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Marburg, Donnerstag, 22. August 1878
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Deutsches Reich.
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Herodias.
Roman von W. Höffer. iFortsetzung.)
nach Langewedel bei Bremen Holz zu senden. Er schickt es aber erst bis Bremen und läßt es dann nach dem Bestimmungsort zurückgehen, weil er auf diese Weise per Wagenladung 38 M. profitirt. Referent ist der Meinung, man müsse die Localtarife auch vom Ausland verlangen, wenn es besser werden solle. Der Einwurf, dann würde den deutschen Bahnen der Transport entgehen, da das galizische Holz dann nach Triest und auf dem Seewege bis an unsere Strommündungen geschafft würde, sei hinfällig. Ebenso unrichtig sei die Behauptung, daß durch die Differentialtarife den Consumenten billig Brod und Holz geschafft werde. Es sei ein Erfahrungssatz, daß, wo die Nachfrage ist, auch der Preis steigt und so komme das Differentialsystem nur den ausländischen Provucenten zu Gute, nicht aber uns. Wenn deutsche Bahnen deutsches Holz billig fahren, so erweitere dies das Absatzgebiet des deutschen Holzes, erhöhe die Rentabilität des Waldes und erwecke wieder die Lust und Freude an der Waldwirthschaft.
** Berlin, 20. August. Der Chef der Admiralität, General v. Stosch trifft am 22. aus Oesterreich ein, um den Bermählungsfeiertichkeiten in Potsdam beizuwohnen. Ebenso kehrt der Vicepräsident des Staatsminifteriums, Graf Stolberg zu demselben Zwecke morgen von Norderney zurück. — Durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 15. Zull d. I. werden die neuen Bestimmungen über die Beförderung der Unteroffiziere im Friedensstanve, zur Kennttüß der Armee gebracht. Diese Bestimmungen treten an Stelle derjenigen, welche unter dem 22. Ium 1873 getroffen worden. — Morgen, Mittwoch 12 Uhr, tritt der Justiz- ausschuß des Bundesraths zur zweiten Lesung des Sozialistengesetzes zusammen. — Nach dem Beschluß des Bundesraths vom 6. Zuli soll eine Enquöte über die Frage der Steuerfreiheit des Spiritus, der zu gewerblichen Zwecken dient, veranlaßt werden. Wie verlautet, soll die betreffende Commission^ über deren Zusammensetzung bereits eine Norm sestgestellt worden, in der nächsten Zeit einberufen werden. Außerdem liegt eS in der Absicht, eine Commission Sachverständiger zu berufen und die Frage, ob der Spiritus »ach Maß oder Gewicht zu versteuern und zu verbreiten sei, einer Prüfung zu unterwerfen. — Gegen deutsche Eisenbahnen (excl. Bayerns) sind bei dem Reichseisenbahnamte während der Zeit vom 1. April bis 30. Zuni 1878 86 Beschwerden des Publikums eingegangen, darunter nehmen 22 Bezug auf den Personenverkehr, 49 auf den Güterverkehr, 9 auf besondere Gegenstände. Von diesen Beschwerden sind 7 als begründet anerkannt, als unbegründet zurückgewiesen 13, wegen Inkompetenz der Reichsgewalt nicht zur Cognition gekommen 13, auf den Rechtsweg verwiesen 15, endlich 32 an die zuständigen Eisenbahnverwaltungen gewiesen.
kohlen denjenigen Bruchthcil, welchen ich um mir das tropische Klima annähernd mein Privatkonto bucht?"
„O, Georg, Du übertreibst!"
