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Marburg, Sonntag, 25. August 1878
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Politische Woche«-Ueberstcht.
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Herodias.
Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung.)
Zweites Kapitel.
La"de auch von den Landpostboten) sowie in Marburg von der Expedition der Oberhessischen Zeitung
die Vorgänge in Bosnien und der Herzegowina gerichtet. Der Ober-Commandirende General Philippovich ist nach hartem und erbitterten Kampfe in Serajewo eingerückt, ein Ereigniß, dessen Eintritt nur als eine Frage der Zeit zu betrachten war. Beendet ist mit diesem Erfolge der Feldzug noch nicht, denn die Kämpfe dauern allenthalben fort. In Ungarn wird eine Honvcd-Brigade auf den Kriegsfuß gesetzt, um in den Grenzgarnisonen die Stelle der regulären, nach Bosnien geschickten Truppen einzunehmen. Diese Maßregel wird nicht verfehlen, in Ungarn böses Blut zu machen. Beklagen sich die Ungarn doch jetzt schon darüber, daß man gerade magyarische Regimenter zu der Besetzung Bosniens verwandt habe. Allgemeine Unzufriedenheit herrscht in Oesterreich-Ungarn über das von der Regierung beliebte Vertuschungö- und Beschönigungssystem. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Verluste der Truppen viel zu niedrig angegeben oder ganz verschwiegen werden. Bereits jetzt haben weit mehr Verwundete in dalmatinischen und ungarischen Lazarethen Aufnahme gefunden, als regierungsseitig jemals zugestanden wurde. Heber die Verluste Sza- pary's ist heute noch nichts bekannt gemacht, denn die Verlustliste von 26 Offizieren ist doch jedenfalls ganz unvollständig. Auch über die Verluste in den Kämpfen um Serajewo wird man so bald wohl auch nichts erfahren, da sie allem Anschein nach ganz bedeutende gewesen sein müssen. Auf die Dauer wird die Regierung dem Volke die Wahrheit doch nicht verheimlichen können; es ist also nicht zu verstehen, warum sie durch langes Verschweigen derselben die Bevölkerung aufregt.
ijtgfle in Berlin, Frank- furt a. M. ic
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Mrllungkk Merhessische Zeitung und deren Gratisbeilage
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d BlaiteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld' C. Schlotte in Bremen.
Seite an Seite standen im kleinen Privatcomptoir die ?hef« Vater und Sohn am Pult, — aber nicht etwa der ältere Bruder, nicht Georg, sondern Johannes, der, welcher fünf Minuten später' das Licht der Welt erblickt hatte und demnach als „Jacob" seine Lebensbahn zu durchlaufen bc= ifanmt war. Heute Morgen schimmerte im tiefsten Grunde der halbgeschlossenen Augen eine verborgene Freude. Ob ® des Linsengerichtes dachte, für das einst „Esau" sein ^.rstgeburtsrecht dahingegeben, und ob er sich fragte, ob $ fdicht AehnlicheS Luck jetzt noch geschehen könne, — jetzt noch \ und nicht viel theurer, als für jene biblischen Hülsenfrüchte, Mr in etwas anderer moderner Form?
I ! Die beiden Brüder sahen einander, sehr ähnlich oder Ache» sich so wenig, wie Schwarz und Weiß einander I3i|* Kuchen, — je nach der Austastung. Bei dem Einen hing Mjj sdrs dunkle Haar in kurzen trotzigen Locken um den Kopf, ,7 y dem Anderen war es längerund glatt heruntergekämmt; >l', * ältere Bruder blickte offen und herzgewinnend fteund- l !>ch, der jüngere hielt die Augen gewohnheitsmäßig halb ge- *6 ,j Mosten, außerdem erinnerte Georgs Hautfarbe an die der id ll pichen hellbraunen Kastanien, Johannes dagegen war ganz blaß, — seine Hände sogar durchsichtig weiß.
, Trotz aller dieser kleinen Verschiedenheiten aber sahen H die Zwillingsbrüder in manchen Beziehungen sprechend Glich.
„Vater," sagte mit seiner leisen vorsichtigen Stimme ^Hannes, „eö sind wieder ein paar Rechnungen ««gelaufen. Du mußt das erfahren, obwohl es mir natürlich unange-
argenommen.
Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Die Badekur unseres Kaisers in Teplitz nähert sich ifsrcin Ende; derselbe hat bereits das letzte Vollbad genom m und wird sich in den nächsten Tagen nach Gastein eben, woselbst auch Fürst Bismarck von Kissingen cin- egrtroffc» ist. Die schon während der ersten Zeil nach dem ----- Attentat stets um den Kaiser beschäftigt gewesenen Aerzte Ouali Dr. Wilms und v. Langenbeck waren vor kurzem zur Con- irca hiltation über den Zustand unseres verehrten Monarchen er H« mch Teplitz berufen und haben sich beide außerordentlich befriedigt über das Befinden desselben geäußert. Es steht Wtl demnach zu erwarten, daß Kaiser Wilhelm sein Vorhaben, -1 ffl den diesjährigen Manöver» des 11. Armeecorps Theil nehmen, wird ausführen können. Die Segenswünsche ganzen Volkes begleiten ihn wie vor einigen Wochen «ach Teplitz so auch jetzt nach Gastein. Unser Kronprinz v( „ijt am Mittwoch auS Homburg mit seiner Gemahlin und ja-Kindern in dem neuen Palais bei Potsdam eingetroffen 4 wird den bevorstehenden Festlichkeiten zu Ehren der ht - ähluug der Prinzessin Marie von Preußen mit dem ■' U rinzm Heinrich der Niederlande beiwohnen. Bei derselben n, K-Garden bekanntlich auch König Wilhelm III. der Nieder- ioljrai lande und der Herzog von Connaught, der Bräutigam der zu« Prinzessin Luise Margaretha von Preußen, zugegen sein. [2*2 Sine der letzten Regierungshandlungen, die unser Kron- rTI Prinz in Homburg vollzogen hat, war die Bestätigung des 1 . k TvdeSurtheils des Meuchelmörders Hödel, welches alsdann Morgen des 17. August im Hofe des Zellengefäng- «istes zu Moabit durch den Scharfrichter Krauts vollzogen stllMvvrde» ist. Die gesammte öffentliche Meinung in Deutsch- ' 'land hat es mit hoher Befriedigung ausgenommen, daß der Kronprinz diesem elenden Menschen gegenüber der Gcrech- ügkeit den freien Laus gelassen hat. Die Reichstagscom- $ jji’tiffton für die Tabaksenquete hat ihr Programm aufgestellt,
das in der Sammlung des vorhandenen statistischen Materials, der Ergänzung desselben durch neue in sämmtlichen Gemeinden vorzunehmende Erhebungen und Feststellung der Verhältnisse, welche sich nicht im Wege allgemeiner Erhebungen aufklären lassen, durch besondere Commissionen u. s. w., besteht. Die Königin von Sachsen ist am 16. August von Dresden nach der Schweiz abgereist. Prinz Friedrich Karl hat am 20. d. M. das 12. Armeecorps besichtigt. An demselben Tage begann der Verein für Reform und Kodifikation deö Völkerrechts in Frankfurt a. M. seine Arbeiten.
Wie versichert wird, soll der augenblickliche Standpunkt der Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der preußischen Regierung folgender sein. Die Kurie gestattete, daß die in Folge der Maigesetze Bestraften um Amnestie einkommen sollten. Bismarck zog die versprochene freiwillige Amnestie wegen deö Widerstandes der öffentlichen Meinung zurück. Die Kurie ermächtigt die Bischöfe zur Anmeldung der neuen Pfarrer, mit dem stillen Vorbehalt, daß von Seiten der Beamten keine Schwierigkeiten erhoben roerben. Bestätigung dieser Versicherungen bleibt freilich abzuwarten.
In Frankreich haben die Wahlen der Präsidenten der Generalräthe den Republikanern zu einem Siege verhelfen, der in so fern von besonderer Wichtigkeit ist, als man nunmehr auch annehmen kann, daß auch das Ergeb- niß der Senatorenwahlm der Republik günstig sein wird. Die Regierung geht nachdrücklich gegen diejenigen Beamten vor, welche sich ihrer Autorität nicht fügen wollen.
Das englische Parlament ist nach einer langen, viel- bewegten Session am 16. August mit einer Thronrede der Königin vertagt worden, in der ein kurzer Rückblick auf die orientalischen Wirren geworfen, dem Heere und der Flotte, den Reserven, den Colonien und den indischen Truppen für ihren bereitwilligen Beistand gedankt und ferner erklärt wird, daß die Bezichnngen zu dem gesammlen Auslande anhaltend freundlich und die Ruhestörungen am Cap glücklich beendet seien; schließlich spricht die Königin dem Unter- Hause für die Geldbewilligungen ihre Anerkennung aus und erwähnt befriedigt die erledigten Gesetzvorlagen.
In Stockholm tagt zur Zeit der internationale Con- greß für die Reform des GesängnißwesenS. Der schwedische Minister deS Auswärtigen, Björnstjerna, führt den Vorsitz, ihm zur Seite Dr. Wines aus Amerika als Ehrenpräsident.
In Rußland ist das Ereigniß deö Tages die Ermordung des Generals Mesenzow, welche die größte Erregung hervorgerufen hat und voraussichtlich zu den strengsten Maßregeln gegen die Umsturzpartei in Rußland führen wird, deren Bestehen sich in letzter Zeit so vielfach bemerkbar gemacht hat.
In Oesterreich ist das Hauptinteresse natürlich auf
nehm genug ist, die Sache zur Sprache zu bringen. Soll der Cassier Anweisung erhalten?"
Hardenberg strich langsam mit der Hand über das Gesicht. „WaS hat Georg gekauft und nicht baar bezahlt, Johannes? Um welche Geständnisse handelt es sich?"
