Marburg, Dienstag, 23. Juli 1878
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Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des D-.,Ischen Reiches 2 Mark 50 Wt^^’(e/cI.%eftTagebül>i)3-^fi’bfe aSme“10 ___________________________________________Mr m der Expedition zu -rth-il-nde Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 PsA berechnet fl fPal‘tne 3e,Ie 10 *«•
Im Korsthar»s.
Novelle von Heinrich Heusler.
(Fortsetzung.)
L^O erbitterte der ganze deutsche Boden von Aufständi- des Volkes, von Ausbrüchen lange verhaltener Unzu-
Menheit und die. Hoffnung baldiger besserer Zustände [Werte die Unterdrückten.
L ^a, verbreitete sich mit Blitzesschnelle die Nachricht von P glänzenden Siege, den der Erzherzog Karl bei Aspern Wt Napoleon erfochten hatte und über ganz Europa von
Ende zum andern ertönte Kriegsgeschrei und Waffen- l^Der Sieger sendete Truppen nach allen Richtungen; in Wersten Tagen des Juni ging ein Corps bei Ardacker When der Enns und Jbbs über die Donau und beun- Wgte die Sachsen und in kurzer Zeit war eine ununter- M>ene Kette gebildet, die sich von Dresden und Leipzig Wt Bayreuth, Bamberg, Mergentheim urch Stockach bis kme Thäler von Italien und an die Ufer der Etsch er- r$e und die Heere des französischen Kaisers, die sich so M von Frankreich entfernt hatten, zu umringen drohte. ^Aber die unselige verderbliche Uneinigkeit der deutschen Men, die schon so viel verschuldet, trat allen den schönen Wsv berechtigten Hoffnungen der begeisterten Vaterlands- g’ftt in den Weg; Mangel an Einheit der Zwecke, der Arsche und Interessen machte alle diese so viel versprechen-
Unternehmungen zwecklos, die Uneinigkeit und Unent- ^llenheit der Fürsten mußte das tiefgebeugte Volk durch knvch vierjährige Fortdauer schmählicher Knechtschaft
Nur die wackeren Tyroler, die bei der Nachricht W der Schlacht bei Aspern laut äufjauchzten, daß die pt widerhallten vom Jubelgeschrei, das zugleich daö
Sparen ausreichen will, bei wachsenden Bedürfnissen die Sparsamkeit bis zur Knickerei ausdehnt und Haus und Hof lieber zerfallen läßt, um ja keine Ausgaben für Ver- bessemngen zu machen, der ist kein guter Haushalter und wirb sein Hauswesen nicht vorwärts bringen, sondern es wird in Verfall gerathen. Auch im Staat muß bet aller Sparsamkeit die Hauptsorge darauf verwendet werden, bei wachsenden Bedürfnissen die Einkünfte zu vermehren, und zwar auf eine Weise, daß zugleich die Einkünfte der Bürger sich mit vermehren. Das kann aber nur durch eine fortschreitende Besserung und Hebung des Volkswohlstandes geschehen. Unser direetes Steuersystem thut gar nichts zur Hebung desselben, wohl aber ist ein gutes inbirecteS Steuersystem durch ein ergiebiges, geschickt gehandhabtes Zollsystem für die bei uns eingehenden Waaren des Auslandes sehr wohl im Stande, nicht bloß die Einkünfte des Staates zu mehren, sondern auch die eigene Industrie des Landes zu fördern. Wo sollten die Franzosen das Geld wohl hernehmen, wenn sie ihre kolossalen Staatsausgaben der Hauptsache nach durch birecte Steuern aufbringen wollten! Alle anderen Staaten sind so klug, ben größten Theil ihrer Steuern ben Ausländern aufzulegen, welche Geschäfte bei ihnen machen wollen. Ist bas nicht sehr vernünftig? Das will bie beutsche Reichsregierung