Str. 188.
Marburg, Dienstag, 13. August 1878
xni. Jahrgang.
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gnjtigen nimmt entgegen: Ht Expedition d.Blattes, „wie d-Annoncen-Bureaux Mn Tb. Dietrich & Co. in jtaflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Bifenftein & Vogler in nkfurt a. M., Berlin, izig, Cöln rc.; Rudolf Koffe in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
Ohnlfkssisllik jcitmiii.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie dAnnoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäzer'sche Buchhandlung daselbst;
Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte iu Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,3Auftrittes Sonntagsblatt" durch die Expedition «Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2» Mart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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| Tagesbericht.
|[ Aus Teplitz, Freitag 9. August, Abends, wird tele- Mzphisch gemeldet:
|[Der Großherzog und Prinz Ludwig von Baden trafen ■fett Abend um 7 Uhr mittelst Separatzuges auf dem Mlßig - Teplitzcr Bahnhofe hier ein, wo dieselben von der Emu Großherzogin und der Prinzessin Victoria von Baden M das Herzlichste begrüßt wurden. Zum Empfang waren Mch der Negierungsrath Merheller, der Kommandant des Militärbadehauses Pfisterer, der Bürgermeister Uherr, der Mh. Rath Dr. Seiche, die Mitglieder des Stadtraths und M Offiziere des Bürgerschützen-Corps auf dem Bahnhofe Mwescnd. Nachdem der Großherzog die Begrüßung der Mwesenden freundlichst entgegen genommen hatte, fuhr der- Me durch die festlich geschmückten Straßen, in denen die Mchützen Spalier bildetet), nach dem Herrenhause. — Das Mfinden Sr. Majestät des Kaisers ist ein fortgesetzt zu- Mdenstellendes. Der Kaiser war heute bei besonders guter jlitimmung und unternahm eine halbstündige Promenadenfahrt.
— Der kaiserlich russische General-Adjutant und Militär- fevllmächtigte in Berlin, General v. Reutern, welcher von Kssingen hier angekommen war, wurde heute vom Kaiser r Tafel gezogen. — Der deutsche Botschafter in Wien, inz Reuß, und der Militärbevollmächtigte v. Wedcll, e vorgestern, einige Stunden vor der Ankunft des isers Franz Joseph, hier eingetroffen waren, sind heute nd 8 Uhr wieder abgereist.
— Sonnabend 10. August. Se. Majestät der Kaiser fern gestern und heute Vollbäder. Das Befinden des " isers ist fortdauernd befriedigend. — Der Chef des Mili- abinets, General v. Albcdhll, ist heute von Homburg eingetroffen.
Dem Bundeörathe ist eine im ReichS-Eisenbahn-Amt Afgestellte zweite Uebersicht über den Umfang, in welchem W aus den Berathungen deutscher Staats- und Privat- tchuen hervorgegangene einheitliche Tarifsystem fernerweit jnr Einführung gekommen ist, zur Kenntnißnahme vergebt worden.
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Die Tabak - Enquete - Commission hat nach Feststellung kr Fragebogen ihre Sitzungen vorläufig geschlossen. Die tvmmissiou wird nach der „Wcser-Ztg." am 15. Oktober Äeder zusammentreten, um die Fragen für die mündliche dentehmung der Sachverständigen festzustellen, wenn bis
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(Pariser Plauderei aus der Schles. Presse.)
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Fester Mn das Resultat der örtlichen Erhebungen vorliegt. Aus
____fe Fragebogen sind alle auf bestimmte Steuersysteme be- i— ^gliche Fragen fern gehalten.
? Um den geneigten Leser nicht mit leeren Allgemeinsten zu tractiren, will ich noch einige Proben meiner ^malischen Detailsstudien auftischeu.
