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erhebt, in Paris eineninternationalen Arbeitercongreß". Die Arbeitseinstellungen im Departement des Nord wie in St. Chamond u. s. w. sind bis auf einige noch glimmende Funken erloschen; die Arbeiter haben nichts erlangt, wohl aber ein gut Stück Geld zum Fenster hinaus geworfen. DerKongreß für Frauenrecht", der in Paris am 25. Juli in Anwesenheit von 300 Personen eröffnet wurde, hat die Fraucnfrage nicht in dem Sinne, wie die Bethei- ligtcn wollten, gefördert; Presse und Publikum verhielten sich den aufgeworfenen Fragen gegenüber gleichgültig oder spöttisch, dagegen gab eine stattliche Anzahl auswärtiger Vereine dem Kongresse seinen Antheil kund. Am 27. hielt der Kongreß für Verbesserung der Transportmittel seine Schlußsitzung, in welcher neun Beschlüsse gefaßt wurden, die wenigstens als Wunschzettel von Fachmännern in den betreffenden Ländern Beachtung finden werden.

In England ist die Politik des Ministeriums im Parlament von der Opposition aufs heftigste angegriffen worden und der Redekampf ist auch jetzt noch nicht beendet, und wenn auch die Stellung des Ministeriums und der Parteien dadurch vielfach geklärt worden ist, so haben diese Besprechungen doch nichts Wesentliches zu Tage gefördert und zuletzt in der fortwährenden Wiederholung der Gründe für Anklage und Verthcidigung ermüdend und fast lang­weilend gewirkt. Das Ergebniß der Besprechungen im Unterhause wird eine regierungsfreundliche Mehrheit von 100120 sein, das noch eine bedeutende moralische Stär­kung dadurch gewinnt, daß sich die öffentliche Meinung nach wie vor für das Verhalten Beaconsfield's ausspricht.

Die österreichischen Truppen unter Philippovich sind nunmehr in Bosnien eingerückt, ohne daß vorher eine Convention mit der Türkei abgeschlossen worden wäre. Der Einmarsch vollzog sich bis jetzt in größter Ruhe und Ord­nung, ohne daß es, wie gefürchtet, zu einem bewaffneten Widerstand gekommen wäre. Aus Serastwo wird gemeldet, daß die Bevölkerung sich zum Widerstand rüste und der türkischen Behörde den Gehorsam verweigere, so daß dort vielleicht ein Zusammenstoß möglich ist. Die Durchführung der Festsetzungen deö Friedens von Berlin macht weitere Fortschritte. Nachdem Schumla den russischen Truppen übergeben ist, beginnen letztere jetzt, sich allmählich aus Rumänien zurückznzichen. Das 11. Armeccorps, welches dort Aufstellung genommen hatte, befindet sich auf dem Marsche nach der Heimath. Die Rumänen denken auch bereits an die Besetzung der Dobrudscha, und schon ist Oberst Angeleöcu, bekannt aus den Kämpfen um Plewna, zum Civil- und Militärchef dieses Gebietes bestimmt wor­den. Doch wollen die Rumänen die Besetzung erst dann durchführen, wenn die Ratificirung des berliner Friedens erfolgt ist und die letzten russischen Soldaten die Dobrudscha

Weßhalb sollte Ihr Herr Vater verhaftet sein?" ent­gegnete Ferdinand", davon weiß ich nichts."

Der der da hat es gesagt, und mit aller Bestimmt­heit behauptet", sagte Clotilde, auf den Polizeikommissär deutend, und vernichtende Blicke auf ihn werfend;der hat mich so fürchterlich mit dieser Behauptung geängstigt, daß ich bald nicht mehr meiner Sinne mächtig gewesen wäre. Mein Vater so sagte er würde wegen Hoch- und Landesverrat!) vor daß Kriegsgericht gestellt."