auch. Ist bas unrecht? Die Liberalen hatten bie beste Gelegenheit gehabt, bie Einnahmen bes Reiches zu vermehren, als bie Reichsbank gegründet würbe. Hier hätte man dem Reich das Privilegium, Banknoten auszugeben, wahren sollen, aber man hat es dieser Aktienbank gegeben, und diese hat jährlich mehrere Millionen Profit bavon. Von den 40,000 Antheilscheinen der Bank sind überdies bereits mehr als 11,000 in ben Hänben von Ausländern! Obgleich die Reichsbank mit einem ungleich größeren Kapital arbeitet als die frühere preußische Bank, so beträgt der Gewinn des Reiches doch nicht so viel, als der Gewinn des preußischen Staates an der preußischen Bank betrug. Ferner hätten sie die Reichseinkünfte sehr vermehren können durch eine vernünftige Börsensteuer, allein auch davon wollten die liberalen Herren nichts wissen. Hätte man auf diese Weise durch die Reichsbank und die Börsensteuer dem Reiche eine ergiebige Einnahmequelle verschafft, bann hätte man jetzt nicht nöthig, von Tabaksmonopol ober sonstiger hoher Tabakssteuer zu reben. Freilich wollen bie Liberalen auch diese nicht. Allein, was wollen sie denn? Das Reich muß seine Einkünfte vermehren, um finanziell selbstständig zu werden, den Einzelstaaten die Matricular- beiträge erlassen und ihnen auch Beiträge aus der ReichS- kasse zuführen können, damit die Staaten in den Stand gesetzt werden, gewisse Steuern den überlasteten Gemeinden zu überlassen. Wo soll das Reich das Geld hernehmen? Soll er etwa eine neue Reichs-Einkommensteuer ausschreibeu?
Signal zu neuen Anstrengungen gab, wollten nicht uach- geben und beharrten auf dem einmal betretenen Wege des Widerstandes gegen die aufgedrungene Fremdherrschaft.
Nur zu bald zerstörte die Schlacht bei Wagram die Hoffnungen so vieler Millionen Deutscher; — alle die außerordentlichen Anstrengungen, die heldenmüthige Ausdauer einer begeisterten Armee unter der Führung eines geliebten, hochverehrten Feldherrn, des Siegers von Aspern waren vergeblich — vergeblich die Ströme des edelsten Blutes, das vergossen wurde — die verspätete Ankunft der Armee unter Erzherzog Johann auf dem Schlachtfelde war entscheidend, die Schlacht ging verloren» die Oesterreicher zogen sich zurück, uno bas Schicksal des ganzen Feldzuges war entschieden! Ein nachtheiliger Friedensschluß war die nothwendige Folge und damit auf längere Zeit jeder weitere Versuch eines Aufstandes vereitelt.
, Die Führer der einzelnen Aufstände, welche nicht das herbe Geschick getroffen hatte, in die Hände des rachsüchtigen Feindes zu fallen, eilten nunmehr aus dem Bereiche der weithin mächtigen Gewalt des Usurpators zu kommen. Die meisten derselben gingen auf verschiedenen Umwegen nach England; nur der alte Weifenherzog war mit seiner schwarzen Legion unter beständigen Scharmützeln mit den nachstünneuden und ihn von allen weiten umbrängenben Franzosen bis nach Elsfleht und Brake an der Weser vor- gebrungen, wo sie die bereitstehenden Schiffe bestiegen, die sie nach dem gastfreien England brachten.
Ferdinand Stellmaim hatte die dringende Einladung des Oberförsters, ihn nach England zu begleiten, angenommen, doch ein Brief, welcher ben Tag vor ber beschlossenen Abreise von dem alten Forstmeister einlief, änderte plötzlich den Enffchluß des jungen Mannes.
