Deutsches Reich.
derltn, 21. August. Die „Prov.-Corresp." schreibt: Der Gesetzentwurf gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie, welcher dem Bundesrath vorliegt, hat bereits den Stoff zu reichlichen Erörterungen in der Presse gegeben. Wie vorausznsehen war, gefallen sich die demokratischen und fortschrittlichen Blätter, den Gesetzentwurf als das Ende aller Freiheit und alles öffentlichen Lebens darzustellen. Bemerkenöwerth hebt sich von diesen Ucbertreibnngen und Unwahrheiten die Haltung der nationalliberalen Presse ab. Zwar werden auch hier vielfache Vorbehalte gemacht, aber es wird allseitig zugestanden, daß dieser Arbeit gegenüber ein bloS ablehnendes Verhalten unstatthaft sein würde. Es werden einzelne Punkte als besonders erörterungsfähig oder zu Bedenken Anlaß gebend hervorgehoben, auch hin und wieder schon die Richtung vorzunehmender Verbesserungen angcdeutet, der Gedanke daS Ganze zu verwerfen oder in seinen Grundsätzen als unannehmbar zu bezeichnen, tritt nirgends hervor. Der „Hannoversche Courier" bemerkt: „Hier ist eine wahrhaft gesetzgeberische Arbeit, vor der man Achtung empfindet und die diskutirbar ist. Sie ist gleichzeitig eine vorzügliche Rechtfertigung für das Votum des aufgelösten Reichstags, wie eine schwere Anklage für das Auflösungsmotiv. Daß ans Grund dieses Entwurfes etwas Tüchtiges und Wirksames erzielt werden kann nnd wird, erscheint uns nicht zweifelhaft". Hier soll also in der jetzt erreichten sorgfältigen Durcharbeitung deS Entwurfs die Rechtfertigung gefunden werden für die Zurückweisung der Vorlage vom 20. Mai. Allein, das der jetzigen Vorlage gespendete Lob beweist noch nicht, daß die frühere vom 20. Mai unannehmbar und noch weniger, daß eine ausreichende Verbesserung derselben unmöglich gewesen. Die Art, wie die Socialdemokratie beit offenen Hohn gegen Staat und Vaterland, denen ihre zerstörende Arbeit gilt, in Folge der Verwerfung vom 24. Mai selbst nach dem 2. Juni hat fortsetzen dürfen, ist gewiß ein Schaden gewesen, Noch auffälliger, als die Nichtbeachtung dieses Umstandes, ist aber die Behauptnng des genannten nationalliberalen Blattes, daß der jetzige Entwarf eine schwere Anklage für das Auflösnngsmotiv enthalte. Der Sinn dieser Aeußerung kann wohl nur der sein, daß einer Arbeit, wie dem jetzt vorgelegten Entwurf, der aufgelöste Reichstag zugestimml haben würde. Dagegen ist nun doch an die Thalsache zu erinnern, daß auch der jetzige Entwurf den Charakter eines Ausnahmegesetzes trägt und tragen mußte und daß dieser Charakter von der nationalliberalen Presse beinahe allgemein zugestanden und selbst gerechtfertigt wird. Am 23. und 24. Mai aber wurde jedes Ausnahmegesetz von den
Hauptrednern in den stärksten Ausdrücken schon wegen seines Grundsatzes für verwerflich erklärt. Es ist offenbar eine Folge der Auflösung gewesen, daß viele nalionalliberale Abgeordnete sich vor ihren Wählern über die Nothwendig- kect eines Ausnahmegesetzes aussprachen, so daß nunmehr diese Rothwendigkeil auch von der nationalliberalen Presse anerkannt wird. Erst nach diesen Erklärungen und nach der Aufnahme, welche iu Folge derselben die neue Vorlage bei der nationalliberalen Partei im Ganzen zu finden scheint, darf die Hoffnung ernstlich gehegt werden, daß durch die Vereinigung der uationalliberalcn und konservativen Elemente des Reichstags die Bundesregierungen nunmehr den Beistand des Reichstags erhalten werden zu einer gesetzgeberischen