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Die Wahl des Reichstags-Präsidiums wird in der mmenben Session erheblich schwieriger sein, als je in per früheren Legislaturperiode. Es verlautet, daß die mtrumSpartei den Ansprnch erhebt, einen Präsidenten ans rer Mitte erwählt zu sehen, soviel ist jedoch sicher, daß
»Bist Du denn nicht mehr im Geschäft thätig, armer
„Doch! Der Vater kann den tüchtigen Arbeiter gar zu gut brauchen, aber er giebt mir nicht mehr als den übrigen Buchhaltern; er haßt mich, weil ich den Arbeitern aus vollster Ueberzcugung einen Lohnzuschlag bewilligte und weil mich die armen Schelme vergöttern, während er selbst und mein Herr Brnder, wie ihm wohl bekannt ist, bei diesen Leuten Jahr aus Jahr ein auf dem schwarzen Brett stehen. Du lieber Himmel, als ich kürzlich in einem Fachverein gesprochen und dort zugegeben hatte, was wirklich wahr ist, als die Zeitungen Bravo klatschten — diese Scene!"
„Alter Junge," rief William, „jetzt lachst Du wieder, ich sehe Dein liebes Gesicht wie früher, ehe der deutsche Nebel darauf lagerte! Und nun laß uns von Indien sprechen, von unserer Heimath, denn das ist cs ja doch. Heut übers Jahr hören wir mit Gottes Hülfe Beide wieder das alte Palmenrauschen, wandeln wir ungestraft darunter, alle»
Es steht nunmehr fest, daß die nationalliberale Partei cht gesonnen ist, bei den Nachwahlen im ersten und ötiten Berliner Wahlkreise der Fortschrittspartei unbedingte Heerfolge zu leisten. Die „Nationalztg." stellt tute für einen dieser Wahlkreise die Candidatnr des in intm bisherigen Wahlkreise unterlegenen Dr. Techow auf. $ bleibt abzuwarten, ob sich die Fortschrittspartei zu intm Kompromiße entschließen wird.
Die Nachricht, daß die apostolischen Nuntien ad au- endum verbum und behufs Berichterstattung nach Rom rufen worden seien, ist von den Organen deö Vatikans mtntirt worden. Wie der „Courier d'Jtalie" hört, be- chl sich aber das Dementi mehr auf den Wortlaut als den chrlt der Nachricht. Mit der Einschränkung, daß nicht t Nuntien gleichzeitig und nut die wichtigsten unter len nach Rom berufen werden sollen ist die Nachricht Eständig richtig.
Tagesbericht.
Wie die Weser-Zeitung hört, wird die ReichS-Kom-
„Es ist, wie ich Dir sage, William, die Gottheit dieses Hauses, obwohl man repräsenlirt und fleißig den Collekten beifteuert, ti ist so, und weil ich das nicht theilen kann, weil ich glaube, daß die Sonne erschaffen wurde, nicht nur, um Rüben und Kartoffeln zu zeitigen, sondern auch Rosen und Champagnertrauben, — nun, darum bin ich der verlorene Sohn und wurde als solcher behandell."
nig legen würde? — er, der diese Blumen, diese Polster und Vorhänge eine wahnsinnige Verschwendung nennt, der bei dem Verbrauch von Tausenden von
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-je d.Annoncen-Bureaux w Th. Dietrich & Co. in Hk! affel und Hannover; Th.
