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Marburg, Sonntag, 1. September 1878
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,„zeigen nimmt jemgegen: die Expedition d Blattes, |D®ie d-Ännoncen-Bureaur wa Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; heafenftein & Vogler in frantfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf
jefle in Berlin, Frankfurt a. IDt. rc.
WchkMr jfitniitt.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, foroie b. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'fche Buchhandlung daselbst; Hermannlche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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Wir können den 2. September nicht feiern, ohne an
tt befindet. Allein wir feiern den 2. September doch
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2.
1.
'2311 liigm lUKO.
HeroLias.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
Zum 2. September.
Der glorreiche Siegestag, an welchem der frevelhafte
lilhelm vom Schlachtfeld, von Sedan an die Kaiserin! lei i der hat, keiner von allen denen, welche die Ereignisse —“i tses Tages gesehen, war mehr im Stande, diese Wen- i »g ju empfinden, als Kaiser Wilhelm, als er den Kaiser hpvleon mit sammt seiner Armee als seinen Gefangenen
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törter Burgen Zeugniß geben. Mit welchen Strömen Blut hat dann Napoleon 1. Deutschland bedeckt und it schwer lag seine Hand gerade auf Preußen! Kaiser Wilhelm hat jene schweren Tage der Erniedrigung, welche er edlen Königlichen Mutter das Herz brachen, noch erlebt! Am Abende seines Lebens erhob wieder ein dpoleon das Schwert gegen Deutschland insbesondere ; tgen Preußen gedachte es von der Höhe herabzustoßen, 1 tj welche es die Siege von Königgräh gestellt hatten, -• id hoffte abermals die Einigung Deutschlands zu zer- -• Ören. Diesmal aber kam es anders: Kaiser Wilhelm 56 tt al Knabe den französischen Uebermuth erfahren, war : izu ausersehen, diesen Uebennuth zu züchtigen, Dcutsch- mb zu einigen und Frankreich zu demülhigen.
„Welche Wendung durch Gottes Fügung!" schrieb Kaiser
it frevelhafte Kriegserklärung 'Napoleons und an unsere Ätschen Siege zu denken, wodurch dieser Krieg einzig in i Weltgeschichte dasteht, weil sich unter den ca. 150 Gehlen auch nicht eine einzige Niederlage der deutschen Ar-
Ein eisiges Lächeln kräuselte Georgs Lippen. Er sah glN bi ihr zu ihm und sagte dann spöttisch: „Du scheinst Kits schon der Flasche allzu sehr zugesprochen zu haben, aB Hannes. Schlaf aus und — wähle Dir künftig für er i* kleine Privatunterhaktungeu wen Du willst, nur, bitte, V meine Frau!"
<b Er bot ihr, während Jener in maßloser Wuth, wie daö bei w Slvssenen Charakteren zuweilen zu geschehen pflegt, ver- i-r ^tnte, den Arm, aber weniger freundlich als mit herri- 'H. k Bewegung, ohne ein einziges Wort, ohne einen Blick.
Mathilde fühlte ein Etwas, wie die Vorboten der Ohn- sirtr cht. „Georg", flüsterte sie, wider ihren Wille» hinge- kt, im bittenden Tone, „Georg, ich —"
‘ Angriff Frankreichs auf die Selbstständigkeit Deutschlands «t der ganzen Wucht deutscher Mannhaftigkeit abgeschlagen mürbe, ist wieder angebrochen und ruft dem deutschen Volke “1, jtjt zwar glorreiche, aber zugleich ungeheuer ernste Zeit lmsitk »'s Gedächtniß. Deutschland hatte viel Schlimmes er- sthren von Frankreich, wie kein anderes Land von seinem Z Nachbarland, seit es den Franzosen seit dem 30jährigen Kriege gelungen war, sich in die deutschen Angelegenheiten —. inzumischen und das Feuer der Zwietracht zwischen den limlschen Fürsten zu schüren. Welch' namenlose Greuel ßben die Franzosen, nachdem sie uns das Elsaß gestohlen, Iber Pfalz verübt, von denen noch jetzt die Trümmer
i It sich sah und an die Tage seiner Jugend gedachte! ckans — " ■
|g hl wegen der blutigen Arbeit des Schlachtfeldes, sondern gen der Frucht der deutschen Einigung zu einem Deut-
229 tn Reiche, welche daraus erblüht ist. Am Abende des September 1870 stand es allen Deutschen unwandel- t fest, daß das Band, welches an diesem Tage die deutsche afltl imee von Sedan umschlungen hatte, nicht wieder zerrissen äM rben dürfe und daß wir wieder einen deutschen Kaiser 228 otnrnen würden. Und wir haben ihn bekommen in der
E „Still!" befahl er. „Wozu Geständnisse? Aber ich ■23‘fi kcht Dir meine Ansichten über die Ehe dahin aus, daß 1 Frau mit den kleinen Angelegenheiten ihrer Mädchen- 1 vollständig abgeschlossen haben sollte, sobald sie erst E ka( eines Mannes Namen trägt und ihre Ehre auch der f einigen wird. Jetzt begleite mich, — die Stunde, - 1 Man in deutschen Gesellschaften Dilettanten - Musik zu __. Sen pflegt, ist heran gekommen."
