Einzelbild herunterladen
 

eine solche »Sammlung und Vorsicht hier geboten, wo man es mit der Bekämpfung kaum meßbarer politischer, socialer und materieller Größen zu thun hat.

Wie dieTurquie" meldet, ist ein Mitglied der inter­nationalen Rhodope-Commissivn auf die Klage eines Bul­garen durch die russische Behörde vor ein Tribunal Ost- rumelienS citirt worden. Die Klage lautet auf Mißhand­lung und Körperverletzung, das betreffende Mitglied ist der englische General-Consul Fawcett, welcher nach Zeugen- Aussagen ohne jede Provokation den Kläger wiederholt heftig schlug und am Kopfe verletzte. Den Anlaß bildete ein Gespräch über denörtlichen Preis eines Wagens." Verinuthlich wird Herr Fawcet sich weigern, vor dem Tri­bunal zu erscheinen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 3. September. Mit Ablauf dieser Woche werden alle auf Urlaub befindlichen Minister hierher zu­rückgekehrt sein. Wir haben schon erwähnt, daß znr Zeit noch gar kein bestimmter Ueberblick über die dem Reichs­tage in seiner nächstjährigen Session zu machenden Vorlagen möglich ist. Mau kann nur annehmen, daß die vom letzten Reichstag nicht erledigten und als dringlich bezeichneten Entwürfe wieder zur Vorlage kommen werden. In letzter Zeit werden Gesetzentwürfe genannt, die im Rcichsjustizamte in Ausarbeitung begriffen sein sollen. Dabei vergißt man jedoch, daß zunächst die aus den Reichszustizgcsctzen folgen­den Aussühruiigs- und Vollzugsbestinrinungen zur Erledi­gung herbeigeführt werden müssen. Die Nachricht, daß die Absicht bestanden habe, Nobiling in eine Irrenanstalt überzuführen, ist schon von anderer Seite wiedcrlegt. Wir sind in der Lage, zu erfahren, daß ein solches Verfahren auch nicht als Eventualität irgend einmal in Aussicht ge- genommen worden ist.

Posen, 3. Sept. Der volkswirthschaftliche Congreß sprach sich nach längerer Debatte entschieden gegen die Ein­führung des Tabaksmonopols in Deutschland aus, da sie aus wirthschastlichen Gründen verwerflich erscheine und ins­besondere eine über viele Kreise Deutschlands ausgebreitete, nicht nur für den inländischen Bedarf, sondern auch in er­heblichem Umfange für den Export arbeitende Industrie und Handelsthätigkeit vernichten würde. Werde die Noth- wendigkeit eines höheren Ertrags aus den indirekten Steu­ern begründet, so sei die Mehrbelastung des Tabaksconsums als zulässig anzusehcn.

Leipzig, 2. Sept. Der Verlauf der hiesigen Sedan­feier war ein wahrhaft großartiger; alle Geschäfte waren geschlossen, die Stadt prangte im prachtvollsten Festschmuck, niß auf Deiuem Wege? so sprich ein einziges Wort und Du siehst mich nie wieder I"

Du würdest mir daö danken, nicht wahr, Mathilde?" Nur Aufrichtigkeit ist es, die ich Dir danke, Georg. Sprich die Wahrheit, sie sei denn, welche sie wolle."

Gut", sagte er achselzuckend,so bleib. Es würde meinem Nenomms schaden, wenn sich meine Frau zur Gegen­partei hielte. Eins freilich muß ich Dir im Voraus sagen, Johannes darf niemals zu uns ins Haus kommen!"

Georg!"

Nun, und? Willst Du leugnen, daß Ihr neulich in einem Zank begriffen wäret? Denkst Du, ich wüßte nicht, daß er Dich liebt wie ein Narr?"

Jetzt beging Mathilde einen Fehlgriff. Sie fürchtete, zwischen den Brüdern die herrschende Erbitterung zu schüren, und leugnete daher Alles.Johannes fragte mich, weshalb ich geweint hätte, Georg, das war es, was wir zusammen sprachen", antwortete sie.

