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Marburg, Mittwoch, 21. August 1878

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[ Alle Nachrichten, welche über die Bcrathungen des Sozialistengesetzes im Ausschuß des Vundcsrathes für Justiz- Lesen verbreitet worden sind, werden mit großer Vorsicht

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wald, Fritzlar, Grebenstein, Großalmerode, Gudens­berg, Hersfeld, Hofgeismar, Lichtenau, Melsungen, Naumburg, Nentershausen, Netra, Niederaula, Niederwildungen, Oberkaufungen, Notenburg, Schenk­lengsfeld, Sontra, Spangenberg, Veckerhagen, Volk­marsen, Wannsried, Witzenhausen, Wolfhagen, Zie­renberg ;

Bezirke des Landgerichts zu Hanau:

zu Bergen, Bieber, Birstein, Burghaun, Eiterfeld, Fulda, Gelnhausen, Großenlüder, Hanau, Hilders, Hünfeld, Langenselbold, Meerholz, Neuhof, Orb, Sal­münster, Schlüchtern, Schwarzenfels, Steinau, Wäch­tersbach, Weyhers, Windecken:

Bezirke des Landgerichts zu Marburg:

zu Amöneburg, Battenberg, Biedenkopf, Borken, Frankenberg, Fronhausen, Gladenbach, Homberg, Jes­berg, Kirchhain, Marburg, Neukirchen, Neustadt, Oberaula, Rauschenberg, Rosenthal, Treysa, Vöhl, Wetter, Ziegenhain;

außerdem:

Kreise Schmalkalden:

zu Brotterode, Schmalkalden, Steinbach-Hallenberg.

Stichwahlen.

Schönau-Hirschberg. Gewählt Bunsen (nat.-lib.) Herzberg-Goslar. Gewählt: List (nat.-lib.) mit utender Majorität gegen Hoppenstedt. (D. Reichsp.)

Plauen (23. sächsischer Wahlkr.) Gewählt: Land­mann (nat.-lib.)

Hagenau-Weissenburg. Gewählt: Schmitt-Batistan (ultram.) mit 13560 gegen Kreisdirektor v. Stichaner mit 8668 Stimmen. 2 Gemeinden fehlen.

Harburg, 19. August, Mittags. Bis jetzt erhielt Grumbrecht (nat.-lib.) 7767, (Grote Partik.) 8019 Stim­men. Etwa 30 Bezirke fehlen noch, doch ist die Wahl Grote's unzweifelhaft.

Dillenburg (5. nassauischer Wahlkreis.) Gewählt: Thilcnius (nat.-lib.) mit 7931 gegen Stamm (conserv.) mit 3514 Stimmen.

Zweibrücken. Schmidt (nat.-lib.) erhielt 9880, Jäger (ultr.) 8430 Stimmen. 10 unbedeutende Wahlorte fehlen noch. Schmidts Wahl ist gesichert.

««.eigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte«, igpie d.Ännsncen-Bureau Mn Tb- Dietrich & Co. i

Herodias.

Roman von W Höffer.

(Fortsetzung.)

Aber Georg that, was er wollte, mochten Andere da-

Leipzig, Cöln K.; Rudol, Mise in Berlin, Frank­furt a. !Üt. ic.

Tagesbericht.

Der „Reichsanzeiger" publicirt eine königliche Verord­nung vom 26. Juli, betr. die Errichtung der Amtsgerichte. Mch derselben sind folgende Amtssitze bestimmt worden: im Bezirke des Landgerichts zu Cassel:

zu Abterode, Mendorf, Arolsen, Bischhausen, Cails- hafen, Cassel, Corbach, Eschwege, Felsberg, Friede-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoneen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a.M.;Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld- C. Schlotte in Bremen.

V* N denken, was ihnen beliebte.

