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Nr. 210.

Marburg, Sonnabend, 7. September 1878

xni. Iahrgausi.

Anzeigen nimmt entgegen: Mt Expedition d.BlatteS, foteie d.Annoncen-Bureauk Bim Th. Dietrich & Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Laasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln:c.; Rudolf Uoffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

OdrrlieWk Jritimj.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herniann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaie 'UhiftrirteS SanntaaSKlait" <e ,

Jür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. °

Tagesbericht.

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des Württemberg!scheit Kriegömiitisteriums, v.

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zum Director des Rechnungshofes des deutschen Reiches. — Die „Nordd. Allg. Zig." reproducirt beit von der „Tribüne" veröffentlichten Artikel über bie Kissinger

Der „Neichsanzeiger" meldet: Se. Majestät der Kaiser unb König ernannte den bisherigen Chef der Oeconomie-

Berhandlungen.

Nachdem die Nachwahlen in Berlin nunmehr beendet, mtsendet fünf Fortschrittsleute und einen Socialdemokraten die deutsche Reickshauptstadt in den Reichstag — dieses Resultat ist in der That beschämend.

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” Die „Tribüne" brachte einen Artikel über die Kissinger Verhandlungen, der nach Meinung der „Post" aus guter Quelle geschöpft sein dürfte und von der „Nordd. Allgem. ' g." wiedergegeben wird, auch macht „W. T. C. B." auf Denselben aufmerksam, lieber diese Verhandlungen heißt , „dieselben hätten ein freundliches Entgegenkommen in

der Form bethätigt und seien nicht ohne Aussicht auf Er- g geblieben in der Richtung teilt sachlicher, praktischer Annäherung ohne Berührung der Prinzipien. Die anfäng­lich gehegte Erwartung einer schnelleren Förderung sei in- ssen durch das Bündniß des Zentrums mit den Sozia- :t dMisten bei Gelegenheit der Reichötagswahlen erheblich herab- [23 gestimmt worden. Dieses Zusammengehen ultramontaner —7- uub sozialistischer Elemente, namentlich in Mainz, sei im ; «tl Liderspruch mit den erklärte» Grundsätzen und Wünschen gr^ les Papstes erfolgt und habe der preußischen Regierung ‘ -tat Eindruck hinterlassen müssen, daß der Einfluß des -Papstes auf die von den Jesuiten geleitete Zentrumspartei Weg loch kaum stark genug sein würde, um die Ausführung der Magen sicher zu stellen, welche auf dem Gebiete der pol- ' »scheu, der parlamentarischen und der journalistischen Po- ;n, litik etwa gemacht werden könnten. Das Zentrum stehe ! r* unter der Führung von Kondottieren, welche vom Papste mabhängig seien, aber mit Geschick dir katholischen Massen ® in dem Glauben zu erhalten wüßten, daß Alles, was sie eÄ * HLten, im Dienste des römischen Stuhls geschähe.

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Neueste Orient - Nachrichten:

Wien, 5 Sept. Meldung der „Polit. Corresp." aus

Herodias.

Roman von W. Höffer.

(Fortsetzung.)

Konstantinopel. Der griechische Gesandte Conduriotis setzte ide der Woche als Termin für die Beantwortung der iechischen Note fest. Griecheuland würde das Stillschweigen Pforte als Ablehnung betrachten und unvenveilt die Vermittlung der Mächte anrufen. Die Regierung müßte demnächst zusammentretende Kammer über die Sachlage

„Bist Du unglücklich Sahib?"

Ihr Ange glanzte heiß, aber war es Liebe, leidenschast-

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“^1 L Sie berührte mit der Fingerspitze seine Schnlter. 2-1 »iöo ist das Amulet, Sahib? Haft Du es einer Anderen 08,3* stieben?"

„O Daschka!" Und er zog mit zwei'Fingent das gol-

>e Götzenbild an der Kette hervor und küßte es. „Ich ’ioj5£jc n*e kiuc andere als Dich geliebt, ich will mich nur W, Rtbeiib von Deinem Geschenk trennen."