Kein wahres Wort daran", unterbrach sie Ferdinand. Ihr Herr Vater ist bekanntlich ein sehr loyaler Beamter, wie sollte der mit der bestehenden Negierung in Con- flikt gerathen?" '

Ich verstehe jetzt den ganzen schändlichen Plan dieses erbärmlichen Menschen," versetzte Clotilde, indem sie dem­selben den Rücken zukehrte,ich weiß jetzig weshalb ich ans diese fürchterliche Weise gequält werde. Die kamen gerade noch zur rechten Zeit, Herr Ritter, ich war meiner Sinne kaum mächtig, ich schaudere, wenn ich daran denke, wozu es noch hätte kommen können. Ich bleibe aber keine Mi­nute länger hier, wir wollen meinem Vater entgegen gehen, die Lust, die ich in diesem Hause athmen muß, erdrückt mich, ich kann nicht eher frei athmen, bis ich es verlassen habe."

Schalch spielte bei diesem ganzen Vorgänge eine höchst traurige Rolle; er war überrascht durch die Erscheinung des Fremden, und noch mehr durch die so bestimmt ange­kündigte baldige Ankunft des Oberförsters, die ihm aller­dings Schlimmes weissagte. Er sah sich verlassen, ohne Hülfe von irgend einer Seite, es stand ihm keiner seiner Helfershelfer hier zu Gebote, um einen Machtspruch aus zuführen, der ihn etwas aus dieser Verlegenheit hätte ziehen können, während er selbst ein Feigling war. Er sah seinen ganzen wie er wenigstens glaubte so klug angelegten

verlassen haben. In Konstantinopel wird noch immer über den Rückzug der russischen Truppen verhandelt, bis jetzt aber ohne Erfolg. Die Nüssen schicken eine große Anzahl von Kranken und Neconvalescenten zu Schiff nach Rußland, erhalten aber auf dem Seewege fortwährend neue Nachschübe zur Ergänzung der entstandenen Lücken. Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat Osman Pascha Befehl ertheilt, die Arbeiten ans der Vertheidigungs- linie vor Konstantinopel einzustellen, da die Wahrschein­lichkeit für einen Zusammenstoß mit den Nüssen nicht mehr vorhanden ist.

Tagesbericht.

Auö Teplitz wird von gestern telegraphisch gemeldet: Se. Majestät hat heute das erste Vollbad mit vortrefflichem Erfolge genommen, demselben vorher ging das dritte Moor­bad. Die Vollbäder werden mit 27 Grad zehn Minuten lang genommen, die Moorbäder bei lokaler Anwendung 20 Minuten. Das Befinden des Hohen Herrn ist durch­aus befriedigend. Die von einigen Blättern gebrachte Nach­richt, daß Se. Majestät bei der morgen, am Geburtstage Seines Vaters, stattfind enden Feier persönlich zu erscheinen gedenke, ist irrthümlich, desgleichen die Nachricht von einem bevorstehenden Eintreffen des Kaisers von Oesterreich. Der Besuch Allerhöchstdesselben ist erst in zwei bis drei Wochen zu erwarten und kann mich für jene Zeit noch nicht als definitiv feststehend betrachtet werden.

DerReichsanzeiger veröffentlicht die Ergebnisse des Abschlusses der Reichshauptcassenbücher für das Etatsjahr 1877,-78. Danach bleiben trotz mehrerer nothwendig ge­wesener beträchtlicher Etatsüberschreitungcn die aus den ordentlichen Reichseinnahmen zu deckenden Ausgaben um 485,351 Mk. hinter den Etatsansätzen zurück. Unter den Reichseinnahmen find die Zölle und Verbrauchssteuern um 15,654,008 Mk., die Wechselstempelsteuer um 462,932, der Ueberschnß der Post- und Telegraphen - Verwaltung um 1,693,395, der Uebersckuß der Rcichseiseubahnen um 109,447 hinter dem Etatsanschlage zurückgeblieben. Die Ausfälle beziffern sich zusammen auf 17,916,782, welchen die Mehrerträge bei anderen Etatskapiteln mit zusammen 6,371,283 und die obenerwähnten AuSgabe-Er- sparnisse von 485,351 gegenüberstehen. Zur Deckung des verbleibenden Deficits von 11,010,147 ist aus den Er­sparnissen an den von Frankreich für die Occupationstruppen gezahlten Verpflegungsgeldern ein gleicher Betrag pro 1877 78 in Einnahme gestellt.

