Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Sonntag, 14. Juli 1878

xni. Jahrgang

OIittlskssW jfitiino

Ei« Wort unserer Regierung an die Wähler.

i

sondern daß wir unsere Stimmen nur Männern geben,

~ Geldbeutel wurzeln. Jedermanns Geldbeutel so zu erhalten,

ng.

eistunj

tKu« ■

rmil

Die Untersuchung gegen den

Aeutmant Hasierodt, "roat zuerst beendigt;

: s»!

al ML bietet ausge- ung u. irschie-

ifi 6or j«USs 1 M. 6er,

163

icat inj

r Old< fchaftf talicn Offert K V it T . [18

her

d nütz- 11: Der on Dr. ayette- vorrag.

iiitt.it

macht, sondern auf dem Gebiet der wirthschaftlichen Reform «r Regierung volles Vertrauen und den festen Willen zu reudigem Zusammenwirken entgegen bringt. Aus jener Anleitung und diesem Schluß des Artikels in dem offi- tiösen Blatt geht hervor, daß die Regierung selbst erwartet, daß wir ihr nicht wieder eine Majorität von Liberalen Wählen, mit welchen sie nicht ruhig und stetig zusammen arbeiten kann, wie sich das im letzten Reichstag gezeigt hat,

steuer für Geineindezwecke petitionirt hatten. Im Hinblick aus die bevorstehenden Wahlen führt jetzt die „Prov.-Corr." die in jener Antwort enthaltenen Andeutungen weiter aus. Sie weist zunächst darauf hin, daß viele Liberale den Wählern jetzt vorreden, es werde eine gewaltige schwarze Reactton über uns kommen, wenn wir Männer wählen,

welcher ebenfalls in dem Castell fafc,5ucMi occiiotgi; — er war schon an dem Aufstande betheiligt, welcher im Dezember 1806 in bieten kurhessischen Städten ausge­brochen, aber ebenfalls rasch unterdrückt worden avar. Er hatte diesesmal wieder sächsisches Militär zum Abfalle von der rechtmäßigen (!) Obrigkeit verleitet und namentlich dem Inquirenten die trotzige Antwort gegeben:

und Einkommensteuer in dem Sinne, daß, da zu den höheren Verbrauchssteuern die unteren und mittleren Schichten der Bevölkerung vermöge ihrer Zahl verhältnißmäßig mehr bei­tragen, diese Schichten dagegen eine Ausgleichung durch eine entsprechende Verminderung der directen Steuersätze erhalten. Dabei bleibt diesen BevölkerungSklassen der Vor- theil, der in der Form der indirecten Besteuerung über­haupt liegt. Für die große Mehrheit des Volks, deren Einkommen in dem Erwerb und Verdienst des Tages oder in bescheidenen Monats- oder Jahressätzen besteht, ist die Beschaffung des baaren Steuerbetrags am bestimmten Tage in Wirklichkeit schwerer und theurer, als die Abtragung der gleichen Summe in dem Kaufpreise von Gegenständen des nicht unentbehrlichen Genusses."

Schließlich wird darauf hingewiesen, daß bei aufrichti- gem Bemühen die Verständigung zwischen Regierung und Reichstag, die bisher von ersterer vergeblich gesucht worden ist, leicht fein wird, wenn wir eine unbefangene Majorität mit Verständniß für das praktische Leben wählen. In diesem Streben hofft die Regienmg, „daß die Nation ihr folgen und Männer zu ihren Vertretern wählen werde, die des Ernstes unserer Lage sich bewußt und von der Nothweu- digkeit eines festen und praktisch fruchtbringenden Zusam­menhanges von Regierung und Volksvertretung unter so schweren Verhältnissen des Vaterlandes durchdrungen sind." Als Wähler werden wir zu bedenken haben, daß die Fort­schrittspartei Gegnerin der indirekten Besteuerung ist. Na­mentlich aber vor den Nationalliberalen muffen wir uns hüten, die jetzt lauter Jeremiasse sind und so hinten herum alles Mögliche versprechen. Wir werden sie aber nicht nach ihren jetzigen Reden beurtheilen, sondern nach ihren jüngsten Thaten. Unsere Stimmen wollen wir dagegen Alle den Candidaten geben, die zu der Partei sich bekennen, welche int letzten Reichstag durch ihr Vorgehen bewiesen hat, daß ihr Reformen wirklich ernsthaft am Herzen liegen. DaS ist und war aber die Partei der Conservattven. Die Männer sind da, die den Auftrag übernehmen wollen, un­sere und des ganzen Volkes wahre Interessen zu vertreten! Thun wir nun unsere Schuldigkeit und sorgen wir Mann für Mann dafür, daß sie gewählt werden!