I Sie ergriff seine Hand, dann legte die Fürstin mit 03,j Mm, heißem Druck ihre kleine Rechte auf bie seine, st-rhib, wer war bei Dir in der Equipage, damals als * Pferde scheuten und Tippoo zur Seite warfen?"

Sie wußte alles, er fühlte cs in diesem Augenblick, K nur Das nicht, was eben außer ihm selbst Nie- Mnb wissen konnte. So war denn auch hier die Stunde Entscheidung gekommen, rings um ihn her gähnte Abgrund — sollte er ihn durch feiges Leugnen Erdrücken? Nein nnd tausendmal nein, aber dennoch $Uite er auch nicht antworten „Meine Frau!" Tas Rte die Fürstin in ihrem eigenen Hause tödtlich beleb

05,1W e Lieb, was in der schwarzen Tiefe lebte, oder war es 6,-i Lehrender Groll? 'Er hatte schon einmal dies Glühen N w». als sie den Tiger bezwang, daß er winselnd in M « Ecke kroch.

—> „Ich bin unglücklicher wie irgend ein anderer Mensch, 3,40l Daschka, unglücklich, weil ich aus Calcntta fortging, un- d dicklich, weil Du mich folterst, quälst, ja weil ich über- Mpt noch lebe."

er-

ptbr.

aufklären. — Zur Beschwichtigung der unter den Lazen herrschenden Aufregung wurde der Gouverneur von Trape- zunt nach Batum beordert. — Die Lazen beginnen thcil- weise anszuwandern. — In Folge des vorgestrigen Mi- nisterraths sind neue Instructionen an Karatheodori Pascha nach Wien abgegangen.

Wien, 5. Sept. Der Armee-Commandant Philippo- vich berichtet aus Serajewo von heute: Auf die Nachricht von der Ansammlung zahlreicher Insurgenten bei Mokro wurde die erste und zweite Gebirgsbrigade der 7. Truppen­division unter dem Commando Tegetthoff's dahin entsendet. Am 3. d. Morgens rückte Tegetthosf mit der nördlichen Seiteu-Colonne bei Kadinoselo über den Krsulbach gegen Han Romanja, während die Mittel-Colonne unter Oberst Nittel die Insurgenten in der Front festhielt. Als beide Colounen in daö Gefecht eingriffen, flüchtete der ca. 1000 Mann starke Gegner sich in kleinen Haufen nach allen Richtungen zerstreuend. Die rechte Flügelcolonne unter Oberstlieutenant Schlüttenbcrg konnte wegen Terrainschwie­rigkeiten am Gefechte nicht mehr Theil nehmen. — Der Verlust der Jnsurgenteu belief sich auf ca. 30 Todte und sehr viele Verwundete; der österreichische auf 10 Todte unb 40 Verwundete. — Oberstlieutenant Rastic ist am 4. d. mit dem 31. Jägerbataillon bis Han Romanja und Gla- sinac vorgerückt, traf aber nirgends mehr Jnfurgenten an. Diese haben sich größtentheils nach Zwornik und Sreber- nica, theilweise auch nach Ragatica und Gorazda verlaufen. — Das Armee-Commando ordnete die Herstellung eines von Serajewo ostwärts gegen Viscgrad führenden Weges an, wobei Civilarbeiter zugezogen werden sollen.

Wien, 5. Seplbr. Feldmarschall-Lieutenant Szapary meldet aus Doboj vom 4. b., Abds.: Generalmajor Pistory hat die Entwaffnung deö Ottes Tesanj durchgeführt. Gleich­zeitig wurde von Doboj aus ein gelungener Vorstoß zur RecognoScirung der feindlichen Front gemacht. Nachdem sich die Zahl der Insurgenten auf dem rechten Bosna-Ufer an der Straße nach Maglaj als bedeutend herausgestellt hatte, wurden das 54. und das 8. Regiment nebst einer Gebirgsbatterie unter dem Commando des Generalmajors Waldstätten gegen Lipac vorgesendet; nach siebenstündigem hartnäckigem Gefecht wurden die Insurgenten auf allen Punkten zurückgeworfen und bis zum Einbruch der Dunkel- heit jverfolgt. Dieser günstige Erfolg ist der ausgezeich­netes Führung Waldstättens unb ber großen Tapferkeit ber Truppen zu banken Der Verlust übersteigt jedenfalls 130, von denen die meisten verwundet sind. — Das Mi­litärkommando von Castelnuovo meldet die Räumung der Sutorina seitens der Montenegriner, welche auf Befehl ber montenegrinischen Regierung erfolgte.

