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Marburg, Donnerstag. 8. August 1878

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75 b.

Im Forsthaus.

Novelle von Heinrich Hensler.

(Fortsetzung.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hcrmann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W- Thienes in Elberfeld; C. Schlotte iu

Bremen.

Tagesbericht.

DerReichsanzeiger" meldet: Im Laufe deS vorigen Senats hatte der Reichskanzler den verbündeten Regie- mgen vorgeschlagen, eine Minister-Conferenz behufs ver- licher Verständigung über die Angelegenheit der Steuer- «fvrm zu veranstalten. Nach allseitiger Annahme des Srrschlages ist die Conferenz am 5. August iu Heidelberg ie dem dortigen großherzoglichen Palais zusammengetreten im Namen des Reichskanzlers durch den NeichSkanz- mtS - Präsidenten Hofmann eröffnet worden. Der KeichSanzeiger" führt sodann die Namen sämmtlicher Mil­der der Conferenz, bei welcher alle Bundesstaaten, auS- vmmen Reuß ältere Linie und Waldeck vertreten sind, auf.

b. ,20B. di* b.

25 bk

Fürsten Gortschakoff gcgengezeichnet. Die französische Ucbcr- sctzung trägt nur die Unterschrift deS russischen Kanzlers. An dem nämlichen Tage (27. Znli) hat auch die Königin Victoria den Vertrag ratificirt. Das englische Instrument befindet sich in einem einfachen Einbände von rothem Sammt, daS große Staatssiegel von grünlich gelbem Wachs in einer großen (der größten) silbernen Kapsel. Auf dem sehr praktisch zum Aufheben eingerichteten Deckel ist das große englische Wappen in wenig sauberer Pressung zu sehen; die Urkunde trägt nur den festen NamenSzug der Königin- Kaiserin und ist von keinem Minister gegengezeichnet. Das für die Türkei bestimmte Exemplar der deutschen Ratifi- cationS-Urkunde ist in rothbraunem Sammt gebunden, das Reichssiegel von rothem Wachs ruht in einer silbernen, theilweise vergoldeten Kapsel, Schnur und Quasten von Silber, roth und schwarz durchflochten. Die Urkunde trägt daS Datum: Berlin, 29. Juli, uud die Unterschrift: Frederic Guillaume, Prince Imperial Royal, so wie die Gegen­zeichnung deS Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode. Die Urkunden, welche dem Archive des Auswärtigen Amtes ein­verleibt werden, sind meist zum Theil wie auch die Ratifi­cationen auf Pergamentblättern, aus Kalbshäuten herge­stellt, gedruckt.

DerCourrier d'Italie" bringt in seiner neuesten Num­mer folgende Information:

Die Sprache, welche die offiziösen Blätter von Berlin gegenwärtig führen, ist sehr feindselig gegen Italien; außer­dem wissen wir, daß die Sprache, welche in Bezug auf uns die deutsche Reichsregierung führt, nicht weniger kräftig und feindselig ist. Fürst von Bismarck hat dem Grafen von Launay vor seiner Abreise nach Kissingen erklärt, daß er nicht geneigt sei, den Dreikaiserbund zu schädigen, in­dem er irgend welchen lächerlichen Ansprüchen Italiens ent­gegenkomme. Diese Härte deS Ausdrucks wird vielleicht Herrn CriSpi und seine politischen Freunde in Verwun­derung setzen; waS uns betrifft, so sind wir dadurch nicht überrascht. Wir haben niemals anfgehört, unseren Lands­leuten zu empfchien, sich vor dem blinden Zutrauen zu hüten, welches die deutsche Politik einfiößr, die viele von ihnen als Politik eines Bundesgenossen ansehen. Fürst v. BiSmarck führt ganz einfach die Interessen seines Landes und eS ist nicht unsere Sache, ihm daraus einen Vorwurf zu machen; wer indessen die Ehrenhaftigkeit und Loyalität der Mittel, deren sich der Reichskanzler bedient, von Grund aus kennen lernen will, braucht nur daS Buch des Gene­rals Lamarmora »Un po piu di luce« (ein wenig mehr Licht) nachzulesen. Die gegenwärtig von der deutschen Re­gierung ausgegebene Parole ist: Mit allen Mitteln zu suchen, Italien und Oesterreich-Ungarn zu entzweien."

