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Nr. 185

Marburg, Freitag, 9. August 1878

xni. Jahrgang.

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jyeigen nimmt entgegen:

Die Wahle«

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alle Fremden waren verjagt, alle Anhänger des gestürz-

Anselm von Waruberg und Ferdinand hatten ihre

wo sie die ganze Familie antreffen würden, denn

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äe näher die Reisenden bent Ziele kamen, desto auf-

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«ie kamen endlich auf dem Forsthause an; der alte ^«nn empfing sie an dem Thore, und lud sie ein, in 'Saal zu kommen, wo sie erwartet würden. An der Kleidung der Dienerschaft sahen sie, daß zu ihrem ^Muge eine Nebrrraschung angeordnet wordeu sei.

; 'ttt Oberförster sprang die Treppe hinauf und war

DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt ganz richtig: Die deutsche konservative Partei wird den Beweis nicht schuldig bleiben, daß sie allerdings viel gelernt, aber auch nichts vergessen hat. Gegen den lächerlichen Vorwurf deS Particulansmus" schützt sie wohl der Nanie des hochge­feierten Feldherrn, welche die deutsche conservative Partei im Reichstage seit Jahren an ihrer Spitze zu sehen die Ehre hat, und welcher für die Befteiung und Einigung Deutschlands ungleich mehr gethan, als die schönsten Reden und gleisendsten Leitartikel der nationalliberalen Wortführer und ihrer Organe. In der Liste der deutschen konser­vativen Partei glänzen die Namen von Geschlechtern, deren Angehörige schon seit zwei Jahrhunderten ihre schönste Ehren­pflicht darin erkannten, für König und Vaterland in den Tod zu gehen; welche seit des Großen Kurfürsten Tagen auf all den Schlachtfeldern geblutet, auf denen unsere Könige nicht unsere Volksredner mühsam Preußen und Deutschland erbaut haben. Nicht die Phrase sondern nur die That kann alsTräger des Reichsgedankens" gelten. Der gehässige Ausfall derNat.-Ztg." findet seines Gleichen höchstens in einem Berliner Artikel derMagdeb. Ztg.", welcher von demüblen Eindruck" berichtet, de» der Aus­fall der Wahlen au hoher Stelle hervorgebracht habe. Es ist wohl die Frage gestattet: Welcher Wahlen?

Die nationalliberalen Parteiorgane scheinen noch immer in der bedenklichen Selbsttäuschung befangen zu sein, mit welcher dieNat.-Ztg." vor einigen Wochenden unbeug­samen Willen" beklagte,der gegen allen Widerspruch die Auflösung des Reichstages durchgesetzt habe."

mit einigen Schritten in dem Saale der sich wirklich fest­lich geschmückt zeigte, die ganze Familie war beisammen. Der Oberförster wurde mit lautem Jubel umringt, und ging aus den Atmen Eines des Anwesenden in die des Anderen; seine Frau hing weinend an seinem Halse, Theo­dor bedeckte eine seiner Hände mit zärtlichen Küssen, die andere hielt sein Vater fest; sein Bruder Casimir, dessen Frau und Clothilde drängten sich ebenfalls herzu, das war ein beständiger Jubel, eine unbeschreibliche Freude.

Ferdinand war an der Thür stehen geblieben, und hatte mit einem Blicke die ganze Famllie übersehen. Seme alte Mutter war ebenfalls zur Empfangsfeier eingeladen worden und stand in festlichem Anzuge, den der Forstmeister ihr beson­ders dazu hatte machen lassen, bescheiden in einer Ecke des mit grünen Laubguirlanden geschmückten Saales. Ihr Sohn eilte auf sie zu und bewillkommte sie herzlich; er hatte aber doch bereits Clotilden benierkt, iu reizender Be­fangenheit ; lieblich erröthend hatte sie, seine Blicke vermei­dend, ihre Augen niedergeschlagen, während er fast er­schrocken über ihre vollendete Schönheit, wie angewurzelt stehen blieb.

