dtp. LS» rt»ri»8 3ltat6urg, Mittwoch, 3. IM 1878
xni. Jahrgang.
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Kirche. — Ew. Heiligkeit heben mit Recht hervor, daß
j Meine katholischen Unterthanen gleich dm anderen der 5 Obrigkeit und ihren Gesetzen die Folgsamkeit beweisen, welche
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Nachdruck verboten.
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den Lehren des gemeinsamen christlichen Glaubens entspricht. Ich darf in Anknüpfung an den Rückblick, dm Ew. Heiligkeit auf die Vergangenheit werfen, hinzufügm, daß Jahrhunderte hindurch der christliche Sinn des deutschen Volkes
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dm Frieden im Lande und den Gehorsam gegen dessen Obrigkeit treu bewahrt hat und für die Sicherstellung dieser werthvollm Güter auch für die Zukunft Bürgschaft leistet.
Gerne entnehme Ich dm freundlichen Worten Ew. Hei- ligkeit die Hoffnung, daß Sie geneigt sein werden, mit dem mächtigm Änflnß, welchm die Verfassung Ihrer Kirche Ew. Heiligkeit auf alle Dimer derselben gewährt, dahin zu wirken, daß auch diejenigen unter den letzteren, welche es bisher unterließen, nunmehr dem Beispiele der ihrer- geistlichen Pflege befohlenen Bevölkerung folgend oett Gesetzen des Landes, in dem sie wohnen, sich fügen werden. — Ich bitte Ew. Heiligkeit, die Versicherung Meiner größten Hochachtung gmehmigen zu wollen.
Guilielmus Imperator et Rex. 01
(gcgengrz.) v. Bismarck. .$<«
SÜt Se. Heiligkeit dm Papst Leo XIII.
Nachdem der Papst in einer Erwiderung vom 17. April der Hoffnung auf Erneuerung des früher bestandenm guten Einvernehmens wiederholt Ausdruck gegeben und als Mittel iur Erreichung desselben die Abänderung verschiedener in Prmßm bestehender gesetzlicher und verfasiungSmäßiger Bestimmungen bezeichnet hatte, hat Se. Kaiser!, und König!.
Hoheit der Kronprinz nachstehendes Schreibe« cm Se. Heiligkeit gerichtet:
Berlin, 10. Juni 1878.
Ew. Heiligkeit für die auf Anlaß des Attentates vom 2. d. Mts. bewiesene Theilnahme selbst zu danken, ist der Kaiser Mein Herr Vater leider noch nicht im Stande. Gern lasse Ich es daher eine Meiner ersten Obliegenheiten sein, an Seinerstatt Ihnen für den Ausdruck Ihrer freund- Uchm Gesinnung aufrichtig zu danken. Der Kaiser hatte mit Beanttvortung des Schreibens Ew. Heiligkeit vom 17. April gezögert in der Hoffnung, daß vertrauliche Erläuterungen inzwischen die Möglichkeit gewähren würden, auf den schriftlichen Ausdruck principieller Gegensätze zu verzichten, welcher sich bei Fortsetzung des Schriftwechsels im Sinne des Schreibens Ew. Heiligkeit vom 17. April nicht vermeiden läßt. Nach Inhalt des letzteren muß Ich leider annehmen, daß Ew. Heiligkeit die in dem Schreiben Meines Herrn Vaters vom 24. März ausgedrückte Hoffnung nicht glauben erfüllen zu können, daß Ew. Heiligkeit den Dienem Ihrer Kirche den Gehorsam gegen die Gesetze und gegen die Obrigkeit ihres Landes empfehlen würden.
