Nr. 183.
Marburg, Mittwoch, 7. August 1878
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Iningen nimmt entgegen: W Expedition d.vlattr«, ftwie d.Ännoncen-Bureaux gOn Xb- Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein & Logier in jrantfurt a. M., Berlin. Lipüg, Cöln ic.; Rudolf lene in Berlin, Frankfurt a. M. ic
Dlirrljtflifdjc Jtitiiuj.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blal teS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte iu Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Eonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae
Buchdruckerei) bezogen 2', Mark durch die Postämter des DEschei. Reiche- 2 Mark 50 fffge Sei?&«e10*«?'”*f* 5ür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. $
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jenseits der Vogesen könnm wir übrigens versichern,
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Die Course der Aktien deS „SauVereins Unter
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Im Forsthaus.
Novelle von Heinrich Hensler.
1 Fortsetzung.)
'Correspondent der „Times", Herr von oow E.y,»? .cher durch seine Unterredung mit dem Fürsten
; da« „Memorial diplomatique" bestätigt, ist eine ‘ rrtta,. ^'^"'ische Convention nach dem Vorbilde der Ka* beschlossene Sache. Die englische
dm beteiligten Höfen ihren Einfluß » . um bte|^-gtefuItat bewirken.
Jedesmal, wenn ihr Vater schrieb, war ein Brief von \ k kingeschlossen, und — nie war ein freundlicher Gruß 1 Ferdinand vergessen.
In einem der Briese deS Forstmeisters erhielte» sie 3 H die Nachricht die Nemesis habe den Räuber Clolil- mtH» mit seinem Gehülfsn erreicht, letzterer war augenblick- r// h, nachdem man ihm seine Verrätherei vorgehalten hatte, " itz seines frechen Leugnens aus dem Dienste gejagt wor- 81 Er wendete sich an den Polizeikommissär Schalch,
. ______________________ , Jahre 1871 -
so dem Jahre, wo der Haß gegen die deutsche Natio- Ktät in Frankreich am stärksten war — Ritter des Orow der Ehrenlegion ist. Zur Beruhigung unserer Räch
er ihn als ein williges und brauchbares Werkzeug für ^—-Niederträchtigkeit kennen gelernt hatte, ihm sogleich :eAnstellung als Polizeidiener in der Residenz verschaffte b Glauben au den Schutz der ihm nach den Diensten, 8 er geleistet habe nicht fehlen könne, hatte Schalch sich Hülfe seines neuen Kompagnons einige auffallende Errungen erlaubt und da man ihm wirklich dabei durch k Finger sah, die Sache zuletzt so arg getrieben, daß un- vnehme Folgen für seine Protektoren entstanden. Eö Igjs- Ae nöthig, daß man ihn fallen ließ; — er wurde ^t seinem Gehülfen, dem neuen Polizeidiener plötzlich , Aogen und ohne daß das Publikum über das Resultat L A geführten Untersuchung aufgeklärt wurde, erfuhr man 87,g Tages beide Complicien seien schon vor einiger Zeit ‘si ti’ Verbüßung einer mehrjährigen Strafe in da« Zuchl- ** abgeliefert worden.
kamen aber auch Nachrichten nach England, die u Vr weniger als angenehm waren und einen gewaltigen Am widerstreitender Gefühle in Ferdinands Innerem veu. Der Vater Klotildens schrieb von Aussichten zu
18C'" üsmarck plötzlich zum berühmten Mann geworden ist, etouh »utbe bekanntlich dieser Tage zum Offizier der Ehrenlegion pro» tfJrbert. Diese Ernennung ist in der politischen und ® knlamentarischen Welt in Frankreich nicht gerade günstig ^ethxjlt worden. Bei dieser Gelegenheit machte man in
*sc . ms die unliebsame Entdeckung, daß Herr von Blowitz, « man bis dahin für einen Ungarn hielt, von deutscher
ufrt Tonalität ist. Als merkwürdig verdient bemerkt zu V—, 81, daß der Genannte bereits seit dem Jahre 187
.-ii Linden in Berlin find seit einiger Zeit im Steigen be- F1'1 griffen. Das berüchtigte Werthpapier ist von 14"/o all- milig auf 16,25 M. — den Eours vom letzten Sonn- i j abenb — gestiegen. Der Verein besitzt bekanntlich baS ! Haus, von welchem ans der Meuchelmörder Nobiling das
M Attentat vom 2. Juni beging.
