nommen um 144 pCt., die BetrugsfLlle um 193, die betrügerischen Bankerotte um 286, die Kindesmorde um 82, die schweren resp. Körperverletzungen um 85, die Meineide um 51 — (in Berlin existirte eine förmliche Gesellschaft, deren Mitglieder die Ableistung von Meineiden gewerbsmäßig betrieben. Bei dem Appellationsgerichte in Passau wurden in 6 Monaten 36 Personen wegen Meineides ab- geurtheilt) — die Verbrechen gegen die Sittlichkeit um 102, die Urkundenfälschungen um 90 Procent. Oder: die Morde und Mordversuche, die Verbrechen gegen die Sittlichkeit haben sich um mehr als das Doppelte vermehrt; auf je 10 Morde und Mordversuche im Jahre 1871 kommen im Jahre 1875: 24; die Kindesmorde, schweren Körperverletzungen, Meineide, Urkundenfälschungen haben sich um fast daS Doppelte, die BetrugsfLlle fast um das Dreifache, die bettüglichen Bankerotte fast um daö Vierfache vermehrt. Man begreift diese Gesammtzahlen um so eher, wenn man die einzelnen Posten kennt, aus denen ste resultiren. Das Stadtschwurgericht in Berlin hatte für die Session pro September 1877 allein über 100 Anklagen zu verhandeln, das Polizeigericht in Barmen im Jahre 1875—1876: 7717 mit nur 119 Freisprechungen; das Schwurgericht von Sorau im Oktober 1877: 23 Verhandlungen, unter denen nächst den schweren Diebstählen die Verbrechen gegen die Sittlichkeit die höchste Zahl erreichten. Die im Februar 1878 in Duisburg tagende Schwurgerichts-Periode hatte über 32 Fälle zu entscheiden, unter denen nur in fünfen auf Freisprechung erkannt werden konnte. Die Verbrechen gegen die Sittlichkeit und die Urkundenfälschungen nahmen dm ersten Platz in Anspruch. In Elberfeld konnten keine Gerichtsferien eintreten wegm Ueberhäufung der Arbeit, und in Berlin mußte die Zahl der Staatsanwälte von 10 auf 16 erhöht werden. In Frankfurt a. M. war Ende des Jahres 1877 das Gerichtsgefängniß dermaßen über- füöt, daß man ernste Bedenken hatte für die Gesundheit der Insassen, da die Räume des Gefängnisse« nur auf 150 berechnet, über 300 zu beherbergen hatten. In dm Berliner Gefängnissen saßen von 1871 bis 1875: 69,567 Verbrecher, darunter 315 mehrfach bestrafte Knaben im Aller von 12—14 Jahren. Die Berliner Stadtvoigtei beherbergte am 1. März 1878: 931 Personen, am 16. Mä^ sogar 980, die höchste bisher dagewesene Zahl, damnter 758 Untersuchungsgefangene und 145 Strafgefangene, das Gesängniß in der Filialanstalt, Perlebergerstraße: 719, das in der Barnimstraße 497, in Summa: 1147 Gefangene. In Frankfurt a. M. ist die Zahl der Jnhafttrtm, welche im Jahre 1874: 1072, im Jahre 1877: 5323 betrug, um 150 Procent gestiegen. Wie erschreckend stark die Verbrecherwelt sich rekmttrt durch jugendliche Verbrecher, ergibt sich allein schon aus der amt
lich konstattrtm Thatsache, daß die Zahl der im ersten Halbjahre 1876 eingezogenen jugendlichen Verbrecher mehr als die Gesammtzahl des ganzen Jahres 1875 betrug. Unter den in flagranti ertappten Berliner Taschendieben, derm die Criminal-Deputationm des Stadtgerichts in jeder Sitzung abzuurtheilen haben, befinden sich nicht wenige, die noch im Kindesalter von den eigenen Eltern und Pflegern zu Verbrechem dressirt sind. Die beiden Raubmörder, die am 12. September 1877 vor dem bäurischen Bezirksamt Cham geständig waren, die Wirthin Meidinger auf dem Hohenbogen mit zwei Revolverschüssen ermordet zu haben, um sich des Geldes zu bemächtigen, waren Schüler im Alter von 17 Jahren. Die beidm jugendlichen Vagabunden, die, wie der Verfasser im „Reichsboten" aus dem Voigtlande referirte, einen Schulknaben auf dem Wege zur Schule überfielen und ohne Grund und Ursache aus purer Lust am Rauf- und Messer-Handwerk ihn mit dem Messer in die Hand stachen, daß die Blutspurm 400 Schritt weit zu sehen waren — sind Schulknabm im Alter von 12 und 13 Jahren.
