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tad Mr. 197

Marburg, Freitag, 23. August 1878

xin. Jahrgang.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d BlaiteS, s owie b. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte iu Bremen.

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Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.vlattes, i,vie d-Annoncen-Bureaux Th, Dietrich & So. in gafitl und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; haasenstein & Vogler in zr-nlfurt a. M., Berlin. Leipzig, Cvln rc.; Rudolf «offe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Erscheint täglich außer an den Werkiagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrtrteS SonntagSdlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pfg. berechnet.

Die Wahlen in Hessen

Im ein Resultat geliefert, womit die Konservativen viel- zufrieden sein können. Ist auch nur ein Sitz errungen, Zeigen die bedeutenden Minoritäten, wie sehr die konser- ve Partei im Wachsen ist, wie die verständige und ttische Auffassung der politischen Verhältnisse immer mehr Bahn bricht. Die Wahlen haben nicht der herrschen- Stimmung entsprochen und es tritt an die Konserva- i die ernste Mahnung, die Organisation ihrer Partei fester Hand zu betreiben und für eine geeignete Ver- tung ihrer Grundsätze zu sorgen.

So erfreulich es ist, daß unter den Konservativen der chiebenen Schattirungen Einigkeit herrschte, so noth- dig ist cs, einer so geschlossenen Partei gegenüber, wie msere Liberalen sind, eine gleiche feste Parteiorganisation egenzusetzen. Eine weitere Forderung haben die Wahlen den das ist die Pflege der Presse, ein that- IntL Schliches Interesse für die konservativen Blätter unserer m Provinz durch Korrespondenzen, Inserate, Halten und Ver- 3Q4 breiten derselben. Es ist dieser Umstand vornehmlich wichtig, - »eil die liberale Presse sich seither der wirksamsten Unter­

stützung erfreut hat, und zwar nicht allein Seitens der en Mtglieder der liberalen Partei, und weil dieselbe der Zahl UstL «nd Verbreitung nach unsere Blätter bedeutend überragt.

Außer der Einigkeit der Konservativen konstattren f »ir mit Genugthuung den patriotischen Takt unserer Partei, welche trotz aller Schmähungen der Liberalen in i Hanau bei der Stichwahl für den liberalen Candidaten

hen

So wenig Gefallen wir an dem Fortführen einer der- «rtigen Polemik haben, so können wir nicht umhin, einen Stieg für unser scharfes Urtheil anzuführen. Das Ziegen­hainer Kreisblatt, stets die Ablagerungsstätte der gröbsten Ausfälle gegen die Konservativen, hat am Tage vor der

j gegen dm Sozialdemokraten eingetreten ist und allein 1 den Ausschlag gegeben hat. Herr Weigel verdankt seinen Sitz im Reichstage lediglich den Deutschkonservativen. End­lich können wir mit Stolz darauf verweisen, daß bei dem

l Wahlkampfe unsererseits nur mit redlichen Waffen und in anständiger Forur gekämpft worden ist. Leider haben wir j Mn unseren Gegner nicht das Gleiche zu sagen, es ist uns | nichts erspart geblieben an persönlicher Gehässigkeit, ja an

Schimpf und Hohn, Verleumdung und Lüge. Eine h ö ch st nuffallende Thatsache ist es, daß die amtlichen KreiS- Hätter sich theilweise zu den Organen der schlimmsten

= Produkte des politischen Hasses hergegrbm haben.

_ Wahl sich Folgendes gegen den konservativen Candidaten

>n einem Wahlpamphlet geleistet, von dem wir einige Stellen »»heilen. Das Blatt sagt:

EDie Parthei der Pfarrer und ihres renitent gemachten

»78. «ss

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Herodtas.

Roman von W. Höffer.

(Fortsetzung.)