O, still", sagte er,ich brauche keine Geständnisse. Sieh nach, daß unser Eigenthum von den Dienstboten ge­hörig verpack! wird und fertige eine Liste der fehlenden Stücke an. Ich will nämlich den Götzen dieses Hanseö keiner seiner Glieder rauben, mag der Popanz sowohl das Silber wie das Leinen und auch den Diamantschmuck be­halten. Ich bin im »Staude, Dir Alles doppelt und drei­fach zu ersetzen."

Dann ging er in seine eigenen Zimmer und ließ die junge Frau allein. Mathilde lehnte die Stirn gegen das Fenster, sie war kaum fähig, zu denken; alles in ihr stürmte nnd gährte im wilden, empörten Chaoö. Nur ein einziges Gebet, ein heißer glühender Wunsch rang sich los aus ihrem erschütterten Herzen:Großer Gott hab' Erbarmen, laß mich nicht wahnsinnig werden!"

Böllerschüsse begrüßten den Tag. In sämmtlichen Schulen wurde die Bedeutung des Tages durch einen festlichen Act hervorgehoben. Mittags Glockengeläute. Um 2 Uhr Nach­mittags begann die Aufstellung des Festzuges. Sänrmtliche Innungen, zahlreiche Vereine und Gesellschaften mit ihren Fahnen, Bannern und Emblemen bethciligten sich an dem­selben. Auf dem Festplatz wurde die Feier mit Gesangs­vorträgen begonnen, darauf folgte die Festrede, gesprochen vom Professor Dr Fricke. Heute Abend wird die Stadt elektrisch beleuchtet. Die Theilnahme der Bevölkerung an dem Feste war die allgemeinste und lebhafteste; die auf Kaiser und Reich ausgebrachten Hochs riefen nicht enden­wollenden Enthusiasmus hervor.

Chemnitz, 1. Sept. In der hiesigen Stadt, welche im Verhältniß zu ihrer Einwohnerzahl vermöge ihrer gro­ßen Industrie die meisten Sozialdemokraten aufzuweifen hat, hat der Vorstand des socialistischen Vereins folgende Bekanntmachung veröffentlicht:An die freisinnige Bevöl- kernng von Chemnitz. Nachdem durch den unerhörten Terrorismus einer hiesigen Coterie viele Geschäftsleute ge­schädigt oder beeinflußt worden sind und der politische Parteikampf bis in den kommerziellen Verkehr getragen worden ist, sehen wir nnö, nachdem wir diesem wüsten Trei­ben lange genug zugesehen, zu Gegenmaßregeln genöthigt. Da man namentlich gegen die Verbreitung der Chemnitzer Freien Presse intriguirt hat und dieselbe aus den Restau­rationen zu verbannen sucht, fordern wir alle freisinnigen Bürger und Arbeiter dringend auf, nur in Restaurationen zu verkehren, wo die Freie Presse offen ausliegt. Man verlange dieses Blatt sofort beim Eintritt, und entferne sich, wenn es nicht vorhanden ist. Da die Beeinflussungen der Wirthe sich auch auf das Annonciren erstreckt haben, so begegne man ihnen dadurch, daß mau nur folche Konzerte, Tanzmusiken, Abendunterhaltungen rc. besucht, welche in der Freien Presse annoncirt sind. Alle solche Vergnügungen werden ja vom Volke fast ausschließlich frequentirt, und dasselbe kann billig verlangen, daß eS in seinem Blatte, nicht aber in den Blättenr seiner Feinde dazu eingeladen wird. Da mau diejenigen Geschäftsleute, welche in der Freien Presse", unbekümmert um alle gegnerischen Hetze­reien, annoncirten, angefeindet hat, so empfehlen wir sie dafür dringend dem Theile des Publikums, welches selbst­ständig und freisinnig ist. Man kaufe nur bei Inserenten der Freien Presse". Unter den reichstreuen Hetzern, welche ge­gen die Sozialdemokraten am schlimmsten wüthen, befinden sich auch eine Anzahl Geschäftsleute. Deren Läden meide man unbedingt. Sie sind zum Thcil bekannt, zur größeren Sicherheit werden wir demnächst aber eine Namensliste ver­öffentlichen. Wenn die 10,000 Wähler Most's, sowie un­sere sonstigen Freunde, ferner Arbeiterfrauen den hier auö-

Sechftes Kapitel.

