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ter. 180

XIII Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 3. August 1878

, jntfurt a. M., Berlin, iniig, Cöln :g; Rudolf ® teffe in Berlin, Frank­

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Tagesbericht.

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DerReichsanzeiger" meldet die Abbemfnng des bis- erizen deutschen Gesandten in Madrid Grafeir Hatzfeld (n seinem bisherigen Posten zu anderweitiger dienstlicher timmung.

Der unenvarteten Meldung von der Erkrankung des rdinal-Staatssekretärs Franchi ist heute die TodeSnach- tzt bereits gefolgt. Mit diesem Cardinal hat die gemäßigte tung im Vatikan ihren einflußreichsten Führer ver-

Der plötzliche Tod der Eminenz kommt der extre- Richtung so gelegen, als daß nicht gewiße unheimliche Lchte über die Todesart des Cardinals im Publikum

Weizenausfuhr nach England in den vierziger und fünfziger Jahren noch stark wuchs, um endlich in unserem Jahrzehnt mit. Deutschland absolut und noch mehr relativ in den Hintergrund zu treten. Auch Dänemark nahm Anfangs zu, dann aber ab, selbst wenn man abrechnet, was in dieser Abnahme auf den Verlust von Schleswig-Holstein fällt. Auch Oesterreich-Ungarn fing an in den sechziger Jahren stark zu wachsen, allein der junge österreich-ungarische Handel nach England wurde bald durch Rußland und Nord­amerika wieder verdrängt. Auch noch andere Länder Mittel­und West-Europa's vermochten zuerst namhafte Beträge von Weizen in das ihnen geöffnete England zu werfen, allein nicht lange, denn Amerika und Rußland erstickten fast Alles. Völlig zu Gunsten nur der fernen Gegenden hat sich aber das Ringen um Englands Weizenbedarf erst in der ersten Hälfte unseres Jahrzehnts entschieden. Die nordamerikanische Union, welche in diesem Wettlauf schon in den sechsziger Jahren die Führerschaft mit 29 pCt. über­nommen hatte, hat in unseren Jahren die Concurrenten noch viel weiter überholt und hat schon 40 pCt. an sich gerissen. Nimmt man British-Amerika und Chili hinzu, so stellt sich der Antheil der neuen Welt auf die Hälfte, denn Canada hat 7 und Chili 3 pCt. errungen, so daß diese drei ameri­kanischen Staaten genau 50 pCt. des englischen Bedarfs in unserer Zeit decken. Hiergegen tritt sogar Rußland immer mehr zurück, obwohl es absolut in den ersten 5 Jahren unseres Jahrzehnts noch sehr bedeutend zugenommen hat. Rußland scheint relativ auch schon auf der Höhe ange­kommen, auf welcher es sich eine Zeit lang noch halten wird, um dann auch vor Amerika die Waffen zu strecken. Dasselbe Schicksal hat die verwandte Staatengruppe Türkei, Rumänien, Egypten schon ereilt. Viel gewaltiger find die Veränderungen unseres Jahrzehnts für Deutschland gewesen. Die Weizenausfuhr nach England hat gegen die sechsziger Jahre von 6,631,800 auf 4,617,488 abgenommen, oder Deutschland ist in seinem Antheil von 18,4 auf 9,4 pCt. herabgestiegen. Das in einigen Beziehungen ähnliche Frank­reich hält sich in der Menge nothwendig auf der alten Höhe, rückt damit aber selbstverständlich in seinem Platz immer mehr herunter. Das Uebergewicht Amerikas im Getreidehandel wird von Jahr zu Jahr ein immer mehr erdrückenderes werden, mit der Hälfte wird sich bald nicht mehr begnügen, von nennenswerthen alten Concur- renten bleibt nur noch Rußland auf dem Kampfplatz.