■ Nobiling hat, wie die „Post" und das „Tagbl." aus i sicherer Quelle erfahren, am Freitag Abend einen Selbst- »23; Mordversuch unternommen, indem er sich mit einer Scheere bie Pulsader zu öffnen begann. Der dem Verbrecher als «i Pfleger beigegebene Wärter aus der Charit« vermochte “ > indeß noch den Lebensmüden an der völligen Ausführung ’ahrti^8 Versuches zu verhindern. Um einer etwaigen Erneuerung desselben vorzubeugen, ist, neben Anordnung er- h höher Wachsamkeit, Nobiling nunmehr in seiner Zelle ge« Welt worden.
Die Uebersicht der Geschäftsthätigkeit des deutschen ReichS- belhs tagO vom 6. Februar bis 24. Mai 1878 ist jetzt auö- n Ak Heben worden. Das Werk ist mit dem außerordentlichen [208t Fleiße gearbeitet, der die Zusamtnenstellungen deS Geheim- raths Pappel ausgezeichnet. Die Anordnung ist ganz die- 4 selbe, welche sich bereits bei den früheren Uebersichten
daß in Deutschland eine Adels - Familie des Namens von Blowitz nicht existirt.
Die funbirte Schuld Großbritanniens belief sich am 31. März d. I. auf 14,216,860,140 Mark; die unfunbirte Schuld auf 412.060,000 Mark.
Während in London soeben eine heftige Redeschlacht ZU Ende gegangen ist, aus der allerdings die Regierung als Siegerin mit Glanz hervorgegangen ist, bereitet sich anscheinend in Rußland ein Umschwung der öffentlichen Meinung zu Gunsten Englands vor. Sehr bemerkenswerth schreibt der „Golos": „Bleibt die russische Diplomatie fest auf dem Boden der realen Interessen des russischen Volkes stehen, so kann dieselbe ihrem Lande einen wichtigen Dienst leisten. ES durfte ihr nicht allzu schwer fallen, in dem Kulturkampf mit dem englischen Einfluß in Asien zwischen den Interessen Rußlands und denen Englands eine Menge von Berührungspunkten zu finden. Auf Grund dieser Berührungspunkte ist ein russisch - englisches Uebereinkommen in Bezug auf, die asiatischen Angelegenheiten möglich — daß dasselbe für beide Theile von eminentestem Nutzen wäre, braucht wohl nicht betont zu werden. Ein Uebereinkommen mit England zu Stande zu bringen — beiläufig ein Lieb- lmgSwunsch des in Gott ruhenden Kaisers Nikolai — um auf diesem Wege den bevorstehenden Kampf mit Oesterreich- Ungam zu vereinfachen, hierin liegt die nächste und vorzüglichste Aufgabe der russischen Diplomatie. So lange ein solches Uebereinkommen noch nicht exiftirt, ist es aber Rußlands Pflicht, seine Kräfte zu neuem Kampfe zu sammeln, in Europa mit Oesterreich-Ungarn, in Asim mit der Türkei und England, welches natürlich nicht unterlassen wird, seine Seemacht auszunutzen, um Rußland von allen Seiten und auf allen Meeren zu bedrohen."
Deutsche- Reich.