Als Georg in sein Zimmer kam und, fast aufgerieben von den Qualen und Stürmen der letzten Zeit sich in die Polster warf, um wenigstens körperlich auszuruhen, da brachte ihm Tippoo mehrere Briefe, welche an ihn persön­lich gerichtet, vom Compto r in seine Wohnung herauf ge­schickt waren. Er nahm sie mechanisch und legte sie neben sich auf den Tisch. Jetzt konnte er nicht lesen, konnte seine Gedanken nicht auf einen bestimmten Punkt concentriren, es wirbelte Alles in ihm durch einander, es raubte ihm jede ruhige Ueberlegung.

So war denn nun über seine Zukunft endgültig ent­schieden; er hatte bas Erftgeburtsrecht dahin gegeben, hatte ben Stab, der ihn richten sollte, selbst gebrochen. Aber fei es! auch derjenige Änrheil des väierlichen Vermögens, welcher ihm nach dem alten Hausgefetz dcr Hardenbergs zufallen mußte, sobald er wie ein jüngerer Sohn abgefun­den wurde, auch dieser bildete noch immensen Reichthum, unb. wenn wirklich alles um und herum kam, so konnte ihn ja überhaupt Niemand zwingen, das Famllienabkommen zu respectiren. Kein Gesetz der Welt würde ihm die Hälfte der einstmaligen Hinterlassenschaft seines Vaters verweigern dürfen.

~ Und vor allen Dingen er war nun selbstständig. Schon morgen wollte er nach Calcutta schreiben und sämmt- liche Verbindungen früherer Tage für sich neu wieder an­knüpfen, wollte an Anltane schreiben und dessen erprobte Freundschaft zu thätiger Beihülfe anspornen, wollte über­haupt energisch vorgehen, um wo möglich in einigen Jahren von hier fort und nach Indien kommen zu können.

O, wie klopften bei diesem Gedanken heimlich alle seine Pulse, wie weit, ach wie weit wurde ihm das Herz!

Daschka! Er hatte so sicher geglaubt, daß ihn in jener Nacht ans dem langsam vorüberrollenden Coup« ihr

Mr. 208.

Marburg, Donnerstag, 5. September 1878

XIH. Jahrgang.

Seme: s aui

ins."

0.)

der in- eii- >as

15,

gnieigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, jggie d.Annonccn-Bureaux jjn Tb. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.'JJt.; fiaflfenftein & Vogler in feantfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Me in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

AttMchk jfitmi

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonutagöblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen lx Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Beile 10 Wfa W W Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adrcffen werden 25 Pfg. berechnet.

Tagesbericht.

Den Berliner Abendblättern zufolge erfolgt die Eröff- Mg des Reichstages durch den Grafen Stolberg.

Neueste Orient-Nachrichten:

Wien, 3. September. Offiziell wird veröffentlicht: ldfere Truppen besetzten am 2. d., ohne Widerstand zu pden, Drieno auf der Straße nach Trebinje. Die aus 150 Manu bestehende Besatzung wird nach Ragusa escortirt.

Wien, 3. Sept. Einer Meldung derPol. Corr."

Hi

affen bereits besetzt worden.

h- tg

)erm 2351

r Fr- en i 06.

«us Konstantinopel zufolge hängt beschleunigte Rückkehr dts französischen Botschafters. Fournier, mit der energischen diplomatischen Action, welche Frankreich zur Ausgleichung btr griechischen Differenzen einzuleiten entschlossen wäre, zusammen. Nach einer Meldung aus Belgrad ist Fürst Mau in Begleitung höherer Funktionäre nunmehr nach Asch, Pirot und Vranja zu einem vierwöchentlichen Aufent- fclte abgereist.