meindesteuern noch immer als Zuschläge kommen, zu er­leichtern. Um davor sicher zu sein, daß es nicht Anderen gelingt, uns zu beschwatzen, müssen wir uns selbst recht klar zu werden suchen. Wie in jeder Wirthschaft, so mehren sich auch in großen Staaten von Jahr zu Jahr die Be­dürfnisse und in Folge dessen die Ausgaben. Die Ver­waltung muß also darauf sehen, daß sich auch die Ein­nahmen entsprechend vermehren. Den Hauptposten ihrer Ausgaben haben nun die einzelnen Staaten mit ihrem Militäretat an das Reich abgegeben, welches nun natürlich auch gewisse Einnahmen erhalten mußte, um jene Ausgaben decken zu können. Nun hat sich aber herausgestellt, daß wohl die gesammten Ausgaben deö Reichs ein regelmäßiges Wachsthum bekunden, nicht aber ebenso die Einnahmen, die überhaupt seit Bestehen des Reichs noch nie ausgereicht haben für die Bedürfnisse. Da kommt denn der Reichs­büttel zu den einzelnen Staaten und treibt von denen ein, was fehlt, von den großen mehr, von den kleinen weniger. Das ist einmal eines großen Reiches, das der Welt impo- niren muß, wenn seine Stimme im Rath der Völker Etwas gelten soll, unwürdig. DaS ist aber ferner auch unklug, weil die einzelnen Staaten im Reich fortwährend in ihren Finanzen bedroht werden; sie können nie mit Sicherheit wissen, wie viel der Reichsbüttel an Matrikular-Beiträgen wird haben wollen; sie sind dadurch also auch in der Ein­führung von Reformen in ihren engeren Grenzen gehemmt und behindert. Nun dazu brauchen wir doch wahrhaftig das Reich nicht, um uns in einer gesunden Weiter-Ent­wickelung stören zu lassen! Im Gegentheil will die Regie­rung jetzt energisch daran gehen, die Einnahmen deö Reiches so zu gestalten, daß auch die einzelnen deutschen Staaten nunmehr endlich freie Bewegung bekommen. Die Reichs- Einnahmen müssen sich so entwickeln, daß wir in den Einzel­staaten die Matrikular-Beiträge ersparen und mit dieser ersparten Summe an Reformen im eigenen Lande denken können, um die zu drückend gewordene Last der direkten Steuern los zu werden. Die schwere Kiste der Steuerlast muß uns von der hohen Kante auf die breite Seite um­gelegt werden; die Last wird dieselbe bleiben, wir werden sie aber leichter tragen! — lieber den Umfang der Steuer- Reform schreibt dann die „Prov.-Corr.":

„Speeiell in Preußen ist die Ueberweisung eines TheilS wo möglich der Hälfte der Staats-Grund- und Gebäude­steuer bereits der Gegenstand zahlreicher Petitionen gewesen und die Staatsregierung wird diese Wünsche in dem Maße in Erfüllung bringen, als ihr die Mittel durch die Steuer­reform vom Reich zur Verfügung gestellt werden. Als eben so dringlich betrachtet sie die Verbesserung der Gewerbe­steuer zur Erleichterung der Handwerker und beS kleinen und mittleren Handelsstandes, so wie die Reform der Klassen-

er war ein Deutscher — und sie mit aller nur möglichen Rücksicht behandelte.

Ehe acht Tage vergingen, waren mehrere Hundert Theil- nehmer an dem Aufftande eingebracht, so daß zuletzt kein Platz mehr in dem geräumigen Castelle war, obgleich alle Räume bis unter das Dach benutzt und in jeder Zelle mehrere Personen einquartiert warm.