Mission ihren Abschluß noch nicht erreicht hatten. Es ist daher entschieden falsch, wenn behauptet wird, die deutschen Finanzminister in Heidelberg hätten sich principiell und ohne die Entscheidung der Tabaks-Enquete-Commission abzuwarten, gegen das Tabaks-Monopol ausgesprochen. Eine besondere Erörterung der Frage hat überhaupt in Heidelberg nicht stattgefunden. — Im Anschluß an frühere Mitthei- lungen können wir nunmehr melden, daß, nachdem die Materialien in Bezug auf den Untergang des „Großen Kurfürst" vollständig vorgelegt und nachdem die einzelnen Gutachten geordnet und legalifirt worden sind, die Acten an den Chef der Admiralität zur weiteren Veranlassung abgegeben worden. Es dürfte durch denselben nunmehr Sr. kais. Hoheit dem Kronprinzen Vortrag in der Angelegenheit gehalten werden. — In einem lälHeren Artikel: „Die Beschäftigung der (Strafgefangenen in Preußen" kommt die neueste Nummer der „Statistischen Cocresp." auf die Beschwerde einzelner Gewerbetreibender über die angebliche Concuttenz, welche den Gewerben durch die Beschäftigung der Gefangenen erwachsen. Indem die genannte Cortespou- denz diese Beschwerde als ungerechtfertigt charakterisirt, sagt sie am Schluß: Ein großer Theil der Gefangenen vermag von den Verrichtungen, welche ein Gewcrbszweig fordert, bloß die leichtere und diese nur unvollkommen zu erfüllen. Die Wenigsten sind in den Arbeiten, welche ihnen übertragen werden, schon geschult. Ende 1877 waren es von 16,188 Strafgefangenen nur 2332. Die Mehrzahl ist arbeitsscheu und soll durch die Beschäftigung erst wieder zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft herangebildet werden. Neben diesem erzieherischen Zweck, der im Wesen des Strafvollzugs begründet ist, stehen alle anderen Rücksichten erst in zweiter Linie. — Auf der diesjährigen Versammlung deutscher Forstmänner in Dresden kam auch die Frage der Eisenbahntarife für Holz zur Sprache. Der Referent betonte, daß gegenwärtig in Deutschland die Hölzer-Einfuhr größer als die Ausfuhr sei. Namentlich sende uns Oesterreich viel; die Einfuhr von Stammhölzern habe etwas abgenommen, die von Schnitlwaare sei größer geworden. Das Ausland sei daher nicht allein der Concurrent des deutschen Waldes, sondern auch der deutschen Holzindustrie und letztere nehme ihrerseits mehr fremdes Holz als heimisches. Der Hauptgrund dieses Mißverhältnisses wurzele in unserer Eisenbahnpolitik. Der österreichische und galizische Holz- und Getreidehändler fahre auf der Bahn billiger, als der deutsche Holz- und Getreidehändler. Der Referent kritisirt sodann das gegenwärtig in Deutschland geltende Tarifsystem und hebt hervor, daß von unseren Bahnen Klobenholz billiger gefahren werde, als Sägespähne. Die Differentialtarife, welche auf weiten Strecken ungemein niedrig seien, ermöglichen folgendes: Ein Holzhändler in Oderberg hat
hätte, müßte nicht meine Selbständigkeit längst gesichert sein?"
„Das freilich, ganz gewiß, Georg. Aber ist sie es denn nicht auf das allerbeste, natürlichste, wenn Du Theil- haber der väterlichen Firma wirst?"
Georgs braune Wangen waren fahlgelb geworden „William," sagte er nach einer Panse, „noch habe ich von dieser Angelegenheit mit keinem Menschen gesprochen, werde auch mit Niemand davon sprechen, Dir nur gegenüber bin ich ganz offen. Du sollst Alles wissen, das Schlimmste — ich komme niemals dahin, niemals! Mein Vater rechnet mir als Verbrechen an, daß ich in Calcutta jährlich ein paar Tausend Thaler über den mageren Gehalt hinaus verbrauchte, es gab zwischen nnö Beiden eine furchtbare Scene, als er erfuhr, daß ich mit Glück Privatspeculationcn gemacht und daß noch verschiedene Leute von mir Summen zu fordern hatten. Meine Zukunft ist in ihren Grundvesten erschüttert, William, ich lebe dahin, wie Einer, der da weiß, daß der Vulkan, auf welchem er steht, jeden Augenblick explodiren und in Atome zerschellen tarnt, deswegen habe ich auch alle sogenannten Rücksichten abgestreist und der ganzen Welt den Krieg erklärt."
