Mr. 187
Marburg, Sonntag, 11. August 1878
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Der schweizerische Nationalrath hat in einer Reihe ® Sitzungen die Frage der Subvention der Gotthardbahn sandelt und ist jetzt mit 87 gegen 41 Stimmen zu dem Schlüsse gediehen, auf die bundesräthlichen Anträge ein-
Der Nuntius Jacobini wird vor seiner Reise nach Rom ! Uebcrnahme des Prosecretariats des Staates die mit Aand obschwebenden Fragen regeln und sich von dem Atius zu München über die Einzelheiten seiner Verhand- >gen mit dem deutschen Reichskanzler Bericht erstatten im. Am 4. d. sind in Livorno, Cesena und Vellctri
den Werken von Anieux im Departement der Loire so wie die Weber in Hericourt sind aufsässig, und in Paris ist die Kutscherauflehnung in vollem Gange. Die Ruhe aber wurde nirgends ernstlich gestört. Eine politische Bedeutung ,m höheren Sinne haben diese Krisen bis jetzt nicht gezeigt. In militärischen Kreisen werden große Anstrengungen gemacht, um die Mobilmachung und die Manöver des 4. Armeecorps, die um Mitte September in der Umgegend von Paris vor sich gehen, glänzend zu machen, da man um diese Zett massenhaften Fremdenbesuch erwartet. Die Panzergeschwader des Aermel- und des Mittelmeeres sind auf der Fahrt nach den algerischen Gewässern; die Zusammenziehung dieser imposanten Streitkräfte wird, obwohl etwas voreilig, mit den Einverleibungöplänen in Bezug auf Tunis in Verbindung gesetzt. Im Ganzen ist man in Frankreich mit der jetzigm Lösung der orientalischen Frage nicht unzufrieden, zumal in der Zukunft immerhin noch fette Bissen in der Levante auch für Frankreich abfallen könnten.
In England ist die große Redeschlacht über den Hartingtonschcn Tadelantrag ausgekämpft. Die Regierung ging siegreich aus derselben hervor und eine Mehrheit von 130 Stimmen sprach sich für die Politik Beaconsfield's aus, eine Mehrheit, auf welche selbst die Regiernng nicht gerechnet hatte. Beaconsfield und Salisbury, die Hauptvertreter der Cabinetspolik, sind nach wie vor der Gegenstand begeisterter Kundgebungen. Beiden wurde das Bürgerrecht der Stadt London verliehen und die Bürgerbriefe' in feierlichster Weise übergeben, wobei die Bevölkerung von London die Gelegenheit benutzte, um beiden Ministern unzweideutige und glänzende Beweise ihrer Beliebtheit zu geben.
Im Orient will der so lang vermißte Friede sich noch immer nicht wieder einstellen. Die Türken leben mit den Russen, in Streit wegen Räumung der Festung Varna, wegen Zurückziehung des russischen Heeres von Konstanti- tmopel und wegen Auslieferung der türkischen Kriesge- gefangenen. Einen sichtbaren Fortschritt haben die Verhandlungen bis jetzt nicht gemacht. Im Rhodopegebirge will cs auch nicht ruhig werden, ebenso gehen die Unruhen in Thessalien weiter. Am schlimmsten sieht es in Bosnien und der Herzegowina aus, die jetzt als die gefahrvollsten Puncte am politischen Horizont zu bezeichnen find. Die Oesterreicher, welche ohne Abschluß einer Convention eingerückt sind, stoßen dort auf bewaffneten Widerstand und wollen die Schuld dafür der Pforte in die Schuhe schieben, die chrer Ansicht nach verpflichtet sein soll, ihnen die Wege in Bosnien bequem und eben zu machen. Man spricht sogar von einem Ultimatum, welches Oesterreich der Pforte überreicht haben soll oder überreichen will, und Stimmen werden laut, welche davon sprechen, daß Oesterreich viel- waren in dem politisch-revoluttonärsten Lande von einet staunenswerthen Zähigkeit. Während in dem Lande der Maschinen, in England, das Zuchtvieh als eine weise zu handhabende und jedem Fortschritte anzupassende Produkttons-Maschine behandelt wurde, steckte man in Frankreich noch über und über in der patriarchalischen Gedankenlosigkeit des alten Herkommens. Selbst Holland, Deutschland und die Schweiz, um nur diese Nachbarstaaten zu nennen toaren hinsichtlich der rationellen Viehzucht den französischen Landwirthen weitaus überlegen.