Da bemerkte ihn endlich der Forstmeister; er rief chn zu sich, eilte ihm etliche Schritte entgegen und zog ihn iu den engen Kreis der Familie, die ihn auf das Freundlichste und Herzlichste begrüßte, indem Jener sagte:

ES war ganz recht, daß Sie zuerst ihre Mutter be­grüßten, Sie gehören aber auch zu uns durch die Ab­stammung von Ihren braven, treuen Eltem sowohl, als durch Ihre mehrfachen eigenen Verdienste um uns Alle wir werden lebenslänglich in ihrer Schuld bleiben."

Er küßte ihn herzlich, ebenso ClotildenS Vater, die Frauen reichten ihm die Hände und überschütteten ihn mit DankcSworten.

Nun," sagte endlich der Forstmeister,seht Ihr dmn

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte». sowiedAnnoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte iu Bremen.

2« Aorsthaus.

Novelle von Heinrich HenSler.

(Fortsetzung.)

Der Kurfürst war längst wieder in seiner Residenz;

Tagesbericht.

Ein längerer dieBedeutung der Wahlen" betitelter Artikel derProvinz.-Corresp." gelangt zu folgender Aus­führung: durch die gesammten Wahlen, soweit die Bevöl­kerung von Gesichtspunkten der allgemeinen Politik und nicht von kirchlichen oder besonderen politischen Zwecken bestimmt worden, gehe klar erkennbar die Thatsache hin­durch, daß das staatserhaltende Bewußtsein gegenüber kri­tisch oppositionellen Bestrebungen zu durchschlagender Gel­tung gelangt sei, daß fast nirgends eine Veränderung nach links, überall nur Veränderungen im Sinne eines engeren Anschlusses an die Negierung stattgefunden habe. Es sei hiernach bestimmt zu erwarten, daß die Lösung der Auf­gabe, welche die erste kurze Neichstagssession fast ausschließ­lich ausfüllcn werde, die Feststellung außerordentlicher Maßregeln gegen die auf Untergrabung der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichteten socialdemo­kratischen oder communistischen Bestrebungen in voller Ge­meinschaft mit der Mehrheit aus den konservativen und

' soweit sie sich jetzt schon beurtheilen lassen, recht ' Amtlich einen Akt der Befreiung vollzogen, indem sie dem ' Uchstage statt der Partei-Majorität eine gouvernenientale Mehrheit zuführen werden, d. h. eine solche Mehrheit, welche ihre Entschließungen nicht abhängig macht von angelernten

* Knteiauffassungen, sondern von den Erwägungen staatlicher * Mhwendigkeit. Die bevorstehende Session wird vou dieser Rändelung hoffentlich ein unzweideutiges Zeugniß ablegen.

1 Bit man eiß, wird dieselbe sich nur mit einem einzigen lT,t tzkgmstande zu beschäftigen haben, aber mit einem Gegen- jtatbe von solcher Wichtigkeit und von so eminenter poli- tzher Bedeutung, daß er unzweifelhaft zum Prüfstein des imtn Verhältnisses zwischen Regierung und Volksvertre- mg werden muß. Da aber gerade die Rücksicht auf diesen enstand die ganze Wahlbewegung beherrschte, ist die llung des Reichstages in der Sozialistenfrage zum Voraus tzeigt durch die unverkennbar in den Wahlen ausge- iMtt Meinung der Vollmachtgeber. An dieser Thatsache die Verdächtigungen und Schmähungen nichts, mit

n die liberale Presse die deutsche conservative Partei schüttet und hinter welchen sie die Empfindungen der n Niederlage zu verbergen sucht. Wenn dieNattonal- itung" z. B. jetzt sich zu dem Satze erdreistet:

Für uns Andere ist die Bekämpfung der sozialdemo- tischen Ausschreitungen, die Heilung der sozialen Krank- -heit Selbstzweck, von den Deutschconservativen wird sie r als Mittel zum Zweck benutzt; ihr Zweck aber ist die Reaktion. So oft vom Lande im Stich gelassen, De» der Regierung wie von der Volksvertretung desavouirt, Hst sie, die nichts gelernt und nichts vergessen, jetzt alle sich darbietenden Chancen benutzt, um den verlorenen Einfluß wieder zu gewinnen. Für sie genügt keines­wegs, die Negierung nur zu unterstützen; sie will die Regierung auf den Weg nach ihren Parteizielen ablcnken. Die preußischen Ostprovinzen hat sie mit Hülfe einer Äahlbeeinfluffung der schlimmsten Art fast in ihre Ge­walt bekommen. Es ist, als ob der Sieg des altpreu- ^ßischen Partikularismus im Bunde mit politischer und ürchlicher Reaktion daran mahne» sollte, daß bis vor einem Menschmalter unsere drei östlichsten Provinzen »ußerhalb Deutschlands standen, und daß dort der Rcichs- J "Wanke nach einem kurzen Traum, ohne rechte Wurzel

JSd wollten die so lange entbehrten Ankömuilinge bewill-

, ^uien und gemeinschaftlich die Erzählung ihrer Erleb-

Htfl »»hören,

i* versteht sich, daß dieser Einladung bereitwilligst

sagier*

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aV$ baldige Ankunft angezeigt; sie hatten Briefe erhalten,

1 s» einludm, unmittelbar auf das ForsthauS zu kom- i - - _

Wilder zeigte sich der Eindruck, den die Erwartung auf öbu^ wachte. Der Oberförster wurde immer gesprächiger, ii Aland dagegen immer einsilbiger und unachtsam auf l. Ade» seines Gesellschafters, so daß dieser manche ver-

iaber. ue Aremoen waren verjagt, aue niiqangcr oeo gejturz- , 1 Königshauses unter den Beamten entlassen, und die

k 0 treuen Diener wieder eingesetzt. Diejenigen, welche aufgedrungenen Negierung offen entgegengctreten waren, 6 dadurch ihr Vermögen, oder ihre Stellung eingcbüßt :epre£ fcn, waren meistens entschädigt, vielfach sogar befördert

geschlagen zu haben, wieder verloren gegangen ist. Wahr­er«' üch eine ernste Mahnung insbesondere an die national; gesinnten Elemente in jenen Provinzen, sich zu energischer

Abwehr aufzuraffen"

wird sie damit nirgends dm beabsichtigten Eindruck her-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrtkS Sonntaasblatt" durch die Ervedition (Ro&f&e Buchdruckeret) bezogen 2!> Mark, durch dte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr) -JnsertionSgebübr für die gespal-ene Beile 10 «fn * *

Für tn der Expedition zu ertbeitenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg, berechnet. V

:rn ei» Ne «N>kbUi»nb. Blatte», jgeieb.Ännoncen-öuteaur

"ühre» xh. Dietrich L Co. in Pf. q Mel und Hannover; Th.

' Dietrich in Frankfurt a.M.; ' «asenstein & Bögler in 1 rankfurt a. M., Berlin, , ttpjig, Evln ic; Rudolf

leffe in Berlin, Frank- ' s furt a. M. ic

gemäßigt liberalen Elementen erfolgen werde. Die Ge­meinsamkeit in Lösung dieser Aufgabe werde auch den Boden für ein weiteres ersprieslicheS Zusammenwirken be­festigen. Die wichtigsten Grundlagen der Gesetzgebung im Norddeutschen Bunde und im Deutschen Reiche seien unter ähnlichen Parteiverhältnissen zwischen Conservative» und Nationalliberalen vereinbart worden. Warum sollte ein gleich erfolgreiches Zusammenwirken jetzt nicht möglich sein? Angesichts zumal der Nothwendigkeit, daß alle auf dem Boden der jetzigen socialen Ordnung stehenden Parteien sich fester aneinanderscklicßen und mit der Regierung zusammen­wirken, um Staat und Gesellschaft vor weiterem Anwachsen der drohenden Gefahren zu schützen. DieProv.-Corr." bestätigt, daß der Kronprinz und die Kronprinzessin bei der Vermählung der Prinzessin Marie am 24. August den Kaiser und die Kaiserin vertreten werden. Der Kron­prinz werde mit Rücksicht auf die am 9. Sept, beginnende Reichstagssession einen Theil des Monats September in Potsdam verbleiben.

