Er saß schon eine Weile da und immer noch regte sich Niemand in dem Hause; jetzt hustete er einige Male laut, um sich bemerklich zu machen, — da schlug ein Hund in dem Hause an; er hustete jetzt noch ein paar Mal, und so ging es noch einigemal fort, bis endlich die Thüre geöffnet wurde und ein alter Mann herauSkam.
Seinem Anzuge, seinem Schnurbarte, und seiner Haltung nach zu urtheilen, war es ein Soldat, wahrscheinlich ein Invalide, der als Wächter des Hauses verwendet wurde. Ferdinand als er die Thüre gehen hörte, wendete den Kopf nach ihm um und sagte ihm freundlich zunickend:
„Ei, guten Morgen Alter! Wie geht Ls Euch? Kommt Ihr endlich aus Eurer Höhle heraus? Ich habe schon geglaubt, es sei ein verzaubertes Schloß, wie man in alten Märchen liest und alle Bewohner lägen in einem tiefen zauberhaften Schlafe."
Der Alte trat näher an die Bank und sagte verwundert: „Kennt Ihr mich denn?"
„Euch?" fragte Ferdinand, „daß ich nicht wüßte! Wenn ich nicht irre, so sehe ich Euch heute zum ersten Male. Warum fragt Ihr bcnn?“~
„Wie kommt es denn, daß Ihr so bekannt thut?
„Ich weiß nicht, was Ihr wollt. Ich habe Euch fteund- lich einen guten Morgen gewünscht und gefragt, wie es Euch geht, — und anstatt mir ebenso freundlich zu antworten, wollt Ihr mir wohl Vorwürfe machen? Warum das? Seid Ihr denn nicht aus diesem Lande?"
„O ja, aber — warum fragt Ihr mich dieses?"
„Närrchen!" versetzte Ferdinand lachend, „warum werde ich Euch fragen? Doch wohl, weil ich es wiffen möchte!"
Mit diesen Worten war er zur Seite gerückt und hatte dem Alten Platz gemacht, indem er ihn mit einer Pantomime zum Sitzen einlud. Zugleich holte er eine Flasch«
und ein kleines Glas aus seinem Ränzchen, schenkte ein und trank das Glas zur Hälfte leer, dann sagte er:
„Ach da« war gut, der Alte hat mir doch etwas Gute« eingepackt, kräftig und doch mild wie Oel; vielleicht etwas zu kräftig!"
Er füllte das Glas wieder und reichte es dem Invaliden hin, mit den Worten:
„Thut mir einmal den Gefallen, Alter, und versucht diesen Liqueur und sagt mir Euer unparteiisches Urtheil, ob ich Recht habe oder ob ich nichts davon verstehe. Ich sage ex ist gut, sehr gut, recht gewürzreich, ich behaupte aber, er ist etwas zu stark für gewöhnlichen Trank."
Der Alte setzte sich unwillkürlich und griff nach dem Glase. Zuerst hielt er es gegen die Sonne, um die Farbe zu prüfen, dann führte er es an die Nase und sog begierig den angenehmen Duft ein, dann nickte er einigemal Beifall und schlürfte dann einen tüchtigen Schluck, worauf er mit der Zunge schnalzend rief:
„Ach! Donnerwetter! Das ist in Wahrheit ein delikater Trank, mit dem wäre ich den Rest meines Lebens zufrieden, wenn ich genug davon hätte. Da wüßte ich nichts davon zu verbessern, — der ist wirklich famos?"
„Gut ist er," erwiderte Ferdinand, „wirklich ganz vorzüglich, das sage ich selbst, nur brennt er ein wenig in der Kehle und ist deshalb zu stark. Meint Ihr es nicht auch?"
„Das kann ich nicht sagen", antwortete der Alte, indem er mit einem zweiten Schlucke das Glas leerte und hinzusetzte:
„Eure Kehle ist an solchen Trank noch nicht gewöhnt, Ihr seid noch zu jung. Für mich ist er gerade so recht."
