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Marburg, Donnerstag, 12. September 1878

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1878.

Herodias.

Roman von W. Höffer.

(Fortsetzung.)

, Achtes Kapitel.

September er. vorgelegten Entwurf eines Gesetzes gegen gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie ilen wir am Schluffe unseres heutigen Blattes mit.

Alle Fraktionen des Reichstages haben sich mit der age der Präsidentenwahl beschäftigt. Die Nationallibe- en und Conservativen stimmen für v. Forckenbeck als en Präsidenten. Von den Conservativen sind von ydewitz als erster und Fürst Hohenlohe-Langenburg als ter Vicepräsident aufgestellt worden. Die nationallibe- e Fraction überläßt jedem einzelnen Mitglied« bei der

welche ihui des Vaters Testament entzogen, im Publikum wieder gewinnen und dadurch moralisch wenigstens den Sieg erwerben.

Es giebt aber im Leben nichts so Schweres, nichts so Gefährliches, als der öffentlichen Meinung Trotz zu bieten, das sollte auch er erfahren. Unablässig von seinen Gläu­bigern bedrängt, verklagt und an den Rind der Insolvenz getrieben, sah er sich genöthigt, neue -schulden zu machen, um damit Früheres zu decken und die Katastrophe abzu­wenden. Unmöglich durfte da jetzt eiji Fallissement ent­stehen, dann wäre sein guter Name von allen Zungen der Stadt zerrissen worden.

Die Schwiegereltern Millionäre, der Bruder Millionär, er selbst der legitime Erbe der väterlichen Firma, und dennoch jetzt an manchem Tage ohne einen Pfennig, ja ohne ein Mittagsessen. Verkaufen konnte er nichts, weil die Gläubiger jedes Stück mit Beschlag belegt hatten; von der ihm zugewiesenen Rente nahm er im begreiflichen Stolz keinen Thaler und an die Eltern Mathildens wollte er sich nicht zum zweiten Male wenden, nachoem ihm ein­mal geantwortet war, daß er für seine gütliche Einwilli­gung in eine Scheidung eine beträchtliche Abfindungssumme beziehen könne. Hier war überhaupt ein vollständiger Bruch entstanden, auch die junge Frau kam nicht mehr in daö Haus ihrer Eltern und die Brüder unterließen eS, sie auf der Straße zu grüßen.

Sechs lange Wochen vergingen, dann kam die straf­rechtliche Verhandlung und mit ihr das fürchterliche, ver- hängnißvolle Etwas unserer Zeit, das Unding voll tief innerer Unsittlichkeit — die breite Veröffentlichung aller dieser interneu Beziehungen zwischen Vater und Sohn, zwischen den Gliedern einer und derselben Familie, das Bloßstellen solcher Situationen und Unterredungen, die der Natur der Sache nach jedem gleichgüttigen oder gar böS-

»antfurt a M., Berlin, «ipzig, Cöln re.; Rudolf M< in Berlin, Frank­furt a. M- ic.

Der Attentäter Nobiling ist Dienstag Nachmittag gegen 22/4 Uhr in Folge einer Lungenlähmung gestorben.

Ein Pester Blatt'veröffentlicht folgenden Privatbrief aus Bosnien: Nach den Gefechten ist in den verlassen gefundenen Häusern — die offenbar den türkischen Insur­genten gehören, das Plündern gestattet. Wir (vom Regi- mcnte Mollinary) waren erst in fünf Gefechten, doch ist der Tornister fast jedes Soldaten voll mit schönen Tüchern goldgestickten Gürteln u. s. w. Anfangs sammelten wir die türkischen Patronen, als wären sie von Gold; jetzt aber sehen wir uns vor Allem nach Eßwaaren um, dann aber spähen wir nach Schmuckgegenständen. Es gibt Sol­daten, die schon mehrere Ringe und selbst Uhren erbeuteten. Hinsichtlich der Verwirrung der Begriffe über daö Mein und Dein stehen wir schon beinahe mit den Bosniaken auf gleicher Stufe. Als wir die Türken, die ihre Stadt in der That heldenmüthig verteidigten, vertrieben hatten, fielen die Bosniaken über die Häuser der Türken her und schleppten Alles weg, was ihnen in die Hände kam. Unter Anderm fielen sie wie die Heuschrecken über die Werkstätte eines Gerbers her, von wo sie so lange das vorhandene Leder wegtrugen, bis ein Befehl des Divisions- Kommandos dem Plündern ein Ende machte. Wahrlich, wir Ungarn sind da in eine schöne Gesellschaft gerathenl"