*« Berlin, 5. August. Die liberale Presse hat in den letzten Tagen die Wahlergebnisse etwas richtiger gewürdigt, als es zuerst der Fall gewesen war. Die Nationalzeitung erkennt die Schwächung der eigenen Partei um mindestens 20 Mitglieder, ferner die verhällnißmäßig bedeutende Schwächung der Fortschrittspartei bis auf 25 herab und daneben das Anwachsen der beiden konservativen Gruppen aus 110 an. Bei den Untersuchungen und Kombinationen, die sie dabei in Bezug auf die Möglichkeiten einer künftigen Mehrheit anstellt, ist eine bedeutende Wandelung gegen ihre Ausführungen während der Wahlzeit zu bemerken. Damals stellte sie mit einem geroiffen Reiz die nationalliberale Partei als die entscheidende Mittelpartei einer vortheilhaftm Heirath derselben, die sich ihnen eröffneten, die alle ihre Wüilfche umfaßten und gewiß auch seiner Tochter nicht unangenehm waren. In seinem nächsten Briefe werde er ihn von der inzwischen stattgehabten Verlobung benachrichtigen können. Ferdinand wurde mit sich nicht einig. Gedanken bestürmten ihn, die ihn ab- abwechselnd quälten und entzückten; er stürmte Tage lang zwecklos in de» seiner Aufsicht anvertrauten Wäldern umher, warf sich des Abends todtmüde auf fein Bett und quälte sich in schlaflosen Nackten mit unfruchtbaren Gedanken, die zuletzt die Oberhand behielten.
Bald eilte ihm die Zeit nicht schnell genug, um weitere Nachrichten aus dem Forsthause erhalten zu Runen bald nahm er sich vor, wen» der Oberförster ihn wieder einladen werde gar nicht zu ihm zu gehen; — er fürchtete die Nachricht von der wirklichen Verlobung des so heiß geliebten Mädchens werde einen so heftigen Eindruck auf ihn machen, daß cd dem Oberförster auffallen müffe.
Endlich kam die Einladung, — und in derselben Stunde war er schon auf dem Wege zum Oberförster. Er glaubte die nöthige Fafftlng errungen zu haben — er stellte sich die Verlobung als vollzogen vor und wollte sich fonach von der Bestätigung nicht überraschen lassen.
Es war aber nicht so, wie er vermutete.
Klotilde hatte die ihr angetragene Verbindung mit aller Entschiedenheit abgelehnt, indem sie sich nie entschließen werde so weit von den geliebten Eltern wegzugehe»; das werde sie nur unglücklich machen, und baffelbe befürchtete sie von ihren Eltern, deren einziges Kind sie ja sei.
„Das ist ein Blitzmädel" sagte der Oberförster lachend „ich glaube am Ende doch, daß ihr der angetragene Bräutigam nicht recht war. Ich bin überzeugt, wenn einmal der rechte kommt, so den« sie an den biblischen Spruch: „du sollst Vater und Mutter verlaffen unb deinem Manne
Hw, von der es jeder Zeit abhänge, sich eventuell mit der Fortschrittspartei ober mit ben Freikonservativen zu verbinden unb so eine Mehrheit zu bilben; sie war damals in ber Stimmung, ben Freikonservativen zunächst ben Abschied zu geben unb wieber zu ber Tradition ber „großen liberalen Partei", zum Bündniß mit ber Fortschrittspartei zurückzukehren. Heute hat sich baS Bilb im Kaleidoskop etwas veränbert. Nicht mehr bie Nationalliberalen für sich allein bilben bie Mittelpartei, sondern es ist wieder von den beiden Mittelparteien, den Nationalliberalen unb ben Frei- konservativen, bie Rebe, welche vereinigt ben Mittelpunkt bilben sollen unb bei welchen ber Schwerpunkt ber Entscheidung liegen wirb. Woher sie jedesmal bie nöthige Unterstützung erhalten, ob in rechts ober links, bas sei im Augenblick noch nicht zu wissen. Die Nat.