rächen wollte, hat alle Vorzüge, die ein Mädchen verlangen kann; er ist jung, schön, reich und brav, dennoch konnte ich mich nicht entschließen, mein Jawort zu geben. Ich werde, wenn ich je einmal heirathen sollte, nur aus Liebe Heiratheu, und für diesen Mann fühle ich keine Liebe, deß- halb konnte ich mich nicht dazu entschließen."

DaS habe ich mir doch gleich gedacht," versetzte Ma­rianne. Sie sind doch schon bald 20 Jahre alt! Zwar will dieses Alter nichts sagen, aber gewiß haben Sie sich schon etwas Liebes ausgesucht. 9iun Sie brauchen nicht roth zu werden, es wird gewiß etivaS Ordentliches sein, womit Sie vor die Eltern treten können, wenn eS einmal Zeit ist; der alten Marianne dürfen Sie solche Reden nicht übel nehmen, sie meint eS gut mit Ihnen."

Ach Marianne," entgegnete Clotilde mit einem Seuf­zer,ich nehme eS Ihr ganz und gar nicht übel, aber ich glaube nicht, daß es mir einmal nach Wunsch gehen wird, und so ist eS doch besser, wenn ich ledig bleibe."

Nur den Muth nicht verloren, Fräulein!" sagte Ma­rianne tröstend.Die Zeit ändert gar Vieles, daS habe ich auch meinem Sohne gesagt, als er Abschied von mir nahm. Ich sprach auch vom Heirathen. mit ihm, er meinte aber auch gerade wie Sie; er werde wohl ledig bleiben, er könne gar kein Ende sehen, wenn er ans Hei­rathen denke. Ich kann gar nicht sagen, wie mich "der arme Junge dauert, ich glaube gar nicht anders, als daß er recht verliebt ist, uud zwar seitdem er das vorigemal hier war."

Hatte er Euch nichts Näheres darüber gesagt?" fragte Clotilde, indem Sie die Augen niederschlug, mit mühsam hervorgepreßter zitternder Stimme.

Er hat mir nichts gestanden," enviedcrte Marianne, er ist in diesem Fache ganz appart, aber aus seinen ver­blümten Redensarten habe ich so allerlei bemerkt, und s»

Aber daS zweite Mal seien die Verhältnisse ganz anders w» da habe er nicht den ersten besten Menschen, son- äO b. A gerade sie gerettet. Der Großvater habe ihr die ganze 3,50 b. Mhichtr so auseinander gesetzt. Ferdinand sei nämlich im -"Y griffe gewesen, mit ihrem Onkel von Leipzig nach Eng- 3>b. t $u gehen, weil er ohne große Gefahr nicht wieder M Hause gedurft habe. Da hätte er das Unglück gehört, sie betroffen gehabt, und nun habe er sich durch keine ^»Vorstellungen abhalten lassen zu ihrer Rettung herbei F eilen. Seinem durchdringenden Verstände sei es alsbald Aigen, eine Vermuthnng bezüglich des an ihr begangenen Drechens anfzustellen, die sich gleich als die richtige er- A habe. Das sei gewiß nicht leicht gewesen, denn ihr gttt habe sich bereits unendlich viel Äisihe gegeben ge- R ohne auch nur eine Spur zu finden, Tag und Nacht ^Ferdinand umher gelaufen, um die gefundene Spur zu folgen, und mit ungemeiner Kühnheit und wahrer TodeS- ^chtung habe er sich dem Räuber 'und seinen Leuten »t gestellt, sen Haus er gedungen sei, um sie ^befreien. Von denen auf sie hereindrängenden Ercig- und dem so plötzlichen und freudigen Wechsel ihres Aicksales sei sie so ergriffen gewesen, daß. .sie dem Östren jungen Manne nur mit einfachem Händedruck ? mit ein paar Worten habe danken können, sie habe u? gehofft, ihn am Abend noch in dem Forsthause sehen sprechen zu können, doch habe sie sich vergebens gefreut gehabt, denn er habe für nöthig gefunden ^bem kürzesten Wege nach England zu reisen, weil er steten Sorgen habe sein müssen, den Okiisbarmeu