Nur wenige hervorragende Landwirthe zerbrachen sich den Kopf darüber, wie die Production qn Fleisch, Milch, Wolle, die Ausbeutung der schlummernden Arbeitskraft durch eine verbesserte Viehzucht auf eine höhere Stufe gebracht werden könnten. England besonders mit seinen grandiosen Erfolgen spornte sie zum Nachdenken. Die Einseitigkeit, mit welcher Paris'die Köpfe der Provinz zu dressiren und im engsten, der Natur des Landes und seiner Bewohner nur oberflächlich Rechnung tragenden, Jittereffen- kreis zu halten suchte, wurde endlich durchbrochen. Die Schicksalsschläge des Krieges kamen dazu und heischten gebieterisch eine Heranziehung und Förderung der so lang in den Hintergrund gedrängten und von der im Gloiredusel schwelgenden Regierung als Achenbrödel behandelnde Landwirth- schaft und Viehzucht. Die Ackerbau-Ausstellung am Quai d'Orsay und die internationale Vieh - Ausstellung auf der Jnvaliden-Esplanade beweisen, daß die gemachten Anstrengungen nicht ohne Erfolg geblieben sind. Frankreich wird bald Ursache haben, nicht nur auf seine Articles de Paris, sondern auch auf seine Bauern und Viehzüchter in der Provinz stolz zu fein. Der Segen der friedsamen Arbeit wird ihm schließlich wohl zu statten kommen und die thö- rickten Sympathien für politische Rabulisterei und militärische Flunkerei nachhaltig schtvächen. Die Provinz wird
leicht gar nicht bei der Besetzung Bosniens und der Herzegowina stehen bleibe, sondern sie noch mehr südlich und westlich um ein Bedeutendes ausdehnen wolle, ein Verfahren, das zu den schlimmsten Verwicklungen Anlaß geben konnte. Ob wegen der Besetzung Bosniens noch ein güt- uches Abkommen zwischen Oesterreich und der Pforte erreicht werden wird, ist gegenwärtig schwer zu beurtheilen
Men anstellen, gar oft auch ohne osficielle ViehauS- ^3 menschlich-soldatische Ausdrücke wie: Sie Rindvieh! M! en pflegen — ein Beweis, daß die be= ?Wn Exerciermcister gebildete Leute und profunde 7^ der Darwinschen Entwickelungstheorie sind.
