Marburg, Freitag, 12. Juli 1878
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der Fortschrittspartei diesen Absichten grundsätzlich entgegentrat. Durch den ganzen Widerstreit der Auffassungen zwischen der Regierung und dem Führer ber Nationalen (Lasker) gehe ein greifbarer Gegensatz zwischen der praktischen Politik und den idealistisch-doctrinären Parteiauffassungen hindurch. Nach den von dem deutschen Volke inzwischen gemachten schweren thatsächlichen Erfahrungen werde mau es in allen staatserhaltenden Kreisen vollauf gerechtfertigt finden, wenn die Regierung ihre durch das dringende Staatsinteresse gebotene Politik nicht ferner durch den Einfluß solcher idealistischen Verirrungen gelähmt und vereitelt wissen wolle, und wenn die Wünsche und Bestrebungen der Regierung dahin gingen, die wirklich staatserhaltenden Kräfte innerhalb des freisinnigen deutschen Bür- gerthums befreit zu sehen von einer Leitung, welche in den wichtigsten Fragen der Erhaltung und des Schutzes für Staat und Gesellschaft sich mit grundsätzlichen Gegnern der Regierung vereinigt, um die Absichten der Negierung ohne jeden Versuch der Verständigung zu vereiteln.
Der Artikel schließt: Es ist und bleibt eine offenbare Unwahrheit, daß man die Socialdemokratie entschieden bekämpfen und doch die Fortschrittspartei unterstützen könne Mn diese ist nach wie vor entschlossen, der Regierung
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ridjten erhalten. Man hat eS da an der unbedingt in Mhem Falle nöthig gewesenen Entschlossenheit, Energie und Ratchhett fehlen lassen; man ließ sich schrecken, sowie einige Personen verhaftet waren, anstatt selbst in solcher Weise vorzugehen und so haben wir von dort nicht die geringste Unterstützung zu erwarten und es fehlt uns dadurch der so nöthige einheitlich« Mittelpunkt für unsere Operationen."
.Jerome ist also nicht gefangen?" ftagte Scheffer.
.Und der Kurfürst," rief Böttcher, „ist nicht, wie uns Hasserodt versicherte, in Eassel und hat die Regierung wieder übernommen?"
' „Still, still," entgegnete Dörnherg. „Beides ist leider nicht der Fall. Wir müssen es aber verheimlichen, sonst verlieren unsere Leute bett Muth und laufen uns davon wenigstens würde ihr Enthusiasmus bedeutend Nachlassen."
„Das sind freilich schlimme, recht schlimme Nachrichteit, • t za • fann unter diesen Umständen an
ein Gelingen unseres Unternehmens nicht mehr glauben "
„Wer wird den Muth so schnell sinken lassen," ver- setzte Hasserodt. „Es sind jetzt schon gegen achttausend, meistens gut bewaffnete kräftige, muthige Männer mn uns versammett; beinahe jeder Schritt wird uns weitere Verstärkung zuführen. Ehe wir auf einen ernstlichen Widerstand stoßen, sind auch die übrigen Eolonnen bei uns und damit sind wir wenigstens sechsmal so stark, wie unsere Gegner, und dazu die gerechte Sache für die wir streiten!"
„Wenn wir es mit einer unorganisirten Masse zu thun hätten," entgegnete Dörnberg, „wie es unsere Leute sind, so könnten Sie Recht haben, so wird uns aber ein gut diöciplinirtes Armeekorps von allen Waffengattungen entgegentreten; das haben wir zu befürchten!"
Indem hörte man einige Flintenschüsse in der Entfernung bald kam einer der Kürassiere, welche die Vorhut bildeten, znrückgesprcugt. Er brachte die Nachricht, sie seien
. Nr. 161.
I« ForsthauS.
Novelle von Heinrich HenSler. U t Fortsetzung.)