Die Statistik über die kirchlichen Acte wird von kirch­lichen Behörden noch immer mit besonderer Sorgfalt gepflegt, um einen Gradmesser für den Einfluß der Civilstandsgesetz- gebung auf das Gemeindeleben zu finden. Bezüglich der Taufen in Berlin liegen für das Jahr 1877 folgende neuere Zahlen vor: Die Summe der evangelischen Taufen bezifferte sich auf 26,742, die Summe der in Betracht kommenden Geburten auf 38,962. Während 1876 noch 69,2 pCt. der Taufen von den Geburten inögesainmt zu verzeichnen waren, verblieben 1877 nur noch 68,6 pCt. Die Taufen erfolgten zumeist sehr spät und eine Verglei­chung der eiirzelnen Gemeinden nach der Wohlhabenheit zeigt, daß, je ärmer die Bevölkerung ist, desto länger die Taufe hinausgcschoben wird. Die Zahl der ungetauft Verstorbenen bis zum Alter von 12 Monate» beträgt 6161. Zieht man diese Zahl mit der Gesammtzahl der Getauften von der Gesammtzahl der Geburten ab, so er­gibt sich an ungctauft Gebliebenen die Zahl von 6039 oder 15,4 PCt. Es ist demnach im Allgemeinen anzunehmew daß in Berlin jedes siebente Kind ungetauft verbleibt.

Zur Ausführung des Gesetzes über die Naturalleistung für die bewaffnete Macht im Frieden sind einige Verände­rungen und Ergänzungen, wie bereits im gestrigen Artikel ^Berlin mitgetheilt, durch allerhöchste Cabinetsordre angeord­net, von denen hauptsächlich Folgendes von allgemeinem Inter­esse ist, besonders bei den bevorstehenden Manövern: Die bei Vorspannleistungen zum Transport von Personen zu ge- ftellenden Fuhrwerke müssen, insofern sie nicht Persvnen- wagen sind, zur Beförderung von Personen geeignet und nicht, daß auch Clotilde de» jungen Manu bewillkommne» will? Macht ihr doch ein wenig Platz!"

Die Frauen traten zurück, Clotilde reichte Ferdinand dre Hand und sagte unter großer Befangenhett, sie sah und fühtte, wie die Blicke aller Anwesenden auf sie gerichtet waren einige Worte, welche Jener erwiederte.

Der Forstmeister war mittlerweile an einen Tisch ge­treten, auf welchem einige Papiere lagen und sagte jetzt mit erhobener Stimme:

Ihr Lieben allesammt, tretet zu mir her, bildet einen Kreis um den Tisch hier, und höret mir aufmerksam zu. Ich will Euch von einigen Aenderungen in Kenntmß setzens welche die wieder eingesetzte Regierung in der kurzen Zeit ihrer erneuten Wirksamkeit verfügt hat, und womit unsere Treue und Ergebenheit an das angestammte Fürstenhaus belohnt wird. Ich habe um die Begünstigung gebeten, selbst der Verkünder sein zu dürfen und das hohe Minisle- rium ist bereitwillig auf meine Bitte eingcgangcn."

Zuerst muß ich von mir reden, einestheil« weil ich das Oberhaupt und der Aelteste der Familie bin, dann aber auch und zwar hauptsächlich aus einem anderen Grunde, den Ihr sogleich hören werdet. Mir wurde in Berück­sichtigung meines Alters und meiner langjährigen und er­sprießlichen Dienste rc> rc. der erbetene Ruhestand zu Theil, es bleibt mir die ganze Besoldung als Ruhegehalt und überdies erhielt ich den Titel als Obersorstrath. Gatulirt mir jetzt.

Die Anwesenden folgte nntürlich jubelnd dieser Auffor­derung, deren es überhaupt nicht bedurft hätte. (Forts. f.)

Tie H««gers»oth iu China, unter welcher vier große Provinzen des chinesischen Reiches nun schon seit Jahr und Tag seufzen, hat in den letzten Wochen und Monaten nichts von ihrem Schrecken verloren;

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