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XIII. Jahrgang

JTlarÖurg, Dienstag, 6. August 1878

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entefia Bi feinem Princip festzunageln. Allein die Erfahrung Hal i -zeigt — was man freilich fchon längst hätte wissen sollen jUd " daß mit den liberalen Anschauungen und Grundsätzen * u* t in Land zu regieren ist.

-crte” DaS „Bett. Tagebl." z. B. kann freilich in Bezug auf 9e ß Kissinger Verhandlungen schreiben: «Wir könnten die

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des Kulturkampfs einen Sinn haben sollen, so kann es nur der fein, daß der Reichskanzler, dem natürlich das Wohl des Vaterlandes über Alles geht und der anders darüber urtheilt, als Zeitungsschreiber und Vvlkstribunen, erkennt: Mit dem Liberalismus geht's nicht mehr wir müssen an­dere Wege einschlagen.

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M Haltung abhängen. Wenn der Kulturkampf durch i jetzt in Kissingen im Gange befindlichen Unterhand­sgen zwifchen dem Reichskanzler und dem päpstlichen mtius beendigt wird und das Centrum seine oppositionelle iellung ausgiebt, so wird die Regierung eine Mehrheit tben. Sonst nicht. Diese Erwägung wird wohl auch i Reichskanzler vorzugsweise zu den Verhandlungen in isfingen bewogen haben. Es ist aber unmöglich, das ch'che Reich zu regieren, wenn das ganze katholische Volk der Opposition steht. Auf diese Weise wird die Regie- «g immer mehr von dem Liberalismus abhängig. DaS feit dem Beginn des Kulturkampfes in hohem Maße r Fall gewesen, so daß der Abg. Virchow sagen konnte, sei dadurch dem Liberalismus gelungen, die Regierung

Der Aasfall der Reichstagswahlea.

, Die Wahlurne hat gesprochen. Das Resultat deS neuen jHStagcS wird von dem vorigen wenig verschieden sein, lit Conservativen haben zwar eine Anzahl Sitze gewonnen, jhrend die Nationalliberalen und namentlich die Fott- jriltspartei eine Anzahl Sitze verloren haben, allein immer» $ werden dir Nationalliberalen und die Fortschrittspartei jammen noch über mehr Stimmen im Reichstage ver- jtn, als die Conservativen. Die Socialdemokraten werden H eine Anzahl Sitze verlieren. Sicher haben sie bis jetzt st 3 definitiv gewählte Abgeordnete, aber sie kommen noch iaehreren Kreisen zur Stichwahl. Die Entscheidung wird j neuen Reichstage bei dem Centrum liegen, welches in jr alten Stärke wiederkehrt. ES wird also Alles von

Vorfall nüchtern geworden zu sein, — er schritt mit dro­hend erhobener Rechte auf Ferdinand zu, der Pvlizeikom- missär fluchte und schimpfte; da drehte Ferdinand sich plötz­lich um und rief freudig:

„Halt! Jetzt wird es sich entscheiden!"

Er öffnete rasch daS Fenster, zog sodann den Haus­schlüssel aus der Tasche und warf ihn hinaus, rufend:

„Kollmann! Kollmann! Hier ist der Schlüssel zur HauSthüre. Nur schnell herein!"

Die ganze Scene hatte sich im Augenblick geändert.

Schalch wurde bleich vor Schrecken, Susanne schlich aus dem Zimmer, Clotilde sprang auf und eilte an das Fenster. Sie fah wirklich ihren Vater aus der Chaise steigen und rief mit freudestrahlenden Blicken:

.Vater, Vater! Hier bin ich! Hier ist Dein Kindl"

Die Thränen des Schmerzes und der nahenden Ver­zweiflung hatten sich plötzlich in Thränen des höchsten Entzückens verwandelt.

Mehrere Männer traten in das Haus. Ferdinand öffnete, indem er die Pistole einsteckte, die Zimmerthüre, der Oberförster trat rasch ein, Clotilde flog ihm entgegen, er schloß sie in seine Arme, drückte sie an sein Herz und überschüttete sie mit den zärtlichsten Küssen.

