieten. Die fortgesetzte Handhabung dieser Vorschriften gegenüber der Socialdemo­kratie, die Schließung vieler Vereine, die Auflösung zahl­reicher Versaimnlungen, strenge Bestrafung der massen­haften durch Wort und Schrift verübten Vergehen, haben nicht vermocht, die Ausbreitung der socialdemokratischen Bewegung im Ganzen anfznhalten. Dies beruht wesent­lich daraus, daß die bezüglichen Gesetze einzelne Rechtswid­rigkeiten, nicht aber eine fortgesetzt staats- und gesellschaftS- feindliche Thätigkeit im Auge haben.

Wollte man eine Revision derselben in der Richtung vornehmen, daß damit auch der sozialdemokratischen Agita­tion wirksam begegnet werden könnte, so würbe man über das Bcdürfniß hinaus das Vereins- und Versammlungs- recht und das Recht der freien Meinungsäußerung allge­meinen und dauernden Einschränkungen zu unterwerfen ge- nöthigt sein. Auch auf dem Boden des Strafgesetzbuches erscheint die Lösung der Aufgabe nicht erreichbar. Dazu bedarf cs außerordentlicher gesetzlicher Vollmachten, durch welche die für die innere Sicherheit und Ordnung verant­wortlichen Behörden in den Stand gesetzt werden, ihrer verfassungsmäßigen Pflicht, Staat und Gesellschaft vor in­neren Gefahren zu schützen, der Sozialdemokratie gegenüber zu genügen; es bedarf eines Spezialgesetzes, welches das Vereins- und Versammlungsrecht, die Freiheit der Presse ‘ und des Gewerbebetriebes, sowie die Freizügigkeit aus­schließlich den gemeingefährlichen Bestrebungen der So­zialdemokratie gegenüber wirksamen Beschränkungen unter­wirft.

Die Sozialdemokratie hat dem Staate und der Gesell­schaft offen den Krieg erklärt und deren Zerstörung atö ihr Endziel proklamirt; sie hat damit selbst den Boden des für Alle gleichen Rechtes verlassen und kann sich deshalb nicht beschweren, wenn ihr dasselbe nur insoweit zu Gute kom­men soll, als es mit der Sicherheit und Ordnung des Staates vereinbar ist.

Ueberhaupt weisen außerordentliche und krankhafte Zu­stände, welche den Staat bedrohen, auf eine Abhülfe durch «LPezialgesetze hin, welche sich ausschließlich auf die Abwen­dung der vorhandenen Gefahr richten und mit der Errei­chung dieses Zieles ihre Wirksamkeit von selbst verlieren. Diesen Weg hat man unter ähnlichen Verhältnissen auch in Frankreich und in England dem Wege der Abänderung Kerl", sagte er mitleidig. „Das ist beinahe von Allem das Aergste."

Und dann entstand eine lange, drückende Pause. Auf dem Teppich lag der Brief, durch welchen der Großmeister der Freimaurerloge den Bruder Georg Hardenberg auffor­derte, an diesem Abend präcise um 11 Uhr im Logensaale zu erscheinen und zu hören, waö ihm gesagt werden würde.

„Willst Du mich einführen, Georg?" fragte Aultane. „Ich bin ein Angehöriger des Bundes wie Du, — wes­halb sollte das nicht möglich sein? Mindestens wärest Du dann in der schweren Stunde nicht allein."

Georg streckte die Hand aus und umfaßte mit kräf­tigem Druck die des Freundes. „Ich danke Dir, William," sagte er, „ich weiß, daß Du treu bist, guter Kerl. Aber da, hilft nichts mehr, ich hätte das längst selbst erkennen müssen. Die sämmtlicheu Richter sind Logenbrüder, mein Vater war cs, mein Schwiegervater, der Kassirer im Ge­schäft— „Philister über Dir, Simson!" das ist die Loosnng."

„So bleib Du Simson!" rief Aultane. „Schüttele Alles von Deinen schultern, vergiß, waö sie Dir Leides thaten."

Aber Georg wandte schmerzlich den Kopf. „Dies nicht," antwortete er mit dumpfem Tone. „Alles, aber dies nicht. Es trifft mich bis ins innerste Herz."

Aultane senkte erschüttert den Blick. „Daß man so durch­aus nicht daran gedacht hat!" sagte er nach einer Panse.

„Eben im Gefühl des erlittenen Unrechts!" rief leidenschaftlich Georg. „Aber sollte nicht die Loge ein Forum sein, wo nur das einfache Wort des Bruders den Ausschlag giebt? Sollte nicht ein Weltenbund, wie dieser, über allem Einfluß stehen? — Die Summe Geldes ist verloren, und nur, weil ich Schulden habe, weil ich zuni Diebstahl die günstige Gelegenheit hatte, muß ich nothwendig auch der Räuber sein. Eine andere