Dem dagegen in Ihrem Schreiben vom 17. April ausgesprochenen Verlangen, die Verfassung und die Gesetze Preußens nach den Atzungen der römisch-katholischen Kirche abzuändern, wird kein preußischer Monarch entsprechen können, weil die Unabhängigkeit der Monarchie, deren Wahrung Mir gegenwärtig als ein Erbe Meiner Väter und als eine Pflicht gegen Mein Land obliegt, eine Minderung erleiden würde, wenn die freie Bewegung ihrer Gesetzgebung einer außerhalb derselben stehendm Macht untergeordnet werden sollte.. Wenn es daher nicht in Meiner und vielleicht auch nicht in Ew. Heiligkett Macht steht, jetzt einen Principien- treit zu schlichten, der seit einem Jahrtausend in der Ge- chichte Deutschlands sich mehr, als in der anderer Länder uhlbar gemacht hat, so bin Ich doch gern bereit, die Schwierigkeiten, welche sich aus diesem von den Vorfahren überkommenden Conflttte für beide Thelle ergeben, in dem Geiste der Liebe zum Frieden und der Versöhnlichkeit zu behandeln, welcher das Ergebniß Meiner christlichen Ueberzeugung ist.
Unter der Voraussetzung, Mich mit Ew. Heiligkeit in solcher Geneigtheit zu begegnen, werde Ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß da, wo eine grundsätzliche Verständigung nicht erreichbar ist, doch die versöhnliche Gesinnung beider Theile auch für Preußen den Weg zum Frieden eröffnen werde, der anderen Staaten niemals verschlossen war. Genehmigen Ew. Helligkeit den Ausdruck Meiner versöhnlichen Ergebenheit und Verehrung.
Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
- (gegengez.) v. Bismarck.
An Se. Helligkeit den Papst Leo XIII. . ...
3« ForsthLus. *)
Novelle von Heinrich HenSler.
seinen Kopf seitwärts wider die Eisenstäbe drückte und mtt der vorgehaltenen Hand sein Ohr vor dem pfeifenden und brausmden Sturme schützte. Er hörte aber nichts als das laute Heulen des Windes und das Klappern der losen Ziegel auf dem Dache über seiner engen Zelle. Der Frost durchschüttette mächtig dm so begierig Lauschendm zu wiederholten Malen, er wich aber keinm Augenblick von dem Platze, dm er eingenommen hatte und veränderte ebm so wmig seine Stellung — er schien leblos zu sein, aber sein Hetz pochte von Minute zu Minute stärker.
Ueber eine Stunde war auf diese Weise verflossen, da hörte der Gesangme den heiseren, kaum vernehmbarm Schrei eines Käuzchens, wie cs ihm vorkam, unten am Fuße des ThurmeS, dm er unfreiwillig bewohnte. Mächtig zuckte dies« Ton durch alle seine Glieder, — er drückte dm Kopf noch fester au die Eisenstäb« des Fensters und lauschte mtt zurückgehattmem Athem, ztttemd vor Aufregung und Erwartung^. "
Dem ersten Schrei folgte bald ein zweit« — mdlich der dritte! Nun kam plötzlich Leben in dm Lauscher; — « hatte einen langen, starken Seidmfaden in der Hand, an dessen Ende, um ihm die «forderliche Schw«e zu gebm, damtt d« heftige Wind ihn nicht hin- und herjage, « ein Stückchen Kalk, das « von d« Wand abgeschlagen, gebunden hatte. Er ließ diesen Faden vorsichtig znm Fenst« hinab — weit« — und immer wett« — bis « endlich glaubte, tief genug hinab gekommen zu sein, — dann ab« hielt er ein; — nach einer Pause von einigen Minuten ließ er dm Faden noch weit« hinab — und so noch einmal, bis « fühlte, daß « angezogen wurde!
Wäre es hell gewesen und hätte Jemand den Gesan- gmen beobachtet, so würde er gesehen haben, wie ein freudiger Blitz das bleiche Gesicht desselben wiederholt durchzuckte und Leben in dessen fast erloschenes Auge kam. Er
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte«, sowie b. Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhanblung daselbst; Hermann'sch« Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Telegraphische Nachrichten aus Berlin vom 1. Juli.