Zch habe gefunden, daß meine Vorliebe für das kurz- schirnte Vieh nicht auf Aberglauben beruht. Zum Mästen 4 das weitläufig angelegte, mit seinen langen Hörnern firhlende Gethier weitig geeignet. Die gedrungene Horn- thrasse, die auf den 'Namen Durham bei den Kennern N, zeichnet sich durch eine willkommene Frühreife, die Mer etwas Pikantes hat, und erstaunliche Leichtigkeit kr Fettwerdung aus. Diese Rasse wird in England und Md-Amerika mit besonderer Sorgfalt gepflegt. Ich habe &t einen männlichen Repräsentanten derselben gesehen, M auf die fabelhafte Summe von einmalhunderttausend gewerthet war. Ein Canadier, dem ich hierüber Mn Erstaunen aussprach, theilte mir mit, daß er in Mtt Stallung 71 Kühe und 13 Zuchthiere dieser Rasse Men hatte, wofür er beim Verkauf die Totalsummc von Mr Million und dreiundachtzigtausend Francs erzielt *be. Ich seufzte. Dabei habe ich die Geschichte weit .. fccr, Mer dem wirklichen Werthe losgeschlagm - fügte er bei rot 39 seufzte gleichfalls.
Den Ehrenpreis der Ausstellung trug stdoch ntcht Mrham davon, sondern eine schottische Rasse, genannt ?dgns. Zch liest mich dem sieggekrönten Thierc vorstellen. >1, war kurzhaarig, von glänzend schwarzer Farbe, die Mne waren von mittlerer Höhe und starkem Ban, der Mper cylinderförmig, der Rücken gerade, wie ein Lineal. M Augen erfreuten durch den Ausdruck der licbenswür- Mtrn Stupidität. Wäre mein Freund Carducci, der
Der Landes-Ausschuß von Elsaß-Lothringen hat eine Resolution zu Gunsten der Wiedereinführung des Tabakmonopols mit 26 gegen 2 Stimmen beschlossen.
Der Tod des Ministerial-Direktors Dr. Förster wird in den Regierungskreisen und besonders in den juristischen sehr schwer empfunden. Der Verstorbene war eine Autorität ersten Ranges auf dem Gebiete des gemeinen Rechts und hatte in seiner früheren Stellung im Justizministerium in Gemeinschaft mit dem Minister Falk in den Anfängen des norddeutschen Bundes und des deutschen Reiches den wesentlichsten Antheil an den Arbeiten der nationalen Gesetzgebung. Die Berufung in das Kultusministerium entsprach eigentlich nicht feilten juristischen Neigungen, aber er folgte dem Rufe wesentlich mit Rücksicht auf den Minister Falk, dem er in der Thal in Bezug auf die Bearbeitung und Vertretung der wichtigsten kirchlichen Gesetze schon seit Jahren eine sehr kräftige und werthe Stütze gewesen ist. Sein Verlust wird schwer zu ersetzen sein.
Die Stichwahlen, welche in den letzten Tagen vollzogen worden sind, haben uns zum Thcil recht traurige Ueber- raschungen gebracht. Obwohl mit Leichtigkeit die Wahl von Sozialdemokratm hätte verhindert werden können, sind doch bereits in mehreren Wahlkreisen Kandidaten der Umsturzpartei gewählt worden. Merkwürdig ist, daß in Dresden mit Hülfe der Fortschrittler Herr Bebel, in Hagen mit Hülfe der Sozialdemokraten Herr Richter, in Elberfeld mit Hülfe der Ultramontanen Herr Hassclmann, in München mit Hülfe der Sozialdemokraten Herr Ruppert gewählt worden sind. Das Gefühl der „National-Ztg." sttäubt sich mit aller Gewalt gegen die Annahme, daß in Bezug auf die Fortschrittspartei ein auf Gegenseitigkeit beruhendes Verhältniß vorliege. Zu unserem Bedauern vermögen wir für die obenangeführte Thatsache eine andere Erklärung nicht zu finden. — Aeußerst merkwürdig ist die Sachlage in Dresden. Dort war beim ersten Wahlgang von der Fortschrittspartei ein Kandidat aufgestellt worden (Herr Walter), der in der sächsischen zweiten Kammer der konservativen Partei angehört! Nun haben bei der Stichwahl die Freunde des Herrn Walter zu einem sehr großen Theile ihre Stimmen für den Sozialdemokraten abgegeben!
