XIII. Jahrgang
Marburg, Dienstag, 20. August 1878
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Roman von W Höffer.
(Fortsetzung.)
Der JustizauSsckuh des BundesrathS hat in seiner estrigen Sitzung', wie die Nat.-Ztg. hört, bereits die ersten Paragraphen deS Sozialisten-Gesetzes angenom- DaS Hauptbedenken hat sich dem Blatte zufolge bei Debatte gegen das „Reichsamt für VereinSwesen und se' gerichtet. Namentlich soll Baiern und nicht minder Lrttemberg und Sachsen sich dagegen erklärt haben, n verschiedenen Seiten wäre das künftige Reichsgericht Stelle jenes Reichsamtes als Beschwerde-Instanz Vorschlägen worden, ein Vorschlag, der noch keine Berücksich- ng fand. Auch ein anderer Ausweg, welcher gegen Je besorgten Eingriffe in die innere Verwaltung der Ein- Kraten dadurch schützen sollte, daß man denselben eine itwirkung bei der Bildung des Reichsamtes zugestehen dte, fand nicht die erforderliche Zustimmung. Mit der »ahme der vier ersten Paragraphen hatte man sich für Prinzip des Gesetzes in dem Ausschüsse entschieden, k Berathunz ist gestern wieder ausgenommen worden man hoffte sie bald beendigen zu können. Die ent» idente Plenarsitzung sollte alsdann, wie dasselbe Blatt am Montag oder spätestens Dienstag stattfinden.
Bromberg: v. Schenck (cons.) erhielt rund 8000 Stimmen, Koczorowski (Pole) 5200. Obgleich einige kleine Bezirke noch fehlen, ist doch eine wesentliche Aenderung ausgeschlossen.
Celle: Die Wahl Oberst Halkett's (Partikularist) scheint gesichert.
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gemeinen Strafbestimmungen des Reichsstrafgesetzbuchs unterliegen. Auö den einzelnen Strafbestimmungen des Entwurfs verdienen besonders folgende hervorgehoben zu werden. Mit Strafe bis zu 10 Mk. ist Derjenige, welcher, abgesehen vom Hausfriedensbruchs, ohne Befuguiß auf einem Grundstück sich aufhält und auf Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt; die Strafverfolgung tritt auf Antrag ein. Mit derselben Strafe ist Derjenige bedroht, welcher ohne Erlaubniß des Waldeigenthümers Kräuter, Beeren oder Pilse sammelt, oder falls er einen Erlaubniß- schein hat, diesen beim Sammeln nicht bei sich führt. Mit 50 Pfg. Geldstrafe ist Derjenige bedroht, welcher mit unverwahrtem Feuer oder Licht den Wald betritt oder sich demselben in Gefahr bringender Weise nähert, ferner welcher im Walde brennende oder glimmende Gegenstände (also auch glimmende Cigarrenrester) fallen läßt, fortwirft oder unvorsichtig handhabt. — Im Anschluß an die Strafbestimmungen regelt der Entwurf durch eine Anzahl Bestimmungen die Befugniß zur Errichtung von Feuerstellcn in der Nähe größerer Wälder. Diese Bestimmungen regeln das Verfahren bei der Begründung einer derartigen Feuerstelle in wesentlich gleicher Weise, wie daö Gesetz vom 25. August 1876 das Verfahren bei der Gründung neuer Ansiedelungen. Die Genehmigung der Anlegung von Feuerstellen in der Nähe von fremden Waldungen kann nach dem Enttvurf von der OrtSpolizeibehörde behufs Verhütung von Feuersgefahr versagt oder bedingungsweise ertheilt werden. Gegen die Genehmigung der Anlage hat der Wald- eigcnthümer ein Widerspruchsrecht und nach trotzdem erfolgter Genehmigung der Polizeibehörde ein Klagerecht gegen diese Behörde im Verwaltungsstreitverfahren. Das An- siedelnngSgcsetz vom 25. August 1876 wird durch die hervorgehobenen Bestimmungen, wie der Entwurf ausdrücklich betont, nicht verändert, fondern nur ergänzt.