„Mein Kind! Mein süßes, liebes Kind!" sagte er endlich als er zu Worten kommen konnte. Was ist Dir denn?"

„Ach Vater!" erwiederte sie, „was für schreckliche Tage habe ich verlebt, die entsetzliche Angst ließ mich Tag und Nacht nicht ruhen, verzweifelt wäre ich fast und nun wie unendlich froh bin ich, daß Du jetzt bei mir bist. Nun ist alles wieder gut, und bald werde ich daS überstandene Ungemach wieder vvergessen haben. Wie geht eS denn der armen Mutter?"

„Der Gedanke, ihr liebes Töchterchen bald wieder nm-

utigen nimmt tmgegen: .Expedition d.Blattet, iie d.Ännoncen-Bureaux । Th. Dietrich & Co. in zsel und Hannover; Tb. eirich in jiantfurt a M.; iiknftein & moglet in Ditfurt a M., Berlin, ipjig, Cvln ic.; Rudolf ife in Berlin, Frank» s. furt a. M. il

3m Sorsthaus.

Novelle von Heinrich Hensler.

(Fortsetzung.)

Deutsches Reich.

Berlin, 3. August. Wie angekündigt, hat die Aus­wechselung der Ratificationsurkunden des am 13. Juli d. I. in Berlin geschlossenen Verttages nach Ablauf der in Art. 64 für diesen Akt bestimmten Frist, am heutigen Tage zwischen den Bevollmächtigten von Deutschland, Oesterreich- Ungarn, Frankreich, Großbritannien und Rußland im Palais des Reichskanzlers hier stattgefunden. Seitens der Türkei sind die betreffenden Dokumente nicht rechtzeitig ein­getroffen, der türkische Botschafter hat indessen die Erklä­rung zu Protokoll gegeben, daß Se. Majestät der Sultan die Ratifikationen vollzogen habe und den Verttag als vom heutigen Tage an in Gültigkeit getreten anerkenne. Die spätere Auswechselung der türkischen Urkunde ist Vorbehal­ten geblieben. — Bezüglich der Untersuchungs-Commission für dio Eisenindustrie wird berichtet, daß nunmehr die Ent­würfe für die Fragebogen, welche den als Sachverständigen zu hörenden Eisen-Industriellen vorgelegt werden sollen, anSgearbeitet und mit einer Liste, aus welcher die Wahl dieser Sachverständigen erfolgen wird, an die einzelnen Mit­glieder der Enquete-Commission zu eingehender Prüfung versendet worden. Die erforderlichen statistischen Uebersich- ten, welche den Sachverständigen ebenfalls zur Begutachtung vorgelegt werden sollen, werden gegenwärtig in der Abthei- lung für Berg-, Hütten» und Salinenwesen des preußischen Handels-Ministeriums bearbeitet, um bei dem nächsten Zu­sammentritt der Commission, welche mit der Eröffnung des Reichstages zusammenfallen dürfte, als Grundlage für weitere Berathungen dienen zu können. — Zum ersten Mal seit Beendigung des Krieges gegen Frankreich wird im September er. eine Anzahl preußischer Offiziere, an deren Spitze der Generalmajor Frhr. v. Loö, Commandeur der 3. Garde-Cavallerie-Brigade, steht, den Manöver» der französischen Truppen beiwohnen. An den diesseitigen Manövern haben französische Offiziere bekanntlich schon seit einigen Jahren Theil genommen. — Der hiesige Gast- wirthö - Verein hatte an alle Gastwitthe die Aufforderung gerichtet, bei der Reichstagswahl die Regiernng kräftig zu unterstützen und namentlich der Sozialdemokratie keinen Vorschub zu leisten. — Der Polizeipräsident v. Madai hat dafür dem Vorstände seine Anerkennung ausgedrückt.