— Man bezweifelt hi«, daß die Nachricht von dem morgen bevorstehenden Einmarsch der Oesterreich« in Bosnien und die Herzegowina, was den Zeitpunkt betrifft, richtig sei. Der heutigen Sitzung gehen wied« Ausschußarbeiten Vorau«. Die Unabhängigkeit Serbiens ist anerkannt unter d« Bedingung der Freiheit aller Culten. Die gleiche Bedingung wird für Rumäniens Unabhängigkeitserklärung gestellt w«den. Die Grenzregulirungsarbetten bezüglich Serbiens bauern noch fort, ebenso die Vorbesprechungen über die montenegrinische Angelegenheit; es scheint noch nicht gewiß, ob letztere heute zu Ende kommen. — In Verfolg der seitens aller Congreßmttglied« auf die Weigerung der Türken, der Occupation Bosnims und der Herzegowina durch Oesterreich zuzustimmen, abgegebenen Erklärungen sind die türkischen Vertreter veranlaßt worden angesichts der übneinstimmenden Anschauungen all« enro- päischen Mächte neue Instructionen in Konstantinopel zu erbitten; solche liegen bis jetzt noch nicht vor. Die Mit- theilung, daß Mchemed Ali Pascha seine Abreise in Aussicht gestellt habe, wird als nicht richtig bezeichnet.
— Die heutige (10.) Congreßsitzung, an welch« alle Delegirtm theilnahmm, begann um 2 Uhr und schloß aeaen ö’/i Uhr.
— Die Gemahlin Lord Salisbury's, welche mit ihren Töchtem Ladies Cecil in Paris verweilte, wird hi« am Mittwoch eintreffen und im Hotel Kaiserhof absteigen.
— Der von Petersburg hier eingetroffme Prinz Alexander von Hessen stattete dm Mitgliedem der königlichen Familie, dem Fürftm Bismarck und mehreren Congreßdelegirten Besuche ab und empfing deren Gegenbesuche. Der Kronprinz machte dem Prinzm Alexander im Hotel Royal einen längeren Besuch. Dem Vernehmen nach hat d« Geh. Oberregierungsrath v. H«tzberg (Stellvertreter des Polizeipräsidenten) feine Pmsionirung beantragt; das Gesuch ist durch Gesundheitsrücksichten moticirt
— Bei dem türkischen Boffchafter findet heute ein Diner statt, an dem mehrere Mitglied« des Congreffes theilnehmm.
Während von einer sonst gewöhnlich gut unterrichteten Seite der preußische Gesandte in München, Frhr. v. Werthem, als Nachfolger des Prinzen Renß in Konstan- ttnopel bezeichnet wird, hören wir von anderer Sette dm Herrn von Radowitz als künftigen Botschaft« nennen.
Wir wir hörm wird von Setten der rnsstschen Regierung beabstchttgt, sofort nach der gänzlichen Regelung der orientalischen Frage und nach Beseitigung jeder neuen Kriegsgefahr, die Goldzoll-V«ordnung wieder aufzuheben, harrte mit Ungeduld, bis ein stärkeres Ziehen an dem Faden ihn bmachrichtete, daß man unten fertig sei.
Nun zog er den Faden wieder heraus — vorsichtig und immer vorsichtiger, denn er spürte bald, daß etwas Schweres daran gebunden war und er wußte, daß Leben und Frei- hett für ihn von dem ©dingen dieses Unternehmens abhing.
^etzt kam das Ende des Fadms und er übetzeugte sich, daß er ein dünnes Seil heraufgezogcn habe. Er faßte dieses an und zog eö ebenfalls herauf — es ging aber immer Ichwerer — eine Strickleiter und ein Päckchen waren daran befeitigt. Die erstere band er an eine Eisenstange vor dem Feilster, das Päckchen aber nahm er hinein in das Stübchen und öffnete es hastig; — zwei starke Feilen warm in demselben und ehe eine Minute verging, begann er schon einen der Eisenstücke vor dem Fmsterchm zu durchfeilen.
