ft J || ft ft ? Karkurg, Sonnabend, 6. Juli 1878
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte», sowie b. Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in
Das „Regienmgs- Programm" mrd -tr Ratioual- ____________________ Liberalen.__________
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. »Da« kann nichb sein," «nterbrach sie oer Großvater, »das verdammte Zipperlein verbietet „mir ja, wie Du k iL eine solche Reise. Ich habe aber heute Mittag, so
^8* Du bei der Marianna warst, erwünschte Gelegenheit Wt, noch besser für Dich zu sorgen. Der Forstrath ___ “WBwnn aus Rvthebühl ist heute Früh nach Schiteeberg
H Die neuliche Darlegung der „Absichten und Wünsche tzer Regierung Angesichts der Wahlen" hat in der konsrv- dativen und theilweise auch in der liberalen Prefle eine günstige Aufnahme und mehr oder weniger entschiedene Zu- jstimmung gefunden, — auch an manchen Stellen, wo eine solche Zustimmung einigermaßen überraschen und zu näherer s Prüfung auffordern mutz. Wenn die Wünsche der Regie- nnlg nach dem in Rede stehenden „Programm" dahin gehen, ldaß sie sowohl für die Bekämpfung der Socialdemokratte, wie auch für die Durchführung ihres wirthschaftlichen Programms in der künftigen Reichstags-Mehrheit eine festere Stütze als in der bisherigen finde, so muß es überraschen, daß in Organ, welches anerkannter Maßen die enlschei- dmde Fraktion der bisherigen Mehrheit und ganz besonders die maßgebenden Führer dieser Fraktion zu vertreten berufen ist, und welches vermöge dieser Stellung bis dahin rade die Ablehnung der von der Regierung geforderten
ollmacht, und den Widerspruch gegen die wirthschaftlichen flaue derselben aufs Entschiedenste und Schärfste verthei- gt hatte,.— daß ein solches Blatt*) jetzt die Ankündigung r unveränderten Absichten der Regierung mit dem AuS- ftuck der Zustimmung begleitet.
Es drängt sich die Frage auf, ob dabei eine Sinnes- derung oder ein Mißverständniß zu Grunde liegt, — n Mißverständniß, welches jedenfalls einen verwirrenden nfluß auf die Wahlen üben könnte.
Aus der Art der Begründung des angeblichen Einv'er- sändniffes wird hierüber wohl einige Aufklänmg zu ent- en sein.
| Es wird zunächst mit vollem Recht geltend gemacht, ß der Arükel der „Provinzial-Korrespondenz" „lediglich S alte Regierungs-Programm" wiederhole: das hatte der irtikel selbst von vorn herein ganz entschieden betont. Auch 'cht „in einem Punkt", nicht in Betreff der angestrebten Steuer-Reform und der von Preußen beabsichtigten Be- ung der zu gewinnenden Mehreinnahmen sollte irgend aS Neues angekündigt werden; ganz dasselbe war nicht os vom jetzigen Finanzminister, sondern in allgemeinen fügen auch vom Minister Camphausen bereits im Februar . Jö. und vom Fürsten Bismarck wiederholt in Aussicht stellt und bei der Berathung der Steuervorlagen allseitig prochen worden. Wenn daher jetzt zugestanden wird, daß _6 Regierungs - Programm „wichtige Andeutungen über ßbare Absichten der Regierung gebe, welche den Rahmen
*) Die als Organ des vr. Lasker geltende „Berliner Auto- iphirte Correspondenz."
Im Forsthaus.
Novelle von Heinrich HenSler. "
Erst gestern erzählte sie mir vom bayerischen Hiesel, ich noch lange daran dachte und fast nicht einschlasen nie."
[ „Wir wollen hinüber in die Wohnstube gehen," sagte " tilde ausstehend und den Knaben an der Hand nehmend.
will Kollmanu rufen, und zum Großvater herüber- l» * -ra-. • • —n»r—1 i-rm.ii.. ■in»..
