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xni Jutjrgang.

JKarÖurg, Mittwoch, 4. September 1878.

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Tagesbericht.

erklären, daß er die Berliner Neichötagscandidatur dan-

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HkrodiaS.

Roman von W. Höffer, t Fortsetzung.)

Kozan begeben, 150 bis 200 Abenteurer um sich geschaart und sich an deren Spitze gesetzt habe. Er habe hierauf Unruhen hcrvorzwnfcu und sich der Gewalt zu bemächtigen gesucht. Die Einwohner hätten Widerstand geleistet und sei es zu einem Zusamm.nstoße gekommen. Um weitere Ruhestörungen von vornherein zu verhindern, habe die Regierung einige Bataillone abgesandt.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Sept. Der Sedantag gestaltete sich auch in diesem Jahre zn einem Feiertage für Berlin. Bereits am Sonntage fand vielfach eine Art Vorfeier statt: so wurde von der Berliner Turnerschaft ein großes Fest mit Gesang, Vorträgen und kriegerischen Spielen in der Wuhl- haide vor dem Stralauer Thor veranstaltet. In fast allen größeren Etablissements, wie in der Flora, Tivoli, Berg­schloßbrauerei, schwarzen Adler in Schöneberg rc., fanden derartige Vorfeier, verbunden mit Schlachtmusik, großem Feuerwerk rc. statt. Rührige Hände waren noch überall während der Nacht thätig, um alle möglichen Dekorationen, wie Fahnen, Gnirlanden, Wappen rc. und Illuminations- Einrichtungen anzubringcn, so daß heute Morgen, 2. Sep­tember, unsere Stadt ein wesentlich verändertes Ansjehen hatte. Die öffentlichen Gebäude und die meisten Privat- hänser zeigten sich im schönsten Festschmuck. Am reichsten hatte wieder die Gegend der Linden, der Wilhelmstraße und der Friedrichstraße, die Leipziger und Königstraße geflaggt, auch die Querstraßen und öffentlichen Plätze prangten in zahlreicher Fahnendccoration. Viele Schaufenster und Läden hatten durch eine der Bedeutung des Tages entsprechende Decoration zur Verschönerung der Straßen beigetragen. In den meisten war die von einem schönen Blumenflor um­gebene Büste Sr. Majestät des Kaisers anfgestellt. Der bekannte Kotillon-Ordenfabrikant, Buchbindermeister W. Hoppenworth, Kurstraße 30, hatte in wahrhaft origineller Weife auch diesmal wieder sein Schaufenster mit allen mög­lichen Kriegsemblemen geschmückt, ganz besonders errvähnens- werth ist dabei ein mit Bezug auf sein Gewerbe gemachtes und als Transparent ausgearbeitetes Gedicht, daö wir un­seren Lesern nicht vorcnthalten wollen:

Sedan.

Heut ging er in die Falle, acht Jahre sind herum, Da wars auf einmal alle mit tem Aapolium. Es saß der große Meister, der uns bedroht mit Graus, Bis an den Hals im Kleister und tonnte nicht heraus. Und dann kam Schlapp' auf Schlappe, die Hiebe die es gab, Die waren nicht von Pappe und fielen dicht herab.

Da ward in heißen Stunden geheftet Blatt an Blatt, Bis Alles man gebunden zu Einem Bande hat. Das laßt uns heut bedeuten im weitem Vaterland

meinem Pult gestohlen worden; einerlei wer der Dieb ist, aber gestohlen wurde daö Geld! — Schreibe den Betrag als erhallen auf mein Conto, Vater, und rechne nach Belieben Zinsen hinzu, denn in einer Rate könnte ich die Summe nicht zurückzahlen, ohne neue Schulden ma­chen zu müssen, das weißt Du am besten selbst. Die Postprocura gebe ich hiermit auf und werde sie nie wieder übernehmen.