den Jubel der liberalen Parteien über die Verdrängung der Sozialdemokratie aus dem Reichstage erheblich zu dämpfen. So viel Werth darauf zu legen sein mag, daß die sozial­demokratische Vertretung im Reichstag verringert werde, so ist auch das wesentlichste Interesse, daß der Verbreitung der Sozialdemokratie im Lande Einhalt geihan werde, und das ist offenbar durch die reiche Belehrung in der Wahl­kampagne nicht im Mindesten erreicht. Die Propaganda der sozialdemokratischen Zeitungen und Flugblätter ist zu gewaltig und zu verführerisch, als daß die fortschrittliche ober sonstige Belehrung irgend etwas dagegen vermöchte, nur die Schließung der sozialdemokratischen Schule selbst kann da helfen. Auch heute noch liegt das Wahlergebniß kaum aus der Hälfte der Wahlkreise vor. Ein Anwachsen der konservativen Mandate ist unzweifelhaft, wenn auch in bescheidenen Grenzen; beachtenswerth ist jedenfalls, daß von nirgends der Verlust eines konservativen Mandats zu mel­den ist. Die Angabe, daß die Bestätigung des Todeö- urtheils Hödel's am Montag Seitens des Kronprinzen er­folgt ist, ist irrthümlich. Bis zur Abreise lag das Urtheil dem Kronprinzen nicht vor. Der Bericht des Staatsministe- riumö dürfte inzwischen nach Homburg gelangt sein. Eine hiesige Zeitung will wissen, daß die Einbringung des Sozialistengesetzes an den Bundesrath sich deshalb verzögert habe, weil die preußische Regierung vor der schließlichen Feststellung den Ausfall der Wahlen abwarten wollte. Das ist eine völlig müßige Conjeklur. Der Entwurf ist , wie bereits erwähnt, längst festgestellt uno vom Staatsministe­rium und dem Kronprinzen genehmigt, und ist den Bundes­regierungen bereits vertraulich mitgetheilt. Die definitive Einbringung an den Bundesrath ist nur mit Rücksicht auf diese vorgängigen vertraulichen Mittheilungen hinausgescho- ben worden. Die Einbringung wird jetzt unverweilt er­folgen und die Berathung im Ausschuß am 10. oder 12. d. M. beginnen. Der internationale Gefängnißkougreß tritt am 20. August in Stockholm zusammen. Seitens der preußischen Regierung werden an demselben der Geh. Ober- Regierungsrath Elling vom Ministerium des Innern und der Geh. Ober - Justizrath Starke vom Justizministerium Theil nehmen. Der Handelsminister hat die Handels­kammern auf ein Werk aufmerksam gemacht, welches hier von M. W. Lüßally unter dem TitelDer Markenschutz, allgemeines Zeichenregister für das deutsche Reich," heraus- gegeben wird. Dasselbe ist dazu bestimmt, eine die Ueber- stchtlichkeit erleichternde Zusammenstellung der auf Grund des Gesetzes über den Markenschutz vom 30. November 1874 bewirkten Eintragungen zu bieten. Nach einer vom Reichseisenbahnamt aufgestellten Nachweisung über die im Monat Juni d. I. beförderten Züge und Verspätungen wurden auf 58 Eisenbahnen Deutschlands excl. Baierns

mir Ihre Hand am Altäre reichen. Die Untersuchung gegen denselben, sowie gegen den Herrn Forstmeister wird nieder­geschlagen, und damit hören alle nachtheiligen Folgen jener sehr strafbaren Handlungen sogleich auf."

Clotilde, immer mit einer Ohnmacht kämpfend, ver­barg ihr Gesicht in die Kiffen des Sopha's, eilt krampf­haftes L-chluchzen durchzuckte ihren Körper, sie fühlte nicht die Kraft eS zu verwehren, daß der immer dringender werdende Schalch ihre Hand nahm, sie wiederholt au sein Herz drückte, und dann mit Küssen bedeckte, worauf er fortfuhr:

Bedenken Sie doch das harte Schicksal ihrer nächsten Anverwandten, denen Sie ein solches Opfer schuldig sind, ja die es jedenfalls von Ihnen erwarten, und zu erwarten berechtigt sind, wenn sie doch die Erfüllung meiner Be­dingungen, ober vielmehr meiner so dringenden und wohl­gemeinten Bitte als ein Opfer ansehen wollen. Könnten Sie die Verzweiflung Ihrer Sie so sehr liebenden Mutter sehen"

O Gott! meine arme Mutter I" schrie Clotilde von dem Sopha aufspringend und den vor ihr tniccnben Schalch zurückstoßend. In demselben Augenblicke entstand ein kurzer heftiger Wortwechsel vor der Thüre des Zimmers.

