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Marburg, Mittwoch, 24. Juli 1878
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im November bevorsteheuden Stadtverordneteilwahlen, zu denen die Wählerlisten jetzt ausliegen, lebhaft zu betheiligen. Die „Berl. Fr. Presse" theilt den Parteigenossen zu diesem Zweck die die Theilnahme an diesen Wahlen betreffenden Bestimmungen mit und fordert zu einer regen Agitation auf. Nach der bisher bei den communalen Wahlen seitens der stimmfähigen Bürger beobachteten Gleichgiltigkeit dürfte es, wie die „Voss. Ztg." meint, kaum überraschen, auch einige socialdemokratische Stadtverordnete aus dem Wahlact hervorgehen zu sehen.
rocke verdeckten die eigentliche Livree. Endlich bezeichnete Kollmann noch den Weg, auf welchem die Chaise davon gefahren war.
Als der Vater der Entführten diese für ihn so schreckliche Nachricht erhielt, eilte er augenblicklich in das Forsthaus und gab sich mit größter Ausdauer alle erdenkliche Mühe in Steinau weitere Spuren aufzufinden, jedoch ohne den geringsten Erfolg.
Er ging den von Steinau durch den Wald fiihrenden, ihm bezeichneten Weg nach allen Seiten hin, auch die verschiedenen Nebenwege, die von dem Hauptwege auslie- sen, bis in die nächsten Dörfer und fragte da von Haus zu Haus, er sowohl als Kollmann, der ihm treulich Beistand leistete, ob man nicht in der vorhergehenden Woche eine Chaise gesehen habe, — das arme Mädchen aber war und blieb spurlos verschwunden.
Warnberg zweifelte keinen Augenblick, in welcher Absicht diese Gewaltthat verübt worden sei, aber gerade dieser Glaube war geeignet ihn mit Entsetzen zu erfüllen.
Einer der Günstlinge des Königs hatte, — so glaubte er — daS schöne Mädchen als eine willkommene Beute für seinen Herrn angesehen, der, wie bekannt, ein großer Verehrer des schönen Geschlechtes war, dabei aber die Abwechselung sehr liebte. In der Ueberzeuguug, daß Clotilde nie freiwillig in einen derartigen ehrlosen, schmählichen Antrag einwilligen würde, versuchte man die Gewalt in der Hoffnung, das arme Mädchen werde dadurch eingeschüchtert, entfernt von ihren Eltern und in leichtfertiger Gesellschaft leichter zu besiegen sein. — An ähnlichen Beispielen fehlte es in jener schmachvollen Zeit keineswegs.
Das waren die Gedanken deö unglücklichen Vaters und fast erdrückt, von den vielen Möglichkeiten die ihm über das Schicksal seines Kindes vorfchwebten, kam er
Im Forsthaus.
Novelle von Heinrich Hensler.
(Fortsetzung.)
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Tagesbericht.