Ihrem Berufe nach sind von bett aus dem ersten Wahlgange hervorgegangenen Reichstagsabgeordneten: 91 Ritterguts- und Gutsbesitzer, 23 Rechtsanwälte und Advokaten, 19 katholische Geistliche und Pnester (es ist fein einziger evangelischer Geistlicher gewählt), 2 aktive Staatsminister (Friedenthal und Falk), 5 Minister a. D. (v. Bonin, Delbrück, Windthorft, v. Bernuth, v. Varnbüler), 3 Ober- rühmlichst bekannte Bologneser Dichter, dagewesen, er hätte gewiß auf diese Augen ein unsterbliches Loblied gesungen.
Angus und Durham sollen sich vortrefflich kreuzen, wie mir ein sachverständiger Engländer versicherte.
Die Königin Victoria hatte einen prachtvollen Stier von einundvierzig Monaten ausgestellt. Er entstammte dem edlen Geschlechte derer von Devon, war rothhaarig mit blendend weißer Stirn und hatte einen riesigen Nacken. Ich war nicht indiscret genug, um nach dem Lebenslaufe und den Heldenthaten dieses königlichen Thieres zu forschen. Die Preisrichter erkannten ihm die erste Prämie zu, die er stolz am linken Horn trug.
Von den französischen Milchkühen ünpouirten durch die Schönheit des Körpers und durch die strotzende Pracht der Euter, besonders die flämischen und normauischen Rassen.
Einen hübschen Eindruck machten die Kühe von der Insel Jersey. Diese Insulanerinnen waren von der vollendetsten Eleganz in Bau, Haltung und Fütterung.
Die Italiener hatten mehrere werthvolle Exemplare geschickt. Seit der Herstellung der Mont Cenis-Bahn hat die Einfuhr von Schlachtvieh sich progressiv entwickelt, so daß die Italiener das lebhafteste Interesse haben, ihre guten Raffen in Frankreich mehr und mehr bekannt zu machen. Während die Einfuhr im Jahre 1874 nur dreißigtausend Stück betrug, stieg sie im Jahre 1877 bereits auf ein- hundertzwanzigtauseud.
Auch über die Schaf- und Schweinezucht habe ich mein Notizbuch mit werthvollen Anmerkungen gefüllt, die ich aber vorläufig für mich zu behalten gedenke. Einige Schafsgesichter erschienen mir fast wie alte Bekannte, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, und genährt schlug ich daheim mein Photographien-Album auf, um mich zu überzeugen, daß ich in der Vieh-Ausstellung nicht das Opfer einer optischen Täuschung geworden . . . Ein Mutterschwein
Präsidenten (v. Jagow, v. Puttkamer und v. Ende) und 2 Oberpräsidenten a. D., 4 Regierungspräsidenten, 1 Polizeipräsident, 3 LandeSdirckloren (v. Sancken-Tarputschen, v. Levctzow, v. Bennigsen), 13 Landräthe, darunter 3 a. D., 1 Landdrost a. D., 1 Landschaftsrath, 1 Landeskredit-Kassen- direktor, 5 Geh. Oberregierungs- und Regicrungsräthe, 1 Obcrauditcur a. D., 1 Bezirksamtmann, 1 Präsident des Rechnungshofes, 1 Domainendirektor, 1 Landesmarschall, 1 Landeshauptmann, 8 Oberbürgermeister und Bürgermeister, 1 Generalfeldmarschall, 1 General a. D., 1 Oberverwaltungs-Gerichtsrath, 1 Generalstaatsanwalt, 2 Oberstaatsanwälte, 4 KreisgerichtSräthe, 5 Obertribunalsräthe, 5 OberappellationSgerichtsräthe, 2 ObergerichtSräthe, 2 Kreisrichter, 5 Landgerichtsräthe, 1 Oberamtsrichter, 3 Bezirksgerichtsräthe, 1 Staatsanwalt a. SD., 1 Generaladvokat, 1 Reichs- Obcrh andelsgcrichtörath, 6 Kreisgcrichts- unb Handelsgerichtsdirektoren, 1 Obertribunal-Viccpräsident, 19 Rentiers und Privatiers, 10 Universitäts - Professoren, 1 Gymnasialdircktor a. SD., 9 Kaufleute, 5 Kammerherrn, 1 Oberjägermeister, 9 Schriftsteller und Redacteure, 3 Großinditstriellc, 1 Civilingcnieur, 2 Geh. Legationsräthe a. SD., 2 Stadträthc, 3 Hofbesitzer, 3 Aerzte, 7 Fabrikanten, 1 Bergrath, 1 Erzgießereiinspektor, 2 Bierbrauereibesitzer , 2 Bankdirektoren, 1 Bankier, 1 Kürschncrmeister, 2 Oberfinanzräthe, 1 Baudirektor, 1 Senator, 1 Handelskammerpräsident, 1 Maurermeister und 1 Fabrikdirektor.