Der Bries enthielt die Nachricht von dem Verschwill-
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Die Vermehrung der direkten Steuern geht absolut nicht. Also bleibt nichts übrig, als den Weg der indirekten Steuern Preten. Das Reich hat sich aber von den Einzelstaaten die Zolle abtreten lassen. Deshalb hat es auch die Pflicht die Zolleinnahmen zu einer ergiebigen Einnahmequelle für das Reich und dadurch auch für die Einzelstaaten zu machen. Wenn bie Reichsregierung sagt: wir müssen 2—300 Millionen aus Zöllen und anderen Steuern mehr aufbrinqen so will sie damit nicht die Steuerlast des Volkes um so viel Millionen vermehren, sondern sie will das Reich finanziell selbstständig machen, um den Einzelstaaten ihre Steuerbeiträge für das Reich erlassen zu können. Was diese Staaten auf diese Weise sparen, kommt den Bürgern zu Gut. Indirekte Steuern sind viel leichter zu tragen als direkte Wenn man jeden Monat oder jedes Vierteljahr auf einem Haufen eine große Summe Steuern zahlen soll, so ist das drückend, wenn sie aber als Zölle auf den Sachen liegen uud also z. B. das Pfund Tabak oder das Kännchen Schnaps ein paar Pfennige theurer wird, so merkt man das nicht, überdies hat man es ja bei der indirekten Steuer m feiner Gewalt, durch größere Sparsamkeit sich die Steuern wesentlich selbst zu erleichtern. Bei der direkten Steuer kommen die Bauern, Handwerker und Beamten, überhaupt alle Leute mit leicht erkennbarem Einkommen, am schlimmsten weg. Die großen Capitalisten, die ihr Geld in Werth- papieren stecken haben, oder die großen Kaufleute, Fabrikanten, Banquiers u. s. w., deren Geschäfte für Niemand durchsichtig sind, können, wenn sie wollen, sich ihre Einkommensteuer um mehr als die Hälfte vermindern, welche sie eigentlich bezahlen müßten. Bei der indirekten Steuer muffen sie so gut zahlen wie jeder Andere. Freilich ist es nchtig, daß die indirekten Steuern, wenn sie auf den Ge- uußgegenständen liegen, vorzugsweise auf die große geringere Volksmasse fallen. Ader deshalb hat die Regie- wng bk Absicht, den vier unteren Älaffenfteuerftufen bie Älaffenfteuer ganz zu erlassen. Dadurch würben über 4,309,746 Steuerzahler ganz von der direkten Staatssteuer befreit; die höheren Einkommen beabsichtigt die Regierung in höherem Procentsatz zur Einkommensteuer heranzuziehen und hat außerdem, wie schon bemerkt, auch die Absicht, auf die Gewerbe- und Grundsteuer für den Staat zu verzichten. Die Erleichterung an direkten Steuern für die große Masse des Volkes wäre also eine bedeutende, wenn bie Steuerreform der Regierung durchgeführt würde. Es ist eine schändliche Verdächtigung, wenn die liberalen Blatter jetzt die Sache so darstellen, als gehe die Regierung au8' dem Volke unter allerlei Vorspiegelungen 300 Millionen Steuern mehr aufzuhalfen. Daß es ungefähr dasselbe ist, wenn man bie Liberalen zu Wächter bestellt, daß bie Steuern nicht vermehrt werben, als wenn den Clotilbens und von ben vergeblichen Schritten, ihren Aufenthalt zu erforschen ober überhaupt Spuren aufznfin- ben, welche zur Entdeckung und Verfolgung des ohne -iwei- gn^Sjangenen Verbrechens der Entführung hätten führen , »^ch gehe nicht mit nach England," rief Ferdinand, inbem eine tiefe Röche die bleiche Farbe des Schreckens welche sein Gesicht bei Anhörung dieser Nachricht zuerst überzogen hatte, verdrängte: „Ich eile zurück nach Hessen, ich durchsuche jeden Ort, jedes Haus, sie mag sein, wo sie will, ich werde sie zu finden wissen, — ich muß sie finden."
Plötzlich hielt er ein, — er sah, wie der Oberförster voll Erstaunen ihm zuhörte, — er suchte sich deshalb schnell zu fassen und fuhr dann zögernd fort:
»Ich stelle mir die Sage der armen Eltern vor, und des Großvaters, deffen Herzblatt diese liebe Enkelin ist. Was soll ich in England thun? Die Langeweile würde mich da umbringen und die Sehnsucht nach dem Vaterland e. 3ch gehe, wie gesagt, nach Hause, und ich bin überzeugt, Herr Oberförster, daß Sie mein Vorhaben billigen."