DaS Handelsministerium hatte zu den am Sonnabend schloffenen Conferenzen über die zukünftige Gestaltung Gewerbeschulwesens in Preußen auch Vertreter der Jn- e zugczogen. Von den Geladenen waren erschienen s Herren Böckmann, Gropius und Kaselowsky aus Ber- Maschinenfabrikant Henschel aus Kassel, Commerzien- 8h Heimendahl, der mit dem Geh. Rath Wehrenpfcnnig bekannte Informationsreise nach Frankreich gemacht 8, aus Crefeld, der ReichStagSabgeordnete Dr. Brüning Höchst und die Abgg. LüderS aus Görlitz und Ludwig e aus Berlin. Nach den Beschlüssen der Commission n in Zukunst diejenigen Anstalten, welche der AuS- ldung von Technikern und Gewerbetreibenden mittleren geS dienen sollen, ihre Zöglinge in einem sechsjährigen, Lehrpensum der höheren Bürgerschule mit zwei frem- e modernen Sprachen entsprechenden, jedoch das Zeichnen nderS pflegenden Cursns von der Sexta bis einschließ- ber heutigen Secunda zu dem Punkte zu führen, wo allgemeine Schulbildung abgeschlossen und das Recht einjährigen Dienstes erworben werden kann. Nach Secunda folgt ein zweijähriger FachcursnS. Der all­eine Bildungsunterricht hört in diesen Fachclaffen voll- dig auf. Die Unterweisung concentrirt sich auf die den Berns erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten. Fachschulen bilden entweder für die Bangewerke oder mechanisch-technischen oder die chemisch-technischen Gewerbe *r. Die zweite Art der Gewerbeschulen, diejenigen, welche fe die Studien auf der technischen Hochschule vorbereiten, Men mit Einschluß von 5 Vorclassen gegenwärtig einen Ihrigen CursuS dar. Damit sie das Recht zum ein- ^rig-freiwilligen Militärdienst schon mit der Absolvirung llntersecunda, sowie die Erweiterung ihrer sonstigen 78- Berechtigungen erhalten können, soll der 8jährige Lehrgang einen 9jährigen ausgedehnt werden. Die Commission t.W Mch die dringende Forderung auö, daß die Abittirienten

Inieiaen nimmt entgegen: Ue Expedition d.Blatt es, iDDte d.Annoncen-Bureaux wn Th. Dietrich & Co. in leflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; hufenftein & Vogler in iranlfurt a- M., Berlin, geizig, Cöln ec.; Rudolf |teffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

