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Marburg, Sonntag, 18. August 1878
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die dabei erlittenen Verluste lassen doch immer mehr das Bedauern hervortreten, daß Graf Andrassy den Abschluß einer Convention mit der Türkei für überflüssig erachtet hat, da hierdurch voraussichtlich das Blutvergießen hätte vermieden werden können. Es scheint nun auch in der That, daß man jetzt das Verspätete — soweit eö noch möglich ist — nachzuholen gedenkt, denn Berichte aus Wien melden, daß bezüglich der Convention eine Annäherung zwischen den Cabineten von Wien und Konstantinopel erfolgt sei. In diesem Sinne ist auch die Entsendung Mehemed Ali's nach Bosnien zu betrachten. Hoffentlich gelingt eö seinem Einflüsse, die bosnische Bevölkerung von weiterem Widerstande abzuhalten, der doch nur zur Verwüstung des Landes führen könnte. Neben den Sorgen, welche Bosnien der Pforte bereitet, fehlt es auch nahezu in allen anderen Theilen des Reiches nicht an Unruhen und unangenehmen Vorkommnissen. Die Lazen bereiten sich zum heftigsten Widerstande gegen die russische Besetzung vor, der Rhodope- Aufstand ist noch immer nicht erloschen, in Thessalien und Epirus dauert die Gährung fort und die Russen können sich noch immer nicht entschließen, die unmittelbare Nachbarschaft Konstantinopels zu verlassen, obwohl die Türken aut fortwährendes Drängen von Totleben und Lobanoff die Festung Varna übergeben haben. Freilich heißt es jetzt, daß die Einschiffung der Garden am 19. August in San Stefano beginnen soll, doch ist dieses Gerücht schon so oft verbreitet gewesen, daß man ihm jetzt ein nicht ungerechtfertigtes Mißtrauen entgegensetzt. Die englische Flotte hat Befehl erhalten, ihren Rückzug dann zu bewerkstelligen, wenn auch die Russen ihre gegenwärtige Stellung verlassen. Die griechische Frage harrt noch immer der Erledigung; in Konstantinopel scheint man die Sache hinzuziehen, obwohl anscheinend von auswärtigen Mächten ein Druck auf dieselbe ausgeübt wird. In England wurde das Ministerium von Sir Charles Dilke über diese Angelegenheit befragt, und er erhielt die Antwort, der Regierung sei nicht bekannt, daß die Türkei jede Grenzberichtigung ablehne.
Zeit noch in Homburg; der ursprüngliche Plan, nach welchem derselbe sich zu den Feierlichkeiten bei der am 22. d. Mts. stattfindenden silbernen Hochzeit des Königs von Belgien nach Brüssel begeben sollte, ist wegen der bevor- - flehenden Ankunft des Königs von Holland in Berlin auf- f gegeben worden; der Kronprinz wird vielmehr in den -nächsten Tagen in die Reichsh.niptstadt zurückkehren, um ° euch bei der Trauung der Prinzessin Marie mit dem Prinzen [Heinrich der Niederlande seinen kaiserlichen Vater zu ver- [Ireteii. Durch Deeret vom 5. August wurde der Bundes- palh auf den 14. d., durch ein zweites vom 9. August der --Reichstag auf den 9. September einberufen. Der erstere ^at bereits den von der preußischen Regierung umgearbei- fccit Entwurf eines Socialistengesctzes zu berathen Gelcgeu- jheit gehabt; nach den bisher an die Oeffentlichkeit gelangten fRachrichten dürfte die Annahme desselben auf keinen nennens- ivrrthen Widerstand stoßen. Heute am Freitag Morgen Wurde Hödel im Hofe des neuen Gefängnisses in Berlin »lhauptet, und damit, wie in der Bestätigung des Urtheils «sagt wurde, der Gerechtigkeit freien Lauf gelassen.
