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Marburg, Mittwoch, 10. Juli 1878

xm. Jahrgang.

rlässig

— Die heutige (15.) Cvngreßsitzung schloß erst nach

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Am Sonntag waren sämmtliche Mitglieder des Kon-

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ter gegenüber den Kongreßmitgliedern. In Sanssouci war as Diner für die hohe Gesellschaft hergerichtet. Seit mehr imit- 20 Jahre waren diese Räume verwaist, heute erhielten e eine neue, gewissermaßen ihre deutsche Weihe. Empfing

esieS von dem Kronprinzlichen Paare zu einer Festfahrt —|unb zu einem Diner nach Potsdam eingeladen. Die Gäste ' gaben sich NachmitagS 3 Uhr per Extrazug nach Wann- , woselbst sie auf der bereitliegenden Königlichen Dacht m Kronprinzlichen Paare in huldvollster Weise empfan- en wurden. Von den malerischen Ufern des herrlichen eeS und durch die weiten Buchten der Havel ging die fahrt von der Pfaueninsel entlang nach Schloß Babelsberg, 6» bereitstehende Equipagen die hohen Herrschaften erwar-

doch in denselben Räumen, in denen Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm IV. so gern und oft geweilt und in denen sich so mancher schicksalsschwere Vorgang für Preußen abspielte, ihre glorreicher Nachfolger als Erbe der deutschen Kaiserkrone die Vertreter Europas. — Die Gesellschaft war sehr animirt, es schwebte sichtlich über ihr ein guter Geist und die Freude, endlich den Frieden errungen zu haben. In diesem Sinne sprach sich auch gegen ver­schiedene Diplomaten das Kronprinzliche Paar aus. — Um 9 Uhr trafen die Herren wieder mittelst Extrazuges in Berlin ein.

Wie die „Correspondance universelle" berichtet, erblickt man in der diplomatischen Welt zu Paris in den Beschlüssen des Congresses den Triumph der Politik des Fürsten Bis­marck. Der deutsche Reichskanzler sei darauf bedacht, einen Theil der Thätigkeit Oesterreichs nach dem Osten von Europa zu verlegen und aus dem Reiche des Kaisers Franz Joseph ein östliches Deutschland zu machen. Die Annahme dieses Programms durch die Mächte scheine der Vorläufer einer allgemeinen Veränderung der Karte von Europa zu sein.

Der „Osservatore Romano" und die „Voce della Verita" veröffentlichen Leitartikel, welche mit einer kleinen Verschie­denheit der Phraseologie identisch und anläßlich der Veröf­fentlichung des deutschen Theiles des Schriftwechsels zwischen dem Papst, dem Kaiser und dem Kronprinzen von Deutsch­land augenscheinlich inspirirt sind. Sie loben in über­schwenglichen Ausdrücken den von dem Pontifex bewiesenen Eifer, in dem er nichts unterließ, um dem Gewissen der Katholiken in Deutschland religiösen Frieden zu sichern Die „Voce" sagt, es sei unmöglich, dies auf der Basis der gegenwärtigen Ausnahmegesetzgebung in kirchlichen Dingen in Deutschland zu erlangen; aber beide drücken in fast denselben Worten ihre Befriedigung darüber aus, daß der Kronprinz anerkennt, wie der oberste Pontifex in dent Ausdrucke seiner heißen Wünsche und derjenigen der katho­lischen Welt den aufrichtigen guten Willen bekundet habe, Alles zu thuu, was in seiner Macht steht, um das glückliche Resultat eines religiösen Friedens in Deutschland zu er­leichtern. Der amtliche „Osservatore" fügt die Hoffnung hinzu, Gott werde dessen Zustandekommen gnädig fördern.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae "Mnftrirtes reTTT

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Für tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. y F ° 1W

Leipzig, Cöln ic.; Rudol Messe in Berlin, Frank furt a. M. ic.

Im Forsthaus.

Novelle von Heinrich HenSler.

(Fortsetzung.)