Ferdinand war wieder, da im Hause Alles ruhig blieb, aus seinem Verstecke hervorgekommen und hatte an der Thüre gelauscht, um im Falle der Noch hei der Hand zu fein. Da hatte er Clotildens ersten Schrei gehört. Rasch öffnete er die Thüre und trat in den Gang.

Der Stube gegenüber, in welcher er sich seither auf­gehalten hatte, war das Zimmer CtotildenS; er schlich bis unmittelbar vor die Thüre des Zimmers in demselben Augenblicke kam die Haushälterin Susanna herbei. Sie erschrack, als sie einen Fremden sah und und fragte ängst­lich, wer er sei, wo er heikomme und was er wolle.

-eigen nimmt entgegen: »Expedition d.Blattes, je dÄnnoncen-Bureaur n Tb- Dietrich & Co. in .fiel and Hannover; Th. letrid) in Frankfurt a.M.; fenftein & Bögler in

Im Forsthaus.

Novelle von Heinrich Hensler.

(Fortsetzung.)

BrfAeint täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSvlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). JnsertwnSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ettfceilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

T ]F Schalch fuhr dann fort:

Man sand nichts, was den Herrn Oberförster hatte ^npromittiren können, weder in seinem Burean, noch in inntm in der Privatwohnung stehenden Schreibpulte. Da *tr die Anzeigen zu bestimmt lauteten, so glaubte der ^lersuchungSrichter zst einer persönlichen Durchsuchung be- dchtigt zu sein, und die fand sich denn allerdings in siutot kleinen gestickten Portefeuille, das er in der Brust- Hhe seines Ueberrockes trug, fassen Sie sich, Fräulein « ist ja nicht Alles verloren, es kann vielmehr Alles noch 'M Besten gelenkt werden, und zwar ohne viele Um« Mibe."

Deutsches Reich.

*» Berlin, 1. Aug. Die Thatsache deö numerischen Anwachsens der Sozialdemokratie wird auch von Hamburg und anderen großen Städten aus bestätigt und ist geeignet, das Kriegsgericht gestellt, da er den Jnholl der Papiere die er bei sich trug, nicht längnen konnte, so ist fein Urtheil leicht vorauszusehen."

Ich beschwöre Sie bei Allem was Ihnen heilig ist," rief Clotilde, indem Todtenblässe ihr Gesicht überzog,sa­gen Sie mir die Wahrheit, es ist jedenfalls ein Jrr- thum, eine Verwechslung. Enden Sie dieses grausame Spiel"

Sie schlug in größter Aufregung die Hände vor das Gesicht und brach in einen Strom von Thränen aus.

Ich rede die Wahrheit, mein Fräulein," entgegnete Schalch,die volle, teilte Wahrheit. Es ist dieses nur all­zuwahr, ich würde mich der Sünde fürchten, hier zu scher­zen, die Sache ist in Wahrheit nur allzu ernst. Ihr Herr Vater ist verhaftet und wird wegen Hoch- und Landes- verrath vor Gericht gestellt. Sein Loos kann unter den vorliegenden Umständen nicht zweifelhaft sei»; ja noch mehr, die vorgefundenen Papiere lassen sogar Ihren Großvater den Herrn Forstmeister von Wamberg schuldig erscheinen, und morgen schon werden auch dessen Papiere untersucht, und"

Um des Himmels Willen, hatten Sie ein!" schrie Clo­tilde" im Uebermaße ihres Schmerzes; Sie tobten mich, es ist nicht wahr, es kann nicht war sein, mein Va­ter und mein Großvater sind beide unschuldig. *