Tagesbericht.
Da voraussichtlich in dem Befinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs wesentliche Veränderungen in der nächsten Zeit nicht zu erwarten sind, so werden tägliche Bulletins nicht mehr ausgegeben werden.
Berlin, den 13. Juli. 1878.
Dr. von Lauer. Dr. von Langenbeck. Dr. von Wilms.
Telegraphische Nachrichten aus Berlin vom 13. d.:
— Die heutige letzte Sitzung des Congresses, welcher sämmtliche Congreßmitglieder wie bei der Eröffnungssitzung in Uniform beiwohnten, begann um 2>/z Uhr und dauerte bis 4 Uhr. Der Vertrag wurde unterzeichnet. Bereits um 1 Uhr hatten sich die ersten Secretäre der Delegirten mit beten Siegeln in das Congreßgebäude begeben, um die Siegel an die betreffenden Vertrags-Exemplare zu befestigen. Die Unterzeichnung erfolgte in alphabetischer Reihenfolge. Der Vertrag besteht in 58 Artikeln.
— Nach Beendigung der Unterzeichnung des Vertrags in der heutigen Congreßsitzung erhob sich Gras Andrassy, um in warmen Worten den Dank der Versammlung für das Verdienst des Fürsten Bismarck um das Zustandekommen des großen Werkes auszusprechen. Fürst Bismarck erwiderte hierauf und schloß die Sitzung. — In politischen Kreisen wird allgemein die hohe Bedeutung des Congreß- werkes um den Frieden vollauf gewürdigt. Allgemein wird die Zuversicht geäußert, daß man einer Aera dauerhaften Friedens entgegen gehe und daß der jüngst stattgehabte per-
hauchte, von mehreren Kugeln durchbohrt, seine Heldenseele aus.
Eine große Anzahl von (gefangenen wurde zur Deportation oder zu vieljähriger Eisenstrafe auf den Galeeren verurtheill. Es folgten aber auch jener ersten Hinrichtung noch mehrere andere und bald genug kam die Reihe an Stellmann, indem man ihm verkündigte, er habe zu ge- wärttgen, daß er am solgendm Morgen vor das Kriegsgericht gestellt werde.
Er konnte nach dem, was unter seinen Augen vorgegangen war und tägllch noch vorging, an seinem Schicksale nicht zweifeln, da man ihn für einen der „Rädelsführer," wie man sagte, ausah, und bisher auch so behandelt hatte. Er war immerdar voll freudigen MlttheS, das Benehmen des unglücklichen Hasserodt hatte erhebend auf ihn eingewirkt, er bereitete sich zum Tode vor und war entschlossen mit derselben Ruhe und Ergebung dem Tode in'S Auge zu scheu, wie Jener, gestärkt durch das Bewußtsein Nichts gewollt und gethan zu haben, was dieses Schicksal verdiene.
An demselben Tage fand er in seinem Brode, als er es zerbrach einen zusammengewickelten langen, starken Seidenfaden und als er denselben aufgewickell hatte, ein kleines Zettelchen folgenden Inhalts:
„Um Mitternacht, wenn das Käuzlein dreimal schreit, laste diesen Faden vorsichtig zum Fenster hinaus in die Tiefe, — er wird Dir den Weg zur Freiheit bringen."