Anzeigen nimmt nngegen »ir Expedition d.Blatte«

Tagesbericht.

Telegraphische Nachrichten ans Berlin vom 8. d:

ineteni i jenen ication

den. Die meisten der fremden Diplomaten waren im ochsten Grade überrascht über die Fülle landschaftlicher Schönheit, mit welcher die gütige Natur die sonst so ver- Afene Mark ausgestattet hat; erschien ihnen Berlin schon «fier und schöner als sein Ruf: auf dem hügelumrahmten Wasserspiegel der Havel legten sie auch das Vorurthcil ab, as sie gegen die Streusandbüchse des deutschen Reiches och gehegt. Von Babelsberg aus fand alsdann eine Rund- chrt durch die Königlichen Gärten statt, welche im frische- m Grün und reichsten Blumenschmuck prangten; die Fon- inm warfen ihre perlenden Strahlen in die Höhe, auch ie Sonne sandte dann und wann trotz der schweren Re- enwolken einen freundlichen Gruß durch das grüne Blät- rdach. Ein äußerst zahlreiches Publikum säumte die Fahrstraßen und kargte nicht mit seinen Huldigungen egeuüber dem Kronprinzlichen Paare und mit seiner Neu-

' mußt Du jetzt ohne Theodor abreisen, denn Du wirst " Bestimmtheit heute Abend erwartet und der arme 5* *8« muß sich jedenfalls erst einige Tage erholen. S3id= M werde ich ihn die nächste Woche selbst bringen, wenn iewiti 'S ba8 böse Zipperlein bis dahin perläßt. Ist dieses —--fW der Fall, daun schicke ich den Kvllmann mit. Für

des Fürsten Bismarck innerhalb der deutschen Nation auf. Den Vorwand für diese absurde Behauptung muß die That- «sache bieten, daß Fürst Bismarck eine den Stand der Con- greßarbeiten betreffende wichtige Mittheilung dem Correspon- denten der „Times" gemacht hat, statt dieselbe durch irgend ein deutsches Blatt verbreiten zu lassen. Jeder halbwegs verständige Mensch wird sich sagen, daß Fürst Bismarck sich deshalb an die „Times" wendete, weil das, was er mittheilte, in erster Linie eine Warnung für die Engländer enthielt und weil es darauf ankam, daß diese Warnung binnen 24 Stunden in der ganzen Welt vernommen wurde Daß Fürst Bismarck diesen Zweck erreicht hat, darüber ist wohl kein Zweifel. Hätte er ihn aber wohl erreicht, wenn er einen inspirirten Artikel in ein deutsches Blatt gebracht hätte und wenn es selbst die „Vossische Zeitung" gewesen wäre? Die Bosheiten des Berliner Blattes können die fremden Diplomaten nicht lehren, daß Fürst Bismarck im deutschen Volke isolirt ist, wohl aber, daß Deutschland allerdings den traurigen Vorzug genießt, eine Partei, wie die Berliner Fortschrittspartei ganz allein zu besitzen. Eine solche Begeiferung in einem solchen Moment und Angesichts der großen europäischen Stellung, wie Fürst Bismarck sie Deutschland gegeben, ist in keinem anderen europäischen Lande denkbar. — Liberale Blätter verwundern sich, daß das Tabaksmonopol noch immer den Regierungsorganen als eine mögliche Besteuerungsmodalität erscheint, obwohl dasselbe vom Retchötag verurthcilt worden sei. Inzwischen ist aber doch, um in derselben Ausdrucköweise zu bleiben auch der Reichstag verurtheilt worden und es steht noch nicht fest, ob die Regierung nicht einen so veränderten Reichs­tag vorfindet, daß sie darauf rechnen darf, für ihr Pro­gramm Gehör zu finden. — Der Provinziallandtag für Schleswig-Holstein ist auf den 4. August zusammenberufen. — Der Handelsminister hat die Königlichen Eisenbahn- Dtrecttonen aufzeforoert, bei der geschäftsführenden Dircction deö Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen Anträge hin­sichtlich des Frachtreklamationsverfahrens zu stellen und über das Ergebniß solcher Anträge nach 3 Monaten Be- ncht zu erstatten. Es hat sich nämlich als ein Uebelstand herausgestellt, daß Frachtreklamationen meist erst eine Um­frage bei den betheiligten Eisenbahnen zur Folge haben. Soweit es sich um Reklamationen gegen offenbar unrich­tige Frachtberechnungen handelt, ist der Handelsminister der Ansicht, daß in Erwägung zu ziehen sei, ob nicht für den Bereich des Vereins der deutschen Eisenbahnen hinsichtlich dieser Gattung von Frachtreklamationen ähnliche Grund­sätze zu vereinbaren sind, wie sie durch die Artikel 25 und 26 des Uebereinkommens zum Betriebsreglement vom 1. Januar 1877 zur Einführung gelangt sind. — Die Staats­eisenbahnbauten, für welche währenv der letzten 5 Jahre