Sie sind es nicht, Fräulein," entgegnete Schalch mit kalter Ruhe.Sie hatten diese Ihre nächsten Verwandten wohl für unschuldig, aber sie sind es nach den vorliegenden untrüglichen Beweisstücken nicht, ja Ihr Vater hat seine Betheiligung nicht einmal leugnen wollen, Ihr Groß­vater wird es ebenso machen. Es ist Alles genau so, wie ich sagte, und Sie haben das Schicksal Ihres Vaters und Ihres Großvaters, ja ihrer ganzen Familie in der Hand, Ihr Vater ist in demselben Augenblicke frei, in dem Sie

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d BlaiteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

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Einer interessanten Arbeit des Herrn Laspeyres enj- 'rtjfMnen wir folgende Darlegung über den Rmgkamf um Wil im Getreideexport nach England:

"202! In den dreißiger Jahren, also unter noch fast vollstän- H. hger Blüthe der englischen Kornzölle lag der Schwerpunkt ---- 18 englischen Weizenhandels in Deutschland. Von den 3 N,«cht ganz 5 Millionen Ctr., deren England jährlich be- 3 U, tarfte, waren mehr als 2 Millionen oder 45 pCt. aus

Deutschland importirt, dann folgte Rußland, besonders die Dftfeegegenben mit gegen 12 pCt., bann folgten mit 9 pCt. it Vereinigten Staaten von Norbarnerika, ferner Britisch- lmerika und Frankreich mit 5 pCt. Bis in unser Jahr- N hat sich das Alles ganz geändert, der Import aus Seutschland stieg in den letzten vierziger Jahren enorm, ler a it Aufhebung der Kornzölle und der Ausbau des Eifen- iic bi chnnetzes auf dem Contiuent kam Deutschland in erster [1983 leihe zu statten, sein Antheil stieg in den vierziger Jahren ' son 2 fast auf 4 Millionen, in den fünfziger Jahren auf ist 5 und in den sechziger Jahren auf saft 7 Millionen Zentner; die Zunahme war, absolut betrachtet eine Mick!>hr respectoble, aber die Zunahme in anderen Staaten -H »ar eine noch viel gewaltigere. Rußland stieg von 1 2

\ ttf l'/2, 3, 8 Millionen Gentner, die nordamerikanische Union von 12 auf 2, 5, 10 Millionen Gentner. Aehnlich tit Rußland, nur nicht in denselben Dimensionen, nahmen tit anderen Staaten im Südosten Europas immer größeren ;in Iniheil an dem englischen Import, so die Türkei, bann

i kt Moldau-Wallachei unb Egypten.; was Rußland selbst Grifft, so war es ber Weizen aus dem Schwarzen Meer, Selcher ben aus ber Ostsee sehr stark überwog. Aehnttch bit die Vereinigten Staaten, nahmen anbere Theile Ame­rika am Weizeichandel Theil, vor allem British-Amerika . j tto Chili. Das Schicksal Dentschlanbs theitte bagegen ber JlCT tznge Westen Europas, so namentlich Frankreich, besten

Machen Sie keine Umstänbe, Herr Polizeicommisiär', verbrach Glotilbe ben absichtlich Zögernden, und suchte Mühsam die Anwandlung einer Ohnmacht zu unterdrücken, Achten Sie nur fort mit Ihrer Nachricht, geben Sie N Gift das Sie für mich mitgebracht haben, nur auf Ntal her und nicht tropfenweise, ich bin darauf ge- K, und bin im Voraus überzeugt, daß von Jhueu nichts - ift j^tes für mich kommt."

IWenn Sie nur dieses ungerechte Vorurtheil, das See

,a mich haben, beseitigen wollten", sagte Schalch, die

K»d auf ttin Herz legend, mit schmachtendem Blickenur j» Ihnen zu helfen, indem ich Ihnen zeige, wie Sie ihren Mer befreien können.

- .Befreien?" rief Glotilbe hastig,Sie sagen befreien? >7,31 soll das sein, ist er denn verhaftet, weil Sie von

IHeiung sprechen ?"

t.Allerdings ist er verhaftet" erwiederte Schalch.Er I* aus das Castell gebracht und wird in wenig Tagen vor