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- Bezüglich der heute 2 Uhr beginnenden Cougreß- sitzung verlautet werter, daß die Commission ihre Beschlüsse m den die Grenze bei Datum betreffenden Fragen dem Congresse vorlegen wird, womit diese Angelegenheit definitiv erledigt sein wird, da der Kongreß beschlossen hat, die Commission in dieser Frage per majora für den Conarefi bindende Beschlüsse fassen zu lassen und Rest Be"chwsft7m Plenum nur einfach zu rattficiren. Wie verlautet, hat man eine zwischen den englischen und russischen Ansprüche» ver- Mittelnde Grenz-Bestimmung getroffen; die Lazen bleiben bei Rußlands Die Frage der Entfestigung von Batum ^L»b, Slaubt man, daß dieselbe für Rußland eine sehr rücksichtsvolle Erledigung finden werde.
. "7 I" der heutigen Congreßsitzung dürften zunächst einzelne Fragen bezüglich der Grenze in Asien erledigt wer- deu. Die türkisch-griechischen Verhandlungen wegen Rectt- finrung der griechischen Grenze werden nach Mittheilung
•r - Protokolle an die betr. Regierungen direkt zivischen Athen und ^onstantlno^el beginnen. Die Äer- Mittelung der Mächte wird, wie bereits gemeldet, erforderlichen Falls erfolgen. Die Nachricht von der Absicht einer gemeinsamen türkisch-österreichischen Occupation Bosniens findet in diplomattschen Kreisen wenig Glauben.
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dZs einzig wirksame Mittel gegen das Umsichgreifen der Socialdeinokratie zu versagen. Die Wähler, welche die Regierung unterstützen wollen, werden von den Candidaten entschiedene Bürgschaften dafür zu verlangen haben.
Die „Provinzial-Correspondenz" schreibt: die Friedensverhandlungen des Berliner Congresses stehen unmittelbar vor ihrem glücklichen Abschlüsse. Alle wichtigen Fragen, die sich an den Vertrag von San Stefano knüpfen, haben unter dem fortdauernd friedlichen Gesammtwillen der auf dem Congresse vereinigten europäischen Mächte und durch allseittg vertrauensvolles Zusammenwirken ihrer Bevollmächtigten ausgleichende Lösung gefunden. Auch die auf die Grenzregulirungen bezüglichen Commisstonsarbeitm sind bereits zu einem befriedigenden Ergebniß gelangt und der Congreß selbst wird sich in den nächsten Tagen der schließ-' uchm Feststellung und Genehmigung der getroffenen Vereinbarungen widmen können. Die in den letzten Tagen bekannt geworbene Thatsache, baß Englanb ein besonberes Abkommen mit ber Türkei wegen Abtretung Cyperns zu englischer Occupation unb behufs Schutzes ber Türkei in ihrem asiatischen Besitze getroffen hat, wirb ben Abschluß ber Congrcßverhanblungen nicht stören ober auf halten, ba dieselbe ben Vertrag von San Stefano, welcher der Be- schlußnahme des Congresses unterliegt, nicht berührt. Sonnabend wird der Friede zu Berlin unterzeichnet werden, nr "schein Europa den Abschluß der jüngsten Kriegsära unb ber seither noch drohenden Kriegsgefahr und damit, so Gott will, den Ausgangspunkt einer neuen Zeit friedlicher Entwickelung und friedlichen Auffchwungs freudig begrüßen
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt! Die Besitzergreifung Cyperns durch England werde überall mit Recht als * ein Schritt der englischen Politik angesehen, sich Einfluß und Stellung in denjenigen Theilen des Orients zu wahren, welche sie für die Macht- uud Jnteressen-Sphäre Großbritaniens in Anspruch nehme. Dieser Schritt könne vom Standpunkte der allgemeinen Civilisation und des Culturfortschrittes in Kleinasien nur zustimmend begrüßt werden. Die „Nordd." glaubt nicht zu irren in ber Annahme, baß bie brutsche Negierung von ber Abmachung vorgängig benachrichtigt war, ohne baß dabei von ihr ein Meinungsaustausch gefordert wurde.