Wir haben den glücklichst Erfolg im Anfänge dieser Erzählung geschen.
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Um die Leser in die Familienverhältniste einiger Personen, die ste bereits kennen gelernt haben, eiuzuführeu, . müssen wir eine Reihe von Jahren zurückgehen.
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Der alte Forstmeister von Warnberg hatte zwei Söhne, die sich Beide gleich ihm dem Forstsache widmeten.
Anselm, der ältere, war derzeit Oberförster in Wolf- Hagen geworden und Casimir, der jüngere Sohn, hatte eine solche Stelle in Rothenbühl erhalten.
In des Vaters Diensten stand der Förster Stellman; er war in seiner früheren Jugend schon in daS Haus ausgenommen worden, erst als Jägerbursche, dann als Jagd- läufer, endlich war er Forstausteher geworden und dabei hatte er gleichviel, ob mit Recht oder Unrecht, den Titel „Förster" erhalten, was er sich gerne gefallen ließ. Er zeichnete sich durch unverbrüchliche Treue und Anhänglich- kell, so wie durch ungemeine Dienstwilligkeit aus und war dabei überall, sei es im Hause oder im Dienste, gleich brauchbar. Alle Hausgenossen konnten ihn — eine ganz natürliche Folge obiger Eigenschaft — gut leiden und bald war er allenthalben fast unentbehrlich.
Als die beiden Knaben des Forstmeisters heranwuchsen, zeigte sich für den Förster ein neues Feld zur Thätig- feit Die Überwachung derselben, ihre Erziehung, wie er sich gerne ausdrückte, machte ihm viel zu schaffen.
Erst war er ihnen bei ihren Spielen in jeder erdenklichen Weise behülfiich, dann führte er sie „in die Praxis der Jägerei und Forstwirthschaft" nach und nach ein, denn sie sollten und konnten doch nichts anderes werden, als was der Vater war. _ Er zeigte ihnen schon frühzeitig alle Künste „der edlen Jägerprakttka," unterrichtete sie in der Kunstsprache des Waidmaunes, lehrte ste den Unterschied der Bäume u. s. w. kennen, kurz, er war unermüdlich und unterließ nichts, was er glaubte, daß e« den Jungen nöthig oder doch nützlich fein könne, um ste dereinstenS zu vollkommenen Jägern und Forstmännern zu machen. Auch versäumte er es nicht, sie später immer mitzunehmen, wenn
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JUatfiurg, Dienstag, 16. Juli 1878
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a. 1871: 82, a. 1875: 150 Kindesmorde.
1875: 900 Meineide.
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1875: 2556 Urkundenfälschungen.
1871 saßen in den Gefängnissen
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Schurgerichte zu verhandeln:
a. 1871: 92 Fälle a. 1875: 221.
von letzteren: a. 1871: 186, a. 1875: 545 Betrugs-
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und a. 1871: 59, a. 1875: 228 betrügliche Bankerotte,
Nothstäude unserer Zeit."
Im Forsthaus.
Novelle von Heinrich HenSler.
(Fortsetzung.)
Den Abend vorher gestattete ihm der humane Com- «andant in Gesellschaft einiger guten Freunde zuzubringen. Ohne eine Spur von Unruhe oder Todesfurcht zu äußern, bleiben ste bis Mitternacht bei einer Pfeife Tabak und einer Bowle Punsch beisammen und unterhietten sich von befferen künftigen Tagen, indem ste auf das lebhafteste bedauerten, daß der'so klug ausgedachte und so schön angelegte Plan durch eine, freilich außer aller Berechnung liegende Unvorsichttgkeit eines Theilhabers so schmählich ver- estelt worden war.