Tipoo kam und meldete ihm in den leisen melodischen toten der Hindusprache, daß drüben in den Zimmern der fleö tot) servirt sei. Schon wieder eine Plage! — mußte man i 6« ton essen, wenn cs dem Magen oder der Sitte beliebt? Hi " Zwei Uhr! er war gewohnt, nach Sonnenuntergang eit i £ speisen und halbliegend, trinkend, rauchend beim Näch­st Stunden zu verplaudern, bis der Mond über den Ochern stand und leise Kühlung eine abendliche Prome- , Nt gestattete.

Bon den bisher gewählten 9 Sozialdemokraten werden er ( nabe zwei Drittel aus dem Königreich Sachsen in den [22 teichstag gesandt. Wiedergewählt sind Bebel, Bracke und . S Ückknecht. Hingegen sind durchgefallen Most, Motteler

j tob Auer. Während also früher Sachsen unter 12 So-

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Aug. Der Verwaltungöbericht des städtischen Krankenhauses aus dem vorigen Jahre ist soeben erschienen und ergiebt, daß die Belegung der ganzen Anstalt gegen das Vorjahr wieder auffallend zugenommen hat. Die Ge- sammtzahl der behandelten Kranken betrug 5342 (gegen 4134 im Jahre 1876), und die Durchschnittszahl der täg­lich anwesenden Patienten ist von 472 (1876) auf 532 gestiegen. Wie hiernach zu erwarten, war die zeitweilige Ueberfüllung der einzelnen Abtheilungen des Krankenhauses denn auch noch bedeutend stärker als im Jahre 1876, so daß zu verschiedenen Auskunftsmitteln, um eine zu starke Belegung der Räume zu verhindern, geschritten werden mußte. Eine Anzahl der Tagesräume der Pavillons mußte den größten Theil des Jahres hindurch mit Kranken belegt werden, eine Maßregel, die bei dem zur freien Bewegung der nicht bettlägerigen Kranken noch immer hinlänglichen Raum durchaus ohne Bedenken ist. Außerdem erfolgte an den Tagen der stärksten Belegung und Aufnahme zeitweilig Evakuation von kleinen Krankentransporten nach dem Ba- rackenlazareth in Moabit. Bei dieser dauernden Fülle der Anstaltsräume ist umsomehr hervorzuheben, baß die Ein­richtungen der Pavillons auch int verflossenen Jahre sich durchaus gut bewährten und namentlich die Ventilations­und Heizungsvorrichtungen nach wie vor sich zur Erhaltung einer salubren Luft in den Krankensälen vorzüglich geeignet gezeigt haben. Die Kosten für einen Kranken betrugen 2291 M. oder 30 pCt. weniger als 1875. — Die Kinder­pflegerinnen - Schule des hiesigen Fröbelvereins wird Ende September wieder eine Anzahl junger Mädchen entlassen, welche diese Schule ein Jahr lang besucht haben. Sie sind zur Pflege jüngerer Kinder und zur wirthschaftlichen Aushilfe in der Familie vorbereitet. Das Gehalt, welches zigen Schmuck eine unter Spitzen halbversteckte mattgoldcne Broche, sonst aber keinerlei Farben.

Georg begrüßte sie mit seiner gewöhulichen Noncha­lance. Das alles waren ja offene oder nur halbversteckte Feinde, sie selbst, der Vater und der ganze Wust von so­genannten conventionellen Pflichten, — er fühlte bei dem Anblick dieses schwarzen Kleides und des ruhigen stolzen Lächelns einen unbesiegbaren Widerwillen in sich aufsteigen.

Hinüber zu ihm, in fein Blumenreich voll Götterge­stalten und Farbenglanz war Mathilde nie gekommen, sie verschwendete keinen Blick, kein freundliches Wort, um ihn an sich zu fesseln.

Das wäre auch verlorene Mühe gewesen. Ein Lächeln kräuselte die feinen Lippen, ein Name hallte leise, ganz leise nach in dem schneller pochenden Herzen — „Daschka!"