Telegraphische Nachrichten aus Berlin vom 10. d.:
— ®ie heutige 17. Congreßsitzung begann um 2'/4 Uhr und schloß gegen 6> 4 Uhr. Lord Beaconsfield wohnte angeblich wegen eines HalSleidenS der Sitzung nicht bei. Heute «bend findet zu Ehren der Congreß-Delegirten ein Diner i tm russischen Botschaftshotel statt.
etwa# Um Zehn Uhr filmen wieder einige Kürassiere gesprengt lchcm W brachten dm Führern die Weisung, unverzüglich auf» " ' Mrccheu. Dörnberg mit den übrigen Eolonnen werde iwseits Felsbxrg zu ihnen stoßen.
„Vorwärts! Vorwärts!" rief eS von allen Seiten und Skgen tausend bewaffnete streitbare Männer zogen hinaus ’» die Nacht, mit »em feften Vorsätze, Leib und Leben daran
fitzen, um die Fxauzoseu zu verjagen. .. 3 I n s
Etwa eine Stunde nach dem Ausmarsche der Felsberger - Kolonne stieß sie zu ben übrigen Verbündeten. Der Oberführer Dörnberg begrüßte die Herankvmmmden, wintte «der sogleich die Anführer zur Seite, um mit ihnen die Wge Rücksprache zu nehmen.
„Ich habe leider Ursache da« völlige Mißlingen unseres schonen Planes zu befürchten," sagte er. „Ein unvor- IWiger junger Maim traute ben gleißlzerischen Worten eines Schurken unb theilte ihm in bem Glauben, er sei einer der Mengen, unser ganzes Vorhaben mit. Dieser hinterbrachte
Entdeckung augenblicklich dem Könige und in derselben «künde wurden mehrere Verhaftungen vollzogen und um- »Äsende Vorkehrungen aller Art getroffen. Darum mußte k? bie Aufforderung an Euch schicken augenblicklich loSzu- Mgm und das ist wieder die Schuld, daß nicht Alles M Wunsch geht, wie eS so schön vorbereitet war. Wir •wen jetzt drei Colounen hier beisammen, die von Felsberg, Amberg und Wolfhagen; — die fünf anderen fehlen noch, hL,te .Nachkommen und ob, wenn dieses der Fall ist, sie zeitig genug zu UNS stoßen werden, das müssen wir irrten. Leider habe ich aber auch heute Abend aus das ich schon gestern Abend verließ, schlechte Nach- 4
-uv... Deutsches Reich.
, derltu, 10. Juli. Die „Prov -Corresp." bestäfigt daß am Sonnabend die Unterzeichnung des Friedens - #Ä,W,riX Das Blatt bemerkt, daß das englisch - türkische Abkommen wegen Cyperns ben Abschluß ber Congreßverhandlungen nicht aufhalten werbe, ba bas- E ben Fnedm von San Stefano, den einzigen Gegenstand ber Congreßbeschluffe, nicht berühre. Damtt erlebigt I'ch E. Forderung ber „Röpublique fran6aife", dahin f^enb, die französischen Bevollmächtigten sollten ihre Unter- Sr” b« emem Akte verweigern, durch welchen jenem Wkommen der Congreß zustimmen würde. Es ist aber ganz außer Frage, daß ein solcher Akt von dem Congreß nicht verlangt und daß das englisch-türkische Abkommen elnzelnen Congreßbevollmächtigten, nicht aber dem eigentlichm Congreß amtlich mttgetheilt werden wird. Was übrigens dieses Abkommen anbetrifft, so haben die neulich bekannt geworbenen Depeschen aus ben im englischen Parlament vorgelegten Aktenstücken hinlänglich bekundet, baß es sich keineswegs um einen Akt neuesten Datums handelt:
Mrl JrTEtVaM$Ort feit dm Reifen des Grasen Schuwaloff zwischen London, Berlin und Peters- bürg der Plan emes solchen Abkommens den Kaiserhöfen bekannt gewesen ist. Selbst die französische Reginuna durfte wohl von dem Hervortreten desselben nicht so über»
anf eine Abtheiluiig Lancierö gestoßen, mit welchen sie etinge Carabmerschusse gewechselt hätten. Er solle Ordre holen, was zu geschehen habe.