London, 3. Sept. DieTimes" meldet aus Kon- WNtinopel vom 1. Septbr.: Die Meldung, daß die Ein- Hffung der russischen Truppen siftirt sei, ist unbegründet. - DerStandard" meldet auö Konstantinopel, daß zwi- Hm Fürst Labauoff und Savfet Pascha bezüglich der Kriegs- «ischädigung und der Verpflegungskostcu der türkischen efangenen Unterhandlungen schweben. Die Forderung ichlands sei ermäßigt worden. DerDaily News" ird aus Trapezuut berichtet, daß ein Versuch der Lazen h der Munition zu bemächtigen, hintertrieben wurde, ie Russen verweigerten jeden weiteren Aufschub der im ßange befindlichen Räumung Batums.

' , Petersburg, 23. Septbr. Nachrichten auö KulaiS : lfolge steht die Räumung Artwins durch die Türken dem-

«Hst bevor. Turkson, Sameba und Kirvik sind von den

erfaß- 235?

t süßer- d. a 2335

jmuig Lage

"2222

Die Wiener Abendpost schreibt: Der bisherige Verlauf »Kämpfe in Bosnien hat wohl schon klar gestellt, daß Gros der Insurgenten sowohl an regulären Trup- m wie an Freischaaren den Kaiserlichen Brigaden Müberstcht, welche die Höhen bei Dobvj besetzt halten, enn die kaiserlichen Generale trotz der bis jetzt einge- offenen Verstärkungen noch immer in der Defensive ver­eiden, so liegt der Grund dieser Haltung wohl nur in 8» Streben, bei dem eventuellen Uebergange zum Angriffe it jener entschiedenen Ueberlegeuheit die Offensive zu er- ch'en, welche von vornherein die Bürgschaft des Erfolges sich schließt und den gegnerischen Wicderstand mit we- jen aber wuchtigen Schlägen zu brechen vermag. Mehr i bei einem im großen Stile geführten Kriege erscheine

Sie stand immer noch da, mit gefalteten, schlaff herab-

Herodtas.

Roman von W. Höffer.

(Fortsetzung.)

ietheit

[2358 \

linier- ' Hw«« i oM

kgenden Händen, immer noch wie betäubt von der Wucht "es schweren Schlages. Erft die letzten Worte schreckten -t auf.Umziehen, kGeorg? aber doch nicht während it t* Vater leidend ist!"

V l .Morgen!" wiederholte er beinahe rauh.Ich habe » ein Haus, das ich bewohnen möchte, in letzter Zeit einmal angesehen, Gott weiß aus welchem inneren toieb, das miethe ich noch heute. Schon mit dem Januar soll die neue Firma ihre Thätigkeit ent-

gi Mathilde athmete schwer.Und daö Geld dazu, Georg, toir i Geld? Du kannst mit leeren Händen gar nichts 78 "Binnen."

i Er lachte spöttisch.Du wirst mir zutrauen, daß ich * bereits wußte, meine beste Mathilde. Der^Millionen- ,z. des Alten reicht iubefjen hin, um seinem Sohne mehr l^it zu verschaffen, als für das Unternehmen erforderlich Mt. Wir werden jetzt leben, wie es beut Erben mehrerer scich" ^ivnen füglich znkommt."

---A »Alles von fremdem Gelde?" rief sie fast entsetzt.

818- ^»Welche Unmoral, nicht wahr? Du hast indeffen das

Jc^t, mich voll sittlicher Entrüstung zu verlassen und bei t.i-Cffi Deinigen als frommes bedrohtes Täubchen Schutz zu Lf®.7* Seil vor dem Geier. Ich lege Deiner Entfernung nichts

s "den Weg."

Mathilde zuckte; ihre eben noch so heißen Wangen wur- ** fahl.Wünschest Du, daß ich gehe, Georg", sagte sie

^ttid im sanften schüchternen Tone,bin ich ein Hinder-