"Glicht so ganz," entgegnete der Oberförster. „Es ist das eine erschreckliche Geschichte und ich gäbe mein Herzblut darum, ich ging augenblicklich nach Hause, wenn ich helfen könnte. Ich sehe aber nicht ein, wie das möglich ift. Wir dürfen nicht zweifeln, daß Alles geschieht was auch nur entfernt zum Ziele führen kann; es wird meinem Bruder, der so glänzende und mächtige Verbindungen im Laude hat, auch ganz gewiß gelingen, ist vielleicht heute schon gelungen. Was wollen aber wir in Heffen? Sind wir nicht geächtet? Glauben Sie unentdeckt, — unerkannt bleiben zu können?
Haben Sie noch keine Proben von der geheimen Polizei, von welcher das ganze Land überschwemmt ist? Den ersten Tag, au Welchem wir die Grenze überschreiten, wür-
Die Steuerreform und die Wohle«.
Die Regierung beabsichtigt bekanntlich eine' Steuerreform anzubahnen und zwar auf dem Wege der indirekten Steuern. Daß eine Steuerreform nöthig, das ist wohl hnm noch fraglich, wenn man bedenkt, wie das Handwerk und der Ackerbau im Vergleich mit anderen ungleich einträglicheren Geschäften, wie z. B. den Börsengeschäften, so hoch besteuert sind. Die Liberalen sind einer Steuerreform abgeneigt und wenn Aend erring en vorgenommen werben, so «ollen sie dieselben nur auf dem Wege der direkten Be- ftaierung vorgenommen haben. Sie sagen, bei den direkten Steuern könne das Parlament die Steuererhebung besser Tccntroliren. Ihr Streben geht dabei daraus hinaus, jedes Mahr aufs Neue die Steuern festzusetzen und zu geneh- | mgen. Allein so von der Hand in den Mund kann kein großer solider Staats - Haushalt geführt werden. Was hülfe es dem Volke, wenn das Parlament auch jedes Jahr noch lange Steuerdebatten halten würde? Die Steuern mürben dadurch so wenig vermindert, als durch die bisherigen Budgetberathungen. Die Hauptsache ift ja doch die Feststellung der Ausgaben des Staates, bei diesen hat das Parlament mitzureden und ohne seine Genehmigung kann «e Regierung für gewöhnlich keinen Groschen ausgeben. Menn aber bie Ausgaben festgestellt sind», bann muß auch Ms Gelb beschafft werben, entweber durch «Steuern ober Mrch Anleihen. Die Höhe ber «Steuern hängt also ledig- Mch von ber Höhe ber Staatsausgaben ab. Die letzteren M>d in den letzten Jahren ebenso wie bie Ausgaben ber Mmicinben bebeutenb gestiegen unb in Folge dessen mußten Mtürlich auch bie «Steuern steigen. Gerade auf liberaler Weite ist man sehr wenig haushälterisch gewesen, sondern immer neue theuere Einrichtungen verlangt unb besür- Mvrtet, ohne viel zu fragen, wo bas Gelb hcrkonnnt. Wir Ittinnem z. B. an bie neue Justizordnung, welche wieder gMe Millionen kostet, an bie neue Müuzordnung, welche «chr kostet, als irgenb Jemand weiß, an bas Civilstanbs- ßksetz mit feiner Errichtung ber Standesämter, an das ^ulaufsichtSgesctz u. f. w. Es ist deshalb wenig schick- «h, wenn die Liberalen immer so thnn, als feien sie bie |üter des Geldbeutels des Volkes unb als gingen bie «egierung unb bie Konservativen nur barauf aus, bas delk bnrch Steuern auszubeuten. Das wäre schon des- E eine Tollheit von ben Konservativen, weil gerabe sie F ber Regel zu ben Hoch- unb Höchstbesteuerten gehören, Mo von jeder Steuererhöhung am meisten getroffen werben. M Staatshaushalt ist's, wie in jebem bürgerlichen Haus- Mt: Sparen unb Erwerben muß Hanb in Hanb gehm. Mk Hauptsache ist, baß ein Hausvater seine Einkünfte zu Keffern und zu vermehren sucht. Wer bloß mit dem
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