„Vorwärts müssen wir," tief Hasserodt seinen Säbel ziehend, „ohne allen Verzug vorwärts! Wir müssen die einzelnen Abthel.ungeu zurückwerfen, ehe sie eine bestimmte Stellung eingenommen haben." 1
seinen Leuten^ “ ^rde die Sporen unb ritt zu ^.Die verschiedenen Anführer, welche sich um Dörnberg versammelt hatten, eilten zu ihren Colonneu und Abthei- lungen, um bie nöthige» Vorbereitungen unb Anordnungen zu bem bevorstehenden Kampfe zu treffen “
... Stellmann hatte Mühe sich in,ber dunklen Nacht zu feiner Abtheiluug zu finden, an bereit Spitze ber Ober» forfter »ort -Jarnberg, nebst einigen Kürassieren ritt.
„^e eine Stunde vergeht," sagte dieser, nachdem Dtellmami ihm die betrübten Nachrichten mitgctheUt hatte wissen wir, woran wir sind. Der erste Schlag entscheidet und somit ist noch nicht Alles verloren. „Vorwärts freunde! nef er mit weithin schallender Stimme seinen Leuten zu. Die Franzosen stehen uns gegenüber, denkt
Unb-tt6e!*' bU zufügten und täglich schlimmer und empörender werden, - erinnert Euch wie »ir£in unferm eigenen Lande von diesen fremben Abeu- unterdrückt wurden; - jetzt 9mL ™'f’lCabe fC ^blegenheit, diesen verhaßten Ausländern Ir licheu LeÄe^Erugebeii! Vorwärts! Mir nach Es lebe der Kurfürst! Es leben die Deutschen! stum Teufel mit den Franzosen!" so rief die Menge wild durch- liemtt^r Ä “S ^eUe lebhaftes Musketenfeuer in ziemlicher Nahe sich Horen ließ.
Ohne Ordnung, nicht mehr auf ben Zuruf der Führer
Das Befinden unseres Kaisers ist nach der „Prov.- Corresp." in stetig fortschreitender, sehr erfreulicher Besserung begriffen. Sämmtliche Wunden find geheilt und auch der Verband am rechten Arm bereits abgenommen. In den Kräften unb in der Beweglichteit ber Arme war eine sortbauernbe Zunahme wahrzunehmen. Der Kaiser konnte am Schluffe voriger Woche bereits ben Uniformrotf wieder anlegen unb im Kreise feiner nächsten Familie bas Mittagsmahl einnchmen. In den letzten Tagen konnte Se. Majestät sich aus ben unteren Räumen des Palais in die Zimmer ber Kaiserin begeben, ohne daß das Treppensteigen ihm Anstrengung verursachte. So ist denn die Hoffnung begründet, daß eS dem Kaiser bald möglich sein wird, ben Aufenthalt in ber Hauptstadt mit dem in ländlicher Luft, zunächst vielleicht in der Nähe Berlins, zu vertauschen. Doch sind auch feste Bestimmungen darüber noch nicht getroffen.
Die „Prov.-Corresp." bringt einen längeren, „Praktische und idealistische Politik" betitelten Artikel, worin sie die Reichstagsverhandlungen von 1876 über die Strafgesetz-
| f Novelle recapitulirenb, nachweift, daß es der Regierung schon 1 u bei Vorlegung der Strafgesetznovelle voller Ernst war mit
hagelt, der Noth wendigkeit der Bekämpfung der Sozialdemokratie, eiuei daß sie aber mit ihren Absichten nicht durchdringen konnte, 0 M weil die nationaüiberale Partei Schulter an Schulter mit . Aus der Fortschrittspartei diesen Absichten grundsätzlich entaeaen-
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< Anzeigen nimmt em gegen: ( die Expedition d.vlatte», X sowie d Annoncen-Bureaux
von Th. Dietrich 4 Co. in j Raffel und Hannover; Th.
Dietrich in Frankfurt a.M.; ! Haasenstein 4 Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cvln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M- ic.
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Anzeigen nimmt entgegen: bie ©fliebition b. BlatteS, sowie d-Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a-M.;Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfelds C. Schlotte in
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