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Georg streichelte das dunkele Haar des jungen Indiers, war am Abend," fuhr er fort,und unsere Reise- stW'chaft lag unter den Bäumen, während das Dampf- 'b0b W auf dem Fluß lag. Wir wollten bis zum Tagesau- g,iü» ^uch jagen, mehrere'von den Weißen hatten bereits ihre ,40 b Taffen ergriffen und sich in der Umgegend zerstreut, die 1,50* angeborenen Führer waren ihnen gefolgt und das wenige ^HDvolk schlief. Ich selbst Du weißt ja, zur phan- #)it Mschen Anschauung geneigt und gar ein wenig Poet, *tnn Dir das mit dem Kaufmann vereinbar erscheint! Z lag im hohen GraS und berauschte zum tausendsten ,. Siale mei ie Seele an der Schönheit der oft bewunderten 8,1B tropischen Natur, ich dichtete . . . Die Wellen schlugen , Murmelnd an das User, der Mond schien weiß und zauber- M über das unentwirrbare, farbengluhende Chaos von Silken und Stämmen, von Blüthen und Knospen dahin, s'sof Me weiche traumhafte Stimmung hatte meine Seele ge- ^*8en genommen. Zn solcher Nacht mit einem einzig ge- «tbten Wesen emporsehen zu den Sternen, und diese köst- 30b von tausend Wohlgerüchen erfüllte Luft athmen, 25B- diese Schönheit, diesen Zauber mit einem anderen £06& ^tjen theilen es ist wie eine Offenbarung, als werde besser, reil er, als habe man den Erdenstaub von ?»en Flügeln gestreift in solch lauer, linder Tropennacht. ' $ dichtete glühende Strophen an sie, die mir niemals

l,1 Regnet, an die zweite Hälfte meines Wesens, die ich bis- * ^8 nicht gefunden. Mein Blick ins Leere gerichtet, streiste 7:^ unbewußt die weitgedehnte freie Fläche zur Rechten; war mir, als sähe ich schwarze Schatten sich heben und

Anhangs nebst Agrariern hat für die Reichstagswahl wie­derum den Hern: Landrath Weyrauch in Cassel aus­gestellt."

Der Candidat sollte (also) nicht adelig sein, um das Resultat der Wahl nicht zu gefährden."

Aendert das aber, daß Herr Weyrauch bis jetzt das Wörtchenvon" nicht vor seinem Namen hat. etwas an seiner Gesinnung? Gewiß nicht! Er gehört weiblicherseits schon zum Avel, seine Mutter, wie seine Gemahlin stammen aus alten, begüterten Adelsgeschlechtern."

Seine politische Gesinnung kennzeichnet sich einfach genug dadurch, daß er das zuerst im Jahr 1876 von der alt­hessischen Parthei emanirte Wahlmanifest mit unterzeichnet hat. Dieser Wahlaufruf siellte als Candidaten auf:

1) den Minister a. D. Scheffer zu Engelbach,

2) den Herausgeber derHessischen Blätter" Pfarrer Hops in Melsungen,

3) den Bürgermeister Keil zu Unshausen und als Pro­gramm :

Religionsfreiheit mit Ausschluß der Berechtigung des Staates zu irgend einer Einmischung in kirch­liche Angelegenheiten, Aufhebung der Annexionen und Wiederherstellung eines Staaten-Bundes."

Ein solches Programm erstrebt nicht weniger als eine schrankenlose Freiheit der protestantischen Kirche wie der katholischen, Aufhebung sämmtlicher kirchenpolitischen Gesetze, der Gesetze über die Schulaufsicht, Civilehe u. s. w. und Herrschaft der Kirche.**

Daß Herr Weyrauch seine politischen Ansichten seit­dem geändert habe, darüber hat bis jetzt nichts verlautet."

Wer mit solchen Zielen einverstanden ist und ihnen Vorschub leisten will, der hat Recht, wenn er den Gegen- cantidaten des Herrn Dr. Wehreupfennig wählt, wer aber die Machtvollkommenheit des Staats auch den ver­suchten Uebcrgriffen der Kirche» gegenüber, die Unzertrenn- lichkeit des dermaligen preußischen Staates und die Einheit und Macht des nach jahrzehntelangen Kämpfen erstandenen deutschen Reichs aufrecht erhalten will, der wähle den

Dr. Wehreupfennig in Berlin."