Hardenberg hatte sich während dieser langsam, mit vibrirender Stimme gesprochenen Worte seines SohueS vom Sessel erhoben. Er stand jetzt hoch aufgerichtet, aber doch beb« die Hand, welche sich fest auf den Tisch stützte. „Georg/ sagte er kalt, „überlegen wir das Alles nochmals und gründlich. Du giebst zu, die Postquittung unterschrie­ben zu haben?"

„Ich leugne es wenigstens nicht, Vater, denn meine Handschrift ist klar erkennbar, aber der Augenblick selbst hat in meinem Gedächtniß nicht die leiseste Spur zurückgelassen. Wie gesagt, ich sehe cS, ohne es fassen zu können."

„Es fragt sich nur, ob Du daS geschrieben hast, Georg."

, Unser Freund nahm kopfschüttelnd daS Blatt und besah prüfend die wenigen inhaltschweren Worte. „Ja", sagte er nach einer Pause, „ich muß zugeben, daß das meine Unter­schrift ist und daß ich demnach die Notiz im Kassabuch unterlassen habe."

„Das ist sonst nicht Deine Art, Georg)" fuhr der Alte fort. „Du erinnerst Dich an Alles bist vom Haus aus ordentlich, — wie solltest Du also eine Summe von zwei­tausend Thalern ohne Weiteres vergessen und gleich einem Fidibus bei Seite werfen können? Oder gab es in Deinen Angelegenheiten irgend etwas, das Dich so total verwirrte? — Wir können uns aber über letztere Möglichkeit sehr einfach Aufklärung verschaffen," fuhr er fort. „Wenn die Eintragungen des Kajsirers betreffs aller übrigen Punkte

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

grs-

Unb der jüngere Sohn arbeitete weiter, ohne Neu- » ober überhaupt irgend eine Erregung, ein Interesse 1 zeigen. ES wurde ganz still im Zimmer und im

Comptoir nebenan, wo jedenfalls die Sache schou hbar geworden. Man flüsterte heimlich, man hielt die

" aiivtrcn nm vcn *,***r*.....

• Comptoir passtren, ohne zu grüßen.

.Er schritt hindurch, wie es schien, mit seinen eigenen kanten zu sehr beschäftigt, um Das, was vorging, zu Seiten. Jetzt erst sahen Aller Augen, wie sehr er sich letzterer Zeit vei ändert hatte. Der sonst so kräftige elasti-

. Der „ReichSanzeiger,, enthält eine von Graf Stolberg liukl 8 Stellvertreter des Reichskanzlers erlassene Bckannt- jdjung, wonach die Eröffnung des Reichstages am näch- i Montag Nachmittags 2 Uhr int weißen Saale statt- frt. — Zur Feier des Sedautages fanden in Berlin U, Vormittage in allen Schulen Festacte und in mehreren

1 Hu von zahlreichen Andächtigen besuchte Gottesdienste t Turner und Kriegervereine hielten festliche Auszüge. । ; rieten Localen sind festliche Vereinigungen arrangirt.

t Straßen sind reich beflaggt, viele Schaufenster mit Ken und Bildnissen des Kaisers und des Kronprinzen schmückt, die meisten Geschäfte geschlossen. In allen Thea- i werden Festvorstellnngen gegeben, zu einer Jllumina-

ie. - $ ausgedehnte Vorbereitungen getroffen. — Die „Na- itour- Nalzeitung" meldet: Herr von Slanffenberg hat das Cen- >reis6 Eahlcomit« ermächtigt, der nationalliberalen Partei inpfer , erklären, daß er die Berliner RcichstagScandidatur dan-

mittlung der Mächte als nahe bevorstehend angesehen. — Trotz des Abmarsches der russischen Garden ist die Um­gebung von Konstantinopel nach wie vor von russischen Truppen besetzt, weshalb auch die britische Flotte in den Dardanellen verbleibt. — Nach auf der Pforte eingelau­fenen Berichten Mehcmed Alis soll derselbe in Prigrcnd eine sehr oppositionelle Stimmung vorgefunden haben. Der mit ihm cingetroffene Telegraphen - Beamte ist meuchlings ermordet woroen. Mehcmed Ali weilt augenblicklich in Dakova. — Die Pforte ließ vorgestern Derwisch Pascha erneuerte Ordre wegen der Räumung von Batum zugehen. — Ragusa, 2. b. Die Mehrzahl ber in Bosnien befind­lichen regulären türkischen Truppen marschirt in der Rich­tung auf Novibazar. In Koloschin kam es zu einem Conflict zwischen der uiohamedanischen Bevölkerung und zwei Bataillonen Nizams. Erstere besetzte die dortigen Fortificationeir, während die Regulären gegen Novibazar abmarschirteii. — Vorgestern reisten drei Töchter des Fürsten von Montenegro von Cettinjc über Triest nach Peters­burg ab.