In Frankreich hat sich die zeitweise hervortreteude Unzufriedenheit mit den Ergebnissen des Berliner Friedens Wieder gelegt und man erkennt an, daß sich Herr Wad- Wugton in Berlin um die Erhaltung des europäischen Frie- Wis nicht unerhebliche Verdienste erworben hat. Trotz vieler Mufeindungen gewinnt die Republik in Frankreich immer Wehr Anhänger in allen Kreisen, auch sogar in der Armee, Ae Thatsache, die durch die Ableugnung der Oppositions- Rätter nicht auS der Welt geschafft werden kann.
[ Der König von Dänemark ist mit der Königin und gt Prinzessin Thyra nach England gereist. Prinz Louis Ripoleon war von Norwegen nach Kopenhagen gekommen Wd hatte der königlichen Familie einen Besuch gemacht, f Die österreichischen Truppen sind beim weiteren Vordringen in das Innere Bosniens auf heftigen Wider- Md gestoßen. Die Gefechte bei Zepce, Juice und Tuzla Wien gelehrt, daß die Bosnier von der beglückenden Mission Österreichs durchaus nichts wissen wollen. Daß der Wider- Md der bosnischen Freischaaren das Vorrücken der Oester- Mcher nicht aufhalten könnte, war zwar vorauszusehen, aber
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Herodias.
Roman von W Höffer.
1 Fortsetzung.)
Hardenberg ging im Zimmer auf und ab, wie um
per Pause. „Es geht so nicht länger. Wie kommt R daß Du in Calcutta beträchtliche Schulden hinterlassen Sft?" '
Der Sohn fuhr plötzlich aus seiner liegenden Stellung ^dvr? „Meldeten sich etwa meine Gläubiger bei Dir, Mer?" rief er.
< »Natürlich, da Du ihnen Deine Abreise nicht angezeigt W1- Ich habe den Betrag sofort angewiesen; ein Har- ^«erg kann keine Schulden haben."
Georg athmete auf. „Das war sehr liebenswürdig von Vater!" rief er „Wahrhaftig, Du gabst mir für * dortigen Verhältnisse immer viel zu wenig Gehalt. ^Hardenberg kann noch weit eher Schulden haben, als Pch einem Handwerksgesellen leben, — das siehst Du wohl ein ?"
^Wieder schüttelte der Alte die Hand. „Jene Wechsel "'eingelöft," sagte er nachdrücklich, „aber dergleichen ^hieht für die Folgezeit nicht noch einmal, merke Dir Georg. Wovon Du die verschwenderische Einrichtung
^nes Hauswesens bezahlen willst, das ist Deine, nicht *">e Sache"
Georg ließ das Buch fallen und erhob sich plötzlich: Millionen der Hardenbergs, welche nach dem uner- ^>chen und längst überlebten Familiengesetz durch Heirath ^Generation auf Generation der Familie allein erhal- gbltiben, diese Millionen werden ja gestatten, daß der 7^ des Hauses ein paar Zimmer möblirt, wie er es
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gestern Abend aus der Stadtvogtei gebracht worden war und in der er die Nacht zugebracht hatte. Festen Schrittes ging Hödel zum Schaffst, indem er frech das zur Hinrichtung anwesende Publikum musterte. Dasselbe bestand aus den Mitgliedern des Staatsgerichtshofes, welcher das Todes- urtheil gesprochen, an der Spitze der Vicepräsident von Mühler, ferner der Oberstaatsanwalt von Luck, der Untersuchungsrichter Hollmann, General von Voigts-Reetz, mehrere städtische und Polizeibeamte, im Ganzen etwa 50 Personen. Stadtgerichtsrath Hollmann nahm hinter einem vor dem Schaffst ausgestellten Tisch Aufstellung, ließ den Delinquenten vor sich führen und verlas das von dem Kronprinzen bestätigte Todesurtheil. Die Bestätigungs- Urkunde trägt das Datum „Homburg, den 8. August." Bei Verlesung des Datums spie Hödel aus und rief zum Schluffe: „Bravo". Der Untersuchungsrichter