Anzeigen nimmt entgegen: Ne Expedition d.vlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in
bezerchneten Richtung. Ganz im Gegentheil hatte Herr von Bennigsen vor Allem auf den „inneren Heilungsprozeß auf dem Gebiete der verirrten Leidenschaften der Masse" hinge- gewiesen, welcher durch das vorgelegte Ausnahmegesetz nur unterbrochen werde, — er hatte erklärt: „es müßte in Deutschland die Gesetzgebung vollständig banquerott gemacht haben, ehe man eö wage, zu Maßregeln wie die vorge- schlagenen zu schreiten", — er hatte schließlich, Falls es nach weiterer Erfahrung nöthig sei, für das nächste Jahr oder, wenn die Regierung eS wünsche, für den Herbst die Mitwirkung der Partei ausdrücklich nur zu Gesetzen auf dem. Boden des gemeinsamen Rechtch nicht zu Ausnahme- Vollmachten gegen die Socialdemokratie zugesagt.
Wenn nun jetzt in dem „Regierungs-Programm" nicht blos von Neuem außerordentliche Vollmachten, im ausdrücklichen Gegensätze zu Veränderungen des gemeinsamen Rechts, und zwar noch umfassendere derartige Vollmachten in Aussicht genommen werden, so ist eS schwer, eine Bezeichnung für die Behauptung zu finden, daß damit nur geschehe, was bie Natioilalliberalen schon vor der Auflösung gewollt haben.
Gerade im Hinblick auf jene parlamentarischen Thctt- ^chen und die entsprechende Haltung der nationalliberalen Presse hat die „Provinzial-Correspondenz" schon in ihrer vorletzten Nummer die Frage beantwortet: „wozu die Auflösung des Reichstages" nöthig war und wen die moralische Verantwortung trifft.
Die Mitglieder der nationalliberalen Partei und die Wähler werden sich klar machen müssen, daß ein Festhalten an der bisherigen Fraktionspolitik mit einer ehrlichen Zustimmung zu den Absichten der Regierung sowohl gegenüber der Sozialdemokratie, wie in Bezug auf die wirthschaftliche Reform nicht vereinbar ist.
In einer dahin zielenden Versammlung sprach sich der bekannte bisherige Abgeordnete v. Treitschke also aus:
„Wir schöpfen die Berechtigung zu unserem Vorgehen an« der Ueberzeugung, daß ein großer Theil unseres Wahlkreises nicht gesonnen ist, die Alleinherrschaft der Fortschrittspartei zu ertragen, und daraus, daß das nationalliberale Wahlkomits ein Bündniß mit der Fortschrittspartei ge- schlosseii hat. Praktisch ist das Ergebniß genau dasselbe, ob ein Sozialist oder ein Fortschrittsmann gewählt wird; Beide werden das von der Regierung eingebrachle Ansnahme- gesch verwerfen.
Lassen wir unser Auge nicht von der Hauptfrage ablenken. Wer behauptet, daß ein Fortschrittsmann unser Verbündeter gegen die Socialdemokratte ist, der belügt sich und Andere. In dem Programm der Fortschrittspartei steht mit dürren Worten: „Die deutsche Fortschrittspartei erwartet einen bleibenden Sieg der Staatserhaltenden Kräfte nur auf dem Boden des gemeinen Rechtes." Giebt eS geglaubt haben würde — ließ mich die nöthige Vorsicht bei Seite setzen. Ich habe jetzt mein Verlangm befriedigt, meine gute Ale ist gettöstet und nun muß ich fort, — eh« die Sonne im Mittag steht, muß ich über der Grenze fein. Wenn sie mich erwischen, dann ist mein Leben verwirkt, mein Todesurtheil war schon fertig. Ich würde schon jetzt wieder fort sein, wenn ich nicht erst meiner Mutter eine Last Holz holen wollte."
. . »Es ist nur ein Versehen, daß die Base das Holz noch nicht hat," unterbrach ihn Anton. „Der Herr Oberförster hat ihr schon vor drei Tagen einen Wagen voll angewiesen, wir haben aber wegen der angesagten Visitation vergessen es anfahren z» lasten, — heute Mittag geschieht es aber."