Hamburg, 3. August. Die Generalversammlung des

iftre evangelische Kirche nicht abermals den Hauptschaden 6ei trägt. Aber wir können hier auf die Kulturkampf- nicht näher eingehen. Nur so viel ist sicher: mit

dem Liberalismus ging es nicht länger. Und ohne das Centrum, d. h. ohne die katholische Bevölkerung des deut­schen Reiches kann die Regierung gar keine Mehrheit finden für eine Politik, welche dem Liberalismus zuwiderläust. Auf die Wahlurne kann sich natürlich keine Regierung stützen; denn mit der Weisheit, welche daraus hervorgeht, ist kein Land zu regieren. Ueberall heißt es: „So kann cö nicht bleiben" und in Berlin tote anderwärts sagt jeder Hand­werker und Geschäftsmann: „Die vielen liberalen Frei­heiten richten uns zu Grunde", aber danach wählen sie doch wieder liberal. Wenn man sie fragt, warum? so heißt es: „Ja, die Andern haben auch so gewählt und ich kanu'S ja doch nicht ändern." Wenn das Volk sich selbst überlassen ist, so ruinirt es sich und feiert noch Jubelfeste, wenn eS dem Todtengräber seines Glückes bei der Wahl zum Sieg verholfen hat. In Berlin find dieselben Bürger, welche sich sonst nicht zu retten und zu helfen wissen vor den Folgen der liberalen Gesetzgebung, wie toll vor Freude, daß es ihnen gelungen ist, ihre alten fortschrittlichen Abgeordneten wieder durchgebracht und die Socialdemokraten besiegt zu haben. Wie die Socialdemokratie unter der Herrschaft des Liberalismus gedeiht, das haben gerade diese Wahlen wieder bewiesen; denn überall da, wo der Liberalismus herrscht in den großen Städten und deren Umgebung, findet auch die Socialdemokratie Boden. In Berlin hat die Socialdemo­kratie seit der letzten Reichstagswahl, am 10. Januar 1877, also seit 18 Monaten, um 24,000 Stimmen zugenommen. Und da redet man noch vorn Sieg über die Socialdemo­kratie! Unter 200,000 Wahlberechtigten waren jetzt 56,000 Socialdemokraten, also fast der dritte Wähler ein Social­demokrat. Um diese Thatsache in ihrem ganzen Ernste zu verstehen, muß man das Wachsthurn der Socialdemokratte vergleichen.

Im Jahre 1867 zählten die Sozialdemokraten bei der Reichstagswahl in Berlin im Ganzen 69 Stimmen; 1871: 1961; 1874:11,971; 1877: 31,522; und 1878 : 56,336. In demselben Verhältniß haben die sozial-demokratischen Stimmen in Dresden und den übrigen Ottschasten Sach­sens, in Hamburg, Altona, Braunschweig, Breslau u. s. w. zugenommen. Wenn hiernach irgend etwas fest steht, so ist e« die Thatsache, daß die Sozialdemokratie in der Zeit, wo der Liberalismus durch seine Wirthschafts- und Cultur- kampss-Politik herrschte, groß geworden ist. Und wenn irgend etroaS für einen vernünftigen Menschen klar ist, so ift es das, daß wir die falschen Wege der liberalen man» chesterlichen Wirthschafts- und Culturkampsspolitik verlassen und wieder in gesunde konservative Bahnen einlenfen müssen, wenn unser Vaterland nicht völlig verderben soll. Wer das nicht begreift, muß mit Blindheit geschlagen fein. Und wenn die Auflösung des Reichstages und die Beendigung

armen zu können", antwortete der Vater, „war wohlthä- Liger Balsam für sie in diesen bedenklichen Tagen. Sie erwartet Deine Ankunft in dem Forsthanse bei dem Groß­vater, der nicht weniger begierig und freudig die Enkelin erwartet."

„Wenn es Dir recht ist, lieber Vater", sagte Clotilde, „bann wollen wir so schnell als möglich von hier fort, — ich fühle mich sehr gedrückt, ich bin krank, fo lange ich die Luft diefeö Zimmers, dieses Hauses eiiiathmen muß."

„Den Augenbllck wollen wir gehen", erwiederte ihr Vater, „ich will nun ein paar Worte mit diesem nieder­trächtigen Schurken sprechen, der es wagte — doch ich sehe ihn nicht mehr, wo ist er wohl hiugegangen?"