Ihr habt die Wahl zwischen einem unbekannten und einem wohlbekannten Manne; die Wahl kann für einen besonnenen Mann nicht zweifelhaft sein!"

Ihr conscrvativen Wähler! seht Euch vor, daß mit Euren Wahlstimmen kein Mißbrauch getrieben wird, daß Ihr gutgläubigen aber falschbclehrten Männer nicht dazu gebraucht werdet, Eurem Candidaten nur einen Regie- rungSpräsidenten-Sitz zu bereiten."

Dieses Machwerk hat aber in der That seinen Zweck nicht verfehlt, cs hat manche Wähler beirrt und sie von der Wahl abgehalten. Erst nach der Wahl konnte von senken, ein dumpfes Dröhnen erschütterte den Booen und dann erwachte ich, fuhr jählings empor. Zu meinen Füße» lag ein Weib in weißen Gewändern, schön wie die Morgenröthe, blitzend im Schmuck unzähliger Diamanten, aber angstzitternd, mit bleichen Wangen und fliegendem Äthern. Haar und Schleier, Busen und Handgelenke, alles glänzte von Eoelsteinen, wie Thautropfen lagen auf den Ge­wändern überall große, weiße Perlen, schwere Goldspangeu umschlossen Gelenke und Diadem. Wie wenn der Traum, in den sich meine Seele hineingesponnen, plötzlich zum Le­ben erwacht sei, wie wenn das Ideal des Dichters Gestalt gewonnen, so war sie mir erschienen,' so umklammerte sie mit weißen, unverhüllten Armen meine Kniee und flehte schluchzend:Sahib, Sahib, laß mich mit Dir ziehen, ver­stoße mich nicht!" Ich sah, geblendet, von so viel Schön­heit und Liebreiz nur mit halbem Bewußtsein, daß in der Nähe ein Hindumädchen knieend am Boden lag und daß ein Äameel mit gesenktem Kopf, fchwerathmend, daneben stand. Die Myrthenzweige im Haar des schluchzenden Wei­bes, die fürstliche Pracht deö ganz weißen Anzuges verwirr­ten mich. So mit Juwelen bedeckt, konnte die Unbekannte nut eine Braut fein, eine fürstliche Braut. Ich hob sie auf und trug die Zitternde in meine Cajüte.Herrin," stammelte ich,hier bist Du sicher, hierher bringt kein Feind. Aber sprich, wer verfolgt Dich?"

Mein Gemahl!" flüsterte purpurn erglühend die Fremde.Akbar-Selim, dem mich mein Vater vermählt hat, ich sah ihn, ich hasse ihn. Während eines unbe­wachten Augenblickes, als die Hochzeitsgäste tranken und schmausten, stahl ich mich fort; Hayden, meine Sclaviu, folgte mir, und das Karneol, welches meine Stimme kennt, das mich liebt wie ein treuer Hund, der graue, alte Ach- met trug uns bis.hierher. Aber Akbar-Selim wird die Flüchtige wiederfiudeu wollen, Sahib, er wird hierher

unserer Seite eine Widerlegung ftattfinben, sie ist bem Ziegenhainer Kreisblatte zugesendet und bezeichnet die Be­hauptung, daß Herr Landrath Weyranch ein Manifest der althessischen Partei unterzeichnet oder jemals dieser Partei angehört habe, als das, was sie ist als eine Lüge und Verleumdung.

Leider ist das mitgetheilte Schriftstück nur ein Pröbchen, bis zu welchem Grade die Parteileidenschaft sich entflammt hatte. Wir sprechen die bestimmte Hoffnung aus, daß wir für die Zukunft in den Kreisblättern solchen Expectorationen nicht mehr begegnen werden. Daß die Kreisblätter dazu nicht vorhanden sind, haben die Herren Liberalen früher selbst genugsam ausgeführt.

Zum Schluß müssen wir aber noch eines und zwar des hauptsächlichsten Erfolges der konservativen Wahl­anstrengungen gedenken. Der Wahlkampf hat die liberalen Candidaten gmöthigt, mit so großer Bestimmtheit ihren Wählern die Unterstützung der Regierung in dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie zuzusagen, daß sie es nicht wagen können, ohne Auslösung dieses Versprechens in ihre Wahlkreise zurückzukehren, die Herren haben alle einen guten Schritt vorwärts zur konservativen Anschauung gethan.