»Du hast ja gesehen," fuhr Stelkmann fort, „daß mein plötzliches so unverhofftes Wiedersehen besser gewirkt hat, als alle Arznei. Meine Mutter fühlt sich so wohl, daß sie großes Verlangm hat, ein wenig aufzustehm. Bei dem kühlen Wetter aber ist es nöthig, ein wenig Feuer anzumachen und nur deshalb will ich noch schnell, ehe ich fort- gche, ein wenig Holz holen." ;
„Unterhalb des Entenbühls," sagte Antou. „Du wirst den Weg noch nicht vergessen haben, da, wo der Wald bis an den Fluß hinab reicht, sitzt das Holz, das für die Baas angewiesen ist. Der Haufen fitzt allein auf der rechten Seite Nr. 85, Du kannst nicht fehlen."
„Ich werde es schon finden," entgegnete Ferdinand.
»Hrer scheidet der Weg," sagte Anton. ..Ich muß da hinüber. Behüte Dich Gott, lieber Junge. Lasse Dich nicht wieder erwischen und gebe bald Nachricht von Dir, sonst wird die Alto wieder krank. Die vorige Woche habe ich den Franz zufällig in Steinau getroffen, dem hatte der Stutzenpeter den Tag vorher gesagt der Wind wehe gut, es werde bald gut Wetter gehen. WaS meinst Du?"
»Ich werde aber meine Angst nicht los," erwiderte llotilde. „Wenn Du nur morgen eine Strecke weit mit- v* chen wolltest, wenigstens bis Steinau, wo wir auf die ___ ^dsiraße kommen. :.v'.L.. .
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URecht so mein Kind," versetzte der Großvater, ^ich : Dich eben'darum bitten." h -> ■ •-
Kollmann ging zu dem alten Herrn und rapporttrte hm. Nach etwa fünf Minuten ging er wieder feiner Ar- *it nach; die von dem alten Herrn in Aussicht gestellte Streife unterblieb doch.
»Der Bursche ist wirklich übtr alle Berge," sagte der Großvater bei dem Abendeffen zu seiner darnach fragenden Elin, „ich habe sichere Nachricht darüber und Du kannst ^halb ganz ruhig sein und ohne alle Sorgen schlafen, chd Du, Theodor," sagte er lächelnd zu diesem, „Du M diefesmal auf das Vergnügen verzichten müffen, einen “<ufter von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Ein ""dermal bist Du vielleicht glücklicher."
einer maßvollen Steuer-Reform einhalten", — daß „die gemachten Vorschläge solche sind, welche die ernsteste Erwägung verdienen und auf objektiver Grundlage zu prüfen sein werden", — wenn weiter versichert wird, daß „über einen «solchen Plan ein heftiger Kampf nicht ausbrechen werde", da man „solchen Fragen gegenüber in keinem Falle den rein sachlichen Standpunkt verlassen werde", — so klingen solche Versicherungen doch in hohem Grade befremdlich nach Allem, was in Bezug auf ganz denselben Finanz- plan der Regierung seit dem Februar d. Js. in national- liberalen Reden und Blättern gesagt worden ist.