Er pflückte im Geiste die weiße Lotosblume und streute die Fluth wohlriechender, sammetartig weicher Blätter auf schwarzes Lockenhaar; er sah in glühend dunkle Zauber­augen und hörte über seinem Haupte Palmen rauschen, athmete den Duft aus tausend tropischen Blüthenkelchen.

Mechanisch hielt die Hand den Löffel; Georg hatte vergessen wo er war.

„Soll ich Dir den Curry bringen lassen, Georg?" fragte Mathilde. „Du ißt nicht."

Er schrak auf. „O, pardon! aber wahrhaftig, es ist mir unmöglich, diese deutschen Speisen herunterzubringen. Du hast einen Halbwilden geheirathet, meine gute Mathilde, das vergiß nicht. Alle Eure Gemische schmecken nach Re­signation und Sündenbewußtsein, ganz wie Eure Worte, — ich bin aber ein Buddhaist, dem es im gegenwärtigen Leben Wohlergehen muß, denn jenseits desselben liegt ^Nir­wana, das ewige Grau —*

„Georg, findest Du es nicht unpassend, in Gegenwart Deines Dieners dies Gebiet zu berühren?"

Ach, Indien — verlorenes Paradies!

Tipoo warf ihm den Plaid um die Schultern, öffnete seinem Gebieter alle Thüren und verbeugte sich mit euzten Armen bis auf den Fußboden, als jetzt aus einer ren Portiere die junge Frau des Hausherrn hervortrat, <8evrgs Frau, gegen die er eine „heimliche Antipathie" e, die, seit acht Tagen mit ihm vermählt, kaum eben diele Worte von seinen Lippen gehört, ja, die ihn zu- rn während ganzer Tage nicht zu sehen bekam.

Mathilde Hardenberg, die Bruderstoehter des alten Herrn also Georgs Cousine, konnte vielleicht zwanzig zählen. Sie war groß und schlank, mit edlen en, aber stolzen Zügen; jede ihrer Bewegungen blieb .essen; derselbe Hauch des Ernsten, Verschlossenen, wel- sich auf dem ganzen Hause gleichsam eingefroren zu T^en schien, zeigte sich deutlich, obwohl von mädchenhafter tz fduth gemildert, auch auf dieser vornehmen, eleganten ^fcheinung. Sie trug ein schwarzes Kleid und alö eiu-

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vifzunehmen fein, und zwar schon deshalb, weil die in den

sie neben freier Station zu erhalten pflegen, beträgt 150 bis 240 M. Nähere Auskunft ertheilt die Vorstandsdame Frau Unglaube, Magdebnrgerstraße 32. — Der neue Kursus beginnt Anfangs Oktober. Ausgenommen werden Mädchen, welche Elementarkenntnisse erworben haben, und wenigstens 15 Jahr alt sind. Die Schülerinnen werden Nachmittags in der deutschen Sprache, in Handarbeiten und in der Beschäftigung der Kinder nach Fröbel'scher Weise unterrichtet. Vormittags werden sie den Kindergärten oder Familien zugewiesen, um hier praktisch beschäftigt zu werden. Das Schulgeld beträgt 3 M. monatlich und außerdem 3 M. halbjährlich für Lehrmittel.

Offenbach, 19. Aug. Heute Vormittag ist die von der hiesigen Handelskammer eingeladene chinesische Gesandt­schaft hier eingetroffen und zunächst nach der eigens für sie veranstalteten Ausstellung von hiesigen Jndustrieerzeug- nissen gefahren.