'„Ich weiß doch nicht, ob Ihr Euch nicht irrt", sagte Ferdinand. l„Thnt mir einmal den Gefallen genau darauf Acht zu geben, und an nichts, al» an die Stärke znßdenken, — es liegt mir Ettvas daran. Da müßt Ihr aber, wenn Ihr es thun wollt, es nach meiner Manier machen. Das
Aum» 1«eigen nimmt entgegen: ^HNrrpedMon d.vlatteS, °r»e, £ie6 ännoncen-Sureaur e weg Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; . ßaafenftein L Vogler in
I) fcantfurt a. M., Berlin,
’ Aipzig, Cöln xc.; Rudolf
«efft in Berlin, Franl- furt a. M. rc.
Marburg, Mittwoch, 31. Juli 1878
5x111. Zahrgmg.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blai trS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SountaaSblatt" durch die Ervedition fflnA'l Buchdruckerer) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr». - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«
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[202 JllustrirteS Sonntagsblatt
Die Exped. d. Oberh. Zeiiuug.
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■M tafcn sei, welches mit dem Eingang deS von der „Ger- k «Miia" veröffentlichten Textes bis zu den Worten: Herzog IUI M Braunschweig und Lüneburg übereinstimme, aber die krauf folgende längere Auseinandersetzung über die Hoff
van und GI2
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igeblich authentischen Auszuges aus dem Proteste des ogs von Cumberland erfährt die „Norddeutsche Alleine Ztg." von zuverlässiger Seite, daß bei einigen fischen Regierungen, auch bei dem Senat einer freien .adt ein Schreiben des Herzogs von Cumberland einge-
Jm Forsthaus.
Novelle von Heinrich HenSler.
(Fortsetzung.)
Bberhessische Zeitung
und deren Gratisbeilage
r die Reise nach Homburg antreten.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Se. jestät der Kaiser empfing gestern auf Babelsberg mtliche hier anwesende Mitglieder des StaatSministe- Ms und richtete eine längere Ansprache an dieselben; mso empfing der Kaiser auch den Präsidenten deS evan- ischen Oberkirchenrathes.
Betreffs des von der „Germania" veröffentlichten
gür die Monate A«g«ft und September
nehmen die Postanstalten (auf dem Lande die Lmdpostboten) Bestellungen entgegen auf die
ulen Tagesbericht.
Se. Maj. der Kaiser ist heute Mittag um 11V2 Uhr mit der aschi« Eroßhe^ogin und der Prinzessin Victoria von Baden von Mitld Station Großbeeren nach Teplitz abgereist, woselbst die Ankunft Wenbs 71/2 Uhr erfolgt In Bodenhach wird während eines
, halbstündigen Aufenthaltes das Diner eingenommen. Der [192 Kronprinz kam Mittags nach der Abreise des Kaisers per ßxtrazug nach Berlin, fuhr direct nach dem Lehrter Bahu- yr« |ef und reifte um 1 Uhr mit dem Courierzug nach Hannover zur Besichtigurig der dortigen Ausstellung. Von notier wird der Kronprinz in der nächsten Nacht 1
singen und Ansichten des Herzogs nicht enthalte. Ob der Dieich Senat der betreffenden freien Stadt und auswärtige Mächte ;nbilMse Auseinandersetzung erhalten haben, weiß die „Nordd. ereObi Wz. Ztg." nicht, bezweifelt es aber, und hält die Vcröffent-
Hung der „Germania" für das, was man in England 1 ten Wahlpuff nenne. (S. auch unten •* Berlin.)