Seine Hand öffnete ohne Weiteres die Glasthür, hinter fünfzig Augenpaare den kurzen Vorgang mit angesehen, U',» k jedoch verstehen zu können, waö gesprochen wurde, und 3,lf tti ließ er sie höflich vorangehen. Waö er dem fernsten **ftcn schuldig war, das vergaß Georg nie.
ge find dennoch kam auch für ihn jetzt ein Augenblick, der ** Selbstbeherrschung darnieder warf. Mochte er er» ^t haben, daß Mathilde fingen oder Clavier spielen
Person des Siegers von Sedan, der wie kein anderer dazu geeignet war, die Liebe und das Vertrauen des ganzen deutschen Volkes für sich zu gewinnen. Im Sedanfeste feiern wir die Einigung Deutschlands zu einem einigen deutschen Kaiserreiche! — Aber in diesem Jahre ist die Freude an diesem Feste sehr getrübt durch die Mordversuche, welche mitten im Herzen her Hauptstadt des deutschen Reiches am hellen Mittage auf offener, belebtester Straße auf unseren Kaiser gemacht worden sind und denselben genvthigt haben, um seine Wunden zu heilen, die Regierung einstweilen in die Hände des Kronprinzen zu legen. Es ist eine tiefe Demüthigung für das deutsche Volk, daß Menschen sich in feiner Mitte finden, welche zu solchen Schandthatcu fähig waren, und daß neben ihnen es noch Viele gab, welche durch Majestäts-Beleidigungeu aller Art jene Mordversuche mehr oder weniger billigen konnten! Diese entsetzlichen Ereignisse des letzten Jahres haben einen tiefen sittlichen Abgrund in unserer Mitte enthüllt. Sie haben Vielen die Augen geöffnet Über das Verderben, welches sich seit einer Reihe von Jahren in unserer Mitte ausgebildet hat und dem neuen Reiche gefährlicher zu werden droht, als alle äußeren Feinde.
Schon die Gründerperiode mit ihrer Hast nach Geld und Genuß, mit ihrer Ausbeutung des Volkes hatte uns gezeigt, wie tief der Verfall von Sittlichkeit und Religion in den höheren und meocren Ständen etngeorungen ist. Die Verbrechen vermehrten sich in nie gesehener Weise, alle Zuchthäuser wurden zu enge, die Kirchen wurden leer und als der Kulturkampf kam, wurde es geradezu als ein Zeichen der Staats- und Reichöfreundschaft angesehen, ein Gegner der Kirche zu sein, welche der Liberalismus auö Schule und Sitte des Volkes hinauszudrängen und ihrer Selbstständigkeit zu berauben suchte. Dazu kam, großen- theils in Folge der wahnsinnigen Ueberproduction und Volks- ausbeutung der Grünoerperiode mittels Aetien- und Gewerbefreiheit, der wirthschaftliche Nothstand; Tausende von kleinen Handwerkern und Geschäftsleuten waren durch die großen Gründcrgeschäfte ruimrt worden, bald verfielen auch sie dem Ruin und mit ihnen die Arbeiter, welche auf sie angewiesen waren. Unter diesen schlimmen wirthschastlichen Verhältnissen wuchs, begünstigt durch den Kulturkampf, in welchem alle liberalen Blätter daS Volk der Kirche und Religion zu entfremden suchten, die Sozialdemokratie empor. Während katholische Geistliche, welche ohne staatliche Bestätigung ihrer Anstellung eine Messe lasen oder die Sacra- mente verwalteten, mit schwerem Gefängnis; bestraft wurden, trieben die Sozialdemokraten ungestört ihr Wesen in Presse, Versammlungen und Vereinen. Fast alle vom Liberalismus entchristlichten Arbeiter gingen zur Sozialdemokratte über.