Maßregel, welche die schwere von der Socialdemokratie dem nationalen Leben drohende Gefahr zwar noch nicht beseitigt, aber die unentbehrliche Bedingung ihrer Beseitigung bildet. Auf Seiten der Bundesregierungen herrscht die vollkommene Bereitwilligkeit, mit dem Reichstag in eine eingehende und vorurtheilslofe Prüfung der Vorlage zu treten. Festgehalten muß nur werden, daß man mcht zn Abschwächungen gelange, welche die Unterdrückung des Uebels nicht gestalten, während sie gleichwohl den Schein emes Einschreitens erzeugen. Denn die Folge solcher halben Maßregeln ist, daß man die gesellschaftsfeindlichen Bestrebungen reizt, ohne sie zu schwächen, daß Trotz und Selbstgefühl derselben wachsen, und daß der verfolgte Zweck überall in sein Gcgentheil umschlägt So wenig cs möglich ist, in der Kritik der Fortschrittsorgane auch nur ein geringes Maß von Unbefangenheit und Billigkeit zu entdecken, so wird eine Beleuchtung ihres Haupteinwurfes doch am Platze sein. Dieser Haupteinwurf der ebenso unermüdlich als eintönig allen fortschrittlichen Urtheilen wiederholt ist, ist folgender: es sei mit einer Befugniß oder Verbindlichkeit, wie sie der vorgeschlagene Gesetzentwurf den Verwaltungsbehörden beilegt, Vereine und weiterhiir Versammlungen und Druckschriften zu verbieten, „welche sozialdemokratischen, focialisti- schen Zdcr kommunistischen, auf Uulergrabung der bestehenden Staats- oder Geiellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen dienen', in die Hand derselben Behörden gegeben, alle denkbaren politischen nnd sozialen Bestrebungen die aus eure Reform des Bestehenden ausgehen, zu unterdrücken. Man tadelt also das Gesetz, weil es ein Ausnahmegesetz i|t, und behauptet zugleich, das Gesetz sei derart, daß nichts davon ausgenommen, mithin daß es kein Ausnahmegesetz ser. Es mag sein, daß die rein zerstörenden und revolutionären Bestrebungen, gegen welche der Gesetzentwurf gerichtet rst, weder in dem von dem Entwurf gewählten, noch in einem anderen überhaupt auszufindenden kurzen Ausdruck erschöpfend bezeichnet werden können. Bei der jetzt vor-
Är. 198.
Marburg, Sonnabend, 24 August 1878
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Uer die durch meine Vorfahren gegründete und stets mit «sonderer Vorliebe gepflegte Pflanzstätte ihrer Officiere uiszeichnete, in der richtigen Erkenntniß der Anforderungen inserer Zeit zu reichster Entfaltung gelangen! Nnd wie -Hedem in den kürzlich verlassenen Räumen der Ersatz der
5501 russischen Armee sich heranbildete, so möge hier fortan ir das deutsche Heer die Saat erstehen, welche — fern L fcer en aller Engherzigkeit und den Sinn auf das Ganze ge- J® ichtet, eine wahre Stütze für Kaiser und Reich — immer Rett- tr(it ist, dem Vaterlande zu dienen.
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bei. Mlt der Begrüßung der Officiere, Lehrer und Cadetten in den vor wenig Tagen bezogenen Räumen der Haupt-
Jabettenanftatt, während die eigentliche Feier ihrer Einwei- h«ng erst nach der völligen Wiederherstellung Sr. Maje- ==Fftit erfolgen wird. Möge der Geist, welcher von Alters
Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kronprinz hat gestern die Hauptcadettenanstalt Lichterfelde besichtigt und an Äk Ddie Officiere, Lehrer und Cadetten folgende Ansprache gerichtet: Mein erster Gang nach soeben erfolgter Rückkehr
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Geschützen in der Richtung von Artwin aufzubrechen.