Se. Maj. der Kaiser ist gestern, Montag Nachmittag |i/4 Uhr mittelst Extrazuges nach Babelsberg übergesiedelt. - Se. Maj. war bei der Uebersiedelung nach Babelsberg ien Ihrer Maj. der Kaiserin, der Großherzogin von gaben und bereit Tochter Prinzeß Victoria begleitet. Der Mer fuhr im geschlossenen Wagen über die Linden nach W Potsdamer Bahnhof und wurde überall, wo derselbe «m Publikum erkannt wurde, namentlich bei der Einfahrt st den Bahnhof, mit enthusiastischen nicht endenwollenden »rufen begrüßt. Auf dem Bahnhof befanden sich der tadtkommandant und der Polizeipräsident. — Nach dem
urigen nimmt entgegen: r Expedition d.Nlattet, pit dAnnoncen-Bureaux , Tb, Dietrich & Co. in ,jsel und Hannover; Th. (rtrich in Frankfurt a.M.; lasenstein & Vogler in Murt a. M., Berlin, ipiig, Mn re; Rudolf Bfr m Berlin, Frank
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Westen Bulletin war das Befinden des Kaisers in letzter Ant ungestört gut. In den Kräften ist ein erfreulicher »wachs eingetreten, fo daß bei günstigem Witternngs- ___ «chsel die erste Ausfahrt mit sehr gutem Erfolge unter- llen Mimen werden konnte. — Herr v. Oubril ist gestern falb nach Petersburg abgereist. Graf St. Ballier reift
hat. Ist es hier auch noch zuviel, von bent Verwiegen einer Fraktionspolitik zu sprechen. — Die Postsenbungen auf den Eisenbahnen waren bisher sehr kostspielig, weil besondere Postbeamte dafür angestellt werden mußten. Der Generalpostmeister hat nunmehr die Verfügung getroffen, daß auf verschiedenen Eisenbahnen die Briefpostsendungen durch dieses Dienstzweiges kundige Schaffner besorgt werden sollen. Auf diese Weise werden nicht allein erhebliche Kosten gespart, sondern es läßt sich auch ermöglichen, diese für das Publikum sehr erwünschte Bahnposten auf eine größere Anzahl Eisenbahnen auszudehnen. — Heute feiert auf dem Geschlechtstag zu Anclam die Familie Schwerin das sieben- hundertjährige nachweisbare Bestehen ihres Geschlechtes. Bei dieser Gelegenheit ist als Zeichen der Allerhöchsten Anerkennung dem Senior des Geschlechts, Grafen Schwerin- Schwerinsburg, Mitglied des Herrenhauses, das Prädikat Epcellenz verliehen worden. Derselbe ist, wie man weiß, vor Kurzem durch den Tod eines Sohnes, der Seeoffizier auf dem „Großen Kurfürst" war, in tiefe Trauer versetzt worden.
Düsseldorf, 21. Juli. Die Ehrengabe Sr. Majestät des Kaisers zum 4. deutschen Bundesschießen ist Hierselbst eingetroffen und im Schaufenster des Juweliers Krischer in der Elberfelder-Straße ausgestellt. Dieselbe besteht aus einem prachtvollen, auf breitem Untersatze ruhenden silbernen gehenkelten Humpen in Renaissancestyl; Humpen und Untersatz sind von reicher Goldverzierung überrankt und den Deckel krönt eine goldene, den Kranz schwingende Siegesgöttin. — Die heute hier ausgegebene Festzeitung bringt an der Spitze ein schwungvoll-patriotisches Begrüßungsgedicht von Bernhard Endrulat.
Dresden, 22. Juli. Die erste Kammer hat den Ankauf fämmtlicher noch in Besitz von Privatgesellschaften befindlichen 5 Eisenbahnen für den Staat genehmigt. Die zweite Kammer hält heute Nachmittag Sitzung zur weiteren Berachung dieser Angelegenheit.
Meiningen, 20. Juli. Bei uns ist der Wahlkampf in eine neue Phase eingetreten, seitdem Direktor Bischoff sich bestimmen ließ, ebenfalls in öffentlichen Versammlungen aufzutreten: allerdings keine Kleinigkeit für einen Neuling auf dem parlamentarischen Gebiet und nach einem Redner wie Lasker! Jndeß sein Auftreten ist vom- glücklichsten Erfolge begleitet gewesen. Große Ruhe, Einfachheit und Klarheit der Gedanken, neben wissenschaftlicher Bildung bedeutende praktische Erfahrung und dazu eine männlich schöne Persönlichkeit mußten der von ihm ausgegebenen Parole: bei allem Vorbehalt eignen Urtheils Vertrauen zur Regierung, jener Parole, die an sich schon populär ist, die Herzen noch mehr gewinnen, während das Laskersche Mißtrauen gegen die Regierung, das den ungünstigen Hintergrund
mte Abend nach Paris.
Bekanntlich hat Se. Majestät der Kaiser, geruht, dem ürsten Reichskanzler Sein lebensgroßes, von Winterhalter altes Portrait zu schenken. Dem Vernehmen nach etrben auch die übrigen Souveräne, die auf dem Congresse «trete« waren, dem Fürsten Bismarck ein Zeichen ihrer ftiedigung über die geniale Leitung der Congreßverhand- gen widmen.
uf W 08.