- t Wenn man die französischen Zeitungen nur etwas re- ilmäßig liest, kann man nicht genug erstaunen über den größer
lind größer werdenden Raum, welchen die Person des Herrn Gambetta in der Polemik und den Nachrichten dieser Blätter einnimmt. Die Minister figuriren nur noch für die Mehrzahl dieser. Blätter im Hintergründe und von ben anerkannten Führern der parlamentarischen Gruppen ist überhaupt nicht mehr die Siebe ausgenommen in ben Berichten über öffentliche Feste. Ueberaö sowohl in bem Organismus ber Regierung wie in bem parlamentarischen Räberwcrk ist Herr Gambetta ber deus ex machina. Die republikanische Partei scheint sich uach- gerabe mit Gambetta zu ibentistciren. Nach ber Rückkehr des Herrn Wabbington melbete bie „Agcnce Havas", baß ber Minister mit Herrn Gambetta eine Zusammenkunft gehabt unb „münbliche Auscinanbersetzungen über bie Haltung Frankreichs auf bem Congreß ausgetauscht habe." Ein ministerielles Blatt melbet baß ber Maire von Marseilles von bem Minister des Innen; seine Entlassung verlangt, gleichzeitig es aber für nöthig gehalten hat, diesen Entschluß Herrn Gambetta mitzutheilen. Gegenwärtig weiß die Presse nichts Besseres zu thun, als den Spuren des Herrn Gambetta nachzuforschen. Das Beiblatt des Edictators brachte kürzlich bie interessante Nachricht, daß Herr Gambetta verreist sei, fügte jeboch (»hne baß Jernanb bas Gege,ltheir behauptet hätte) hinzu, baß er nicht ins Ausland gegangen sei. Es verbreitete sich bann bas Gerücht, baß Gambetta sich incognito nach bem Lanbsitze bes Berliner Botschafters Vicomte be St. Ballier begeben habe. Nach ben Informationen ber „Correfpoiibance universelle" ist bics jeboch nicht ber Fall, vielmehr befindet er sich überhaupt nicht in Frankreich. Wollen wir hoffen, baß bie offizielle Pariser Welt bald aus ihrer Ungewißheit erlöst wird.--
Deutsches Reich.
** Berlin, 29. Juli. Der Kaiser hat ben Wunsch gehabt, vor seiner Abreise noch bas Staatsministerium zum ersten Mal seit seiner Erkrankung zu begrüßen. Der Empfang ber Minister, denen sich aus Wunsch des Kaisers auch der Präsident des Oberkirchenrathes angeschloffen hatte, hat ftstern in Babelsberg ftattgefunben. Der Kaiser hat sich ehr herzlich und ergreifend gegen die Minister ausgesprochen, owohl in Bezug auf die traurige Veranlassung seiner Krankheit als auch in Bezug aus die Hoffnung ber Genesung. Der Monarch hat sich heute Mittag zu Wagen nach Großbeeren begeben, von wo bie ununterbrochene Weiterreise nach Teplitz erfolgte. Alle weiteren Bestimmungen hängen von bem Verlauf ber Kur in Teplitz ab. Auch ber Kronprinz hat sich heute Mittag mit bem Jagb- zug nach Hannover begeben, um bie dortige Provinzial-
Gewerbeausstellung zu besichtigen. Von dort soll heute -Slbenb bie Weiterreise nach Homburg erfolgen. Der Minister bes Innern hat sich in Begleitung des Kronprinzen nach Hannover begeben, von wo er morgen früh zurückerwartet wirb. — Heute finbet eine Sitzung bes Staatsministeriums statt, in welcher es sich hauptsächlich um bie Angelegenheiten beö Staatshaushalts handeln wirb. — Die Veröffentlichung bes Schreibens bes Herzogs von Cumberlanb in biefem Augenblick unb in ber Germania" gibt zu manchen nicht immer begrüubeten Vermufhungen Anlaß. Zunächst ist es unrichtig, baß ber Brief das Er- gebniß des Scheiterns vorheriger vertraulicher Verhandlungen zwischen dem Herzog und der preußischen Regierung sei. Die Versichernng ist mit aller Bestimmtheit zu wiederholen, daß es zu solchen verttanlichen Vorverhandlungen gar nicht