Damit drehte er sich um und sagte noch im Fortgehen: „Ich muß doch sehen, was das kleine Herrchen macht. Der wird wohl nicht so leicht davon kommm, wie ich, der arme Junge."

Clottlde folgte ihm kopfschüttelnd; — sie wußte nicht, was sie von der Geschichte denken 'sollte.

Nach einer Viertelstunde war sie auf dem Wege nach Steinau.

Diesesmal wurde die Reise ohne Unfall vollendet. Konrad hatte das Mädchen glücklich über die Fulda ge­bracht und nach einer weiteren halben Stunde waren sie an Ort und Stelle.

Am Eingänge des Dorfes hielt eine mit zwei Pferden bespannte Chaise; — ein Bedienter stand daneben und trat als Clotilde in die Nähe kam, höstich grüßend auf sie zu' und sagte:

„Der Herr Forstmeister Leidcmann lassen sich dem gnädigen Fräulein bestens empfehlen. Er ist vorausge­gangen bis zum Geilbacher Deichhaus, wo er nur einen kleinen Augenschein zu nehmen hat. In einer Viertelstunde können wir dort sein, und dann ist auch der Herr Forst­rath mit seinen Geschäften fertig. Belieben Sie nur ge­fälligst einzusteigen."

Clottlde trug ihrem Begleiter, dem Jäger Konrad die herzlichsten Grüße an den Großvater und Theodor auf und stieg in die Chaise; — der Bediente setzte sich zu dem Kmscher und nun ging es in raschem Trabe voran.

Sie waren jedenfalls schon eine Viertelstunde und so­gar mehr gefahren, da hielt die Chaise. Der Bediente stieg ab, öffnete den Schlag, und sagte:

„Der Herr Forslralh ist schon weiter gegangen, wir werden ihn auf der Straße wohl bald einholen, läßt er dem gnädigen Fräulein sagen, wir sollen nur geraden Weges auf Wörlitz zusahren."

Der „Reichsanzeiger" meldet amtlich die Abberufung alles «s Prinzen Reuß von dem bisher bekleideten Posten als Botschafter in außerordentlicher Mission beim Sultan.

. »Gewiß müßt Ihr ihn kennen," fuhr Clottlde fort, er hat Euch ja gedutzt und so bekannt gethan, als wenn Ihr die besten Freunde wäret."

„Das habe ich ganz überhört," versetzte Kvllmann. „So machen es aber dergleichen Leute! — Ich habe ihn »Herr" genannt und mit „Sie" angeredet, obgleich er mir nicht so aussah, als ob er solche Behandlung gewöhnt wäre und er dutzt mich ohne Weiteres! Ich möchte wirk­lich wiffen, wer es ist."