solcher Anstalten mit 9jährigem Cursns wie es in an­deren deutschen Staaten bereits geschehen sei nicht nur zu allen höheren technischen Studien, sondern auch zu den Staatsprüfungen auf dem gcsammteu technischen Gebiete zugelassen würden. Aus dem Lehrgänge dieser Anstalten sollen diejenigen Fächer entfernt werden, welche den Auf­gaben der technischen Hochschule vorgreifen. Die oberste Classe wird ihren bisherigen NamenFachclasse" verlieren. Die Commission stellt eS weiterer Erwägung anheim, ob mit den Anstalten, welche Techniker mittleren Ranges heran­bilden, Lehrwerkstätten verbunden werden sollen.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung gibt in Folgendem eine Beschreibung der am Sonnabend in Berlin auSge- tauschten RattficationS - Urkunden des Berliner Vertrags: das französische Instrument ist vom Präsidenten der Re­publik in Paris am 23. Juli unterzeichnet, eS befindet sich in einem Einbande von blauem Sammt mit rothen Moiree- Antique-Bändern, das Siegel in gelbem Wachs, die Gestalt der Republik zeigend, ruht in einer silbernen Kapsel, deren Deckel die Initialen R. F. trägt, Schnur und Quasten von Silber blau durchzogen. Die italienische Urkunde ist Tags darauf, am 26. Juli, vom König Umberto in Turin vollzogen worden. Die Ratification ist in italienischer Sprache abgefaßt und trägt die Gegenzeichnung des Mi­nisterpräsidenten Cairoli. Das Staatssiegel von rothem Wachs ruht in einer silbernen Kapsel, deren Deckel in er­habener Arbeit den Ritter St. Georg zeigt, Schnur und Quasten von Silber, grün und roth durchflochten, der Ein­band ist von weißem, mit Farben verzierten starken Perga­ment auf beidm Seiten. DaS kunstvoll aus Sammt, Seide und Atlas hergestellte Wappen des Hauses Savoyen mit dem Wappenspruch desselbenFert zeigend. Die österreichisch-ungarische Urkunde ruht in einem rothen Sammt- einbande mit schwarzen und gelben Bändern von Seiden­stoff, auf dem Deckel der goldene österreichische Doppeladler in erhabener Arbeit. DaS Staatssiegel, wohl von allen daS am saubersten ausgeprägte von rothem Wachs, befindet sich in einer schweren goldenen Kapsel, Schnur und Quasten von Gold. Die in lateinischer Sprache abgcfaßtc Ratifi­cation datirt aus Wien vom 26. Juli und trägt außer dem NamcnSzugc des KaisersFranciscos Josepbus die Unterschrift beS Grafen Andrassy und für die Ausfertigung die des Freiherrn de Pont. Die russische Urkunde befindet sich ebenfalls in purpurfarbenen Sammt, auf dem Deckel eingeprägt der russische Adler. DaS Siegel, von rothem Wachs, liegt in einer großen goldenen Kapsel, Schnur und Quasten von Silber, Gold und Schwarz durchflochten. Die Ratification ist vom Kaiser Alexander zu Tscharskoc Selo am 15. (27.) Juli in russischer Sprache vollzogen und vom in die Hände zu fallen. So müsse sie ihren Dank auf­schieben, bis sie sei es auch erst nach Jahren ihn dereinst wiedersehe. Ihr Dankgefühl sei mit unauslösch­lichen Zügen in ihrem Innern eingegraben, es sei heute noch so frisch und so stark wie vor zwei Jahren, eS werde nie schwächer.

Ach!" erwiderte die alte Frau, indem Thränen der Rührung ihr über die Wangen liefen,könnte mein Sohn nur hier sein und dies hören, wie würde ihn baS freuen! Sie glauben gar nicht, Fräulein, wie hoch Sie bei ihm stehen, und wie er gerade in der letzten Zeit mit mir von Ihnen gesprochen hat, und wie überaus gut Sie ihm in allen Stücken gefallen."

Hat er Euch schon lange nicht geschrieben, Marianne?" fragte Clotilde.

WaS soll er mir viel schreiben?" antwortete Jene. Der Herr Forstmeister erzählt mir immer, wenn er einen Brief bekommt, was darin steht, und da läßt er mich im­mer herzlich grüßen, wie ich es von meinem brauen Sohne nicht anders erwarten kann und das genügt mir vollkom­men. Doch schreibt er mir auch hie und da ein paar Zeilen, und da antworte ich auch wieder. Ich weiß nicht, was ich ihm viel schreiben soll. Wenn sich nur die Zeiten änderten, daß er wieder zurückkommen dürfte. Ich erlebe eS wohl nicht mehr!

Leider dauert cs so lange," entgegnete Clotilde..Doch wollen wir hoffen, daß eS die längste Zeit gewährt hat und bald anders wird."

Der Herr Forstmeister sagte mir auch in voriger Woche," sagte Marianne,als er auf feinem Spaziergange hier vorbeikam, Sie hätten heirathen sollen, Sie wollten aber nicht so weit von den Eltern wegziehen."

So habe ich gesagt," antwortete Clotilde,das war aber nicht der einzige Grund. Der Mann, der mich hei-

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Erscheint täglich außer an den Werklagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition lKock'lcke Buchdruckerer) bezogen 2*, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen weiden 25 Pfg. berechnet.