gekommen ist. Der Kampf der Ansichten in ber Umgebung bes Prinzen selbst scheint vielmehr bie ganze Zeit bis 511m Erlaß bes Schreibens in Anspruch genommen zu haben. Es scheint auch von Bebeutung, baß bas Schreiben, welches von Gmunben batirt ist, erst erlassen worben, nachdem der Prinz sich ben versöhnlichen Einflüssen seiner englischen Verwandten entzogen hatte unb lebiglich seinen hannoverschen Rathgebern überlassen war. Daß bie Veröffentlichung in ber Germania erfolgte, entspricht burchaus der Verwanbtschast ber wölfischen unb ultramontanen Gesichtspunkte, welche in ber Person bes herzoglichen Hauptrathgeberö, bes Herrn Winbthorst, ihr Symbol ftncet. — Die Frechheit ber „Berliner freien Presse", welche sogar bie heuchlerische Miene annimmt, Friebrich Wilhelm IV. zu verherrlichen, gemahnt lebhaft an ben Uebermuth bes Delinquenten vor ber Exemtion. Einen Zweck kann solche Blasphemie nicht habm. — Der Wahlausmf bes Dr. Völk ist ein rechter Beweis, wie ver- schiebm auch in ben eigentlichen Volkskreisen, bie ganz ent- schieben auf bem Boden ber nationalliberalen Partei stehen, bie Stimmung von ber Auffassung bes leitenben ComitsS in Berlin ist. Nach biefem Aufruf müßte bie „Tribüne" unb bie „N.-L. C." auch ben Dr. Völk zu benjenigen Nationalliberalen zählen, bie sich als aus ber Partei ausgeschieden zu betrachtm haben.
Zwickau, 26. Juli. Nachdem in Folge ber neuerlichen Gesetzgebung auf gewerblichem Gebiete in hiesiger Stadt bie alten Innungen zu einem großen Theile sich aufgelöst haben, währenb anbere gewerbliche Genossenschaften int engeren Sinne als neue Innungen auf Grund von § 97 der Reichs- Gewerbeordnung nur in vereinzelten Fällen sich wieder gebildet haben, sind die aus dem Mangel jeden Zusammenhaltens der selbstständigen Gewerbtreibenden eines und desselben oder mehrerer verwandten Gewerbe für die gemeinsamen gewerblichen Interessen hervorgehenden Uebelstände
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Tg ü — die andern konnte er der hohen Mattern wegen g<5 *$t sehen — waren mit ersernen Stangen verwahrt und iöü 1 beiden Seiten deS Hauses war die Umfassungsmauer gebaut. - -
^^War die Gesuchte noch in diesem Hause, so war sie Irrbings gut verwahrt unb es war nicht abzuschcn, wie 61 eine Nachricht von ihr erhalten ober zu ihr gelangen - len könne. Das Haus schien übrigens wie ausgestorben t fein; eS war schon acht Uhr unb noch ließ sich kein Laut * bemfelben vernehmen.
. Ferdinanb ging jetzt näher hinzu unb setzte sich auf <r an bem Hause neben bet Thüre angebrachte steinerne öit. Es fehlte ihm ein paffender Vorwand, um in bas M zu kommen, er wollte deßhalb abwarten, ob nicht ^anb herauskomme, von bem er etwas über bie Bewoh- .87,A' & hören könne. Er nahm fein Ränzchen von bem Rücken, 80 U- & es neben sich unb begann allerlei Viktualien anszu-
®en. Man hatte ihn in dem Forsthause reichlich bamit tyfjen unb er hatte eS sich ohne Widerrebe gefallen lassen, 1 man ihm sagte, cs sei ein Wirthshaus, überhaupt auch 1 । anderes Haus nicht in ber Nähe und weil er seinen
Hrtt bis znm Mittag und unter Umständen auch noch ^tr nicht verlassen wollte.
L ES war ein ziemlich altes Gebäude von drei Seiten einer den Hofraum umschließenden hohen Mauer und " R wenige Schritte hinter dieser mit Wald umgeben. Die (('? orbevfeite begrenzte ein Fahrweg unb jenseits des Weges Ä I an ben gegenüber liegenben Theil bes Waldes war ein A iück des Letzteren abgeholzt. Die Fenster deS unteren SM tockwerkes, soweit wenigstens als sie aus die Straße gin-