Durch die Ermordung Mehemed Ali's, ferner des Unter­gouverneurs von Ipek, Abdulla Pascha's, sammt zehn höheren Beamten hat die albanesische Liga ihre Unbotmäßigkeit gegen­über der Pforte auf das unwiderleglichste dokumcntirt. Mag auch der „Pester Lloyd" immerhin übertreiben, wenn er die numerische Stärke der albanesischen Insurgenten auf ca. 45,000 Mann schätzt, und die Situation eine für Oester­reich „ernste" nennt, so ist doch leider kaum anzunehmcn, daß es bei der Ermordung einiger hohen Würdenträger sein Bewenden Halen werde, zumal die Aufregung keines­wegs sich auf A.bauien zu beschränken scheint. Auch in Rumelien und Macedonien soll die Gährung unter den muselmännischen Bevölkerungsklaffen wieder gewaltig im Zunehmen begriffen fein, ja die „Times" läßt sich aus Kon­stantinopel von zahlreichen Verhaftungen melden, die an­geblich in Folge der Entdeckung einer Verschwörung der Anhänger des entthronten Sultans Murad vorgenommen sein sollen. _ Wie die „Pol. Corr." hört, hätte die Pforte den Beschluß gefaßt, energisch gegen die allserbischen und albanesischen Meuterer einzuschreiten. Dies mag für den Augenblick genügen; die einzige Möglichkeit einer Zukunft für die Türkei jedoch erblickt die „Times" nur in der Rück­kehr zu Midhat's ehrlicher und patriotischer Reformarbeit.''

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlilben Beilaae ‘XHiittrirfcs Sutmtan&fitnH“ s„,x r „ .... «...

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

k»n nicht denken, hatte eS sicherlich kaum beachtet. Aber i war es denn, wovon das Wiedersehen abhing?

Räthsel über Räthsel. Er begriff die Sache immer V. *diger, je länger er darüber nachdachte. Seine energische, JOT' »i müssigen Grübeln so wenig angelegte Natur aber konnte i) V lange bei dieser einen Frage verweilen, konnte nicht 6 Gram unglücklicher Neigung zum Mittelpunkt des Da- ds erheben; Georg stürzte sich mit allen Kräften seiner *ele in die neu begründeten Geschäfts - Angelegenheiten, ftnpfand den innigsten Wunsch, der Welt zu zeigen, daß sogar ohne Vermögen recht wohl im Stande sei, sich $ eigene Schicksal zu sichern, er wollte diejenige Achtung,

Neueste Orient-Nachrichten:

Berlin, 10. Sept. Die Ueberreichung der griechi­schen Note, welche die Mediation der Congreßmächte an­ruft, wird hier morgen oder spätestens übermorgen erwartet.

Wien, 10. Septbr. Die „Pol. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Der neuernannte Botschafter Graf Hatzfeld besuchte vor seiner Ausschiffung den General Totleben in San Stefano. — Der Marineminister hat 7 L.ransportdampfer nach Datum zur Herbeförderung der Garnison und des Materials abgesandt. — Zn politischen Kreisen ist ein noch sehr der Bestätigung bedürfendes Ge­rücht verbreitet, daß seit der Besetzung Cyperns durch die Engländer die Vereinigten Staaten von Nordamerika be­müht seien, einen Flottenstationsplatz an der syrischen Küste zu erwerben. —. Dieselbe Corrcspondenz meldet aus Bel­grad von heute: in serbischen Negierungskreiscu sieht man mit Besorgniß der Enttvickelung der Ereignisse in den an­grenzenden türkischen Provinzen entgegen. Mehreren Mit­gliedern des hiesigen diplomatischen Corps wurde der nach­gesuchte Urlaub von ihren Regierungen abgeschlagen. Der augenblicklich abwesende britische Vertreter Colonel Gould trifft am 12. d. hier ein.