Die „Post" hört, daß die europäische Commission für die Ausarbeitung der Organisation OstrnmelieuS am 13. September in Konstantinopel zusammentrete. Am nämlichen Tage trete auch die Commission für Bulgarien an demjenigen Orte Bulgariens zusammen, wo der russische Commissär seinen Sitz nehme.
Stichwahlen.
Forchheim: Die Wahl des Fürsten Hohenlohe (frei» cons.) gegen Walter (nat.-lib.) ist gesichert.
Heilbronn: Härle (Volkspartei) erhielt bis jetzt 10,000 St., Engelhaaf (nat.-lib.) 7000 Stimmen. Die Wahl Härle's ist unzweifelhaft.
Konstanz-Ucberlingen: Gewählt Heilig (nat.-lib.) mit 10,296 St. Prinz Wilhelm von Baden erhielt 9612 St. am Platz, welche sich noch gegen den neuen Tarif sträubten, — das ging nicht länger." *
Eine Stunde später befand stch der junge Mann oben in seiner Privatwohnung. Der erbitterte Streit des Vaters mit dem Sohne war das nothwendige Ergebniß innerer Gegensätze, die Kluft, welche zwischen diesen beiden einander so nahe stehenden Männer» heimlich längst unter der Oberfläche verborgen gewesen, hatte sich heute in ihrer ganzen Tiefe offen gezeigt. Herr Hardenberg war außer sich, als habe ein fchwerer Schlag ihn betroffen. Georg diSponirte nicht allein für seinen Theil völlig unbefugt, sondern sogar selbstständig, ganz ohne Weiteres, als sei er Herr der Firma uud habe nur zu befehlen.
„So gib doch den Leuten, die mit ihrer besten Lebenskraft Deine Millionen zusammenscharren, wenigstens Brod, laß sie sich satt essen!" hatte er im Tone herber Verachtung gesagt. „Das ist besser Vater, als an jedem Sonntag in die Kirche gehen, denn das kann und thut auch Der, welcher seinen Nächsten täglich bestiehlt. Gott läßt sich ja doch kein X für ein U machen, nicht wahr?"
Und damit war er fortgegangen, halb zornig, halb lachend. Auf dem Flur führte ihm das in so kritischen Momenten gewöhnlich hohnlächelnde Unglück gerade eine Deputation der Arbeiter entgegen, die Meister aus allen Fabriksälen, welche im Namen der Leute den Chefs ihren Dank abstatten sollten. WaS nun? sie dem Vater zuführen? Er schwankte nicht lange; das war ganz unmöglich und so nahm er denn die sechs Männer kurz entschlossen mit hinauf in seine Privatwohnung, ließ ein paar Flaschen Wein bringen, sprach von Menschenrechten, dem Beruf des Großcapitals und der Umwälzung aller Verhältnisse im Allgemeinen, kurz, er entzückte die Abgesandten und war selbst, alö er sie entließ, in eine bessere Stiuimung
Der im landwirthschaftlichen Ministerium bearbeitete lean» k- und Forstpolizeigesetz-Enttvurf, welcher dem Staats- inisterium zur endgültige» Beschlußfassung vorliegt, besaßt h sehr eingehend mit der Aufstellung von umfassenden Strafbestimmungen, um den Forsten, Aeckern, Wiesen, ■ "-•! Hirten, Baumschulen rc. gegen unbefugte Eingriffe Frem- ai» 1 i in das Eigenthum der gedachten Kategorie eine höhere - Sicherheit zu gewähren, als durch die gegenwärtige Gesetz- I tbung in Preußen zu erreichen ist. Im Allgenieinen 1 fei »ach dem Entwurf Feld- und Forstfrevel an Sonn- \ «d Festtagen, in der Nacht, bei gemeinsamem Zuwider- ebeht mehrerer Personen und im Rückfall schärfer be- k»st werden als dieselben Frevelthaten unter gewöhnlichen kchältnissen. Dienstherren sollen, falls sie von den lieber» Ittlingen ihrer Dienstleute gewußt und dieselben nicht ver- t 18% pdert hatten, stets solidarisch mit den Thätern