-Ztg. bisponirt wohl etwas zu leicht über bie freikonservative Partei, bie nach ben Vorgängen in ben letzten Wochen jedenfalls ziemlich eng mit ber bentsch-konservativen Partei liirt ist. Die Hoffnung auf eine gouvernementale Mehrheit muß vorzugsweise auf bas Zusammengehen ber Nationlliberalen mit ben beiben konservativen Fraktionen gegrünbet fein, letzteren Wirb babei aber ein größeres Gewicht, als bisher zufallen müssen. Der Schwerpunkt ist eben erheblich mehr nach rechts Verlegt. — In ber Sorialistenvorlage, bereu Vorlegung in bem Bunbeörath durch die vorgängige vertrau« liche Erörterung mit ben Reichsregierungen etwas verzögert worben ist, sinb bie Vereine, um bereit Verbot es sich han- belt, dahin bezeichnet: „Vereine, welche socialdemokratischen, socialistischen oder kommunistischen, auf die Untergrabung ber bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen dienen." In ähnlicher Weife sind die Druckschriften, die dem Verbote unterliegen definirt. — Nach einer im Reichseisenbahnamte aufgestellten Nachweisung über bie im Monat Juni auf bett deutschen Eisenbahnen excl. Bayerns vorgekommenen Unfälle waren im ganzen zu verzeichnen: 23 Entgleisnitgen unb 13 Zusammenstöße fahrenber Züge, 37 Entgleisungen unb 10 Zusammenstöße beim Rangirm unb 44 sonstige Betriebsereignisse. In Folge bietet Unfälle würben 2 Personen gelobtet, 11 Personen (3 Passagiere, 5 Beamte unb 3 frentbe Personen) verletzt, 5 Thiere gelobtet, 60 Fahrzeuge erheblich unb 104 unerheblich beschädigt. Außer diesen Verunglückungen kamen größlenlheils durch eigene Unvorsichtigkeit Hervorgernfen, noch vor 21 Töblungen, 88 Verletzungen, unb 10 Tödlungen unb eine Verletzung bei beabsichliglem Selbstmorb. Von ben im Ganzen beförderten 17,463,236 Reisenden wurden 5 Reisende verletzt. Von den im Betriebsdienst thätigen Beamten wurden von je 21,531 Einer getöbtet unb von je 2691 Einer verletzt.
Kiel, 1. August. Bei ber vorletzten ReichSlagöwahl anhängen" unb gehl mit dem Erwählten dahin, wo er sie Hinsichten Will, — Trauung muß doch einmal stattfinden und bann haben gegenseitige Besuche auch ihr Angenehmes Was meinen Sie, Fetbinanb?"
Der war ganz bamit einverstanden, der Oberförster sprach ihm ganz aus ber Seele; — es trieb ihn aber halb fort, ber Oberförster Halle ihn so auffallenb angesehen — zwar nicht unwillig, boch war es ihm bedenklich, — er mußte hinaus in’d Freie, er schützte bringende Geschäfte vor unb versprach halb wieber zu kommen. Er konnte ben Gebanken nicht los werben: „Wer mag wohl ber Rechte sein, um dessentwille» Klotilde ihre Eltern verlassen würbe ?"
Sein Glück würbe auf ben Gipfel getrieben, als er einige Wochen später einen Brief von feiner Mutter mit seht interessanten Nachrichten erhielt. —
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©otitbe war wieber auf einige Zeit zum Besuche in bas Forsthaus gekommen, unb sckon ben Tag nach ihrer Ankunft besuchte sie auch bie alte Marianne am Steinig, Ferdinands Muller. Der Großvater beorberle ben alten Kvllmann, seine Enkelin borlhin zu begleiten, unb wieber zutückzubringen, überhaupt war dieser treue Diener ein für allemal beauftragt das Mädchen zu beschützen und zu bewachen, und ihr auf allen Wegen stets mit seiner geladenen Doppelflinte zur Seile zu fein.
Sie blieb den ganzen Vormittag bei Mariannen, sie sprachen von nichts mit einander als von Ferdinand und wurden gar nicht müde von ihm zu erzählen, ober von ihm zu hören, wenn gleich babei nichts Neues zum Vorschein kam.
Clolilbe erzählte mit ber größten Ausführlichkeit ihr zweimaliges Begegnen, bad jedesmal ein Glück für sie gewesen, indem sie immer aus einer ihr drohenden Gefahr