Das Toben und Brausen des Sturmes, und das Getose, das derselbe hervorbrachte, welches ihm bisher so unangenehm gcwesm, war ihm nun ebenso wiükommm
Sowie es -in wenig nachließ, sah « ängstlich hinaus J” Nacht, denn jetzt fürchtete er das Eintreten
bet Windstille, die ihn gezwungen haben würde, seine Ar- beit einzustellen; — man hätte die Feilstriche gewiß weichin ui der Nachbarschaft gehört, wenigstens wären sie einer d« vielen Schildwachen, die an mehreren Stellen sich unten befanden ober einem der Gefangenwärter, die selbst während d« Nacht regelmäßig die Runde gingen, nicht entgangen, in welchem Falle selbstverständlich Alles verloren war. So aber konnte er ungestört mit aller Kraft arbeiten. Er warf, um dieses thun zu können, seinen Rock ab und schon nach einer halben Stunde war die eine Stange oben durchs seilt und nach einer wetteren halben Stunde auch unten Dl- dadurch entstandene Oeffnung war aber — was er schon voraus gewußt, vid zu enge, als daß d« selbst so schlanke Gefangene hätte durchjchlüpfen können und es ging
Erscheint täglich außer an den Werktage» nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae 77*
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Anzeigen nimmt rmgegen: die ®xyeMtiei ».Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Aaffei und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfutt a. SL, Berlin, Leipzig, Mn rc.; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. ic
flttj Auf einen unfreundlichen naßkalten Frühlingstag war . tme noch unfreundlichere Nacht gefolgt Tttmkle Wolken . . logen an dem Firmammte herauf und würben von einem fort unb fort an Heftigkeit zunehmmbm Winbe imm« ■ dicht« zusammmgetriebm. Wenn hier und ba d« Winb ck« wenig nachließ, fielen einzelne Regmttopfm herab unb fefeen vnmukhm, baß bei eintretenber Windstille tüchtige ^Aegmschou« sich einstellen würben. '
Es war Mitternacht, — nur seltm sah man eine ob« die anbere Person, bie sich verspätet hatte, die Sttaßm d« Stadt, gehüllt in dichte Mäntel, durcheilen; — noch eine 9dbe Stunde verging — und sie waren alle verschwunden. Die trübe brennenden Laternen verlöschten nach und nach Ee, unb selbst die Nachtwächter unb bie in bamalig« Zett ^dbeschästtzte» GmSbarmm versäumten ihre Wicht unb Zerließen mir selten und bann imm« nur auf wenige Minuten ihre Wachtstube.
Ganz oben, unter dem Dache des Thurmes, welch« r ®üf der norböftlichen Sette das Castell beherrscht, lehnte 2— Eßl Gefangen« an einer klemm mit Eisenstäben wohl ver- 272 bmhrtm Fensteröffnung. Das kleine Fenst« war geöffnet obgleich d« scharfe Wind mit groß« Heftigkeit durch Oesiuuug trieb und der Gefangene nur leicht bekleidet 4•'< v«lieh « doch feinen Augenblick die Stelle, welche 031 ^emgenommm hatte. Die dichte Finsterniß gestattete ihm Acht Etwa« zu mtterscheidm, wenn « auch seine schars- rWben Augm üb« die zu seinen Füßm liegenbe Stadt hinschweifen lassen. Das that er aber nicht, — « ^fchte vielmehr begierig zum Fenst« hinaus, indem er
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D« „Retchsanz." meldet: Die Benachrichtigung von seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl, in wdcher Se. Helligkeit der Papst Lco XIII. zugleich sein Bebauern darüber ausspricht, nicht bie guten Beziehungen vorzufinbm, welche einst zwischen Prmßm unb bent päpstlichen Stuhle bestauben hättm, ist von Sr. Majestät beut Kaiser burch folgendes Schreiben beantwortet woichen:^--— -... ----- —* i Berlin, dm 24. März 1878. Guilielmus Dei Gratia Imperator et Kex Leoni XI1L Summo Ecclesiae Bomano- Catholicae Pontifici Salutem. Ich habe das Schreiben vom 20. v. MlS., durch welches Ew. Helligkeit Mich von Ihrer Erhebung auf den päpstlichen Stuhl in Kenntniß zu setzm die Güte haben, durch Vermittlung der verbündeten Regierung Sr. Majestät des Königs von Baiern mit Dank «hatten. — Ich beglückwünsche ©ie aufrichtig dazu, daß die Sttmmen des heiligen Collegiums sich auf Ihre Person vereinigt habm, und wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete Regierung der Ihrer Obhut anoertrauten