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. Die Wiener Telegramme aus Bosnien liefern den Be- Ri8, daß die Durchführung des Berliner Vertrages in tob« Provinz keine leichte Arbeit ist. Auch die Russen tc0 iben gegen Bakum und den Engpaß von Artwin jetzt eine *9 " arfe Macht vorgeschoben. Wie der „Polit. Corr." aus iflis, 8. August, geschrieben wird, hat General Lazareff befehl erhallen, mit 64 Bataillonen, 18 Escadroneu und
>u KarS auS wurden gleichzeitig 20 schwere Belagerungs- istütze nach Tschuruk-tu geschickt. In gut informirten iflaü -reifen wird behauptet, daß Großfürst Michael persönlich
it Führung dieser Truppen übernehmen und am 20. dS. xfc siflis verlassen werde. Man sieht daher noch im Laufe ,roi» ikscs Monats ernsten Ereignissen in der Umgebung von
nit gebessert hätten. Wissen wir doch nunmehr, waö wir
«n itnjeren Nachbarn zu erwarten haben, wenn sich die "ra Dinge genügend „enttvickelt" haben werden. Ein Grund -^-»br, die Socialdemokratte nicht lax zn behandeln.
Ein nicht gerade ergötzliches Schauspiel bietet die Art tnb Weise, in welcher die Ruhestörungen in Harburg von tt Pariser Presse besprochen werde». Am besten kenn- tichnet die Stimmung in Paris der gemäßigte bonapar- 'ische „Cvnstitutionel", welcher sagt: „Frohlocken wir nicht laut, lassen wir die Dinge sich erst entwickeln." Wir ehen hieraus deutlich, waS jene Versicherungen Werth sind, ß die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich
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Herodias.
Roman von SB. Höffer.
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William hob die Hand. „Diese ganze Scene machte
K Dich einen höchst unangenehmen Eindruck, nicht wahr, »6,1(4 »2,501
wissen?" Und als sie nickte, da citirte ich unter den Wn von Bengale» de» deutschen Poeten und meine n< Zuhörerin schien vor lauter Andacht kaum zu ath- , „Sag daS noch einmal," bat sie, „aber langsam, ich i mit merfen."
„Denn sie liebte einst Johonnem,
In der Bibel steht eS nicht. Doch im Volke lebt die Lag« Von Herodias blut'ger Liebe
„Das leugne ich glicht. Daschka war mehr Fürstin Weib, mehr stolz als zärtlich, und dennoch — wie liebe sie! Ich mußte ihr von deutschem Leben erzählen, von 4,20* ^schein CultuS. Wie begierig lauschte sie den bilder- An Einzelheiten unserer biblischen Tradition, wie man- Jt treffenden und geistreichen Vergleich hörte ich sie aus- Sechen! Einmal, als die Reihe an das tragische Ende 8 - Johannes kam, berührte sie plötzlich meinen Arm. Tobias hat ihn geliebt, heiß und — unglücklich geliebt, flüsterte sie. Es frappirte mich unwillkürlich, daS ‘ hören. „Einer unserer größten Dichter hat vor Dir sonderbaren Satz aufgestellt, Fürstin," entgegnete „unser kecker, spottseliger Heine. Willst Du die Stro-
Anders wär ja unerklärlich Das Gelüste jener Dame.
Wird ein Weib daS Haupt begehr n Eines Mannes, den sie nicht lie! t ?