Wien, 2. Sept. Die „Polit. Corresp." meldet: Die österreichisch-ungarische Regierung ernannte zum Commissär für Ostrumelien v. Kallay, zu Deliminations-Cornmissären für Bulgarien Oberstlieutenant Ripp und Hauptmann Wurmbrand, für Serbien Major BiUimek, für Montenegro Generalconsul Lippich und Hauptmann Sauerwald. — Dieselbe Korrespondenz bezeichnet die Nachricht, daß der Commandirende in Banjaluka die türkischen Häuser und Kaufläden der Plünderung preisgegeben habe, nach besten Informationen als gänzlich unbegründet. — Die „Pol. Corr." erfährt, daß die in ber Geschäftsordnung des Kriegs­ministeriums für Kriegsperioden vorgesehene Control-Com- mission bereits zusainmeiigetreten sei und deren Aufgabe in der Ucberwachung der Gebahrung mit dem Mobilisieungs- Credite, sowie in der Abgabe ciucö Gutachtens bei größeren Beschaffungen bestehe.

London, 2. Sept. „Reuter'S Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 31. August: Der Sultan hat am Dienstag an den Kaiser von Rußland eine Mittheilung über die Gewaltthatcn telegraphier, denen die Muselmänner seitens der Bulgaren ausgesetzt seien und dringend Befehle des Kaisers zur Abhülfe erbeten. Der Kaiser antwortete auf diese Mittheilung des Sultans am Freitag: Er be­dauere, wenn Gewaltthatcn vorgekommen seien, halte aber die Berichte für übertrieben, da die russischen Generale und Commissäre die strengsten Befehle hätten, alle gewaltthätigen Handlungen zu verhindern und zu bestrafen.

Konstantinopel, ,2. Sept. Die Regierung bringt zur Kcnntniß, daß sich ein gewisser Achmev Pascha aus Kozan, welcher seit einiger Zeit hier lebte, kürzlich nach

sehe Gang war langsam geworden und das Gesicht zeigte immer noch jene unheimliche Blässe.

Als sich die Thür des kleinen Comptoirs hinter ihm geschlossen, sahen Alle wie auf Verabredung einander an. Noch war eö drinnen ganz still!

Aber dennoch, der Sturm, welcher nun losbrechen mußte. — Die Neugierigen halten sich indessen verrechnet. Har­denberg senior sprach so leise, daß Niemand ein Wort ver­stand, sogar Georg mußte nachfragen, ehe er begriff, um was es sich handelte, — bann erfaßte er augenblicklich das Kassabuch, um uachzusehen.

„Gieb Dir keine Mühe, Georg, bie Eintragung ist nicht bewerkstelligt worben."

Johannes war es, ber bad sagte und dec darauf kalt­blütig seinem Bruder den Postschein reichte. ~

Hardenberg reichte ihm sogleich den Schlüssel. „Sieh nach!" versetzte er falt. „Da sich wohl nicht Jemand selbst bestehlen tonnte, so will ich Deine Frage nicht als Beleidigung auffassen."

Georg trat einen Schritt zurück. „Bestehlen, Va­ter?" wiederholte er scharf. „Ist dieses Wort in Bezug auf die obschwebende Angelegenheit überall schon gedacht worden.

„Trifft es Dich, Unseliger?" fragte todtenblaß der alte Mann.