. „Es liegen triftige Gründe vor, seinen Namen — we­ll vor der Hand noch nicht zu nennen," erwiederte

^ Großvater. „Der Name thut auch nichts zur Sache;

8 ist so, wie ich sage, später kannst Du den Namen erfah- Ritt.li **>, und die Gründe hören, warum ich ihn jetzt nicht nen- ' ^ürf, es würde uns Nachtheil bringen, wenn das bekannt Ab.N lutbe, aber es muß sich erst noch Vieles ändern. Uebri-

___legirter um 2'/< Uhr begann, sollen noch einige Detail- jg aui fragen bezüglich Datums geordnet werden. In der heutigen

und der folgenden Sitzung dürfte -sich der Congreß mit en Detailarbeiten der Commissionen beschäftigen. Die Unterzeichnung des Vertrages und Schlußprotokolles wird n seh, Donnerstag oder Sonnabend erwartet.

Anzeigen nimmt entgegen: Mt@jrpebitionb Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube <fc Co. in Frankfurt a.M.;Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

siwie d.Annoncen-Bureau een Th. Dietrich & Co. ii Aaffel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M. Haasenstein A. Vogler ii

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$3ti aus, „o sage es doch mir, ich bin wirklich sehr be-

bereiti ) Uhr. i schon

»Wie hätte ich ihn denn belohnen können?" fragte riL^dllde, indem eine liebliche Röthe ihr reizendes Gesicht- —- sm überzog. „Er gab Theodor dem Conrad," der ihm

»Mili »erst entgegen kam, zog schnell seinen Rock an und lief . [1 Me Abschied -zu nehmen, davon. Im Augenblicke war ----- * fort."

»Beruhige Dich, liebes Kind," erwiederte der Groß-

• [1 Wer, plötzlich ernst werdend, „ich kenne Euren Retter nicht;

? weiß aber zuverlässig, wer er ist und so kann ich Dir ” feste Versicherung geben, daß er weder ein Mörder ™ wch ein Räuber und eben so wenig ein Vagabund, son- - ■ ein braver junger Mensch ist, und daß er keinerlei

W_L2. Wohnung, höchstens ein freundliches Dankeswort angenom- eder' *ttt haben würde."

Du weißt also, wer unser Retter ist?" rief Clottlde

Deutsches Reich.

•» Berlin, 8. Juli. Die „Vossische Zeitung" feiert in ihrem gestrigen Artikel den Erfolg des Congresses auf ihre Weise. Sie ruft die hier anwesenden fremden Diplo­maten und Journalisten zu Zeugen für die isolirte Stellung jetzt aber mag Dich Konrad nach Steinau bringen, wir dürfen den Forstrath nicht zu lange warten lassen."

„Ich will nur erst noch einmal Theodor sehen," ent­gegnete Clotilde, „bann gehe ich fort. Nun, noch einmal Adieu, lieb Großväterchen; ich will mich einstweilen darauf freuen, daß Du selbst unfern lieben Kleinen nachbringst."

Sie küßte den alten Herrn und eilte zur Stube hin­aus; auf dem Vorplatze begegnete sie dem hinkenden Jäger Kvllmann.

„Wie geht eS Euch, Kvllmann? sagte sie zu ihm, „wa­rum legt Ihr Euch nicht zu Bette? Ihr werdet krank werden?"

„Warum nicht gar," erwiederte der Alte, „so ein kleines Bad schadet meiner Gesundheit nicht. Ich habe andere Kleirer angezogen und damit Basta! Wenn nur mein Fuß wieder in der Reihe wäre, daß ich fett könnte!"

»Ist Euch der Mensch nicht begegnet, der uns so ge­holfen hat?" fragte Clotttde: „Er ist so schnell wieder fort gelaufen?"

„Ich habe noch von Weüem gesehen, wie er wieder in den Wald gesprungen ist," antwortete Kvllmann.

„Wie heißt er denn?" fragte Clotilde, den Jäger dabei fest ansehend.

„Das weiß ich nicht," erwiederte dieser, „ich kenne ihn nicht."

— Die hauptsächlichen Arbeiten des Congresses werden erledigt bezeichnet. Datum bleibt bei Rußland und Urgftoirb Freihafen, wie bereits gemeldet. In der heutigen Sitter- Congreßsitzung, welche unter Theilnahme sämmtlicher De-