„Ich gehe freudig in den Tod," sagte Hasserodt. „Auch bet zweite Plan, das Land von diesem Ungeheuer zu befreien, den ich, wie ich eS kaum für möglich gehalten habe, hasse — ist mißlungen — der dritte Plan wird nicht auS- bleiben und so Gott toiH, endlig gelingen. ES wird aber noch Jahre, vielleicht viele Jahre währen, bis es dazu kommt, und ich würde keine ruhige Stunde haben bis dieses geschieht und sonach ein sehr elendes Leben führen, — darum ist der Tod mir willkommen."
Am folgenden Morgen ging er bei allen Gefangenen herum, nahm mit großer Fassung von ihnen Abschied, umarmte jeden von ihnen und suchte sie in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu bestärken, indem er Gott dankte, daß eS ihm gestattet sei, als Märtyrer für die gute Sache iU sterben.
Mit derselben Ruhe ging er auf den Richtplatz , ver- lveigerte eS seine Augen verbinden zu lasten, rief mit lauter Stimme:
„ES lebe der Kurfürst, mein rechtmäßiger Herr," und
Schon im Jahre _ . ..
60,000 Menschen, fanden 160,000 Criminal-Untersuchungen statt, gingen 250,000 Menschen jährlich durch die Gefäng- niffe und kostete der Lehensunterhatt der Gefangenen 18 Millionen Mark. Wie viel schlimmer diese Verhältniste seitdem geworden sind, haben uns die oben angeführten Zahlen gezeigt. Diese Zahlen sagen in Worten: die Morde und die Mordversuche haben in den fünf Jahren zuge-
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a. 1871: 282, a. 1875 : 523 schwere resp. tödtliche
faltigen nimmt entgegen: Me Expedition «.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux een Th. Dietrich & Co. in fasset und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cvln rc.; Rudolf Kosse in Berlin, Frank» furt a. M. rc.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte«, sowie d. Annoncen-Äureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Äoch'fche Buchdruckerei) bezogen 8k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Ps«. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespattene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Psg. berechnet.
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Unter diesem Titel ist soeben eine Zeitstudie von Chr. Fr. Rohkohl im Verlag von Jul. Fricke zu Halle erschienen, welche an der Hand der Statistik und der Thatsachen die verschiedenen Nothstandsgebiete beleuchtet und sie vor dem bettachtenden Auge zeigt, wie sie in Wirklichkeit sind. Wir theilen aus dem ersten Abschnitt über die Verbrechen folgende erschreckende Zahlen mtt:
Wie die Verbrechen in den letzten Jahren sich vermehrt haben, beweisen die unwiderlegbaren Zahlenreihen der Sta- tistik. Nach der Statistik des preußischen Ministeriums des Innern ist die Zahl der in den preußischen Strafanstalten Dettnirten in den Jahren von 1871 bis 1874 gestiegen von 68,000 auf 86,000. Die Gesammtzahl der eingeleiteteu Untersuchungen betrug im Jahre 1872:102,000, im Jahre 1874 aber schon 120,000. Noch bedenklichere Zahlen aber hat die Statistik der preußischen Schwurgerichte zu Tage gefördert, und zwar deshalb bedenklicher, weil die Schwurgerichte ja nur schwere Verbrechen zu verhandeln haben. Die wahrhaft erschreckende Zunahme der schweren Verbrechen ergiebt sich aus folgenden statistischen Zahlen, die einen Zeitraum von nur 5 Jahren umfassen. Die vor preußischen Schwurgerichten verhandelten Verbrechen be- ist d trugen anno 1871: 6403, anno 1875:10,268, also in fünf ■ " Jahren über 60 pCt. mehr. Aber nicht nur die Gesammtzahl, sondern auch die einzelnen Species der Verbrechen sind in gleichem Tempo aufwärts gestiegen, vor Allen die Morde und Mordversuche, die BetrugSfälle und bettüglichen Bankerotte. Von ersteren hatten die preußischen
■ r’fd« Körperverletzungen.
-cg i I a. 1871: 591, a.
Zbalb a. 1871: 501, a 1875: 1013 Verbrechen gegen die [189 Sittlichkeit.
a. 1871: 1344, a