. Es ist das Verdienst der Herren otöcter und Wangemann, werde, genug, seine Stirn verfinsterte sich plötzlich, als ihr der Papa einen Violinkasten brachte. „Da, mein Liebling! und nun — Du weißt schon, was ich zu hören wünsche. Der siebenzigste Geburtstag kamt immerhin der letzte sein, und da ist ein ernster Gedanke wohl am Platz. — Später möget Ihr spielen und tanzen nach Herzenslust."
Georg lächelte spöttisch. „Jetzt kommt eilt Kirchenlied," dachte er. „O über diese sentimental scheinheiligen Seelen, die in Wahrheit nur das goldene Kalb umtanzen, aber dabei dem lieben Herrgott doch gar zu gern ein Schnippchen schlagen möchten. Er soll nicht sehen, wie sie mit dem Mammon liebäugeln und wie sie mit denk Thaler die Herzen erdrücken, deshalb wirb ihm etwas Weihrauch gespendet. Ha, ha, ha, wie mein Herr Bruder die schöne Schwägerin anstarrt, bei (Sott, als habe sein Verstand gelitten! und wie sie so bleich und zitternd prälndirt! — Da störte ich durch mein unverutuihetes Erscheinen ein tete-ä-tete, Madame schien zu schmollen, Monsieur drohte. —
Er schloß ziemlich unsanft mit festem Druck hinter sich die Thür des Saales und trat hinaus ins Freie, um einen Gang durch den Wald zu machen. Zum ersten Male empfand er die nordische Kühle als Wohlthat für seine erhitzten Lungen.
Vor ihm schwebte unablässig das Bild der schönen Hindu, wie sie auf den farbigen goldgestickten Polstern lag und ein leises Liebeslied mit der Harfe begleitete. Vom Rauschen ihrer Palmen, von Blumenduft und südlicher Glnth hatte Daschka gesungen, — er fühlte noch das Wehen der Tropenluft, er sah die Tigerkatze, wie sie das scheckige Fell zu Füßen der Gebieterin dehnte ....
* * *
Mathilde spielte, ohne aufzublicken. All der gewaltige Sturm ihres Innern verhallte in den Wogen des Liedes, und als dasselbe beendet, da erfüllte au-
daß sie die Sozialdemokratie genöthigt haben, sich der Welt zu zeigen, wie sie leibt und lebt. Aber der Liberalismus wollte auch das nicht sehen und zürnte diesen Männern, verfolgte die christlich-soziale Partei, lehnte das Sozialistengesetz der Regierung ab und wollte wieder seine Augen vor dieser Gefahr schließen, um im Kulturkämpfe weiter fortzufahren — als das zweite Attentat geschah. Nun mußte man sich mit der Sozialdemokratie befassen. Allein daß die Art und Weise, wie man durch Arbeiterentlassungen u. s. rv. gegen dieselbe vorging, nicht im Stande ist, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, haben die letzten Reichstagswahlen bewiesen.