Der jüngere Sohn entfaltete einige auf dem Pult liegende Rechnungen. „Exotische Gewächse," las er, „Goldleisten, seidene Tapeten, ein —"
Der alte Herr schlug zornig auf die Tischplatte. „Georg ist wahnsinnig!" rief er mit unterdrückter Heftigkeit. „Ich habe für solche Verschwendung wahrlich feinen anderen Namen. Mag er sehen, womit er bezahlen kann, was ihm ftcmde Leute borgen; von mir bekommt er weiter nichts als den laufenden Gehalt, dreitausend Thaler per Jahr, aber keinen Pfennig mehr. Sind übrigens diese Rechnungen für ihn persönlich, oder für die Firma ausgestellt?"
„Für ihn persönlich, Vater."
„Gut, so gieb sie ihm und bekümmere Dich nicht weiter darum. Seit Georg aus Indien wieder hier ist, bereitet er mir nur Äummer, bringt mir Schaden nach Schaden, hetzt sogar durch seine verrückten Reden über SocialismuS und Menschenrechte die Arbeiter gegen mich auf und Hal versucht, in den Fabriken allerlei Steuerungen einzuführen. Kein Wunder, daß der Plebs einen solchen Arbeitgeber in den Himmel erhebt."
Johannes antwortete nicht. Wer weiß, welche Bilder seiner Seele vorschwebten und ihn mit geheimem Entzücken erfüllten, — er lächelte zuweilen wie im füllen Triumph, und als Georg an diesem ganzen Vormittag nicht in das Comptoir kam, konnte er dem Vater berichten, daß oben in den indischen Zimmern während der Nacht Sect getrunken worden und daß Georg um sieben Uhr ftüh mit einem fremben Herrn zum Bahnhof gefahren sei, natürlich
Tagesbericht.
Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." erfährt, daß das türkische Rundschreiben betr. die griechische Grenzberichtigung gestern in Berlin übergeben sei. Die Redactivn des Schriftstückes scheine vor erfolgter Feststellung in Konstantinopel verschiedene Phasen durchlaufen zu haben. Den Signatarmächten des Berliner Vertrages werde nun obliegen, fzu dieser Frage, zu welcher die Mächte sich int Vertrage eine gemeinsame Behandlung Vorbehalten habe», weitere Stellung zu nehmen.
Die „Post" fügt einem Berichte über die in Potsdam stattgefundene Parade die Notiz bei, daß der Commandant des Gardecorps, Prinz August von Württemberg, bei der Parade bewußtlos vom Pferde gefallen und hinweggetragcn sei. Nach darüber eingezogenen Erkundigungen wurde der Prinz allerdings während der Parade von einem Magenübel, woran er seit längerer Zeit leidet, befallen und war genöthigt, nach Berlin zurückzukehren. Er befindet sich aber bereits wieder vollkommen wohl.
in Begleitung des verabscheute» indischen Dieners und in Pelze gehüllt, obwohl der November kaum angebrochen.
Die Federn knirschten auf dem Papier, beide Männer arbeiteten stumm, ohne weiter ein Wort zu sprechen. Johannes hatte für diesen einen Tag eine so herrliche Aussaat bestellt, daß er dieselbe ruhig der reifenden Zeit überlassen konnte, seiner Ernte int Voraus sicher.
Georg seinerseits schlief, oder versuchte doch zu schlafen, obwohl ihn wachend und träumend die Bilder der Erinnerung verfolgten. Jetzt also war Akbar-Selim todt, jetzt, nun zwischen ihm selbst und der ewig verlorenen Geliebte» daö Weltmeer seine Woge» thürmte!
Er hatte die Arbeit unten im Comptoir vollständig vergesse». Dieser eine furchtbare Schmerz drückte ihn schwer zu Bode». Wäre jene Todesdotschaft um sechs Monate früher gekommen, wie hätte sie zwei Menschen in den Himmel erheben, welche Seligkeit hätte sie spenden können!
Er fuhr erst auf, als ihm Tippoo meldete, daß angerichtet sei. Heute hatte er nicht gefrühstückt, die junge Frau also noch gar nicht gesehen; er mußte eine Entschuldigung »erbringen. O Himmel, wie umrankte» und umflochten ihn von allen Seiten die Dornen!
Er ging hinüber, sprach ein paar conventivnelle Worte, sagte, daß sich Mr. William Aultane bei seiner Rückreise nach Indien die Ehre geben werde, ihr vorgestellt zu werden, und stocherte dann gedankenlos in den für ihn bereiteten Speisen herum.
„Ein harmloses Hühnchen mit Reis hat Dir Tippoo zugerichtet," lächelte Mathilde. „Und ich glaubte Wunder —"
„Was denn eigentlich ein von Religion und Moral abtrünniger Wilder wie ich zum Diner begehren würde, nicht wahr?" ergänzte Georg, wieder von den Worten
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