London, 5. Sept. „Daily Telegraph" meldet ans digen müssen. Fast ehe er selbst es wußte, hatten die Lippen den Ausweg gefunden. „Meine Cousine Mathilde Daschka, die Tochter eines Onkels, der draußen vor der Stadt wohnt."

„Ach!" Und zum zweiten Male fragte die Fürstin in einer Form, welche ihm ein Ausweichen möglich machte. „Liebst Du sie, Sahib ist sie Dir thener?" und zum zweiten Male log er nicht, als er ihr antwortete: „Sie gilt mir nichts, Daschka. Mathilbe besitzt meine höchste Achtung, aber bas ist alles."

Es schien, als wolle sie noch mehr hinzufügen, als schwebte, auf ihren Lippen bie letzte entscheidende Frage, doch schüttelte sie nur leicht beii Kopf unb ließ sich zurück- sinkeu in die Polster. Ihre Hand hatte er behalten.

Jene drückende Stille zu Zweien, das Bewußtsein des Geheimnisses, welches unausgesprochen Herz vom Herzen .trennt, lastete gleich schwer auf ihm und auf ihr und dennoch, so oft sich ihre Blicke begegneten, flüsterte er ihr m indischer Sprache ein Liebeswvrt, wandte sie sich ab, ihren Kräften mißtranend, schauernd vor Kälte inmitten ber tropischen Luft.

„Soll ich Dir ein Lied singen, Sahib?"

Er sprang auf und reichte ihr die Laute, noch dieselbe eigenthümlich geformte von Calcntta her, unb noch an der alten Stelle hängend; er hatte unbewußt dorthin gegriffen. Daö war ja alles, was ihm und ihr geblieben, auf wenige glückliche Augenblicke zu vergessen, wo sie sich befanden.

Und Daschka sang; wie im Traume hörte er zu. In den ersten Tagen nach seiner Hochzeit hatte einmal Ma­thilde eine Guitarre zur Hand genommen nnd darauf spielen wollen, aber er verbat cs sich mit ungeduldigen Worten, er konnte es nicht vertragen, ein anderes Weib singen zu hören. Jetzt, in dieser Stunde siel es ihm, langvergessen,

Konstantinopel von gestern: Die Dispositionen der Pforte für die Annahme des österreichischen Vorschlags in Betreff ber Occupatio» Bosniens auf unbestimmte Zeit seien jetzt viel günstiger. Karatheodory Pascha werde" unzweifelhaft demnächst endgültige Instruktionen erhalten. — Musurnö Pascha hat sich nach Konstantinopel begeben. — Prinz Wil­helm ist gestern hier eingetroffen.

Konstantinopel,' 4. Sept. Der griechische Gesandte Kondnriotis stellte an den Großvezier das Verlangen, daß die Pforte vor Ende der Woche die griechische Note in Be­treff der Grenzberichtigung beantworte. Die Pforte wird wahrscheinlich erwidern, daß Griechenland das Eintreffen der Großmächte auf die letzte diesbezügliche türkische Note abwarten möge.

Athen, 5. Sept. Die griechische Regierung hat von der Pforte hinsichtlich der in den Bestimmungen des Ber­liner Vertrags vorgesehenen Begrenzungs-Commission be­stimmte Antwort bis zum 6. September verlangt. Im Falle neuen Aufschubs ober ausweichender Antwort wird sich das griechische Ministerium unvenveilt an die Signatarmächte wende».