wandte sich dann zu dem Scharfrichter Krauts, einem hübschen 34jährigen Manne, der in eleganter Toilette erschienen war, mit den Worten: „Ueberführen Sie sich von der Urkunde" und nachdem dies geschehen: „Und nun übergebe ich Ihnen den Klempnergesellen Heinrich Max Hödel zur Enthauptung." Der Scharfrichter sagte zu Hödel: „Kommen Sie , worauf letzterer rasch die drei Stufen zum Schaffot emporstieg und sich seines Rockes und der Weste entledigte. In diesem Augenblick ertönte das Armesünderglöckchen des Gefängnisses. Mit frechem Blick sah Hödel nach dem Glöckchen und lächelte dann den Anwesenden zu. Ein Scharfrichtergehilfe zog ihm das Hemd über die Brust hinab, worauf der Meuchelmörder an Händen und Füßen gefesselt und mit dem Kopf in den Einschnitt des Blocks mit dem Gesicht nach unten, festgelegt wurde. Der Scharfrichter vollzog hierauf mit dem neuen, die Jahreszahl 1878 tragenden Beil mit sicherem Schlag die Enthauptung. Leise Bewegungen waren am abgeschlagenen Kopfe zu beobachten, der Rumpf zuckte kaum. Ein bereitstehender Sarg nahm die Leiche auf. Dieselbe wurde sofort in dem vorbereiteten Grabe im Gefängnisse beigesetzt. Den gestrigen Nachmittag hatte Hövel mit Briefschreiben verbracht, dann reichlich gegessen und getrunken und geraucht. Die Auf- forderuiig des Oberstaatsanwalts, vor dem Tode ein Ge- ständniß abzulegen, beantwortete Hödel keck mit den Worten: »Ich habe ja nichts gemacht." Das Polizeipräsidium erließ heute Morgen die gesetzmäßige Publikation des vollstreckten Todesurtheils. — Ich erfahre soeben zur Hinrichtung Hödels noch, daß derselbe, als ihm gestern die Cabi- netsordre, die seine Hinrichtung befiehlt, verlesen wurde, heftig erschrocken und sehr erbleicht war. Hödel verlangte Aufschub der Execution, weil er ein Gnadengesuch einreichen wolle. Die Erfolglostkeit eines solchen Gesuches wollte ihm nicht einleuchten; dann verlangte er, auf dem Kreuz-
„Also, um viel Geld ausgeben zu können. Ist das schön gedacht, Georg?"
Der Sohn zuckte die Achseln. „Es ist Nothwehr, wenn man bet dem Bewußtsein enormen Reichthums nicht mehr Gehalt bekommt, als irgend ein ariderer Commis, Vater. Auch als der Sohn des ärmsten Paria hätte ich für das, was ich leistete, von Dir die gleiche Vergütung beanspruchen können, und so wäre eö bei einer Weigerung, nach Europa zurück zu kommen, bis au das Ende meiner Tage geblieben, denn Du häufst Schätze, nur um sie zu häufen, nicht um sie zu genießen." w
„Du vergißt Dich!" bornierte der Alte. „Du bist aus Indien, wo ich Dich, Gott sei es geklagt, zehn Jahre lang Dir selbst überlief als Verächter alles Heiligen, als Spötter und Genußmensch, ja als Verschwender zurückgekehrt. Du willst in vollen Zügen die Freuden des Daseins trinken, gleichviel aus welchem Becher, Du trittst frech mit Füßen, was durch Jahrhunderte alte Sitte geheiligt ist, und entblöbeft Dich nicht, mich Deinen Vater, der solchem -vhun und Treiben die gehörigen Schranken ziehen will, als geizig zu bezeichnen. Laß Dich warnen, Georg, Du hast einen jüngeren Bruder, das bedenke! — Johannes ist meine rechte Hand, mein anderes Ich im Comptoir, er besitzt mein vollstes Betrauen! — Laß Dich warnen, Du, dem das Erstgeburtsrecht zusteht! Einer von Euch' muß mein Compagnou werden, Einer aber kann es auch nur werden, denn die Firma heißt „Hardenberg und Sohn", nicht „Söhne". Willst Du leichtsinnig verschenken, was Dir Gott in die Wiege legt?"