O^e Viehzucht nimmt in Frankreich täglich größere [ Wrtivnen an und verspricht eine der hauptsächlichsten .83,11- ^etionsquellen des landwirthschaftlichen Betriebs zu 3 Es ist ja bekannt, daß Frankreich in dieser Be- ^8 bislang nicht in der Vorderreihe der ackerbauenden marschiite. Die alten Ideen und Gebräuche
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Tagesbericht.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." erklärt die Angaben der „Kreuz-Ztg über den Inhalt der Kissinger Verhandlungen sur dvllstandlg aus der Luft gegriffen. Dieselbe kann ferner daß der 1. September der auf Anregung Deutschlands festgesetzte Termin für die Aufnahme der deutsch- österreichischen Handelsvertrags-Verhandlungen sei, als unrichtig bezeichnen. - Die „Post" will wissen, der Reichskanzler wurde nach beendeter Kissinger Kur noch auf einige Wochen nach Gastein sich begeben, um dann beim Beginn der Relchstags-iLession wieder in Berlin zu sein. — Der für Konstantinopel designirte Vertreter Deutschlaiids, Graf Hatzfeld wurde Donnerstag Abend telegraphisch von Berlin nach Klsslngen berufen und ist sofort dahin abgereist. — Die Conferenz in Heidelberg ist, nachdem volles Einvernehmen über ein Steuer-Reform Programm erzielt worden, Freitag geschlossen. '
Dem Reichstage werden selbstverständlich die Aktenstücke des Berliner Congresses in der bevorstehenden Session vorgelegt werden. Trotzdem dürste eine große Debatte über die Politik des Reichskanzlers nicht in Aussicht stehen. Der Reichstag wird sich wohl damit begnügen, eine diese Politik balgende Resolution zu votiren. Die Oppositions-Parteien werden sich dem umsoweniger entgegen stellen, als sie bei einer eingehenden Debatte kaum etwas gewinnen können als das beschämende Gefühl, daß von ihren beliebten Verdächtigungen dem heute vorliegenden Material gegenüber auctf nicht eine einzige Stich gehalten hat. Wir erinnern an die Rede des Herrn Windthorst (Meppen) vom 29 Febr d. IS., welche den Satz erörterte, daß Rußland mit Hülfe des Fürsten Bismarck Oesterreich dupirt habe. Fürst Bismarck antwortete damals:
„Ich kann dem Herrn versichern, daß er nicht nöthia hat, uns gegenüber die Interessen Oesterreichs zu vertreten Unsere Beziehungen zu Oesterreich find die der Gegenseitigkeit, voller Offenheit und des gegenseitigen Vertrauens, was eine große Seltenheit ist, nainentlich nach den Vorgängen aus Zeiten, wo andere Parteien in Oesterreich noch mäch- ttger waren, als sie dies heute sind. Nicht blvs von Monarch zu Monarch, nicht blos von Regierung zu Regierung — der vorlauten Hauptstadt gegenüber ein heilsames Selbstbewußt,cm, einen gerechten Bauernstolz gewinnen
Rindvieh waren 1700 Stück ausgestellt, wovon M Alande geschickt waren. An Schalen waren 825 Partien (Mannlem, Weiblein und Kinder familien- maßlg gruppirt), an Schweinen 381 Partien vorhanden wooen durchschnittlich die Hälfte auf Rechnung des Aus- landes kam. Außerdem waren die Lapins und Hühner, Ganse, Enten und Tauben in ungeheurer Zahl vertreten. Von fremden Nationen haben in erster Linie England und Belgien, dann Oesterreich, Dänemark, Holland, Schweiz, Italien und Portugal an der Ausstellung sich betheiliat
Die letzte internationale Vieh-Ausstellung in Frankreich Jatte bereits im Jahre 1856 stattgefnitden Die franzt fischen Gutachten gingen daher in ihren Vergleichen auf die Resultate jenes entlegenen Jahres zurück. Es kann daher nicht überraschen, wenn die Franzosen ihre erzielten Fort- r&n* Fuders den Engländern gegenüber über den kÄ herausstreichen. Die Engländer zogen ein rttele»®e -rrnb 8etdteu sich wenig gewillt, die Superiori- tat des französischen Viehes anzuerkennen. Es mag fein, rie bieämal nicht die vollendetsten Typen ihres unvergleichlichen Schlachtviehes herausgefunden und nach Paris gesandt hatten, obschon die gewiß keine Anstrengung und reine Kosten scheuende königliche Familie, Victoria und der Prinz von Wales, unter den Ausstellern fignrirten; allein so viel wenigstens brachte auch der Laicnverstand heraus, daß die französischen Viehzüchter nunmehr ihren englischen College» den Wettkampf mit sicherem Erfolge anbieten können Mochten sich nur recht bald die praktischen Resultate auch tn der Küche zeigen.