Schon nach den ersten allgemeinen Verhören der Un- tersuchnngskommission wurde ein Theil der Gefangenen, die man auf bloßen, meistens unbegründeten Verdacht hin, aus ihren friedlichen Wohnungen gerissen hatte, wieder entlassen und dadurch Raum gewonnen, die am meiften Gravirtm abzusondern. So wurde Stekmann in eine Zelle gebracht, welche die oberste in dem Thurme war.

Im Forsthaus.

Novelle von Heinrich HenSler.

(Fortsetzung.)

Tagesbericht.

Telegr. Nachr. aus Berlin vom 12. Juli:

— Die Mitglieder des Congresses treten heute um 2’/2 Uhr zur Fertigstellung einiger Details des Vertrages zu­sammen. — Die amtliche Publikation des Vertrages durch die betreffenden Regierungen dürfte erst nach Ratificaüon desselbm erfolgen; für diese soll der Zeitraum von 4 Wochen vorgesehen sein. Fürst Bismarck hatte gestern

„Ich bin ein Untertan des Kurfürsten von Hessm, der König von Wesffalen geht mich nichts an, feine Beam­ten haben nicht die Befugniß mich zu verhören oder ein Urtheil über mich und meine Handlungen zu fällen, ich bin nicht verpflichtet, ihnm Rede zu stehen."

Man war schnell mit ihm fertig, daS Kriegsgericht verurtheilte ihn zum Tode und dieses Urtheil sollte in 24 Stunden vollzogen werden.

lFtrtsetzung folgt)

Jhr- at fte

».

elgnit r 'gut dem ui :r Er« berfai schh- !. [181

Welche ernsten Sinnes und offenen Blickes für die bestehen- 5 - H hm Schäden das Interesse der Partei vergessen, wo es sich \se ge- n erster Linie um Beseitigung unhaltbarer Zustände handelt, x.chaJ? Wie sie durch die Herrschaft des Liberalismus geschaffen ’bönnfr Korden sind. Die Grundlage der äußerlichen Wohlfahrt ihriiehe «ms Volkes wird von Fragen gebildet, die schließlich im

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W- ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

daß er ohne allzugroßes Widerstreben hergeben kann, was ngtalt zur Existenz des Menschen gehört und was der Staat noth- ' Wendig braucht, das ist die große Aufgabe einer weisen —— Wirthschaftspolitik. Steuern sind Lasten, das wollen wir |nf nur ruhig wahr fein lassen; und Lasten drücken! Wenn ich lllj< aber eine schwere Kiste zu tragen habe, ist es ein großer Unterschied, ob ich sie mir mit einer Kante auf die Schulter “kge, oder ob ich sie mit der breiten Fläche platt auf den wfen nehme. Die Last bleibt dieselbe, aber das eine Mal »rückt sie unerträglich, das andere Mal wird sie verhältniß- Mßig leicht getragen. Die Regierung erklärt nun in dem «wähnten Artikel der „Prov.-Corr.", daß die Behauptung der liberalen Wahlagitatoren unwahr ist, sie plane nur eine Mehrbelastung des Volks mit Steuern. Geplant wird dielmehr eine stärkere Heranziehung der indirekten Stener- quellen, um den Druck der hochgespannten und zu schwer .. Henden direkten Steuern, zu denen ja bekanntlich die Ge- ttkansi — । —

wirt pq 50 W er Pos [187

»hr.

:t Hat, iS.

1-'®^ Ueberrascht von dem Beginnen des kleinen Häufleins g'*nnb in der Meinung, es sei eine Kriegslist dahinter ver­deckt, ließ der commanbirenbe Offizier seine Leute „Halt" «achen, — dasselbe geschah von den Aufftändischen, welche ftgar Anstalt machten, als ob sie eine Verschanzung auf- kerfen wollten. Ngch einigem Zögern schien der Anführer d« Franzosen sich von der Absicht seiner Gegner überzeugt N haben, er traf feine Anordnungen und indem er einzelne Teilungen seiner Leute nach beiden Seiten detachirte, um 3«ie zu umgehen, marschirte er selbst mit dem Hauptcorps fj M sie zu.