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Bremen.
—1 l »Ich werde heute Abend den Brief, den ich eben er= fintck Men habe, beantworten," erwiederte Jener.
■ „Das wird wohl nicht angehen," sagte Ferdinand. „Ein- l, ' will ich solche Zeugnisse gegen mich, wie ein solcher . | Eries fein würde, nicht mitnehmen, anderntheils reise ich —"7^ N) in dieser Stunde ab, weil ich keine Minute ohne ftj* ^th versäumen will."
„Sie haben Recht," entgegnete der Oberförster. „Nun, J5 grüßen Sie mir den Vater und alle Freunde und Be- ^nte, die Sie sehen werden. Ehe ich das Schiff besteige, mich nach England bringen soll, werde ich jedenfalls ^4 einmal schreiben."
878. 134 ptem
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Deutsches Reich.
♦» Berlin, 22. Juli. Die Zeitungen haben verschiedentlich Mittheilungen gemacht über Verhandlungen, die zwischen der Staatsregierung und den Verwaltungen bald dieser, bald jener Privatbahn über bett Verkauf ber letzteren an ben Staat schweben sollen. Es haben tiefe Mittheilungen bisher in keinem Fall Bestätigung gefunben, dagegen barf man wohl annehmen, baß bie Ausbildung des Staatsbahnnetzes ihre Folgen dahin äußern wird, die Privatbahnen zu der Erwägung zu veranlaffen, wenn der Zeitpunkt ihrerseits mit dem Staate in Verhandlung zu treten gekommen sein wirb. Einleuchtend ist soviel, daß, wenn die Staatsregierung auf den großen Linien, deren Vollendung sich nähert, erst vollständig mit allem Material versehen sein wird, sie bann nicht mehr in ber Lage ist, Anerbietungen zur Ueberlassung von Betriebsmaterial mit berselben Bereitwilligkeit zu behanbeln, wie vielleicht in einem früheren Zeitpunkt. — In ben Ministerien des Innern unb ber Justiz stnb nun auch bie Motive zu bem Sozialistengesetz ausgearbeitet, so baß nunmehr auch tiefer Th eil ber Vorlage im Staatsministerium zur Dorberathung gelangen wirb. — Die Nachricht, daß der Gesandte von Werthern in München nach Konstantinopel versetzt werden soll, bestätigt sich nicht, derselbe hat in Hinblick auf Familienverhältnisse den Wunsch geäußert, in München zu bleiben. Dagegen bestätigt sich die Nachricht, daß der Gesandte Graf Hatzfeldt in Madrid für dieses Amt bestimmt ist. — Während die Nationalzeitung nunmehr einen gemäßigten Ton anschlägt, beharren andere nattonalliberale Organe, wie die Tribüne, die Magdeb. Ztg. unb bie N.- L. C., in einer Ausdrucksweise, die man nur dahin bezeichnen tann, daß ber Fortschritt auf seine Bundesgenossen abfärbt. Die N.-L. C. verirrt sich zu bem Ausspruch, daß konservative unb freikonservative Wahlen ebenso schlimm seien als sozialbemokratische. So drückt sich das am meisten officielle Organ einer Partei aus, welche alle legislativen Aufgaben zur Festigung des Reichs im Verein mit ben Freikonservativen gegen die Fortschrittspartei durchgesetzt fragte ihn, wo dasselbe hingekommen sei. Derselbe erzählte umständlich, wie eö da gegangen, und nun schickte der Forstmeister, welcher immer noch nicht das Haus verlassen konnte, den alten Kollmann hinüber nach Steinau, um die geeigneten Nachforschungen da auzustellen.
Nach zwei Stunden kam er zurück und erzählte, was ihm auszukundschaften gelungen war.