Um die Lippen des jungen Mannes zuckte es, seine schwarzen Augen blitzten höhnisch. „Das ist recht, Vater", sagte er, „das ist recht, zieh ihn noch mit hinein in den erquicklichen Streit, Deinen deutschen, protestantischen, eiskalten Gott. Mir hätte et den Besitz des MiUionenver-
Anzcigcn nimmt entgegen: die Expedition d Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co- in Frankfurts. M.;Jäger'fche Buchhandlung daselbst; Hermann'fche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" bemerkt, daß die Fortführung der Staats-Eisnlbahil-Bauten, wofür durch besondere Gesetze Credite bewilligt sind, im Monat Juli 16,400,000 Mark erforderte.
Aus Berlin wird uns mitgetheilt: Die Hinrichtnng Hödels fand heute früh 6 Uhr iin Hofe des Zellengefäug- nisses statt. Selten ist wohl eilt Verbrecher so bodenlos frech gestorben, wie er. Kurz vor 6 Uhr verließ er, begleitet vom Prediger Heinecke, die Zelle, in welche er eben gewohnt ist, sie um sich zu sehen und wie sie ihm inmitten des Nordens seine schöne südliche Heimath wenigstens in glücklicher Selbsttäuschung zurückführen, nicht wahr?" fragte er mit herbem Tone.
Der Alte trat immer näher. „Dem Chef des Hanfes vielleicht," antwortete er, „aber das bist Du doch noch nicht, Georg."
Der Sohn sah jetzt leichenblaß aus, — fahl unter der braunen Haut. „Es fehlt doch nur die äußere Form!" rief er. „Du mußt in das Firmeurregister meinen Namen eintragen lassen, weiter nichts, Vater."
„Aber gerade das werde ich nicht khun, ehe Du Deine Lebensweise änderst, Georg. Mein Geschäfts - Compagnou erhält das Recht, selbst zu disponiren, über die Kasse zu verfügen, — dafür bist Du nicht reif."
Georg stand sprachlos. „Ich hätte also freiwillig das Land, welches ich liebe, die Verhältnisse in denen ich glücklich war, verlassen, ich hätte ein Mädchen, das mir vollkommen gleichgültig, ja antipathisch war, gezwungener Weise, einem lächerlichen Herkommen gemäß, geheirathet, nur um — auch hier Dein erster, ungenügend bezahlter Buchhalter zu bleiben, Vater? O, bann wäre ich von Dir auf das unerhörteste betrogen worden!"
Der alte Herr bezwang sich mit Mühe, aber seine Stimme klang heiser vor Erregung; er nahm im Sopha Platz, offenbar, um eine Stütze zu gewinnen. „Ich will mit Dir um das beleidigende Wort nicht rechten, Georg," sagte er halblaut, „ich will es nicht gehört haben, — diesmal noch nicht. 9iur antworte mir, weSbalb heira- thetest Du Deine Cousine, wenn Dir das Familiengesetz keine Achtung und das Mädchen teilte Liebe entflößen konnten?"
„Lediglich, um Chef der Firma zu werden!" rief Georg.
Politische Woche«-Ueberstcht.
, Die Genesung unseres Kaisers schreitet in erfreulicher ’ Weise fort; in den letzten Tagen hat derselbe mehrfach kurze Ausflüge in die Umgebung von Teplitz gemacht und bei deiiselben eine stets zunehmende Gelenkigkeit in den durch | die Schüsse des Meuchlers getroffenen Gliedern gezeigt, namentlich ist es dem Kaiser bereits wieder möglich ge= ßfp| wesen, mehrere Worte ohne zu große Attstrengung mit der "‘11 rechten Hand zu schreiben. Der Kronprinz venveilt zur
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