„Er hielt sich für überflüssig hier" sagte Ferdinand, „er hat kein Verlangen mit Ihnen zu sprechen, und sich von Ihnen begrüßen zu lassen. Er verließ bad Zimmer sogleich nachdem Sie eingetreten waren. Ich gab jedoch dem Kollmann Ordre ihn nicht aus dem Hause zu lassen ; — er ift hier gegeüber in dem anderen Zimmer, und wird da sammt dem Invaliden und der Haushälterin einstweilen von Ihren Leuten bewacht."

„Willst Du mir einen Gefallen erzeigen, „lieber Vater", fragte Clotilde. „Einen recht großen Gefallen?"

„Recht gerne mein Kind", erwiderte dieser: „ich weiß, daß Du nichts Unmögliches verlangst, und kann mir schon denken, was Du willst."

„So laste diesen erbärmlichen Menschen jetzt gehen,/ sagte Clotilde, „überlasse ihn der Strafe des Himmels und feinem bösen Gewissen, und eite, dieses Haus mit mir zu verlassen."

„Nun denn, so komme", erwiderte der Vater, „Silber aufgehoben ist nicht aufgeschoben, jedenfalls werde ich mit diesem Herrn noch abrechnen."

Mit diesen Worten fühttr er feine Tochter nach der

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blates, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. SW.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W- Thienes in Elberfeld; C. Schlotte iu Bremen.

e suH? Beide gingen auf Ferdinand zu und machten Miene 6 cKt A anjugreifen, — er trat jedoch rasch an ein Fenster und Azlt A eine seiner Pistolen aus der Tasche. Sowie der Hahn

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrirteS SvNNtagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2\ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunst und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

e sehr wohl noch eine geraume Weile mit cmsehen; zu verlieren haben wir dabei nichts, wohl aber wesent- iaity Ye Vortheile zu gewinnen." Allein eine Regierung denkt lottN. «ürlich anders, als ein fortschrittliches Zeitungsblatt. Sie ---«iß, daß auch sie zu verlieren hat, wenn 8 Millionen lsarSV inwohner ihres Landes kirchlich verwildern. Es war ja 2 S» tu zu beklagen, daß der Staat die Grenzregnlirung gegen Dctote t römische Kirche mit dem antikirchlichen Liberalismus . «rgenommen hat. Die Folgen davon haben unsere evan- sse 33i. ksche Kirche in Bezug auf die Schädigung des kirchlichen , Yens viel schwerer getroffen, als die katholische Kirche. " öffentlich wird der Friede mit Rom so geschlossen, daß

[2088 t „Werner!" sagte jetzt Schalch, „suchen Sie ihren gro- L Pt Fehler, Ihre schwere Versäumniß wieder gut zu ma- itntttff fcn. In Ihrem Zimmer hängt eine geladene Doppelflinte, ? tartft Neu Sie diese herbei und schießen Sie diesen frechen Räu- ' Seö Y nieder. Ich nehme die Veranttvortlichkeit auf mich, in- göjttr, Yl ich Ihnen im Namen der hohen Polizei ben Befehl [20$ Ml ertheile!" Dieses fetzte er hinzu, als ber Alte zögerte. —"" wem biefer aber jetzt hinaus geben wollte, rief ihm Fer­st 'taub zu:

| L „Dageblieben Atter! Ich habe zwar gesehen, baß in F*ter Stube keine Doppelflinte hängt, sonst würbe ich sie JMeitigt haben; — es darf aber Niemand aus diesem Zim- D f fl *t bis der Oberförster da ist. Dageblieben Atter, sage 3 U sonst gebe ich Euch zu versuchen, was in dem kleinen <tnge da steckt; — das wird jedenfalls schlechter fchmecken, [2099 H das, was ich Euch heute früh zu versuchen gab."

V „Wenn Sie sich fürchten, Werner, meinen Befehl zu Kietzen," sagte der Polizeikommissär, „so muß ich natür« A fehlt eö thun. Ich will doch sehen, wie weit dieser Mensch die Frechheit treibt"

K „Nehmen Sie sich in Acht," entgegnete Ferdinand, b.78,6i- * Mündung der Pistole auf Schalch richtend: ,,wer es 1 fei, ich laste Niemand hinaus!"

> Clotilde war weinend ans das Soptza gesunken, die —""'Mll-hätterin jammerte laut, Werner schien durch tiefen