Wien, 10. Septbr. Officiell. Die 36. Division be­richtet aus Banjalnka vom 9. d.: £)ie rechte Flanke des Feindes bei Kljuc wurde am 8. d. umfaßt, und letzterer, obgleich überall Widerstand leistend, auf allen Punkten zum Rückzüge gezwungen. Der steile Bergrücken, auf dem das Castel liegt, wurde erstiegen und der Feind zum Aufgeben des Castells gezwungen, welches besetzt wurde. Der Feind zog sich fluchtartig nach allen Richtungen zurück. Die Gegend von Kljuc ist gänzlich gesäubert. Die Zahl der Tobten und Verwundeten beträgt 260. — Bei Ljeskovac fand am 8. ein Geplänkel zwischen einem Jägerposten und ca. 600 Insurgenten statt, worauf letztere sich zurückzogen. An demselben Tage Nachmittags kam es bei Proscienikamen zum Geplänkel mit Insurgenten und ungarischer Landwehr. — Laut Meldung aus Doboj betrug der Verlust der In­surgenten in dem Gefechte vom 5. d. über 600. Zwischen Han Karenovac und Gracanica stehen 6000 Aufständische In der Umgebung von Banjaluca wird die Entwaffnung ungestört fortgesetzt. Auch Sanskimat ist ohne Widerstand besetzt worden. Die türkische Besatzung von Trebinje wurde in Gravosa eingeschifft; die desgl. in Gako wird in Met- kovich zu Schiff gebracht.

K o n st a n t i n o p e l, 9. Sept. Das letzte Telegramm Mehemed Ali Pascha's an die Pforte von Jakova, 9. Sept., meldete, daß die Bevölkerung in höchster Aufregung sei. Man beschuldigte ihn, daß er gekommen sei, das Land an die Serben auszuliefern. Das Haus Mehemed Ali's wurde willigen Dritten verschlossen bleiben sollten, die engverbun- dene, mit einander vertraute Menschen dereinst theilten. Einer im guten Glauben an die Ehre des Anderen, und die nun wiederholt, commentirt, beleuchtet, oder um die Sache beim wahren Namen zu nennen, jedem Esel preis­gegeben werden, daß er mit plumpem Huf zertrete, was vielleicht ein zuckendes Menschenherz bisher als Kleinod theuerster Erinnerung bewahrte.

Daß Georg in Calcntta Schulden hinterlassen, daß er von da fort gegangen, ohne seinen Gläubigern Mittheilung zu machen, daß hier an Ort und Stelle sogleich wieder erhebliche Beträge seitens der Geschäftskasse für ihn bezahlt worden waren und daß ihm darüber der Vater verschie- dentliche Vorstellungen gemacht, auch mit der Erhebung des jüngeren Bruders zum Associs der Firma gedroht habe, Alles wurde öffentlich abgehandelt, ebenso die Lage, in welcher sich Georg derzeit befunden, dahin beleuch­tet, daß sie materiell eine ganz zerüttete gewesen, ja, daß er sogar wenige Tage vor Begehung der That seiner Frau kein Wirthschaftsgeld geben konnte und daß ihr in Folge dessen sowohl der Vater als auch Johannes baare Dar­lehen angeboten. Weiter wurde aus den Geschäftsbüchern mit leichter Mühe Georgs kaufmännische Tüchtigkeit nach­gewiesen: Alles stimmte auf Tag und Stunde, Alles zeigte die größte Ordnung, nur diesen einen Brief wollte er vergessen haben, obwohl er seine Unterschrift anerkannte

Daö Resum« dieser Verhandlungen war kurz. Georg wurde der Unterschlagung schuldig erklärt und daher das väterliche Testament in allen Punkten anerkannt