Wie auch dieNordd. Allg. Ztg." berichtet, sind die

Plan gescheitert, und zwar auf eine Weise, die ihm na­mentlich durch die mächtigen Freunde und Verwandten des Oberförsters, sehr nachtheilig werden könnte. Vergebens besann er sich auf einen Ausweg es fiel ihm nichts ein; da wurde die Thüre geöffnet, und der alte Werner trat mit höchst unsicheren Schritten in das Zimmer.

Was soll das hier sein?" rief der Polizeikommissar froh über diese Unterbrechung dem Alten entgegen.Ihr schlaft in den Tag hinein und laßt einstweilen fremde Leute in daö Haus? Kennt Ihr Euren Dienst nicht besser?"

Das ist ja aber kein Fremder," erwiederte Werner, das ist ein Student, den ich heute Morgen auf eine sehr- angenehme Weise kennen gelernt habe, also ein Bekannter von mir, für den ich einstehe. Wo habt Ihr denn die Flasche junger Herr, es ist noch ein Rest darin, laßt den Polizeikommissar einmal versuchen, da wird er sich gleich überzeugen"

Daß Ihr betrunken seid, Werner!" unterbrach ihn Schalch.Diesen unangenehmen Vorfall habe ich Euch zu danken. Ihr tragt die alleinige Schuld, ich werde eine genaue Untersuchung anstcllen, und wehe Euch, wenn es so ist, wie zu vermuthen ich alle Ursache habe."

Werner wollte, erschrocken über diese Drohung, ant­worten, die Haushälterin, welche mit raschen Schritten in die Stube trat, hielt ihn jedoch davon ab, indem sie ängst­lich sagte:

Du lieber Himmel! Was soll denn das sein, ich finde den Hausschlüssel nicht und kann den Kutscher nicht hereinlassen, ich habe Alles durchsucht."

Das wird immer besser," rief der Polizeikommissar, das sind ja ganz verdammte Geschichten. Sie, Susann«, hat den Schlüssel, als fie mir die Thüren geöffnet hatte, in meiner Gegenwart abgezogen und mit in Werners Stube

«r. 181.

JHürßurg, Sonntag, 4. August 1878

XIII. Jahrgang.

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In,eigen nimmt entgegen: ne Expedition d.Btattrs, !^ie d-Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & Co. in gafid und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a.M.;

I heefenftein & Bögler in Itantfurt a. M., Berlin, | Apzig, Cöln ic.; Rudolf tleffe in Berlin, Frank- ; furt a. M. rc.

GerWslht

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2\ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Politische Wocheu-Ueberficht.

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renn die französische Regierung sich nicht noch dagegen

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Im Aorfthaus.

Novelle von Heinrich Hensler.

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Das kam Schalch doch höchst unerwartet, und war ihm in vielfacher Beziehung höchst befremdlich; er wußte im Augenblicke nichts was er sagen solle, endlich fragte er: /Was für eine Beglaubigung haben Sie für Ihre Mission?" ... ,,

Jedenfalls eine bessere als Sie, Herr Poltzeikommistar, antwortete Ferdinand, doch haben Sie trotz der Stellung, die Sie in dem Staate einnehmen, nichts darnach zu fragen, tarn mit Ihnen habe ich nichts zu thun, an Sie habe ich keinen Auftrag, wenn nur das Fräulein meine Beglau- ftgung anerkennt. Sic erinnern sich meiner vielleicht noch, Fräulein von Warnberg, obgleich ich damals maskirt war, US wir einander wegen des Unfalles der den kleinen Theodor dettoffen, einen Wettlauf von der Fulda nach dem Forst- Kuse"

Gerechter Himmel, Sie sind es!" rief Clottlde ihn "Nterbrechend, indem sie nunmehr trotz des so veränderten kichern ihren Retter erkannte, ein Freudenstrahl durch- Stftt ihr bleiches Gesicht.O Gott! wie danke ich Dir, drß Du mein heißes Gebet erhört hast. Jetzt bin ich ge= s ltttet. Ja, ja, ich gehe mit Ihnen fort, Herr Ritter, fort vlS diesem schrecklichen Hause."