Eine längere Pause folgte diesen Worten. „Das ver­gebe Dir Gott, Vater," sagte endlich Georg. „Du ver­sündigst Dich schwerer, als Du selbst weißt, aber Dein Sohn will nicht richten, eben weil Du ein alter verblende­ter, vielleicht von bösen Rathgebern umflüfterter Mann bist, weil der Tag kommt, wo er an Deinem Grabe steht und — dann ohne Selbstvorwurf zurückblicken möchte. Was die durch meine Schuld verloren gegangene Summe be­trifft, so ist dieselbe, wie ich ohne Weiteres behattpte, von

giere, g ableime, scher

erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu eitheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

itft so gesenkt und schrieb so emsig, als wolle jeder Ein- 14-1 6t beweisen, daß er vollständig außer Kenntniß sei. Dann , tr, M Georg über den Hof gegangen kam, winkte einer 87« d Anderen mit den Augen, — die Meisten ließen ihn

„tiaen nimmt entgegen: tSrpeditivn b.Blattel, ^dAnnoncen-Bureaux ■ LH- Dietrich & Co. in 'm und Hannover; Th. Trichin Frankfurt a.M.; „jenftein & Vogler in r,, »»kfurt a. M., Berlin stlen L3i CSln rc.; Rudolf s ton 11« in Berlin, Frank» furt a. M. rc.

Lgeiit Der Bericht der Rhodope-Kommission ist von den Dele- »gel im Frankreichs und Italiens abgesandt. Die Pforte 1076 » den Bericht wahrscheinlich veröffentlichen, der aber :—1 xr die Unterschrift dcö russischen Delegirten Listschin, r * H auch jene des deutschen Delegirten Müller tragen wirb. L U. jtocr hat zwar, wie wir ber „Köln. Ztg." entnehmen, v chdem aus seinen Antrag mehrere Aeudcrnngen und Mil- Na» Nngcn an bem Berichte vorgenommen worben siub, bie < »lokolle unterzeichnet; gegenwärtig aber verweigert er in 0 ™ siebener Weise, beit Bericht in seiner Gesammlheit zu lerzeichnen unb hat biese Weigerung in Folge eines be- s bereit Zwischenfalls in der vorhergehenben KommissionS- J mg angezeigt. Der betreffende Zwischenfall bezieht sich kW die Thatsache, daß das französische Kommissionsmitglied, ^Mul Chalet, welcher mit der Abfassung des Bericbtö be- J war, neue Absätze in den Bericht einstigen wollte, "'''-Whe besonders schwere Thatsachen behandelten. Wie ver- Ät wird, betrafen die einzuführenden neuen Absätze bie Mtellung einer förmlichen Niebermetzelung von Moha- iantrn durch russische Truppen. Der deutsche Consul

;e ütte rundweg, daß er gegen die Aufnahme dieser angeb- m, die russische Armee betreffenden Thatsache sei und, saht« in dieselbe doch erfolgen sollte, sogar seine Unterschrift ;etbeiU chckziehe.

„WaS Georg während der letzteren Zeit Besonderes ...g^tt, das konnte ich nie begreifen," schaltete Johannes ein.

1 htoar wie geistesabwesend, fast wie ein Verrückter; in J.ck > tzvmptoir ist er nur selten und dann nur stundenweise

.2 °mmeii." >

ml Hardenberg sah auf. „Du hast Zerstreutheit an ihm ,®W btrft, Johannes? — Mein Gott, bann könnte er das in sein Pult gelegt unb vergessen haben!"

_ -j Johannes zuckte bie Achseln. „Möglich, Vater. Soll W \ rufen lassen?"

„Nein, nein, wehrte ängstlich der Alte. „Das muß t vorsichtig gesagt werben; es ist zn beleidigend, zn schlich, Jemand der Unterschlagung zu beschuldigen."

„Gut. Vater! wie Du meinst."

)t eiff Neueste Onent-Nachrichtcn:

reich« Wien, 2. Sept. Meldungen der „Polit. Corresp."

I I: Konstantinopel, 2. d. Der Stand der griechischen Y£r tze ist vorläufig unverändert; invessen wird die Ver-