Die Regierung hat einen neuen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Socialdemokratie gemacht, um ihn dem neuen Reichstage vorzulegen. Es ist aber bei der Znsammen- sctzung deö neuen Reichstages sehr fraglich, ob das Gesetz zu Stande kommt. Aber wenn es auch zu Stande kommt, so ist cs mehr als fraglich ob auf diese Weise die Socialdemokratie zu besiegen ist. In diesem Gesetz ist nur von socialistischeu Bestrebungen die Rede. Es ist aber bekannt, daß in der Socialdemokratie der Atheismus und Materialismus eine mindestens eben so große Rolle spielt, als die socialistischeu Bestrebungen; jedeiisallö liegen beide diesen Bestrebungen zu Grunde. Verbietet man den Socialdemokraten die letzteren so brauchen sie nur gemeinsam mit den liberalen Blättern das Volk gegen Kirche und Christenthum zu verhetzen, und es ist sicher anzunehmen, daß dann ihre Reihen trotz dieses Gesetzes immer mehr wachsen werben, namentlich wenn man nicht durch eine gute zeitgemäße Reform unserer Wirthschaftö- und Handelspolitik unsere wirthschaftliche» Verhältniffe wieder auf eine gesunde Grundlage stellt, um die Rothstände zu beseitigen. Bei Hödel spielte ganz gewiß die Gottlosigkeit eine mindestens eben so große Rolle als der Socialismus.
Die innere Lage des Vaterlandes ist sehr ernst! Durch äußere Mittel allein ist sie nicht zu bessern. Wir müssen die Quellen wieder anfgraben, ans welchen die Treue, die Gewissenhaftigkeit, der Fleiß, die Sparsamkeit, kurz alle die Tugenden entspringen und genährt werden, ohne welche kein Volksleben weder in sozialer noch politischer Beziehung gedeihen kann. Diese Quelle ist, seit eö Mensche» giebt die Religion, die Gottesfurcht. In große» Volkskreisen ist diese Quelle in den letzten Jahren verschüttet worden. Das ist die Ursache unseres Veroerbeus. Möchte das Sedanscst dazu beitragen, diese Erkenutniß zu fördern. Wir verzweifeln noch nicht an der Zukunft des deutschen Volkes, aber wir wissen auch, daß Alles davon abhängt, daß unser Volksleben wieder durchdrungen werde vom Geiste des Christen- thums, der allein im Stande ist, Menschen und Völker innerlich zu erneuern und gesund zu erhalten!
haltender Applaus den Saal. Es hatte ihr Ruhe in'ö Herz gebracht, konnte, als eines der jungen Mädchen neckend sagte: „Ihr habt Euch gezankt!" — mid Lächeln antworten und später sogar zum Tanz spielen. Auf der Rückfahrt wollte sie ihm Alles anseinandersetzen, den unselige» Verdacht, welcher offenbar in ihm erwacht war. entkräfte». '
ES vergingen Stunden ehe er zurückkam; Georg that ja immer nur Das, was ihm gefiel, nie Das, was so hergebracht war. Er hatte Kopfschmerz gehabt, deshalb mußte er Einsamkeit und Bewegung aufsuchen.
Das kleine leichte Gefährt, welches er sich zum Acr- ger des Vaters angeschafft hatte, hielt als das erste von allen vor der Thür unv Georg bat seine junge Frau sich zur Nachhausefahrt zu rüsten. Tippoo brachte seinen Pelz, für den er vielfache Neckereien anhören mußte und dann beschleunigte er den Abschied so sehr als möa- lich tauf"S fatt", fa9te er schauernd, „entsetz-
Und dann befand man sich draußen. Tagheller Mondschein beleuchtete die Umgebung, ungeduldig scharrten zwei Braune den Kies unter ihren Hufen, ein frischer wohltätiger Wind umspielte die heißen Stirnen. 'Mathilde athmete auf — jetzt würde sich Gelegenheit finden, die sonderbare Scene auf dem Balkon zu erkläre». Um Alles in ber Welt burften sich ja zu so kritischer Zeit bie beiden Brüder nicht entzweien.
Georg öffnete den Schlag und hob seine junge Frau hinein. „Steigen Sie ab, Kutscher und kommen Sie zu Fuße nach. Ich will selbst fahren."
Ehe Mathilde eine Einwendung machen konnte, war ber Platzwechsel vollzogen, Georg hatte noch einmal die Zurückbleibenden begrüßt und dann flog der leichte Wagen dahin, sie sah nur im Mondlicht durch oaS Fenster am