Suttgart, 17. Aug. Der „Schwäb. Merkur" schreibt: Die Veröffentlichung des Entwurfs des Sozialistengesetzes lenkt nachdem der Wahlkampf vorüber ist, die Aufmerk­samkeit auf den Punkt zurück, von dem die Reichstags- wahlen auögegangen sind und der als der beherrschende Mittelpunkt der ganzen Wahlbewegung nicht aus dem Auge hätte verloren werden sollen. Das deutsche Volk war dazu berufen, die Moral aus den Unthaten der Sozialisten zu ziehen und der Regierung die Mittel zur Bekämpfung und womöglich Ausrottung dieser verderblichen Sekte an die Hand zu geben. Statt dessen trennte sich in einem großen Theile Deutschlands die Wählerschaft in — liberal und konservativ, was für den vorliegenden Zweck wie die Faust aufs Auge paßte. Ein erbitterter Krieg entstand zwischen Solchen, die eng zusammengehörten, und verdächtige Al­lianzen wurden ad hoc abgeschlossen, welche die seit dem Jahre 1870 natürlich gewordene Parteibildung mit einmal auf den Kopf stellten. _ Daß es von einem Th.il der Na­tionalliberalen eine falsche Taktik war, nach den Attentaten plötzlich nach links zu schwenken und sich mit einer Partei zu verbinden, welche von der Begründung der Reichsver- fassung an in allen wichtigen Fragen mit den Gegnern des Reichs zu stimmen pflegte, scheint jetzt allmählig doch ein­gesehen zu werden, Wenigstens beginnt die „Nat.-lib. Corr." sich darauf zu besinnen, daß es bisher die konservativen und gemäßigt liberalen Parteien gemeinschaftlich waren, welche gegenüber einer Coalition, die, so bunt sie war, doch im Verneinen stets sich zusammenfand, die positive Arbeit für das Reich besorgten. Sie schreibt nämlich jetzt: „Man muß mit äußerster Spannung dem Schauspiel entgegen­sehen, wie sich in der praktischen Arbeit die Parteien des Reichtags unter einander und zu der Regierung stellen werden. Glätten, ebnen und abschleifen mag sich im Laufe

„Nirwana?" lächelte er. „Tippoo kommt auch da­hin und nebenbei ist er weniger mein Diener, als mein Freund und Bruder. Ich habe Tippoo das Leben gerettet, er schenkt mir dafür dieses Leben, — das ist alles."

„Versteht er unsere Sprache?" fragte lebhaft die junge Frau, als sie jetzt sah, daß der Hindu die Hand Georgs ergriff und zärtlich küßte.

„Tippoo? Nein, gewiß nicht. Seine Zunge würde dabei zerbrechen. Aber er sah, daß ich mit Dir von ihm sprach, er fühlte, daß ich sagte, wie lieb er mir sei."

Mathilde schob ihren Teller zurück. „Georg, hast Du Zeit, mich einen Augenblick anzuhören?" fragte sie halb zagend. „In Deinem Interesse natürlich."

„Das heißt, um an meiner Zähmung zu arbeiten, nicht wahr? Ich fürchte, Du verschwendest Deine Fürsorge, meine beste Mathilde. ° '

»Daö ist möglich", entgegnete sie purpurn erglühend, „doch wolle immerhin bedenken, daß ich eine Harden­berg bereits war, ehe mich unsere Heiralh dazu machte, Georg. Es ist daher das Ansehen dieses alten Namms, welches —"

Georg rückte unsanft den Stuhl vom Tisch und erhob sich. „Du kannst Dir die Mühe weiterer Auseinander­setzung sparen, beste Mathilde," sagte er kalt. „Ich weiß das Alles vom Vater. Mein brauner, heidnischer Freund — wie ihr behauptet! — mißfällt Euch, es ist in guten Bürgerhäusern nicht Sitte, daß ein Diener vorangeht und die Thüren öffnet, Ihr werdet redicül durch daö son­derbare Gewand, welches ich trage, Ihr haßt den Turban! — well, sogar in Calculta unter der fashionablen euro­päischen Welt gilt eö für excentrisch, die Kleidung ber Eingebornm zu tragen, aber mir beliebt es so und daher darf 9tiemanb dreinreden, auch Du nicht. Behalte Dein

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