William legte die Hand auf seines Freundes Schulter. „Nun und warum gehst Du denn nicht sofort zurück nach Calcutta, Georg? ES sind dort mehr als zehn, zwanzig gute europäische Häuser, die Dich mit offenen Armen empfangen würden..
„Das weiß ich!" rief aufathmend Georg. „Denke nicht, daß ich mich selbst verloren gebe, William, aber — soll der Erbe des zehnfachen Millionärs hier sein Hab und Gut Fremden überlassen? Soll ich fort gehen, ehe das Alles durchkämpst und geordnet ist, ein Bettler mit leerer Hand, in die mir der Vater auch nicht einen Psen-
>auie Ho» zur Untersuchung der amerikanischen Fabrikatsteuer imm । nächster Zeit die Reise nach Amerika antreten. Die Sd Mmission besteht aus dem preußischen Finanzrathe Schomer, :t6r. tm Director des Münchener statistischen BnreauS Professor, [21 Kyr, dem Steuerrathe Pieg und dem Fabrikanten rwän rmeler.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte-, s owie d. Annoneen-Bureanx von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandt. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte iu
Bremen.
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[22 it ein Präsident aus der nationalliberalen Fraction her- - »gehen wird.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
, Heidelberg versammelten deutschen Finanzminister haben Kal k ersten Augenblick ihrer Berathungen an die Modali- len der Tabaksbesteuerung als eine noch offene Frage :n A handelt und zwar um so mehr, als zur Zeit der Heidcl- Sger Conserenz die Arbeiten der Tabaks - Enquete - Com- snebä ।
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r. 4! Gz wird beabsichtigt, die sogenannte Eisen-Enqnete- Mmission in der Zeil der außerordentlichen ReichstagS- Ihcn. jfion zu berufen.
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, William schwieg erschreckt. „Uebertrcibft Du auch Hl, Georg?" fragte er nach einer längeren unerquicklichen nd Hfe. „Du neigst zu phantastischen Anschauungen, alter f vPe, siehst vielleicht manches tm ungünstigsten, ja fal- mn Licht. Deine Frau —*
„Ich habe keine," unterbrach fast rauh der Andere. * der Firma Hardenberg und Sohn muß allemal der f Sohn", wenn er in das väterliche Geschäft eintritt, mit * ältesten Cousine zur Kirche fahren und dort Wie ein i ta deutscher Esel zu Allem, was da verlangt wirb, , 1 sagen, das ist so Brauch und Sitte, damit die erbeu- ' ,C!t Schätze beileibe keinem fremden Menschen zu Nutz Dd Frommen gereichen, sondern immer hübsch in der Fa- •JMie bleiben. Nennst Du daö eine Ehe?"
•. i „Ohne Weiteres freilich noch nicht, Georg. Aber da \ H das Band nun einmal geschlossen ist — bis au das
eftA --lenstem & Vogler tn “rffurt o. M.. Berlin, "pzig, Cöln rc.; Rudolf Mr in Berlin, Frank-
tg $ furl a. M. ic
's । i vus Joano nun tuuiuu gquuvjicu i|i — vi» au vay ®*e Deiner Tage geschloffen, so müßtest Du es zu einer Z -l * im wahren und rechten Sinne des Wortes machen, | *5 Junge. Warum hast Du Dir sonst die Schlinge so
0 ’ wtyig um den Nacken legen lassen?"
'Zz ®corg lachte spöttisch. „Ja, warum, William? — fl ’ sagte Dir schon, weil ich ein Tropf war von jeher, ' M und bis zuletzt, weil ich mit offenen Augen schlief.
7 weine besten Jahre, meine Körper- und Geisteskräfte > ganze Zeit habe ich dem Alten geopfert, immer für Nutzen gearbeitet und einen erbärmlichen Gehalt be- nur um jetzt wo mir der Lohn zufallen sollte, gc- W, betrogen zu werden. William, wenn ich so einer Finna während dieser langen zehn Jahre gedient