für die gen die Letzteren erkannte Geldstrafe (nicht aber fnr le erkannte Haftstrafe) und die Kosten des Verfah- kM haftbar sein. Für die von Kindern unter 12 Jahren trübten Forst- und Feldfrevel sollen die davon Keuntniß kbtnbcn Dienstherren (Eltern) allein zu der für die Thal tormirte Geldstrafe verurtheilt werden. Die L-trasbestim- mngen deS Entwurfs beziehen sich nur auf Entwendungen lb Beschädigungen im Werthe unter 10 Mk., dagegen aßn Nltn Entwendungen und Beschädigungen im Werthe über 22S- IG Mk als Diebstähle resp. Sachbeschädigungen den all-
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Anzeigen nimmt entgegen: dieExpeditiond.BlaiteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst: Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Aug. Den heutigen Blättern entnehmen wir noch folgende weitere Einzelheiten über die Hinrichtung des Meuchelmörders Hödel. Am Donnerstag Abend gegen 7 Uhr fuhr der Gefängnißwagen mit dem Delinquenten in den Hof des Zellengefängnisses ein. Hödel wurde hier in die sogenannte Armsünderzelle gebracht, in welcher auch Louis Grothe die letzten Lebensstunden zugebracht hatte. Bei seiner Einlieferung waren zugegen Oberstaatsanwalt v. Luck, Stadtgerichtsrath Hollmann, Director und Jnspector der Anstalt, Scharfrichter Krauts, Prediger Heinicke, der Commissionsrath Vilter, Castellan Kröhl und die Gerichtsboten Dietze, Ackermann und Schmidt. Nochmals wurde ihm sodann daö Todesurtheil vorgelesen und Oberstaatsanwalt v. Luck in Begleitung des Directors der Anstalt versuchten dem Todescandidaten zu Gemüth zu führen, er möge sein Gewissen durch ein reumüthiges Bekenntniß seiner Schuld erleichtern. Auf die Frage, ob es ihm denn nicht leid thue, ein so scheußliches Verbrechen gegen den Kaiser, seinen Landesherrn, verübt zu haben, antwortete Hödel mit frecher, lachender 'Ricne: „Ich weiß gar nicht, was sie von mir wolle»; was soll mir denn leid thun? Ich weiß ja gar nicht, was ich gethan haben soll." Auch aus weiteres Einreden hatte Hödel nur freche und frivole Antworten, so daß Oberstaatsanwalt v. Luck die Zelle kopfschüttelnd und mit dem Bewußtsein verließ, daß hier nichts mehr zu bessern sei. Bald nachher wurden Hödel auch hier die üblichen Fragen nach seinen letzten Wünschen vorgelegt, namentlich bezüglich etwa von ihm gewünschter Speisen und sonstiger leiblicher Genüsse. Auf die Frage, was er essen wolle, antwortete Hövel: „Ich bin doch kein Koch, wenn sie mir die Speisekarte vorlegen, werde ich mir schon etwas aussuchen!" Die Frage, ob er Wem wünsche, beantwortete Hödel mit: „Natürlich!" Dieselbe Antwort halte er auf die Frage, ob er Cigarren haben wolle. Unmittelbar nachher traf der Geistliche des Stadtvoigtcigefängnisses, Herr Pastor Heinicke, in Moabit ein. Ihm fiel die Aufgabe zu, dem Verurtheillen in der Nacht vor der Hinrichtung seinen Beistand anzubieten, während dieö das Amt deS Moabiter Anstalts-Geistlichen nicht ist. Hödel verbrachte einen Theil der Nacht rauchend, einen anderen, kleinen Theil schlafend. Der Geistliche hielt sich fortdauernd in seiner Nähe. Er
gekommen. Der Sauerteig hier im Norden, mochte er gähren so stark er wollte, mußte doch endlich der besseren Erkenntniß weichen. Sollte man denn Millionen besitzen und dabei weder andere Herzen erfreuen, noch sich selbst glücklich fühlen dürfen — Lächerlich!"