Der Forstwarth hatte nach Beendigung ber Inspektion in bent Wirthshause, in welchem er abgestiegen war, auf bas Fräulein von Warnberg warten wollen, es kam jeboch ein Bebienter, welcher eine Empfehlung von bem Herrn Forstmeister überbrachte, mit wiederholtem Danke für bie freundliche Bereitwilligkeit, der an ihn gestellten Bitte zu entsprechen. Es sei jedoch leider ein Hinderniß eingetreten, weßhalb die Abreise des Fräuleins noch ein paar Tage verschoben werden müsse, der Herr Forstrath möge sich deshalb nicht länger aufhalten. Der genannte Herr habe darauf anspanneir lassen und sei sortgesahreu, indem er noch gesagt, er habe ohnedies seinen Plan geändert, er werde deßhalb seine Jnspecttonsreise fortfetzen und später nach Rothenbühl zurückkehren. Nun habe er sich bemüht, etwas darüber in Erfahrung zu bringen, wem die Chaise gehöre, in welcher das Fräulein entführt worden und da sei kein Zweifel, daß der Bediente, welcher dem Forstrathe die falsche Nachricht überbracht und der, welcher bei Steinau vor der Chaise gestanden und mit dem Fräulein davon gefahren sei, eine nnd dieselbe Person gewesen. ES war eine gewöhnliche, ringsum verdeckte hellgelbe Chaise mit braunen Pferden bespannt; besondere Kennzeichen konnten nicht angegeben werden. Man hielt das Fuhrwerck, welches verschiedene Leute gesehen hatten, für eine herrschaftliche Equipage. Kutscher und Bedienter hatten Livree an, doch war in dieser Beziehung ebenfalls eine besondere Auszeichnung nicht zu bemerken gewesen, — dunkelgraue lieber«
Nachdem bie Vorveryauoiungeu Der in Kiel thätig ge- Igert fetfenen Havarie-Commission betr. ben Untergang des »S«t.Großen Ktirfürsten" bei ber Admiralität eingegangen 11074 M, haben bie Einleitungen zum kriegsgerichtlichen Ver- Hren nunmehr begonnen.
„Möge,eS balb so sein, mein junger Freund, recht tn ’ M>>" sagte der Oberförster, „ich werde diese Stunde und * Wort ganz gewiß nicht vergessen.",
„<5o leben Sie wohl!" versetzte Ferdinand, dem Ober- jv»tz Mer die Hand reichend. „Haben Sie an Ihren Herrn -Beter Etwas zu bestellen? Ich werde zuerst bas Forst-
Von bem Oberförster von Warnberg, ClottlbenS Vater, einige Tage nach bereit Abreise aus bem Forsthause ** Brief dahin gekommen, mit ber Anfrage, warum bie t^ttber nicht, wie angesagt worben wäre, kämen, ob tiel« 74 4i- -N;t ein Hinberniß eingetreten sei unb welches? Man sei gütlich beshalb sehr in Sorgen unb bitte bringenb um - sMwvrt durch denselben expressen Boten.
.Ser Forstmeister erschrack, und ließ Konrad herbeirufen, sicher das Mädchen nach Steinau begleitet hatte, unb be-
~T1 Der „ReichSanzeiger" veröffentlicht eine vom Grafen .U Stolberg gegengezeichnete kaiserliche Verordnung vom 22. galt, betr. die Aushebung deS Pfetbe-AusfuhrverboteS. ganer veröffentlicht derselbe das Gesetz betr. die Abänderung der Gewerbeordnung. — Der „Reichsanzeiger" schreibt Cm Bestätigung anderweitiger Meldungen): Für die vielfach verbreitete Nachricht, daß die russische Regierung be-
ob» Osichtige, die Verordnung betr. bie Zahlung ber Zölle in se. - Gold vom 1. Septbr. an außer Kraft zu setzen, liegen stow' liebet keine thatsächlichen Anhaltspunkte vor; tiefes Ge- pre» Ächt erscheint nach Lage ber Verhältnisse wenig glaub« mpf» Bürtig.
E Aus Berlin wirb geschrieben: Die Socialbemokraten '19si ^sichtigen sich bieömal auch zum ersten Male an ben