Deutsches Reich.

** Berti«, 5. Sept. Der Minister des Inner» hat die Negierungen daran erinnert, daß Ausländern, welche Personen unter 21 Zähren, unter welchem Vorwande immer, mit sich führen, Legitimationsscheine zum Gewerbebelrieb im Umherziehen nicht zu erteilen sind. — Die kürzlich er­wähnte Schrift von O. Wolff „Die heutige Sozialdemo­kratie unb der Staat" hat bereits eine zweite Auflage er­lebt. Dieselbe enthält einen Anhang, in welchem die Vor- gänge feit dem 30. Juli sowie die Stimmenzahlen der ein­zelnen Wahlorte, namentlich also die sozialdemokratischen Stimmen zusammengestellt sind. Es kann wiederholt wer­den, daß die Schrift als Quellenschrift durch eine sehr ge­schickte Auslese authentischer unb so zu sagen klassischer Aenßerungen der Sozialdemokratie über ihre Ziele unb Grundsätze sehr nützlich ist. — Bei Gelegenheit eines Specialfalls ist es zur Sprache gekommen, ob aus Kreis­oder städtischen Sparkassen an Mitglieder des Kuratoriums derselben Darlehne bewilligt werden können. Der Minister des Innern hält eine Versagung nur dann für gerechtfer­tigt, wen» sie im Statut vorgesehen wäre, es aber für sich oo» selbst verstehend, daß das eine derartige Bewilligung »achsuchende Kuratvrial - Mitglied sich der Theilnahme an ber Beschlußfassung über bas GJuch zu enthalte» hat. Bei eintretender Statutenänderung bestehender Sparkassen und einer etwaigen Neubegründung solcher soll jedoch die Gelegenheit thmilichst benutzt werden, dahin zu wirken, daß plötzlich wieder ein. Das Instrument war nie mehr zum Vorschein gekommen!

Arme, geduldige Mathilde — warum mußte ich Deinen Weg kreuzen? Ein Gefühl des unsäglichsten Schmerzes be­herrschte ihn ganz. Sollte er ihr Alles offen sagen, in diese stille, unbeirrbare Gerechtigkeitsliebe, in dies große edle Frauenherz die Entscheidung legen? Mathilde würde ihn freigebcn, er wußte es, und was fragte er dann noch nach dem bürgerlichen Gesetz, nach dem Eid, der nur ein leerer Schall war?

Alle Treue ist ein Geschenk, alle Versuche, sie zur Pflicht zu machen, sind eitler Wahn. Es giebt keine andere Ehe als die, welche die Herzen schließen.

Nur ein Wort, ein einziges Wort, und er war frei — aber warum konnte er cs nicht sprechen? War es der Un- wcrth seiner eigenen Sophismen, der ihn hinderte?

Eine Kirchen-Uhr schlug zwei Schläge. So spät schon!

Er hatte von den Worten des Liedes nichts verstanden, auch die Hookah nicht genommen; bett Kopf in beide Hände vergrabe», saß er stumm, in Sinnen verloren. Erst als sie aufhörte, zeigte er ihr sein ganz blasses Gesicht. „Daschka, Du liebst mich nicht, Du spielst auch jetzt noch mit mir, wie damals in Indien! Gilt es Dir nichts, eines Mannes Seele in Verzweiflung zu stürzen?"

Sie beugte sich weit vor, ihr Alhem streifte seine heiße Stirn. „Und Das sagst Du, Sahib, Du?"

»Ja, Daschka, ich, und mit Recht. Du liebst mich

„Und Du?" flüsterte sie leidenschaftlich. „Sieh mich an, Sahib, hast Du mir keine Geständnisse zu machen? Giebt es nichts, was zwischen und der Aufklärung bedürfte?"

Er schauderte. „Nichts, Daschka. Ich habe Dich ge­liebt, feit wir uns zuerst sahen, unb ich bin Dir treu ge­blieben, ich liebe Dich heute noch."