Es wäre wohl gut, wenn Sie noch eine halbe Stunde *oa hier verziehen wollten," versetzte Ferdinand, ich stehe dafür, daß Ihnen nichts zu Leide geschieht; bis dahin wird 3hr Herr Vater hier sein."

Mein Vater?" rief Clotilde,mein Vater kommt? H er nicht gefangen?" Mit diesen Worten blickte sie fd-ld Ferdinand bald Schalch fragend an.

Der kurze Landaufenthalt unseres Kaisers tu Babelsberg h«t so günstigen Einfluß auf die Kräftigung des Monarchen gchabt, daß am 29. Juli die in Aussicht genommene Bade- «ise nach Teplitz angetreten werden konnte. Der Kaiser tot die Strecke von Großbeeren bis Teplitz mit Extrazug MÜckgelegt und ist in Begleitung seiner Tochter, der Groß- hnzogin von Baden, gegen 8 Uhr Abends in Teplitz ein­getroffen, woselbst ihm sowohl von Seiten der einheimischen ^völkerung und den Verttetern des Kaisers von Oestcr- reich als auch von den ftemden Kurgästen ein glänzender Empfang bereitet wurde. Der Kronprinz hat sich nach wem Besuche der Gewerbeausstellung in Hannover zu seiner Familie nach Homburg begeben, wohin ihm dann wch das Civil- und Militärkabinet gefolgt ist. Am Dienstag find im ganzen Deutschen Reiche die Wahlen für den Reichstag vorgenommen worden. Das Ergebniß läßt sich noch nicht ganz übersehen, doch kann man bereits so viel erkennen, daß die extremen Elemente keinen Zuwachs erhal- im haben, aber auch die Konservativen haben nur eine teilweise Vermehrung erfahren. Die Bestätigung des Ber­liner Friedensvertrageö ist von dem Kronprinzen Namens des Deutschen Reiches vollzogen worden; auch seitens der übrigen Großmächte ist sie bereits erfolgt, seitens der Türkei sieht sie unmittelbar bevor. Die Auswechslung der Rati- Mions - Urkunde wird an dem im Verttage vorgesehenen Zeitpunkt am heutigen Sonnabend in Berlin erfolgen. Der tierische Minister v. Pfretschner hat sich im Auftrage des Königs von Baiern nach Kissingen begeben, um den Fürsten [2023 Uzmarck wegen des Erfolgs des Congresses zu beglück- loünschen, doch glaubt man, daß diese Reise auch mit den Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reiche und der päpstlichen Curie in Verbindung stehen, bei denen Baiern ton Vermittler spielen soll. Daß jene Verhandlungen ernst- lichft fortgesetzt werden, geht aus der Thatsache hervor, daß der Nuncius Masella ebenfalls in Kissingen eingetroffen ist und daselbst bereits mehrere Besprechungen mit dem Fürste» Reichskanzler gehabt hat.

Der König und die Königin von Italien sind mit ' na* dem Prinzen von Neapel und dem Herzog von Aosta und | in Begleitung der Minister Cairoli, Corti, Bruzzo und Saecarim aus Turin in Mailand eingetroffen und von der sehr zahlreich zusammengeströmten Bevölkerung auf das lebhafteste und festlichste begrüßt worden. Der päpstliche Staatssecretär Cardinal Franchi ist nach kurzem Kranken­der einem Gallenfieber erlegen. Der Papst bewahrt den Schlüssel zu den Papieren des Staatssecretariats.

Vom 2. bis 12. September halten die Sozialisten,

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