Als die Leute fortgegangen waren, eilte er aus dem vorderen Comptoir in sein Wohnzimmer und schien aufzuath- men, wie befreit, wie erlöst von drückenden Bauden. . .
„Tippoo!"
„Sahib?"
Und aus den Falten der nächsten Portiere trat ein schlanker, dunkeläugiger Hindu mit weicher, brauner Hautfarbe und fchwarzem, kurzem Gelock. Georg streckte ihm stumm beide Arme entgegen.
Der Rock und die beengende Halsbinde verschwanden, ein dntikelseidenes langes Gewand umschloß jetzt den hoch- gewachsenen jungen Mann und um das Haar wand ihm Tippoo ein weißes Tuch. Den Beschluß machte die Hoo- kah, die lange Schlauchpfeife, mit gläsernem, auf dem Fußboden liegenden Kopf.
Tropische Wärme durchfluthete die beiden großen, nur mittelst eines Vorhanges getrennten Zimmer, tropische Pflanzen grünten und blüthen an Stelle der Möbel überall, und nur ein paar niedere bequeme Sophas, hier und da zwischen den üppigen Ranken placirt, litten zu jener halb- liegende» Stellung ein, aus welcher der Südländer selten herauSkommt. Georg hatte unbekümmert Tausende verwendet, um diese von Gold und Seide, Blumen und Kunstwerken glänzende Einrichtung zu schaffen, er fügte täglich Neues hinzu, kaufte Statuen und ausländische Vögel, ließ einen Springbrunnen en miuiature Herstellen und die un- lichsamen, aber so unentbehrlichen deutschen Oefen mit be- foi.b ter laubenartiger Umgebung versehen, so daß er sich
OrfAtint täglich außer an den Werklagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckereil bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr». — JnsertwnSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ei weilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
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Ulrich in Frankfurt a.M.; SZ-- v-fc" «ntfurt e. M.. Berlin, •Li«, Cöln rc.; Rudolf Tin Berlin, Frank- ”” furt a. M. rc.
e, stä ' Und während er mit erhobener Stimme diese Worte zu wach, war der junge Mann sckön. Sein Auge leuchtete, [22H jeiuer Stirn strahlte die Reinheit des Bewußtseins, —
A streckte beide Hände auö und trat dem Alten näher. Wäff Auer," sagte er herzlich, „laß uns nicht so ärgerliche $nge erörtern. Du und ich, wir sind int Augenblick Verhältnissen nach zwei Fremde, die sich, Mann Wn Mann, über alle Aeußerlichketten ihres Verkehrs Mi einigen müssen. Laß Du mir die Lebensgewohn- $te» des Indiers, meinen Sklave», meine Hookah, die Abstattung oben und das Reitpferd, welches mich, allen ^istlich-germanischeu KaufmannSgewohnheiten zum Trotz, Mch zur Börse trägt. Niemand in Indien geht zu Fuß Ner, warum soll ich mich also jetzt wider Willen daran Avyhuen, nur weil Andere es so machen?"
Der Alte schüttelte den Kopf. „Lassen wir das, Georg, Archen wir von anderen Dingen. Es müssen Arbeiter '-Ichrieben werden, denn —"
O!" tief Georg, „das war's ja, waS ich noch sagen Mir. Unsere Leute fangen morgen wieder an."
Hardenberg traute seinen Ohren nicht. „Woher weißt M das, Georg? Die sogenannten Delegirten — das N ist wahnsinnig geworden! — meldeten mit erst ge- «ttt Morgen, daß der Strike konsequent dutchgefühtt ^tde» würde." .
. „Well! aber gestern Abend habe ick die propoiurte lb.7^ Anzulage Namens der Firma bewilligt, Vater. Wtr
?tttten es geben und die Arbeiter haben ein Recht, es zu ___*®tbtni. Hardenberg und Sohn waten die Letzten hier