Stellmann zog sich nun, so viel wie möglich Ordnung

rFarb!

iuweiflen nimmt entgegen: $ «Expedition d.Blatte», froic b-ilnnoncen-Suteaur Dcn Th. Dietrich & Co. in jtofiei und Hannover; Th. $tetr.d) in Frankfurt a M.; Laasenstein L Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cvln ic.; Rudolf Rosse in Berlin, Frank­furt a. M. tc.

hinter derselben stehenden Trupp der Aufständischen. Die dadurch entstehende Verwirrung benutzend, stürmten die Soldaten über die Brücke. — Jene ergriffen die Flucht, blieben jedoch nach einigen hundert Schritten abermals stehen und begannen wieder eine Verschanzung aufzuwerfen. Die Soldaten rückten ihnen mit der nöthig erachteten Vor­sicht nach, da der Weg dort um eine Ecke bog. Sie wur­den nicht erwartet, sondern die Flucht fortgesetzt und so noch einigemale Halt gemacht, bis endlich die Hessen ein­geholt, umringt und mehrere von ihnen niedergestochen ober mit ben Gewehrkolben niedergeschlagen wurden.

Nur wenige von ihnen wurden zu Gefangenen gemacht, unter diesen Stellmann, der zwar.ebenfalls durch einen Kolbenschlag, den er von hinten erhalten, betäubt zu Bo­den gestürzt war, aber schon nach wenigen Minuten seine volle Besinnung wieder erhalten hatte.

Er war als Anführer des Jnsurgentenhaufens erkannt worben; bas genügte, um ihn für eine wichtige ober boch gefährliche Person zu halten. Man banb ihm deshalb die Hände auf dem Rücken zusammen, legte ihm einen Strick um den Hals und banb biesen an bas Pferd eines Sanders. Umringt von einer Abtheilung biefer Reiter unb gefolgt von ben übrigen Gefangenen, welche nur leicht aneinander gebunden waren, setzte sich der Zug nach Kassel in Be­wegung, während die übrigen Soldaten zur weiteren Ver­folgung der geflüchteten Jnsurgmten verwendet würben.

Dem Oberförster von Warnberg war es durch den wenigstens zweistünvigen Vorsprung, den ihm Stellmann verschafft hatte, gelungen, der Gefangenschaft zu entgehen.

In der Hauptstadt wurden die Gefangenen der Polizei übergeben, nach einem kürzen Verhöre jedoch auf das Castell gebracht und dort dem Commandanten vorgeführt, welcher ihnen augenblicklich die Stricke abnehmen ließ —

jogü Handhabend, zurück unb bezeichnete eine Brücke, welche ber zu « Oberförster mit ben Andern überschritten hatte , als den [15 wichsten Haltpunkt, ben sie besetzen unb möglichst lange ^dertheidigen wollten. Er ließ einigemale halten unb ging seinen Leuten gegen bie verfolgenden Franzosen vor, W ob er sie angreifen wollte und bewirkte dadurch jcdeS- einen kurzen Stillstand derselben.

An der Brücke angekommen, wurden in der Eile einige bet Nähe stehenbe Bäume gefällt unb zu einer Barri- ! **be verwendet. Die nahenden Verfolger wurden mit wohl- - Riehen Flintenschüssen empfangen, worauf sie sich, ohne selben zu erwiebern unter bem Jubelruf unb Hohnge- fAchter ber Aufstänbischen zurückzogen.

L Bald änberte sich jedoch die Scene; — der Offizier die Artillerie herbeikommen lassen, — im Rücken der tMbatcn waren zwei Kanonen aufgefahren und plötzlich Pwtterten Kanonenschüsse in die Barrikade unb in den

ronscrvative Männer, die der Regierung bei ihren Reform- Bestrebungen eine entschiedene Unterstützung gewähren. Sie fordert am Schluß ihres Artikels alle Wähler ausdrücklich i H. fl N, mit aller Entschlossenheit und Zuversicht zu helfen, daß durch die Wahl eine Reichsmehrheit gesichert wird, welche ----nicht blos ein Ausnahmegesetz gegen die Sodaldemokratie

läsch- :rung

-Ifin. «in« votjl- eifcen

ch.

)e ec Küch m S sagt J-tl 878.

i Unseren Lesern ist die Antwort bekannt, welche der preu- pische Finanzminister den Gemdnden ertheilt hat, welche ipl'-n Ueberweisung eines TheilS der Grund- und Gebäude-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition («ock'lcke Buchdruckerei) bezogen % Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 »fa

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.