Mit der größten Unbefangenheit wird jetzt versichert: „das Wirthschasts - Programm der Regierung schließe sich genau an dasjenige an, was früher schon in großen Grund- jügen gerade von liberaler Seite anerkannt und selbstständig vertreten worden sei." Allerdings hat eö eine Zeit gegeben, wo Fürst Bismarck auf Grund gewisser Ankündigungen ans der nationalliberalen Partei glauben durfte, für fein wirthschaftlichcs Programm bereitwillige Unterstützung von Seiten derselben zu finden: als es aber zur „praktischen Ausführung" kommen sollte und zwar in der Richtung des jetzt wieder verkündeten Programms, da wurde von jener Seite zuerst der Finanzminister Camphausen zu Falle gebracht, angeblich weil er die Pläne des Reichskanzlers nicht entschieden genug unterstützte, hinterher aber wurden durch Fraktionsbeschluß der Nationalliberalen diese Pläne des Reichskanzlers selbst vor jeder näheren Berathung vereitelt. . An die Stelle des „rein sachlichen Standpunktes" waren „bte konstitutionellen Bedenken" vom politischen Parteistand-
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Nach diesen noch ziemlich nahe liegenden Vorgängen muß es in der That überraschen, das „alte Regierungs-Programm" jetzt von liberaler Seite von Neuem „anerkannt" zu sehen, — allerdings mit dem Vorbehalt: „Alles wird auf die praktische Ausführung ankommen;" — was dieser Vorbehalt neben der „grundsätzlichen Anerkennung" zu bedeuten hat, das hat das rein ablehnende Verhalten der Partei in der letzten Session gezeigt.
Wo möglich noch erstaunlicher ist die Versicherung, daß l^ie Negierung, indem sie zur Abwehr der socialdemokratischen Ausschreitungen noch „umfassendere Vorlagen" einzubringen vorhabe, damit nach der Auflösung thatsächlich das Nämliche thun wolle, waö Herr von Bennigsen und die nationalliberale Partei schon vor der Auflösung ange- rathen hätte.
Diese Behauptung steht in schroffem Widerspruch mit 1 den klar vorliegenden Thatsachen.
Weder Herr von Bennigsen noch irgend ein Nattonal- ! liberaler hat „umfassendere" Vorlagen verlangt, am wenigsten umfassendere Vorlagen in der im RegierungS - Programm gefahren, er kommt morgen Vormittag auf dem Rückwege 1 durch Steinbach und bleibt in Wörlitz über Mittag. Dem habe ich einen Boten geschickt und ihn gebeten, Euch mitzunehmen, was er mit der größten Bereitwilligkett zugesagt hat. In Wörlitz besucht Ihr den Pfarrer Gutbrod und Nachmittags fahrt Ihr mit dem Forstrath nach Rothenbühl. Richte also Alles hiernach ein und halte Dich bereit, — um neun Uhr spätestens müßt Ihr fort. Kollmann begleitet Dich, er bringt Dich sicher über die Fulda, und bleibt hei Dir, bis der Forstrath Dich in Schutz genommen hat."
Ferdinand Stellmann, so* heißt der junge Mmm, bett der freundliche Leser in Gedanken auf der Flucht begleitete 7" ging am folgenden Morgen in Begleitung eines kräf- tigen Mannes in mittleren Jahren aus der Hütte, die wir als die Wohnung der alten Marianne kennen und führte mit demselben ein eifriges Gespräch.
Sie gingen raschen Schrittes in den Wald/TT«T T i . »Es ist mir leid," sagte der Mann, „daß Ich nicht bleiben kann. Gerade heute muß der Forstrath kommen und uns visittren, da müssen alle Forstwärte am Platze fein und ich wollte eS Keinem rathen, auszubleiben, er würbe ohne Weiteres den Dienst verlieren. Um zehn Uhr ist aber die Geschichte vorbei und wir können wieder nach Hause gehen. Wenn Du da noch nicht fort bist, so könnte ich Dich noch weiter sprechen, was mir sehr lieb wäre. 3sh habe Dir noch Manches zu erzählen und dagegen wieder gar Vieles zu fragen.*
„Unmöglich, Anton!" erwieberte Stellmann. „Wie ich Dir gesagt habe, ist es mir ganz unmöglich, länger zu bleiben. Ich sollte eigentlich gestern schon über die Grenze gehen und nur die unwiderstehliche Sehnsucht, meine Mutter erst zu sehen, und ihr selbst die Nachricht zu bringen, daß ich auf freiem Fuße bin — waö sie vielleicht sonst nicht
Frankfurt a. M.; Jäger'sche
Buchhandlung daselbst;
Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in i-“ «• z III z -’—-»*■= Elberfeld- C. Schlotte in
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