War vielleicht ein bischen böse Auf den Liebsten, ließ ihn topfen. Aber als sie auf der Schussel Das geliebte Haupt ei blickte. Weinte sie und ward verrückt Und sie starb in Liebeswahnsinn.*
Daschka nickte leise vor sich hin, halb aufgerichtet stützte der weiße Arm den Kopf. „Sahib, wenn ich diese ju- däische Königin gewesen wäre und ich hätte den Täufer geliebt, so müßte er von meiner eigenen Hand gestorben fein. Kein Dritter durfte ihn berühren, ihm Schmerz verursachen!» A
Ich verlor im Augenblick alle Besonnenheit. „Daschka!" rief ich ungestüm, „Du mußt die Liebe kennen, um Das zu verstehen!"
Ihr Auge flammte heiß — so nahe dem meinen, ihr Athem streifte meine brennende Stirn. „Vielleicht, Sahib — ja, ja ich kenne die Liebe."
Meine Arme umschlangen daS reizende Geschöpf. „Daschka, Du liebst mich? — mich? — c, sag es mir!“ „Still! Noch darf ich es nicht!"
Aber während sie sprach, blitzte ihr Auge und wogte ihr Busen; sie duldete meine Umarmung, mein Flehen. Könntest Du Leben geben um Leben, Sahib? Willst Du nicht mehr athme», wenn mich Deine Liebe verlassen hat?" „Das wird sie nicht Daschka. Nie! — Nie!" Sie lächelte so sonderbar, so grausam fast wie damals, als sich der Tiger zu ihren Füßen krümmte. „Ich nehme Dich beim Wort, Sahib! — da, hier hast Du ein Pfand ein Kleinod vom Daschkas-Tempel meinem Schutzheiligen, um die Beziehung Dir verständlich auszudrücken. Da, nimm!"
Und sie zerriß eine feine goldene Kette, die an ihrem Hals hing, in zwei Theile, so daß sich der blitzende Ring
schlangenartig um die weißen Finger wand und eine tiefe r°the Spur hinterließ. Zwei Medaillons hingen daran, vielleicht, von massivem Gold mit wunderbaren heidnischen Charakteren bedeckt, - eins davon mit der H^ste der Kette gab sie mir. „Da, Sahib, das ist mein ^.reuschwur, das ist das Band von Dir zu mir, es ist DeinLeben, — Du stirbst, wenn es nicht mehr auf Deiner Sollt liegt, weißt Du das?" 1
Meine Blicke antworteten ihr. Ein Mal, ein einziges pr-vte ich sie ungestüm in meine Arme, ein einziger -Kuß sagte ihr, was ich empfand, dann, als meine Lippen den schwur unwandelbarer Treue geflüstert, dann drängte mich Daschka zuruck. Es schien, als habe nur die mächtige Erregung des Augenblicks sie hingerissen, mir überhaupt Geständnisse zu machen, und wenn nicht daö sonderbare Amulet mir immer wieder die Wahrheit des Erlebten bewiesen hatte, so würde mich ihr ferneres Benehmen oft an dem Zeugiilg der eigenen Sinne haben zweifeln lasse».
Damals brach nämlich zwischen den Mianas und den Pindarries der Krieg aus und Akbar-Selim zog mit seinem ganzen Stamme in die Wildnisse des Vindhyahgebirges, Daschka konnte also ohne Furcht, von ihrem greisen Gemahl entdeckt zu werden, in Calcutta eine Wohnung miethen nnd nun umgab sie sich dort mit jenem fabelhaften Glanz, jenem Geheimniß, das mehr als die vollständigste Offenheit dazu beitrug, ihre Person zum Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit zu machen. Hindumädcheu und Selaven bevölkerten das Haus, kostbare Sänften wurden angeschafft, Musik erschallte aus dem Innern der verschwenderisch decorirten Gemächer, man flüsterte von dem zahmen Tiger und der göttlich schonen sechzehnjährigen Fürstin, ohne jedoch beide gesehen zu haben. Ich selbst fand jetzt die Geliebte nie mehr allein, ich hatte, obwohl wir Schwüre ewiger Treue ausgetauscht, nicht einmal daö Recht, ihre Hand zu