(Schluß folgt)
Auch der Aufenthalt unseres Kaisers in Teplitz hat auf --btn Fortgang der Genesung bis jetzt einen außerordentlich zünftigen Einfluß geübt. Die Vollbäder sowohl wie die | Moorbäder für die Arme wirken vorzugsweise auf die Wiederherstellung der Beweglichkeit der einzelnen, von den , schrotkörnern getroffenen Gliedmaßen; der Kaiser hat be- le kkl lkits wieder einige Worte frei ohne besondere Anstrengung reiben können. In den letzten Tagm hat derselbe den f a ..such von mehreren befreundeten und verwandten Fürsten, tpia|sasbesondere dem Kaiser von Oesterreich und dem König Mit Sachsen, empfangen; auch der Großherzog von Baden fit seine Ankunft in Teplitz ankündigen lassen. Die Ge- lin des letzteren, welche bis jetzt ihren kaiserlichen Vater «t aufopfernder Zärtlichkeit gepflegt hat, wird dann später ck ihrem Gatten nach Karlsruhe zurückkehren. Das Er- Mß der Reichstagswahlen wird jetzt durch die noch vor- '• Mchmenden Stichwahlen erst definitiv sich feststellcn lassen. \ fjj feie größere Verschiebung nach rechts ist Thatsache. Ueber IftltM, Verhandlungen, welche augenblicklich zwischen dem ------ kuschen Reichskanzler und dem päpstlichen Nuntius in Machen, Aloisi Masella, in Kisstngen geführt werden, die «ne Herstellung eines modus vivendi zwischen dem preu- [ Idtf Hchen Staat und Rom im Auge haben sollen, verweisen ^''♦»grauf unsere Berliner •* Korrespondenz in vergangener
gnjeigen nimmt emgegen: Nr Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaur ton Tb- Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; öaasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, sechzig, Cöln ic.; Rudolf Helfe. in Berlin, Frankfurt a. illt ic.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a.M.;Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidcndank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte iu Bremen.
durch die Postämter des Deutschen Reiches 2War 50«f«butd> bii Expedition (Koch'sche
oähreckf°rden. such H
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aUtt !o^e- 3n Heidelberg tagt augenblicklich eine Conferenz r deutschen Finanzminister unter dem Vorsitz des Präsi- mten des Reichskanzler-Amts, Hofmann, die sich, wie ge- ganze» efcet wird, auch mit der Frage des Tabaksmonopols be- ßm soll. Der neuernannte deutsche Gesandte beim Sultan, : Inf Hatzfeldt, ist in Berlin angekommen.
ikSversammlungen für die Italia irredenta abgehalten ton, ohne daß sich dabei ein bemerkenswerther Zwischenereignet hat.
Die Arbeitseinstellungen haben in Frankreich ihren stkckmden Charakter noch nicht verloren: die Grubenar- ■3 im Departement des Nord haben von Neuem am
August die Arbeit eingestellt; auch die Fabrikarbeiter in
Mensch und Vieh.
(Pariser Plauderei aus der Schief. Preffe.)
Dtan sagt viel öfter: das liebe Vieh, als: die lieben eschen. Dann hat auch der liebe Gott zuerst daö Vieh i ' zuletzt den Menschen erschaffen. Das find gewiß zwei W Gründe für meine Reihenfolge. Ich habe aber s leit anderem Ich will nämlich nicht vom Vieh Adveg, auch nicht vom Pariser Vieh insbesondere $en, sondern der Ehrenplatz dieses Kapitels soll ^Aieh gewidmet sein,'das auf der Esplanade der Jnva- ^vom 7. bis 18. Juni ausgestellt war.
.soviel zur Vermeidung von Mißverständnissen. Ich s ' ei» passtonirter Viehliebhaber, mögte aber keinem Men- ® wehe thun. Es war ein ebenso zarter wie praktischer Ge- 3 die Viehausstellung von der Weltausstellung räumlich Lebern. Man wollte unliebsamen Verwechslungen ^en, die bei dem ungeheuren Menschenzufluß auf
DiarSfelde vielleicht unvermeidlich gewesen wären.
’j .kennen Sie die Esplanade der Invaliden? Tas ist j ,3geheure Wüste, die man in der militärischen Welt ^rercierplatz zu qualificiren pflegt und wo bei den ^würdigen Hebungen, die die Unterofficiere mit den