Merkwürdigerweise schien er an diesem Unglückstage weit weniger außer sich, weniger hart betroffen, als bei der Publikation des Testaments. Was folgen würde, das hatte er vorauögesehen. Wer den althergebrachten Gewohnheiten der Patricierhäuser und den Anforderungen de

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$ Anzeigen nimmt entgegen: Mc Expedition d.Blatte», Jahn ctste d.Annoncen-Bureaux (jette v>n Th. Dietrich & Co. in ’ jt.ffel und Hannover; Th. Itdrid) in Frankfurt a M.; naafenftein L Bögler in

Tagesbericht.

Se. Majestät der Kaiser wird, soweit bis jetzt bestimmt, nächsten Sonnabend, nachdem Allerhöchstderselbe seine adeknr am Tage zuvor mit günstigstem Erfolge beendet, ildbad Gastein verlassen, um über Salzburg und München

ch Wilhelmshöhe bei Kassel zu reisen, wo Se. Majestät r dem Beginn der Manöver des 11. Armee-Korps, erst einige Tage nur seiner Erholung zu leben gedenkt, ie Ankunft auf Schloß Wilhelmshöhe, wo Se. Majestät Kaiser Wohnung nimmt, wird am Sonntag Abend rsolgen. Die großen Manöver beginnen am 20. Sept, eib sollen mit einem Feldmanöver 4 Tage später ihren lbschluß finden. Zur Beiwohnung derselben werden sich wch Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz od die Königlichen Prinzen, sowie mehrere Fürstlichkeiten »rthin begeben und während der Dauer der Manöver bensalls im Schlosse Wohnung nehmen. Zur Aufnahme t8 Gefolges ist, soweit das Schloß nicht auöreicht, das ortige Hotel bestimmt.

Den von dem Stellvertreter des Reichskanzlers, Otto iras zu Stolberg, dem Reichstage mittelst Anschreibens vom 9.

05> Am späten Abend dieses Tages versuchte Georg zum ö-'Jfen M le seit jenem Besuch wieder in Daschka's Nähe w gelangen, aber vergeblich. Es hieß, daß die Fürstin 9,751 ‘ Mrs. Carlisle übrigens, wie ihr Paß lautete — keine u27* Kinde bei sich empfange, am allerwenigsten gerade ihn; er 3>^l 6 sie durch den Thürsteher um ein ganz kurzes Gehör z'po» allein vergebens, sie schickte ihm nur ein versiegeltes Lj* llet mit den wenigen Worten: „Ich kenne all Dein Un- ä gO» »6, Sahib, ich weiß, was Du leidest, aber warte noch! X,"\ ' warte noch! Es ist Eins, was ich erfahren muß, und

tot siehst Du mich wieder, dann trennen wir uns nie, b - mehr!"

sie wußte alles! — Er fühlte kein Erstaunen, ge­tobt hatte er das immer, aber worauf wartete Daschka?

Gewiß nicht auf seine Rechtfertigung bezüglich des ver­tuen Briefes. Die leidenschaftliche Südländerin konnte

hl der Vicepräsidenten Freiheit der Abstimmung. Die fttschrittspartei schließt sich den Nationalliberalen an. Polen wollen, wie es heißt weiße Zettel abgeben, s Centrum stimmt in allen Wahlgängen für Freiherrn cinA Franckensteni. — Die Abteilungen des Reichstages tanct iben sich constituirt und zu Vorsitzenden gewählt: Ab­fl. Ä eilnng 1. Wiggers und Nordeck zur Rabenau, Abth. II chwarze und Hänel, Abth. III. v. Forcade und Völk, bth. IV. v. Schöning und v. Franckenstein, Abth. V. ö - amberger und Graf Ballestrem, Abth. VI. Moufang und silder, Abtheilung VII. v. Stauffenberg und v. Seydewitz. 11A Abgeordneter Moslc hat im Reichstage eine Jnterpel- tion über den Untergang des „Großen Kurfürsten"