In Ncwyork ist eine Bewegung im Gange zur Einberufung eines öffentlichen Meetings aller amerikanischen Inden in den Vereinigten Staaten zum Zwecke der Annahme von Resolutionen, welche ihrem Danke Ausdruck geben gegen Lord Beaconsfield, Fürst Bismarck und Graf Andrassy, daß sie auf die Anerkennung der Rechte und Privilegien der Juden in Rumänien bestanden und ausreichende Garantien dafür erlangt haben, daß die Regic- rungsvorschläge in Betreff einer Aufhebung der gegen die Juden in Serbien gerichteten Artikel der Constitution seitens der Skuptschina adoptirt werden würden.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. August. In Betreff der seiner Zeit ausgesprochenen Absicht eine Verschmelzung vonReichsbehördeu mit preußischen Ministerialressorts in die Wege zu leiten schreibt man der National-Zeitung, daß eine detaillirle Beschlußfassung nach dieser Richtung hin noch nicht erfolgt ist, daß dagegen in mancher Beziehung neue Pläne Gegenstand der Erwägung bilden. So steht jetzt eine Veränderung der Organisation des Handelsministeriums im Vordergründe, nachdem man von der im vorigen Jahre vom Landtage abgelehnteit
von ungeheueren Dimensionen gefiel mir besonders gut. Ich fragte nach dem Preise. Sechshundert Francs! Üttb ich will mir nicht nur ein Schwein, sondern ein ganzes Landgut erschreiben! Hoffentlich wird bis dahin die füns- undzwanzigfache Urenkelin dieses prciswürdigen Mutterschweins für meine viehzüchtcrischcn Bestrebungen zur Welt gekommen sein. Welch' ein Geduldspiel, wenn sich ein deutscher Schriftsteller bis zu einem nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft emporschreiben und einen angesehenen Platz im Reiche der Kohlbauern und Viehzüchter erringen will, welch' ein heroisches Geduldspiel!
M. G. Conrad.
Der gefangene Ballon.
Wenn man jetzt des Morgens in Paris die Champs Elysees hinabblickt, sieht man über den Stuilerieen eine mächtige, kugelrunde Kuppel mit kleinem, zipfelartigem Aufsatz sich erheben. Das ist die obere Hälfte des Ballon Captif von Henry Giffard. Herr Giffard ist der in der ganzen Welt bekannte Erfinder des Jnjectors für Dampfkessel. Von Hause aus Eisenbahn-Ingenieur, hat er von je her eine große Vorliebe für die Lnftschiffahrt gehabt, und ein bedeutendes Vermögen, zu dem die oben genannte Erfindung des Jnjectors den Grund legte, gestattet ihm jetzt seiner Liebhaberei mit Erfolg nachzuhangen Schon 1852 versuchte er, eine kleine Dampfmaschine, die eine Propcller- schraube trieb, in die Gondel aufzunehmen. Zur Ausstellung von 1867 construirte er seinen ersten gefangenen Ballon, der öOOOcbm faßte und zwölf Personen auf eine Höhe von 250m hob. Im folgenden Jahre richtete er in London einen zweiten, größeren Ballon ein, der sich übrigens eines Tages losriß und in einer Entfernung von vierzig Meilen wohlbehalten wieder auf den Grund gelangte. Jetzt hat