Tagesbericht.

Prinz Friedrich Leopold, Sohu des Prinzen Friedrich Karl, hat sich am Dienstag durch einen Sturz von der Veranda dcs Jagdschlosses Glienecke einen Bruch des Bei­nes unterhalb des Knies zugezogen.

DieProvinz.-Corresp.", an die Besprechungen des Svcialisten-Gesetzentwurfes auknüpfend, hebt gegenüber den Uebcrtyeibungen und Unwahrheiten demokratischer und fort­schrittlicher Blätter, welche den Entwurf als das Ende aller Freiheiten und allen öffentlichen Lebens darstellten, hervor, daß sich davon die Haltung der nationalliberalen Presse bemerkenswerth abhebe. DieProv.-Corresp." reproducirt eine bezüglich Auslassung desHannvv. Cou- riers" und bemerkt weiterhin, auf Seiten der Bundesre­gierungen herrsche vollkommene Bereitwilligkeit, mit dem Reichstage in eine eingehende, vorurtheilslose Prüfung der Vorlage einzutreten. Man dürfe nur nicht zu Abschwä­chungen gelangen, welche die Unterdrückung des Uebels nicht gestatteten, während sie gleichwohl den Schein des Einschrei­tens erzeugten. Halbe Maßregeln würden die gesellschafts- feindlichen Bestrebungen nur reizen, ohne sie zu schwächen; der verfolgte Zweck würde überall ins Gegentheil um­schlagen. Gegenüber der gegen die Leitung des Reichs erhobenen Verdächtigung, daß sie mittelst dieses Gesetzent­wurfes allen reformatorischen Bestrebungen überhaupt ein kommen und das Schiff angreifen, er ist ein großer, gefürch­teter Feldherr, ein Radscha der Mianas und hat viel be­waffnetes Volk."

Daschka hielt mit ihren beiden kleinen heißen Händen immer noch meinen Arm, sie schien in fieberhafter Angst, ich lachte dazu.Das Schiff wird auf den Strom hinausfahren und sämmtliche Boote eiuziehen, Fürstin, mag Akbar-Selim kommen, mag er es nehmen, wenn er kann!"

Ihre Zähne schimmerten weiß wie Elfenbein durch daö Halbdunkel der Tropennacht. In ihren Augen flammte es.Du bist ohne Furcht, L>ahib, das ist schön von Dir. Geh' und rufe meine Sclaviu, Du kannst mich mor­gen besuchen, früher nicht!"

Ich war entlassen, durch einen kurzen Befehl aus meiner eigenen Cajüte verbannt, wie ein Halbtrunkeuer ver­ließ ich den dämmernden Raum und iah von der Thür her nur noch einmal zurück. Die Fremde hatte sich hoch aufgerichtet, vom Haupt und den weißen, wallenden Klei­dern blitzten, Sternen gleich, unzählige Edelsteine. Was ich draußen dem Capitän gesagt unb wie ich das Hindu­mädchen verständigt, Gott weiß cs, mir selbst ist jA»e Erin­nerung entschwunden. Es ist aber gewiß, daß ein paar Matrosen das Kameel au Bord und unter Deck brachten unb baß bie Boote, als ich mich umsah, verschwunden waren. Der Dampfer lag mitten auf bem Strom, schien nur ein etwas schwärzerer Punkt in ber ganzen schwarzen Wafferrnaffe. Unb so lagerte ich tvieber unter bem alten Baurn, helfen rauschende Zweige wie Aeolsharfen meine Stirn umflüsterten. Den Kopf in die Hand gestützt, ben Blick versenkt iu bas ewige endlose Blau, horchend mit heimlichem Herzklopfen, und doch vom Zander der hehren stillen Nacht umsponnen, so träumte ich wachen Sinnes diö an ben hellen Morgen. War bas ganze Erlebniß ein